Advent der besten ESC-Momente (12): Platz 13 – Er kam, spielte und siegte!

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Wir haben Euch im letzten Monat nach Euren ESC-Lieblingsmomenten gefragt. Momente, die Euch berührt haben, Momente die euch ausflippen und zum ESC-Fan haben werden lassen. Einen lieben Dank an dieser Stelle an alle die dabei mitgemacht und so insgesamt 224 unterschiedliche ESC-Momente in die Auswahl gebracht haben. Diese haben wir mit Punkten im ESC-Schema versehen und ausgewertet – und präsentieren Euch nun Eure liebsten 20 Momente – jeden Tag einen neuen. Bis Heiligabend!

 

Platz 13: Alexander Ryback „Fairytale“ (42 Punkte)

Es ist gar nicht mal so einfach, als großer Favorit zum Eurovision Song Contest zu fahren und dann auch wirklich zu gewinnen. In diesem und letztem Jahr gelang das Netta und Duncan Laurence jeweils viel knapper als erwartet, anderen gelang es gar nicht. 1999 musste sich zum Beispiel die eigentliche Favoritin Marlain Angelidou aus Zypern sogar mit lediglich 2 Punkten und dem vorletzten Platz zufrieden geben. Neben Loreen 2012 gelang ein besonders eindrucksvoller Start-Ziel-Sieg in diesem Jahrtausend nur noch Alexander Rybak.

Alexander Rybak wurde 1986 in eine Künstlerfamilie in der Weißrussischen Sowjetrepublik hineingeboren. Seine Mutter ist Pianistin, sein Vater ein Violinist. Im Alter von vier Jahren siedelte er mit seinen Eltern nach Norwegen über, wo er bereits im Alter von fünf Jahren Klavier- und Geigespielen lernte. Ebenso widmete er sich dem Gesang und der Komposition eigener Musikstücke. 2004 erhielt Rybak in Norwegen den renommierten Anders-Jahre-Kulturpreis und gewann zwei Jahre später einen Talentwettbewerb des Norwegischen Rundfunks (NRK). Neben der Arbeit als Sänger, Komponist und Violinist arbeitete er parallel auch als Schauspieler. 2009 nahm Alexander Rybak in Oslo am Melodi Grand Prix, der norwegischen Vorentscheidung zum ESC in Moskau teil. Mit dem selbstgeschrieben Lied „Fairytale“ gewann er diesen souverän und mit einem sensationell großen Vorsprung von über 600.000 Stimmen zum zweitplatzierten Titel „Butterflies“ von Tone Damli Aaberge.

„Fairytale“, das neben der Violine auch mit ähnlichen instrumentalen Elementen spielt wie beispielsweise „Lemon Tree“ von Fools Garden, avancierte schnell zum Favoriten auf den Gesamtsieg des Eurovision Song Contest 2009. Und wie einem Märchen flogen Alexander im Finale auch so viele Punkte zu wie noch keinem Künstler zuvor: Aus allen Ländern bekommt er Punkte, was nicht oft der Fall ist. Insgesamt bekommt er 16 mal die Höchstwertung, 9 mal 10 und 10 mal 8 Punkte – am Ende standen stolze 387 Punkte, ein Punktevorsprung von 159 Punkten zur Zweitplatzierten Yohanna aus Island und der insgesamt 3. ESC-Sieg für Norwegen.

Keine Frage – 2009 war das Jahr des Alexander Rybak: „Fairytale“ schaffte es zudem, sich in vielen Charts Europas zu platzieren – in Deutschland für 20 Wochen mit einer Höchstplatzierung von Platz 4.

Ein Jahr später schien er in Oslo allgegenwärtig, durfte das Finale mit „Fairytale“ natürlich auch eröffnen  und Alexander Rybak sagte sogar den Sieg von Lena voraus. Er sollte Recht behalten und übergab Lena die ESC-Trophäe und zwei Küsse.

Nachdem Alexander Rybak 2011 an der schwedischen Version von „Let’s dance“ teilgenommen hatte, schrieb er weiter Musik und veröffentlichte weitere Singles. 2015 versuchte er als Schreiber des Titels „Accent“ mit der Band Milki das weißrussische Eurofest zu gewinnen um in Wien am ESC teilzunehmen. Obwohl Milki nach dem Televoting noch auf Platz 2 lagen, erreichte die Gruppe nach den Juryvotes nur noch einen undankbaren 4. Platz. Anschließend haderte er mit der Entscheidung der Jurys und gab bekannt, sich vom ESC erstmal zurückziehen zu wollen.

Die selbstverordnete Pause sollte 3 Jahre dauern, denn 2018 meldete er sich mit dem Titel „That’s how you write a song“ im norwegischen Vorentscheid zurück, den er abermals überlegen gewann. Auch wenn das Lied nicht so den Massengeschmack traf wie „Fairytale“, gewann er sein Halbfinale in Portugal – noch vor Benjamin Ingrosso aus Schweden, den DoReDoS aus Moldau und Rasmussen aus Dänemark. Im Finale allerdings überholten auch diese drei Beiträge den ehemaligen Gewinner und Alexander Rybak fand sich am Ende nur noch auf dem 15. Platz wieder.

Trotzdem bleibt „Fairytale“ weiterhin einer der beliebtesten ESC-Beiträge aller Zeiten und Alexander Rybak ein nicht nur in Norwegen umjubelter Musiker.

 

Die bisherigen Adventstürchen findet Ihr übrigens hier:
Teil 1 – Die frühen Jahre (1956 bis 1999)
Teil 2 – Alles Neu? Die Jahre 2000 bis 2019
Teil 3 – Das große Drumrum (Openings & Interval-Acts)
Teil 4 – Und bei uns so? Deutsche Beiträge
Platz 20: Johnny Logan „Hold me now“ (33 Punkte)
Platz 19: Dana International „Diva“ (34 Punkte)
Platz 18: Interval-Act „Switch Song“ (36 Punkte)
Platz 17: Opening 2013 „We write the story“ (37 Punkte)
Platz 16: KEiiNO „Spirit in the sky“ (39 Punkte)
Platz 15: Loreen „Euphoria“ (40 Punkte)
Platz 14: Sertab Erener „Everyway that i can“ (41 Punkte)


14 Kommentare

  1. Ehrlich, es gibt doch nichts langweiligeres, als favoritensiege. Dieses jahr waren die top 5 doch fast einhellig vorausgesagt worden und ich befürchte, das sich das so fortsetzen wird. Wer in den sozialen medien am meisten gehypt wird und von den buchmachern favorisiert, kann selbst mit einem doch recht schwachen auftritt( duncan) gewinnen. Schade.
    Alexander rybak war mein favorit, aber die konkurenz war auch höchst durchschnittlich

    • Da hast Du Recht. Heutzutage kann man den Sieger oder die TOP 5 schon vorhersagen, wenn man die Berichterstattung vorab verfolgt. Irgendwie langweilig, schade. Das liegt vor allem an den, sorry, blöden Buchmachern.
      Alexander Rybak hat den Sieg absolut verdient, keine Frage. „Fairytale“ ist nach wie vor ein toller Titel, auch wenn sich der Song bei mir schon etwas abgenutzt hat. Die Wertung 2009 geht aber wahrscheinlich als einer der langweiligsten in der Geschichte des ESC ein.

    • Duncan hat eher gewonnen, weil sich Jury und Televoter nicht auf einen Favoriten „einigen“ konnten, quasi der größte gemeinsame Nenner, und nicht weil er favorisiert war.

      Zu leicht kann man da Ursache und Wirkung verwechseln (geht wahrscheinlich auch fließend ineinander über): Songs werden schließlich nicht grundlos gehypt, sondern weil die Fans und Buchmacher in ihnen bestimmte Qualitäten entdecken. Qualitäten, die dann letztendlich oftmals auch zu einem Erfolg beim ESC führen.

      • Das ist schon richtig. Es sei jedem erfolgreichen Künstler auch gegönnt. Darum geht es ja gar nicht. Trotzdem, irgendwie schade, mir fehlt ein bisschen die Überraschung, so wie z. B. 2006, wo, glaube ich, wenige mit einem Sieg gerechnet haben. Vielleicht könnte man noch 2014 als Überraschung bezeichnen, da die Niederlande vorher nicht wirklich viele Menschen auf dem Zettel hatten, und sie erfreulicherweise den 2. Platz erreicht haben.
        Über Duncans Erfolg war ich in keinster Weise überrascht, da er zumindest zum erweiterten Favoritenkreis gehörte. War ich auch sehr zufrieden mit, wobei ich auch Norwegen den Sieg von Herzen gegönnt hätte.
        Um nochmal auf das leidige Thema zu kommen: Am besten man schafft die Juries wieder ab, dann wären die Ergebnisse eindeutiger, und die immer wiederkehrenden, mitunter ermüdenden, Diskussionen über den „größten gemeinsamen Nenner“ gäbe es erst gar nicht.

      • 2014 waren es ja nicht nur die NIederlande. Ich glaube auch Österreich ist erst in der Finalwoche wirklich zu einem Siegesaspiranten herangewachsen.

        Und 2017 war Italien zuvor der haushohe Favorit.

  2. Ahh, Alexander Rybak! Obwohl mein erster bewusst geschauter ESC der von 2010 war, wegen der Lena-Euphorie im Vorfeld, ist „Fairytale“ zeitlich mein erster aktiv wahrgenommener ESC-Song. Deswegen ist Alex auch für meinen Usernamen verantwortlich 😀 Auch heute immer wieder schön! Wenn ich mir eure Erinnerungen unter dem letzten Türchen so durchlese, dann war ich mit 13 aber auch ein ESC-Spätzünder xD Und nun, zehn Jahre später steht mein drittes Jahr auf dem Blog, meine zweite nicht-deutsche VE-Saison (deutsche VEs gucke ich auch seit Lena) und mein elfter ESC vor der Tür. *nostalgisches Seufz* Mit Alex fing alles an 😀

    • @Ricky Ehrhardt

      Yohanna war damals auch mein Favorit, denn Erdrutschsieg von Rybak verstehe ich aber auch heute nicht. Fand den Song damals schon eher nervig, wobei er natürlich besser ist als Rybaks Frechheit von Song in Lissabon, war 2018 sogar mein persönlicher Hassbreitrag!!

  3. Ich habe den Erdrutschsieg des Herrn Rybak nie so ganz verstanden, weil es 2009 so viele Beiträge gab, die ich stärker und interessanter fand: FRA, BIH, MDA, PRT, EST, ARM … Ich halte ebenfalls den zweitplatzierten Beitrag aus Island für besser, auch wenn „Is It True“ nicht unbedingt Futter für meinen persönlichen Geschmack ist.

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