Advent der besten ESC-Momente (21): Platz 4 – … the roof, the roof is on fire!

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Wir haben Euch im letzten Monat nach Euren ESC-Lieblingsmomenten gefragt. Momente, die Euch berührt haben, Momente die euch ausflippen und zum ESC-Fan haben werden lassen. Einen lieben Dank an dieser Stelle an alle die dabei mitgemacht und so insgesamt 224 unterschiedliche ESC-Momente in die Auswahl gebracht haben. Diese haben wir mit Punkten im ESC-Schema versehen und ausgewertet – und präsentieren Euch nun Eure liebsten 20 Momente – jeden Tag einen neuen. Bis Heiligabend!

 

Platz 4: Opening 2011 „Satellite“ (95 Punkte)

Was ein Jahr zuvor wohl kaum jemand wirklich für möglich gehalten hatte, wurde Wirklichkeit: Der Eurovision Song Contest machte im Jahr 2011 halt in Deutschland – genauer gesagt in Düsseldorf. Dafür wurde eigens das Fußballstadion ESPRIT arena innerhalb von 6 Wochen umgebaut. 23 Städte hatten ursprünglich Interesse bekundet, am Ende wurde die Entscheidung zwischen Düsseldorf, Berlin, Hannover und Hamburg getroffen und fiel aus finanziellen Gründen und wegen der höheren möglichen Zuschaueranzahl (36.000 Zuschauer) auf die Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen.

Florian Wieder aus München entwickelte 2011 zum ersten Mal das Erscheinungsbild für den Eurovision Song Contest. Seither übernahm er die Tätigkeit bis auf 2013, 2014 und 2016 jedes Jahr. 2200 Scheinwerfer, 27 Kameras und 90 Mikrofone wurden verbaut, im Hintergrund wurde eine LED-Wand mit 18 Metern Höhe und einer Breite von 60 Metern für Lichteffekte installiert. Trotz dieses hohen Technikstandards wurden die in den Medien breit diskutierten Kosten „nur“ mit 12 Millionen Euro angegeben (Russland hatte bezifferte Ausgaben von 42 Millionen und selbst die Ausgaben des ESC im Vorjahr wurden auf knapp über 16 Millionen berechnet).

Ebenso wie in den Jahren 2008 und 2018 nahmen in Düsseldorf insgesamt 43 Länder teil – bis heute die höchste Teilnehmeranzahl an einem Eurovision Song Contest jemals. Als Moderatoren konnten Tagesschausprecherin Judith Rakers, „Lena-Entdecker“ Stefan Raab und zur Freude vieler auch Comedian Anke Engelke gewonnen werden. Und diese drei – allen voran aber Stefan Raab – legten auch sofort ein fulminantes Opening hin.

Im Jahre 2011 war es noch liebgewonnene Tradition, dass der Gewinner des Vorjahres das Finale eröffnet, doch Stefan kündigte an, dass das in diesem Jahr etwas schwierig sei. Lena versuche ihren Titel zu verteidigen und müsse sich auf ihren Auftritt konzentrieren. Also griff er selbst zur Gitarre und stimmte zusammen mit Anke und Judith die ersten Zeilen von „Satellite“ an. Schnell wurde daraus eine Rockabilly-Nummer und dann fielen Vorhänge, hinter denen sich ein Blasorchester verbarg. Während Stefan schließlich auch noch am Schlagzeug eine gute Figur machte, liefen 43 Lena-Doubles mit den Flaggen der teilnehmenden Länder auf die Bühne, schwenkten diese und tanzten dazu. Plötzlich tauchte Lena herself doch noch auf und führte ihr Lied gut gelaunt zum furiosen Höhepunkt, bei dem ein gigantisches Feuerwerk an der Hallendecke abgefeuert wurde.

Was für ein Opening!

Auch anschließend führten die drei Moderatoren locker leicht und gut gelaunt durch die Sendung, wobei besonders Anke und Stefan im Mittelpunkt standen. Gerade Anke sorgte bei der Liveshow, aber auch schon während der Proben für ordentlich gute Laune (auch hier zu sehen). So verwunderte es auch nicht, dass sie im Folgejahr die deutschen Punkte verlas und dabei Worte fand, die vielen aus dem Herzen sprachen.

Beim Song Contest im Vorjahr wurde zudem der Grundstein für einen weiteren tollen Moment gelegt. Während der Green Room, in dem sich die Delegationen der teilnehmenden Länder nach ihren Auftritten befanden, in Oslo hinter der Bühne lag und die trennende Wand zur Siegerehrung geöffnet wurde, öffneten Anke und Stefan diese in Düsseldorf schon zur Punktevergabe. Mit den bedeutungsvoll Worten „Tear down this Wall“ öffnete sich zur Eurovision-Fanfare langsam die gigantische LED-Wand. So konnten erstmals alle Teilnehmer die Wertungen im selben Raum verfolgen wie das Publikum. Bis auf 2013 und 2019 wurde fortan der Green Room direkt in die Halle verlegt. Diesbezüglich hat der Contest in Düsseldorf auch nachhaltig seine Spuren hinterlassen.

Überhaupt sollte man den Verantwortlichen für die Planung und Durchführung des Mammutprojektes „Eurovision Song Contest 2011“ Respekt zollen. Bis auf den etwas konzeptlosen Interval-Act von Jan Delay erlebten die Zuschauer einen tollen Contest – oder wie die Jurysprecherin Raffaella Carrà treffend sagte: „Vielen Dank for your wonderful, full of technology, your show, but really full of soul, too. Great Show! Thank you very much!

Der komplette Eurovision Song Contest 2011

 

Die bisherigen Adventstürchen findet Ihr übrigens hier:
Teil 1 – Die frühen Jahre (1956 bis 1999)
Teil 2 – Alles Neu? Die Jahre 2000 bis 2019
Teil 3 – Das große Drumrum (Openings & Interval-Acts)
Teil 4 – Und bei uns so? Deutsche Beiträge
Platz 20: Johnny Logan „Hold me now“ (33 Punkte)
Platz 19: Dana International „Diva“ (34 Punkte)
Platz 18: Interval-Act „Switch Song“ (36 Punkte)
Platz 17: Opening 2013 „We write the story“ (37 Punkte)
Platz 16: KEiiNO „Spirit in the sky“ (39 Punkte)
Platz 15: Loreen „Euphoria“ (40 Punkte)
Platz 14: Sertab Erener „Everyway that i can“ (41 Punkte)
Platz 13: Alexander Rybak „Fairytale“ (42 Punkte)
Platz 12: Lill Lindfors – Moderation 1985 (44 Punkte)
Platz 11: Interval-Act „Riverdance“ (47 Punkte)
Platz 10: Guildo Horn „Guildo hat euch lieb“ (54 Punkte)
Platz 9: Nicole „Ein bisschen Frieden“ (55 Punkte)
Platz 8: Marija Šerifović „Molitva“ (62 Punkte)
Platz 7: Intervall-Act Madcon „Glow“ (74 Punkte)
Platz 6: Michael Schulte „You let me walk alone“ (77 Punkte)
Platz 5: Salvador Sobral „Amar Pelos Dois“ (83 Punkte)


22 Kommentare

  1. Das war für mich der musikalisch schwächste esc der 2000er. Das aserbaidschan gewonnen hat passt dazu. Ansonsten war das professionell durchgeführt gem.deutscher gründlichkeit.

  2. Lieber Manu, ein großes Dankeschön für das tägliche in Erinnerung schwelgen. Was mache ich nur ab dem 25. Düsseldorf war schon eine tolle Show und furchtbar laut.

  3. Meiner Meinung nach hatte Düsseldorf einige tolle Glanzpunkte wie z.B. Anke als Moderatorin. Allerdings war nicht alles wunderbar. So war der Austragungsort viel zu groß, was vor allem in den Halbfinali sichtbar wurde. Denn die Arena war nicht annähernd voll.

  4. Hm. Top 4? Ich kann ja verstehen, dass sich viele gefreut haben, dass der ESC mal wieder in Deutschland stattfindet. Leider kommt die düsseldorfer ESC-Ausgabe bei internationalen Fans aber nicht besonders gut an.

    • Bei 60 teilnehmern sind das im durchschnitt 1,5 punkte. D.h. das die bandbreite der genannten esc-momente sehr gross ist und man mit wenigen punkten weit vorne sein kann.

  5. OK, damit sind die top 3 wohl klar :-)).
    DUS war mein erster ESC, bei dem ich zumindest bei einem Semi live dabei war, also eine besondere Erinnerung! Musikalisch mit dem wohl schwächsten Sieger des Jahrzehnts; dafür hatten wir Italien zurück, einen super-Song für Lena und Anke Engelke (die ich auch heute viel viel lieber als Babsi involviert hätte).
    Der Hauptschwachpunkt war natürlich, dass der ESC in Wolfsburg-am-Rhein stattfand; so mussten Besucher erst einmal die Bahn nach Köln nehmen, um sich abseits des ESC zu amüsieren.

    • @Benjamin Hertlein

      Oh ja, diesen Einspieler finde ich auch immer noch super!!

      Allgemein war das damals ein tolles Opening, bin damals vor dem Fernseher abgegangen wie ne Rakete. Dieser Moment ist völlig zurecht so weit oben

      Ansonsten war der ESC 2011 für mich eher ein durschnittlicher Jahrgang. Es gab nur wenige Songs die ich wirklich abgefeiert habe, und den nervigen Auftritt von Jan Delay möchte ich einfach nur vergessen.

      Den Sieger fand ich schon damals schrecklich und ist für mich sogar der schlimmste Siegertitel der zu Ende gehenden Dekade.

  6. Übrigens wurde bereits 2003 in Riga der Vorhang zum Greenroom vor der Punktevergabe geöffnet… also nicht zum ersten Mal in Düsseldorf.

  7. Mein erster ESC live vor Ort. Schon deshalb etwas ganz Besonderes. Sonst war vieles wie auch heute noch. Hotelzimmer in der Stadt total überteuert. Ticketverkauf chaotisch.
    Wie man das Opening aber so lieben kann, ist mir schleierhaft. Satellite so zu verhunzen, typisch Stefan Raab. Steht dem Intervallact in keiner Weise nach 😛

  8. Für mich war Düsseldorf der erste ESC live vor Ort und mit einem Fan-Paket. Das war toll.
    Ich erinnere mich an das Deckenfeuerwerk. Das war zur damaligen Zeit echt fulminant. Wir fahren die Decke stürzt ein.
    Und Lenas Wettbewerbs/Auftritt mit ‚Taken bei a stranger‘ war ebenfalls grandios und die Halle hat getobt.

  9. Das Opening 2011: Kann man machen, muss man aber nicht (meine Meinung). War okay, aber das Original von Lena fand ich deutlich besser.
    Ansonsten war das ein schöner ESC. Okay, den Intervall-Act mit Jan Delay hät’s nicht gebraucht, sehe ich auch so. Aber vor allem die Postkarten fand ich sehr gelungen: Es wurde der Gastgeber vorgestellt und gleichzeitig auch die einzelnen Teilnehmerländer in ihrer eigenen Sprache begrüßt (mit dem Motto der Show). War echt eine sehr schöne, herzliche Idee, meiner Meinung nach.

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