Advent der besten DACH-ESC-Beiträge (10): Herzensangelegenheiten

Wir haben Euch im letzten Monat nach Euren liebsten ESC- und Vorentscheidungs-Beiträgen aus Österreich, der Schweiz und Deutschland gefragt – einen lieben Dank an dieser Stelle an alle, die dabei so fleißig mitgemacht und so insgesamt 154 unterschiedliche Beiträge in die Auswahl gebracht haben. Diese haben wir ausgewertet und präsentieren Euch nun Eure liebsten 24 Beiträge der sogenannten DACH-Länder – jeden Tag einen neuen. Bis Heiligabend!

 

Platz 15: Rosenstolz „Herzensschöner“ (Deutschland 1998 (Vorentscheidung))

Erinnert Ihr Euch noch daran? An die Zeit, als man vorher noch nicht wusste, wie die Lieder klingen, die beim Eurovision Song Contest oder in der Vorentscheidung gegeneinander antreten?

Anfang 1998 war für mich eine tolle Zeit. Ich war jung, hatte Haare aufm und noch Flusen im Kopf. Mein Studium in Bremen machte Spaß, ich hatte tolle Freunde und ich war so richtig dolle verliebt. Dann wurde auch noch bekannt, dass Rosenstolz, die mich schon lange musikalisch und vor allem durch ihre Texte durch einige Höhen und Tiefen des Lebens begleiteten,  sich tatsächlich dem deutschen Vorentscheid stellten. Ich hatte immer gehofft, dass sie für uns mal beim Eurovision Song Contest antreten würden. Zu allem Überfluss fand der Vorentscheid auch noch in Bremen statt und wurde von „meiner“ Nena mitmoderiert! Unglaublich!!!

Acht Tage vor dem Contest bekam ich von meinen Freunden und meiner beginnenden Liebe – nennen wir ihn an dieser Stelle einfachheitshalber mal Andreas – zum Geburtstag tatsächlich auch eine Karte für den Vorentscheid geschenkt. Was hab ich mich gefreut! Aber es wäre keine „Manu-Geschichte“, wenn es bei dieser Freude geblieben wäre. Bevor wir uns alle vor der Bremer Stadthalle trafen, sagte mir Andreas, dass er mit mir doch nicht zusammen sein könne, da ich wohl mehr empfinden würde als er. Mein Herz lag am Boden.

In der Stadthalle angekommen gerieten wir in eine Menschenmenge von Guildo-Horn-Anhängern, lustige Verkleidungen überall. Ich versuchte meine Gefühle für den Abend irgendwie erstmal beiseite zu schieben. Nena gab bei ihrer Moderation alles, kreischte und lachte, besonders wenn die Kamera nicht auf sie gerichtet war, belustigte sie das Publikum ungewollt. Wir konnten gar nicht anders als zu lachen.

Nachdem wir uns durch die erste Hälfte der Lieder gequält hatten, wurde es laut in der Halle: Guildo Horn stand auf der Bühne und stellte sich dem Jubel, aber auch dem lauten Unmut vieler. Die Stimmung im Publikum war aufgeheizt. Einzelne Fans stürmten nach dem Auftritt von Guildo die Bühne, der Vorentscheid drohte im Chaos zu versinken. Axel Bulthaupt und Nena hatten einige Mühe, wieder Ruhe in den Wettbewerb zu bringen. Wie eine glückliche Fügung sollte als nächstes die Ballade „Herzensschöner“ von Rosenstolz kommen und die Emotionen konnten sich abkühlen. Ich wurde ein bisschen aufgeregt, sah Andreas neben mir nochmal an und schon ging es los.

„Mach’s gut mein Herzensschöner, nun lasse ich dich ziehen. Vergiss was ich gewollt hab, auch Scherben können blüh’n. Mach’s gut, mein kühles Feuer und lass mich weiter frier’n. Wer weiß im nächsten Leben werd‘ ich dich nicht verlier’n.“

Ich saß regungslos und wie vom Blitz getroffen da, auch Andreas musste schlucken. Rosenstolz hatten es erneut geschafft, direkt aus meinem Leben zu singen und zum Glück feierte das Publikum sie in der Halle ausgiebig dafür. Es dauerte wohl einen Moment, bis ich wieder atmen konnte, und wir alle waren mehr als froh, als zwei Startnummern später Fokker auf der Bühne stand, mit seinem „Gel-Song“ die Halle zum Lachen brachte und die angespannte Stimmung auch bei uns lockerte.

Natürlich gab es am Ende keine Überraschung: Guildo Horn gewann mit 61,8 % der Zuschauerstimmen souverän vor Rosenstolz (10,6 %) das Ticket nach Birmingham. Mit der Verkündung des Ergebnisses brachen in der Stadthalle alle Dämme. Guildo-Fans stürmten die Bühne, andere pfiffen und buhten. Die Show geriet völlig außer Kontrolle. Nena lachte am Anfang noch, irgendwann war nur noch ein entferntes „Guck mal, die haben mich einfach umgerannt, diese Schwachköpfe… Ich geh da nicht mehr hin!“ zu hören. Axel gab sich größte Mühe, die Show zum Abschluss zu bringen. Guildo sang umringt von Fans und Publikum noch einmal sein Lied.

Ein Moment für die Geschichtsbücher des deutschen Vorentscheids.

Guildos Auftritt und das Chaos am Ende der Sendung – und irgendwo hopst am Ende auch der junge manu mit!

Guildo beherrschte im Anschluss die Medien, aber auch Rosenstolz erreichten mit ihrer Teilnahme am Vorentscheid endlich ein größeres Publikum. „Herzensschöner“ wurde die erste Single von Rosenstolz, die die Charts erreichte, ihr damals veröffentlichtes Best-of-Album „Alles Gute – das Beste von 92 bis 98“ schaffte es sogar bis auf Platz 10 der Verkaufscharts. Diesen Erfolg toppten die beiden mit jedem weiteren Album: Das 2000 veröffentlichte Album „Kassengift“ schaffte es bis auf Platz 1 der Charts. „Macht Liebe“ wurde 2002 mit Gold ausgezeichnet, zwei Jahre später erschien das Album „Herz“ (mit der Single „Liebe ist alles“), das sich über ein Jahr in den Albumcharts halten konnte und mit 3-fach Platin ausgezeichnet wurde. „Das große Leben“ von 2006 konnte sich weit über eine Million Mal verkaufen, Rosenstolz füllten mittlerweile Stadien. 2008, nach 16 Jahren Bandgeschichte, schafften es Rosenstolz zudem mit „Gib mir Sonne“ auch endlich auf Platz 1 der Singlecharts.

Im Jahr 2009 erlitt Peter Plate ein Burnout und die angesetzte Tour musste abgesagt werden. Ende 2012 gaben Rosenstolz schließlich eine kreative Pause bekannt. Neue Musik als Rosenstolz ist danach nicht mehr entstanden und ist auch nicht mehr geplant. Vor zwei Jahren kamen AnNa R. und Peter Plate für eine Sendung Radio Rosenstolz noch einmal zusammen- sie interviewten sich gegenseitig und hörten gemeinsam in einige ihrer Lieder.

AnNa R. nahm ein paar Jahre mit ihrer neuen Band Gleis 8 Musik auf und gab auch einige Konzerte. Diese Band scheint momentan aber nicht mehr aktiv zu sein. Peter Plate wiederum schreibt bis heute unzählige Hits für andere Künstler, wie zum Beispiel auch „Vincent“ von Sarah Connor, das Deutschland in diesem Jahr beim OGAE Song Contest vertreten hat.

Eine der ganz großen und nachhaltigsten deutschen Karrieren – den notwendigen Schritt in die breite Öffentlichkeit gab es aber durch einen zweiten Platz bei der deutschen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest in Birmingham.

 

Die bisherigen Adventstürchen findet Ihr hier:
Platz 24: Timebelle „Apollo“ + Cesár Sampson „Nobody But You“
Platz 23: Ben Dolic „Violent Thing“
Platz 22: Mary Roos „Nur die Liebe lässt uns leben“
Platz 21: Max Mutzke „Can’t Wait Until Tonight“
Platz 20: Katja Ebstein „Diese Welt“
Platz 19: Roman Lob „Standing Still“
Platz 18: DAWA „Feel Alive“
Platz 17: Peter, Sue & Marc „Io senza te“
Platz 16: Lena „Taken by a stranger“


46 Kommentare

  1. Ach Gott, was für eine Geschichte! Sie sind ja alle toll, aber diesmal mußte ich schlucken. Vielen Dank, Manu, dass Du uns von Deinen persönlichen Erlebnissen berichtest.

    „Herzensschöner“ war und ist einer meiner liebsten deutschen VE-Songs.☺️
    Mir war aber von Anfang an klar, dass nur einer an diesem Abend gewinnen kann, und das war Guildo Horn. Das hat der Show wieder die Spannung genommen, finde ich. Also, „Guildo hat Euch lieb“ fand ich witzig und Guildo Horn ist ein sehr sympathischer Zeitgenosse. Und vielleicht war so ein Song aus Deutschland einfach mal notwendig, denn der ESC galt hierzulande irgendwie vorher als „oberspießig.“ Aber „Herzensschöner“ höre ich immer noch sehr, sehr gerne..😍

    P.S. Über den Fokker habe ich mich auch scheckig gelacht. Den „Gel-Song“ – cool. Also, mir hat’s gefallen.

    • Ich war damals in Bremen bei der Deutschen Vorauswahl. Unvergesslich. Obwohl alle Beteiligten gegen Guildo keine Chance hatten.

      Im Nachherein war er die bessere Wahl. Ganz Europa lernte ein völlig neues (lustiges) Deutschland kennen und honorierte Guildos sensationellen ESC-Auftritt mit vielen Punkten. Bis heute wird sein Auftritt immer wieder gern in europäischen TV-Programmen gezeigt.

      Bei der Deutschen Auswahl als Guildo sein Siegerlied zum Schluss nochmal singt, stehe ich inmitten der Kameras und Presse, wo ich förmlich gefangen war. In diesen TV-Ausschnitten bin ich häufig zu sehen.

  2. „Wer hat mein ESC so zerstört, Ma“, so fassungslos hab ich angeblich geschaut, als Guildo gewonnen hat.
    Bestes Lied an dem Abend für mich war Herzensschöner, auch wenn uns der Einspieler etwas irritierte: „Hallo, wir sind Rosenstolz und wir grüßen alle Schlampen“.

    • Hehe… Na ja, Rosenstolz haben sich zuvor schon gern als Schlampen bezeichnet und nutzten die Bezeichnung auch gern in ihren Liedern („Schlampenfieber“, „Die Schlampen sind müde“, etc…) und den Begriff für sie im Vorstellungsvideo vor dem Auftritt auch ganz süß erklärt.

      Aber klar, das war zumindest das mal auch recht provokant

    • Seien wir mal ehrlich: Rosenstolz haben genauso provoziert wie Guildo Horn auch. Nur jeder auf seine Weise 😉

      Das ist legitim.

  3. Als der VE 1998 über die Bildschirme flimmerte, stand ich zweieinhalb Wochen vor meinem 6. Geburtstag. Deswegen hab ich natürlich keinerlei Erinnerungen daran. Aber dafür gibt’s ja den Adventskalender, dass ich diese Schmankerl der deutschen ESC Geschichte auch ein bisschen miterleben kann 🙂

  4. Danke für diese wunderschöne Adventskalender-Geschichte! Sehr berührend und ruft auch bei mir viele Erinnerungen an die damalige Zeit zurück.

  5. Lieber @Manu,
    ausnahmsweise kommentiere ich zu diesem emotionalen Beitrag in deiner Reihe mal wieder. „Herzensschöner“ habe ich lange nicht mehr gehört. 😢 Mit Rosenstolz und ihrer Musik verbindet mich eine besonders stürmische Zeit in meinem Leben. Der Text von „Herzensschöner“ treibt mir immer aufs Neue Tränen in die Augen, denn viel besser kann man Trennungsschmerz kaum in Worte fassen. Beim Konzert von Rosenstolz in der Columbiahalle in Berlin 1998 lagen sich bei dem Lied die Fans in den Armen und sangen alle leise mit. Das war einer der emotionalsten Momente bei so vielen Konzerten, die ich besucht habe und erinnere mich gern zurück. Danke, @Manu

  6. Sehr nette Geschichte, Manu, thanks for sharing! Es ist schön, mal wieder einen Beitrag in der alten Prinz Blog Qualität zu lesen – und dann noch so einen persönlichen.

  7. Manu, normalerweise schreiben Sie doch in Klammern immer das Jahr und falls nötig auch Vorentscheidung dazu. Machen Sie das jetzt nicht mehr oder warum steht es nicht da.

  8. Eine schöne Geschichte. Den ESC hab ich leider nicht miterlebt, da ich erst 2 Monate alt war. Ich glaube „Guildo hat euch lieb“ war mein aller, aller, allereste ESC – Song den ich hörte.

  9. Danke an alle für die lieben Worte.
    Ich war mir etwas unsicher, ob ich so persönlich werden kann, aber hier drängte es sich für mich einfach auf. 😉

  10. Manu ich komme erst jetzt zum Schreiben. Hatte Frühschicht und in der Pause heute Morgen habe ich deine Wunderschöne Adventskalendergeschichte gelesen. Ich musste nicht nur schlucken sondern auch Tränen abwischen. Vielen Dank das du uns an deinen persönlichen Erlebnissen hast teilhaben lassen das war sehr berührend weil ich es selber vor zwei Jahren durchgemacht hab.

    Ich hatte damals 1998 vorm TV gesessen und für Rosenstolz angerufen. Ich mochte das Lied sehr und werde es mir gleich wieder anhören

  11. Eine wirklich berührende Geschichte, die wahrscheinlich alle von uns schon einmal so oder so ähnlich erlebt und überlebt haben. „Herzenschöner“ war 1998 mein Favorit, obwohl ich damals glücklich in einer festen Beziehung war. 🙂 Mit Guildo Horn konnte ich nie etwas anfangen. Ich finde das nicht lustig, sondern stimme ausnahmsweise mal Tante Gertrud zu: „Das ist kein feines Benehmen.“ 😉

  12. Hoffentlich hat Manu jemanden gefunden, der sein gebrochenes Herz wieder zusammenfegen und kitten konnte… Wäre selbst sehr froh, wenn sich mal wenigstens irgendjemand irgendwann einmal in mich verlieben würde, aber die Chancen, dass San Marino den ESC gewinnt, sind da wahrscheinlich leider viel viel größer. Manche von uns haben eben einfach kein Glück in Liebesangelegenheiten. Trotzdem bedanke ich mich sehr für das Teilen dieser sehr persönlichen Geschichte aus dem Leben. Liebe Grüße und vielen Dank!

  13. Manu, es war sehr berührend zu lesen, wie Du die VE 1998 erlebt hast. Danke, auch für die weiteren Informationen zur VE.

    Für mich ist „Herzensschöner“ einer der schönsten deutschen VE-Beiträge (und sooo viel besser als „Guildo hat Euch lieb“ – über die Abstimmung damals kann man nur sagen „Die spinnen die Deutschen“).

  14. Als überwiegend stiller aber täglicher Mitleser muss auch mich an dieser Stelle zu Wort melden und DANKE sagen! Ein wirklich hochemotionaler Beitrag, der unendlich viele Erinnerungen weckt! Ich liebe diesen Kalender! Ich liebe ESC-Kompakt und die fleißigen Kommentatoren! Habt alle vielen vielen Dank!

  15. Also dass man nach 22 Jahren aus Kommentaren immer noch diese Verbitterung rausliest. tztz. Erzählungen meines Ur-Ur-Großonkels verbinden den Vorentscheid nicht unterschwellig mit dieser auffällig oft verbreiteten „Vorentscheid-Diebstahl-Opfer-verhinderter-Winner“-Perspektive“. Hab’s selbst auch nicht halb so chaotisch gesehen.

    No offense an manu oder allen, die mit Herzensschöner mehr persönliche Momente verbinden. Und ich bin auch dankbar, dass es mal nicht Klischeeschlager war, fand’s damals selbst sogar gut und habe meinem nicht-esc-affinen (Metal/Alternative-Fan)-Freund damals auch gesagt, dass da noch eine Alternative zu Guildo war.

    Aber: An dem Abend haben 7,7(!)Mio. Zuschauer zugesehen, beim ESC nochmal mehr – was natürlich NUR Guildo und der Bild-Zeitung zu verdanken war („Darf dieser Mann für Deutschland singen?“). Auch wenn Rosenstolz somit nur das Unterhaltungsprogramm zur Krönungszeremonie dargeboten haben, verdanken sie exakt diesem Umstand ihre anschliessend breite Präsenz und konnten ungefährdet im Fahrwasser mitschwimmen. Hätten sie einen mittelinteressanten VE gewonnen mit Platz 13 beim ESC – es würde ungefähr so interessieren wie Bianca Schomburg oder Kempers&Kovac. Sie waren also keine Opfer, sondern Profiteure, wie man es sich später öfters bei Vorentscheiden gewünscht hätte.

    Es war der damals richtige Gewinner, den der ESC in Deutschland gebraucht hat und waren die richtigen, sympathischen Zweitplatzierten. Ende der Geschichte.

    • Nun, ich hab’s damals als eine „Übernahme“ des von mir heißgeliebten Grand Prix durch hämisch grinsende Bild-Zeitungsleser (und andere) empfunden, die sich die Jahre vorher nur lustig über den ESC gemacht hatten. Eine hohe Quote ist nicht alles. Wenn ich das Gefühl habe, dass dadurch etwas, was ich immer sehr gemocht habe, verloren geht, kann ich gern darauf verzichten. Aber ich geb’s zu, ich hatte mich in meinem NIschen-Dasein (was, Grand-Prix-Fan? Hihihi) auch gemütlich eingerichtet. Und natürlich gönn‘ ich Rosenstolz den Erfolg, den sie auch der hohen Quote zu verdanken hatten, aber vielleicht wären sie auch ohne diese Quote irgendwann bekannt geworden. So hohe Qualität kann doch auf Dauer nicht unbeachtet bleiben! Und Guildo Horn persönlich finde ich übrigens ganz sympathisch …

      • Na ja, ich bin (war) auch etwas zwiegespalten. Es ist gut, dass sich viele jüngere Menschen auf einmal für den ESC interessiert haben. Das kann ja nur positiv sein (nicht zuletzt auch für den Fortbestand der Show). Denn in Deutschland war ja vorher das Interesse für den ESC eher minimal. Ich gehörte auch zum harten Kern und habe auf das Datum hingefiebert. Und die Show jedesmal genossen, dachte aber gleichzeitig, so verrückt wie ich ist sicher kaum jemand, sich das anzuschauen. Wenn ich schon mal darüber gesprochen habe, gab es meistens Grinsen und Augenrollen. 😀
        Aber durch den Hype hat sich der Vorentscheid irgendwie zur Farce entwickelt, weil ja von Anfang an quasi feststand, wer denn nach Birmingham fährt (so habe ich es zumindest empfunden).
        Im Beitrag, wo es um die VE 2004 und Max Mutzke ging, habe ich mich schon mal drüber ausgelassen, war eine ähnliche Situation. Und das hat mich halt genervt, unabhängig davon, ob mir der Song gefallen hat oder nicht.

        Lange Rede, kurzer Sinn, ich kann Deine Vorbehalte (teilweise) verstehen, Thomas, und es ist gut, dass Du diese nicht auf die Person Guildo Horn beziehst, weil er wirklich ein sympathischer Mensch ist. Denn mich hat nämlich genauso genervt, dass seine Kritiker sich hauptsächlich wieder an seinem Äußeren gestört haben. Find‘ ich blöd, einen Menschen nur darauf zu reduzieren.

      • Danke, Gaby, es freut mich, dass Du manches von dem, was ich geschrieben habe, nachvollziehen kannst. Nochmal kurz zu Guildo Horn: In den Interviews, die ich kenne, hat er sich immer positiv über den Grand Priix geäußert und erzählt, wie gern er ihn schon als Kind geschaut hatte. Er kann nichts dafür, wie manche seiner Fans drauf waren (und Du hast recht, die Kritik, die sich an seinem Äußeren festmachte, war doof).

    • Da geb ich dir recht, Jorge. Auch wenn ich vor dem Vorentscheid durch die Medien schon sehr genervt war, dass Stefan mit Guildo sich mit der Teilnahme am Vorentscheid über den ESC lustig machen wolle – den Auftritt fand ich dann tatsächlich lustig und zumindest Guildo konnte ich anmerken wie sehr er dafür brennt. Ich glaube insgeheim bis heute, dass Stefan erst in Birmingham so richtig Feuer am ESC gefangen hat.

      Mit Guildos Auftritt dann in Birmingham, hat er für ewig ein Platz in meinem Humorherzen erobert. Ich hab an dem Abend auf dem Boden gelegen vor lachen und jeden Punkt komplett abgefeiert. Rückblickend absolut der Richtige zum richtigen Zeitpunkt.

      Und sicher hast du auch recht, das Rosenstolz als die Sieger der Herzen dieses geschichtsträchtigen Vorentscheids sehr profitiert haben. Als Gewinner mit einem mittelmäßigen Platz beim ESC, hätten sie es zumindest schwerer gehabt erfolgreich zu werden.

      • Ihr seid ja ziemlich sicher, dass Rosenstolz einen mittleren Platz belegt hätte. Selbst wenn es so gekommen oder gar ein hinterer Platz geworden wäre, hätten vielleicht doch zahlreiche Menschen erkannt, dass „Herzensschöner“ was ganz Besonderes ist. Aber gut, ich kann hier viel vermuten wenn ich weiß, dass es keiner Überprüfung mehr standhalten muss 🙂

  16. Und die wirklich traurige Nachricht ist, dass Guildos ESC-Beitrag mein Favorit aller deutschen Beiträge in den 90ern ist. Ja, so schlimm finde ich die dunkle Zeit, die für mich von 1985 bis 2000 dauerte und dann in 2002 und 2003 noch mal einen fürchterlichen Epilog hatte.

    • 1985, 1986, 1988, 1994, 1996, 1999, 2002, 2003 – alles Lieblinge von mir, die in diese „dunkle Zeit“ fallen 🙂 Wäre es nicht langweilig, wenn alle Geschmäcker gleich wären?

      • Das wäre tatsächlich langweilig. Ich kann zwischen 1985 und 2003 nur „Wer Liebe lebt“ ertragen. Das ist zwar auch nicht meine Musik, aber sowohl das Lied als auch MIchelle sind gut gebaut. Wie sagte Terry Wogan damals: „Germany. A chest to remember.“

  17. Ich habe die Vorentscheidung damals noch nicht gesehen, aber der Guildo-Hype, der auch vor der Bravo nicht Halt machte, hat mich zum ESC gebracht (damals noch ohne Punktevergabe, weil in der Schlafenszeit ;)) und später wurde ich dann großer Rosenstolz-Fan. Ist doch schön, dass man sich nicht entscheiden muss.

    • Es ist natürlich toll, dass der ein oder andere Fan bei der Stange geblieben ist, und sich nicht nur kurzfristig dem Hype angeschlossen hat. Hat wie so oft, alles zwei Seiten.🙂

    • Noch zwei Anmerkungen:

      1. Mein oben erwähnter Frust über diesen Hype wurde dadurch abgemildert, dass bei dieser Vorentscheidung wirklich einige schöne Titel dabei waren.

      2. Mir ist vollkommen klar, dass durch den Hype nicht nur solche Leute neu zuschalteten, die sehen wollten, wie es diesen „Grand-Prix-Fuzzis“ mal so richtig gezeigt wird, sondern auch viele Menschen, die vorher vom ESC noch gar nichts oder wenig wussten. Natürlich wurden dadurch auch zahlreiche tolle neue Fans gewonnen, manche davon sogar mit solch exquisitem Geschmack, dass ihre Favorit bei der VE 2016 der wunderschöne Beitrag von Joco war 😉

  18. Wahrlich einer der unterhaltsamsten VEs mit einer herrlich zugedröhnten Nena (Axel, bist du noch da?!? Axel, ich bin geflüchtet! Huhu?!?).
    Rosenstolz waren mir in den 2000ern zu omnipräsent, aber einige ihrer Hits wie Es könnt ein Anfang sein oder Willkommen aus dem Sommersturm-Soundtrack höre ich heute noch gerne. Eigentlich schade, dass sie es nach ’98 nicht nochmal versucht haben.
    Danke für deine Erinnerungen, Manu. Magst zwar keine Haare auf’m Kopp mehr haben, aber ein stattlicher Vollbart tut’s allemal! Dein Pech, Andreas.

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