Advent der besten DACH-ESC-Beiträge (2): Don’t tell your mama!

Wir haben Euch im letzten Monat nach Euren ESC- und Vorentscheidungs-Beiträgen aus Österreich, der Schweiz und Deutschland gefragt – einen lieben Dank an dieser Stelle an alle, die dabei so fleißig mitgemacht und so insgesamt 154 unterschiedliche Beiträge in die Auswahl gebracht haben. Diese haben wir ausgewertet und präsentieren Euch nun Eure liebsten 24 Beiträge der sogenannten DACH-Länder – jeden Tag einen neuen. Bis Heiligabend!

 

Platz 23: Ben Dolic „Violent Thing“ (Deutschland 2020)

Während nach und nach immer mehr Länder ihre Vertreter für den ESC 2020 bekannt gaben oder gar die Beiträge veröffentlichten, ließ uns der federführende NDR lange im Unklaren, wer dieses Jahr Deutschland beim Eurovision Song Contest vertreten sollte. Spekulationen von Fans und Presse rissen nicht ab, selbst Helene Fischer wurde als mögliche Vertreterin immer wieder ins Spiel gebracht. Irgendwann wurde klar, dass es keine nationale Vorentscheidung geben wird. Aber wen hatten die 100-köpfige Eurovisions-Jury sowie die internationale Jury in dem lange andauernden Auswahlverfahren hinter den Kulissen nun ausgewählt? Ende Februar war es dann endlich soweit: Ben Dolic wurde als Interpret bekanntgegeben, sein Lied „Violent Thing“ wurde veröffentlicht und in der abgespeckten Sendung „Unser Lied für Rotterdam“ auf ONE vorgestellt.

Im Gegensatz zu manch anderem Jahr schienen die Verantwortlichen es diesmal richtig ernst zu nehmen. Text und Musik von „Violent Thing“ stammten von Borislav „Boris“ Milanov, der sich in den letzten Jahren als äußerst erfolgreicher Songwriter und Musikproduzent beim Eurovision Song Contest einen Namen gemacht hat (u.a. schrieb er die Lieder für Poli Genova, Chingiz, Cesár Sampson, Michela, Kristian Kostov). Die ungewöhnliche Stimme von Ben Dolic fügte sich perfekt in das durch Daft Punk und Justin Timberlake inspirierte moderne Popbrett ein. Als Choreograph für die Inszenierung wurde Marty Kudelka verpflichtet, der sonst mit Größen wie J.Lo und Justin Timberlake arbeitete.

Entgegen der letzten Jahre rieben sich Fans europaweit die Augen und bejubelten den deutschen Beitrag. Auch wenn „Violent Thing“ kein großer Charterfolg wurde – der Grundstein für ein erfolgreiches Abschneiden beim Eurovision Song Contest in Rotterdam war gelegt.

Wie wir wissen kam es jedoch anders – der Contest 2020 wurde aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt. Ben durfte zwar bei der deutschen Ersatzshow sein Lied performen (siehe Video oben), konnte dort aber natürlich nicht zeigen, was für ein Auftritt beim ESC möglich gewesen wäre. Der NDR gestand Ben Dolic zu, sich für 2021 erneut zu bewerben, wählte ihn aber nicht automatisch als Vertreter für 2021 aus. Vor kurzem gab Ben bekannt, dass er nicht für Deutschland in Rotterdam auftreten wird.

 

Das in Sofia gedrehte Musikvideo zu „Violent Thing“

Doch dass man nicht beim großen Eurovision Song Contest auftreten muss, um in Gedächtnis und in den Herzen der Fans zu sein, bewiesen die vielen Abstimmungen der Fans und einschlägigen ESC-Medien. So wurde Ben beispielsweise zum beliebtesten Beitrag 2020 der Wiwiblogger und der australischen Fanseite Aussievision. Auch beim ESC kompakt ESC 2020 erreichte Ben einen tollen 5. Platz. Kein Wunder also, dass „Violent Thing“ auch bei Euren beliebtesten DACH-ESC-Beiträgen mit dabei ist!

 

Die bisherigen Adventstürchen findet Ihr hier:
Platz 24: Timebelle „Apollo“ + Cesár Sampson „Nobody but you“


11 Kommentare

  1. „Violent Thing“ trifft nicht meinen Geschmack, es hat mich aber gefreut, dass der Song so positiv aufgenommen wurde.
    So blieb Ben wenigstens der „Shitstorm“ erspart.

  2. Ist – glaub ich – mein liebster deutscher ESC-Beitrag, ich weiß noch, wie mich dieses unglaubliche Gefühl überkommen hat, als ich das Lied zum ersten Mal gehört habe und realisiert habe, dass wir mit einem richtig, richtig guten Lied ins Rennen gehen.

  3. Hätte Ben weiter oben erwartet, freu mich aber das er überhaupt dabei ist.
    Ps. Der Spotify Jahresrückblick wurde heute veröffentlicht, dort ist Violent Thing mein meist gehörter Song des Jahres.

  4. Ben Dolic gehört zu den „Club der Pechvögel der deutschen Vertreter“. Mitglieder sind Tony Marshall (1976) Lied war Altware = Disqualifikation; Leon (1996) modernes Lied wurde durch die interne EBU-Vorauswahl ausgebootet; Corinna May (1999) Lied war auch Altware = Disqualifikation; Ben Dolic = ESC-Absage wegen Corona-Pandemie; sowie alle, die die „rote Laterne“ in der Hand hielten: Nora Nova, Ulla Wiesner, Cindy & Bert, Stone & Stone, Gracia, No Angels, Ann-Sophie, Jamie-Lee und fast Levinia.

    • Na ja… 1996 wurde Leon genau genommen nicht „EBU-intern ausgebootet“.
      Er bekam in der internen Qualifikationsrunde einfach nicht genug Punkte für die besten 22 Lieder, die neben dem Vorjahres-Siegerland Norwegen dann am ESC teilnehmen durften.

      Dieses Voting der internen Qualifikationsrunde ist übrigens vor kurzem in folgendem Video ganz spannend aufbereitet worden (ab Minute 54:29):

      https://youtu.be/3QAr5QifVRo

      • Hochinteressant, danke Manu! Spannend auch, wie die qualifizierten Titel bei dieser Qualifikation im Vergleich zum späteren Finale abschnitten.

        Danke auch, dass Du wieder so einen tollen Adventskalender machst 🙂

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