An der Umsetzung gescheitert: SBS stellt Pläne für Eurovision Asia ein

Foto: EBU/SBS

Mit großer Promotion wurde der Eurovision Asia Song Contest im Jahr 2017 angekündigt. Seitdem arbeitete der australische Rundfunksender SBS mit Hochdruck daran, den Wettbewerb Wirklichkeit werden zu lassen. Nun gab der australische Delegationsleiter Josh Martin jedoch bekannt, dass die Planungen eingestellt worden sind. Dies meldete gestern unter anderem wiwibloggs.

Mit einem Promotionsvideo und einer eigens eingerichteten Website wurde der neue Wettbewerb aufwändig beworben.

Bis zu 20 Nationen in der asiatisch-pazifischen Region sollten für einen jährlich stattfindenden Wettbewerb mit Live-Finalshow zusammengebracht werden. Auf Eurovision.tv wurde dies am 18. August 2017 offiziell bekanntgegeben.

Seitdem sind schon fast vier Jahre vergangen, in denen es kaum noch Updates oder Lebenszeichen vom Eurovision Asia Song Contest gab. Mit der Aussage des australischen Head of Delegation Josh Martin ist nun offiziell, dass die Planungen nicht weiter verfolgt werden.

„Ich glaube man kann sagen, dass wir unsere Produktionsrechte aufgehoben haben. Über mehrere Jahre haben wir versucht zu schauen, wie wir den Wettbewerb umsetzen können und dann kam eine globale Pandemie“, sagt Josh Martin.

Gleichzeitig spricht er offen die Herausforderungen an, denen sie sich bei der Planung konfrontiert sahen: „Es unterscheidet sich sehr von der Ausgangslage, mit dem der Eurovision Song Contest nach dem Zweiten Weltkrieg startete als Mittel, um die Menschen wieder zusammenzubringen. Es gab einen tatsächlichen Zweck dahinter, diese Idee zu etablieren.“

Für den Eurovision Asia Song Contest waren es offensichtlich aber vor allem die geographischen Begebenheiten, die die Umsetzung scheitern ließen. „Eurovision Asia bringt mehrere Probleme mit sich: Zeitzonen, Sprachbarrieren, alle möglichen Probleme. Wir haben es so sehr versucht, aber das war etwas, was wir nie festnageln konnten“, so SBS Head of Delegation Josh Martin.

„Es ist wie mit jeder anderen TV-Show. Du bringst eine Menge an Dingen in Bewegung, aber nicht alle werden aufgenommen. Und das war eine Sache, die wir aus welchen Gründen auch immer, nicht umsetzen konnten“, resümiert Martin.

Damit verliert die Eurovisions-Welt einen geplanten Ableger in Asien – ein anderer, nämlich der American Song Contest steht für 2022 mit dem amerikanischen Sender NBC in den Startlöchern.

Habt Ihr damit gerechnet, dass der Eurovision Asia Song Contest scheitert? Hättet Ihr Euch darüber gefreut, wenn es einen neuen Wettbewerb in Asien gegeben hätte? 


43 Kommentare

  1. Vielleicht bin ich ja ein bisschen böse, aber ich finde es eigentlich ganz schön, wenn der ESC in seiner Natur eine einzigartige Veranstaltung bleibt. Andererseits ist er ja auch schon deshalb etwas ganz Besonderes, weil er jetzt ins Rentenalter kommt.

  2. Nach den etwas trostlosen Verläufen dieser Idee und der türkischen Variante sehe ich auch der US-Version mit einem gerüttelt Maß Skepsis entgegen.

    • Die türkische Propaganda-Veranstaltung steht ja ohnehin in diametralem Widerspruch zum Geist des ESC: Nur Turkartige! Alle anderen müssen draußen bleiben! Nationalistische Identitätspolitik. Ich habe dem Ding schon immer die Pest an den Hals gewünscht.

      • Zum Glück haben sich die feuchten Träume des kulturellen Sendungsbewusstseins nicht erfüllt. Das erste Turkvision hatte noch sowas wie eine Faszination des skurrilen oder exotischen. Aber welche Regionen da jeweils antreten, war schon echt skurril – fehlte nur noch, dass da Neukölln einen Extrastartplatz bekommen hätte.

      • Naja, man kann es auch anders formulieren. Und zwar als gemeinsames Event um türkischesprachige Gruppierungen zu vereinen und gemeinsames Kulturgut zu feiern 🙂

        Der ESC grenzt ja zum Beispiel auch den Kosovo bewusst aus

      • Die Ausgrenzung des Kosovo hat aber politische Gründe, keine kulturellen.

  3. Es gibt (gab?) auch noch das „ABU Song Festival“, der 2012 bis 2020 regelmäßig abgehalten wurde, 2020 jedoch nur online (die Beiträge sind bei Youtube unter „ABU TV Song Festival 2020“ zu finden). Dies ist aber ein reines Festival ohne Wettbewerb, jedoch vom ESC „inspiriert“. Ob es dieses Jahr stattfinden wird ist noch unbekannt.

  4. Ich freue mich immer über solche Festivals, einfach um die Musik anderer Länder, von der man sonst nie etwas mitgekommt, kennenzulernen. Aber ich kann schon verstehen, dass die Umsetzung äußerst problematisch ist.

    P. S. Ich bin auch auf den ASC gespannt, wobei ich es schon gut gefunden hätte, wenn der ganze amerikanische Kontinent einbezogen worden wäre (wegen der Diversität).

    • Um neue Musik aus den unterschiedlichsten Ländern kennenzulernen, nehme ich ab und zu an Online Contests wie Eurovision Times Song Contest oder Virtual Festival of Songs teil. Da habe ich schon sehr viele Perlen entdeckt.

  5. Off Topic:

    Jendrik steht auf Position 18 in der Spotify Global Viral Top 50 Playlist.
    Auf TikTok geht sein Song viral und sein „Erklärungstagebucheintrag“ hat ca.1 Millionen Views sowohl in Deutsch, als auch in Englisch.
    Nachdem sein Followerwachstum etwas abgeflacht war, hat es durch dieses Viralgehen jetzt wieder angezogen (mittlerweile über 50k Follower auf Instagram).
    Die Resonanz ist größtenteils positiv.

    • Megageilsuper! Klar geht er viral: Wo er doch noch vor Punktevergabe im Greenroom quasi jeden, der ihm vor die Nase lief, umarmt hat … 😉

      • Mein TikTok über Jendriks Song hat auch schon über 2,5 Millionen Aufrufe. Das pusht sich gerade richtig hoch haha

  6. Ich wundere mich nicht über die Einstellung, das hat vermutlich tatsächlich zu große logistische und sonstige Probleme mit sich gebracht. Aber trotzdem schade, denn die Idee an sich ist spannend.

    Ich habe jetzt gerade mal auf die Seite geschaut, vermutlich wäre die erste Runde mit einem Kreis aus diesen Ländern abgelaufen: Australien, Neuseeland, China, Vietnam, Thailand, Malaysia, Singapur, Japan, Südkorea, Taiwan, Indien, Indonesien. Bis auf Australien und Südkorea alles Länder, wo man wenig bis keine Vorstellung hat, was dort so gehört wird. Es wäre bestimmt insbesondere für europäische Ohren interessant zu sehen gewesen, was dort an Beiträgen angeboten würde. Allerdings würden, wenn die Runde so aussehen würde, die Reisekosten vermutlich alles sprengen, und das dürfte einer der Hauptgründe sein, woran es gescheitert ist. Schade. VIelleicht doch irgendwie virtuell?

    • Aus Malaisia höre ich Yuna und The Impatient Sisters sehr gerne, und in Neuseeland mag ich Tiny Ruins, Jordan Reyne, Kurisu und Hayley Westenra. Aus Indonesien empfehle ich Neonomora und Maliq & d’Essentials. Beim Rest bin ich auch ziemlich blank.

      • Yuna kenne ich sogar! Habe ich mal bei KEXP entdeckt (auf Youtube).

      • Oh je, ich habe Malaysia falsch geschrieben. Das passiert halt, wenn man in einem langweiligen Meeting sitzt und nebenher Kommentare schreibt …

  7. Dann kommt Neuseeland eben noch zum ESC, auch OK. 🙂

    Also das Argument mit den Zeitzonen wundert mich etwas. Und als kleineres Event mit nur 10-12 Ländern wollte oder konnte man wohl nicht starten. Hätte mich schon interessiert, was die jeweiligen Länder da präsentiert hätten.

      • Kann sein, wir sehen das wohl sehr ähnlich. Aber wie im offiziellen Statement ja (für mich) unterschwellig mitschwingt, könnte es schon an Diskrepanzen der unterschiedlichen Musikmärkte gelegen haben. Den jeweiligen Künstlern hätte eine Teilnahme in anderen Ländern vielleicht keinen oder nur einen geringen Nutzen gebracht.

  8. Das ein „Eurovision Asia“ geplant war habe ich schon wieder vergessen gehabt! Insofern überrascht es mich nicht, dass dieser gescheitert ist. Umso mehr freue ich mich aber auf den Start des „American Song Contest“ und drücke die Daumen, dass dieser nicht doch noch auf den letzten Metern der „Vorplanungsphase“ scheitert.

  9. Weiß jemand, ob es jetzt diese Show mit der Ausstrahlung der Back-up-Videos aller ESC-Beiträge geben wird? Wann wird die stattfinden? Online oder auch im TV?

  10. Ich hab es ja schon befürchtet, weil diese Planungen doch von Anfang an recht zögerlich waren.

    Toggie oben hat natürlich recht, einerseits ist es schön, dass der ESC was einzigartiges ist. Aber andererseits gerade die Aussicht eines Festivals mit lauter beteiligten Ländern, die eine recht unterschiedliche Musikkultur haben, hatte bei mir doch die Hoffnung geweckt, da dann die musikalische Vielfalt zu finden, die es früher beim Grand Prix auch gab (und der ich zugegebenermaßen manchmal etwas nachtrauere – siehe den siebenfachen Einheitsglitzerkleidsong; na gut, zum Ausgleich gab es La Pravi undundund).

    Und aus letztem Grund kann ich auf die rein US-amerikanische Variante gerne verzichten. Überraschungen oder etwas, was uns nicht eh ständig um die Ohren gehauen wird, erwarte ich dabei nicht: ziemlich sicher keine Inuitgesänge aus Alaska, sondern wahrscheinlich zur Hälfte öde Countryballaden und zur anderen Hälfte Beyoncé-Kopien an Schwedeneinheitssauce.

    • Noch einmal kann ich die Teilnahme an Online Song Contests empfehlen, Da lernt man teilweise ganz tolle Musik kennen und wird auch selbst ermutigt, Musik und Künstler zu recherchieren. Ich habe z. B. in der Vergangenheit Botswana, Lesotho und Eswatini (damals noch Swasiland) repräsentiert und zweimal gewonnen: Mit Fraissinet („Fantôme“) für die Schweiz und mit Marjan Farsad („Khooneye Ma“) für den Iran. Ist aber beides schon ein paar Jahre her, da ich seit einiger Zeit nur noch an den beiden ETSC, die jedes Jahr im Juli und April ausgetragen werden, teilnehme.

      • Hab ich jahrelang auch gemacht, aber mein Geschmack ist absolut nicht kompatibel mit irgendjemandes Geschmack. Das war aber auch nicht so weltmusikalisch ausgelegt wie Dein Contest es offensichtlich war. Es gibt da echt schon tolle Sachen.

      • Sag niemals nie. Ich hatte früher auch mal an diversen Contests teilgenommen und das Kapitel schon für mich abgeschlossen. Bis das Feuer dann letztes Jahr nach dem Ausfall des ESC als Ersatzhandlung wieder voll entfacht ist. 😀

      • Virtual Festival of Songs ist eine wahre Goldgrube für Liebhaber von Weltmusik. Leider habe ich momentan keine Zeit mehr, daran teilzunehmen.

  11. Och, schade! Ich hatte mich schon sehr darauf gefreut.
    Ich höre schon seit einigen Jahren ganz viel japanische und südkoreanische Musik und bin von der japanischen Kultur total fasziniert (ohne Corona wären mein Mann und ich letztes Jahr im Mai auch dort gewesen…).
    Dementsprechend wäre ich sehr an dieser Veranstaltung interessiert gewesen. Schade, dass es nun nicht mehr dazu kommt.

  12. Heißt das, man behält das Playback somit doch bei? War ja irgendwie klar, bei einem Supervisor aus Schweden 🙁

    • Sollte die News richtig sein, können wir nur noch abwarten, dass auch die Sängerinnen selbst nur noch Vollplayback „singen“.
      1999 wurde das Orchester abgeschafft. Dieses Jahr die Backgroundvocals vom Band.
      Der Grundgedanke der ehrlichen Live-Musik verschwindet. Schade.

  13. Meine Annahme zum Nichtzustandekommen des EASC liegt an Australien selbst. Die asiatischen Länder sind in Kenntnis, dass Australien bereits seit einigen Jahren beim europäischen ESC teilnimmt. Australien zählt nicht zum Kontinent Asien, sondern Australien als „eigener“ Kontinent in deren Neuseeland und Ozeanien gehören. Die asiatischen Länder bleiben eher „unter sich“. (Aussage meiner Tante, die jahrelang im diplomatischen Dienst in Asien war). Ich glaube auch, dass die angeführten Gründe (Zeitzonen, Geldmittel, Motivation) ehrlicher Natur sind.
    Vielleicht entwickeln Australien und Ozeanien einen eigenen Contest, wer weiß 🙂

  14. Aufgrund der mehrfachen Verschiebung hatte ich schon länger erhebliche Zweifel, dass der asiatische ESC-Ableger stattfinden wird.

    Musikalische Wettbewerbe außerhalb Europas gab und gibt es durchaus:

    So organisierte die OTI (Organización de Televisión Iberoamericana > Organización de Telecomunicaciones Iberoamericanas) von 1972 bis 2000 das OTI Festival, an dem neben Sängerinnen und Sängern aus amerikanischen Staaten auch solche aus Spanien und Portugal teilnahmen. Details siehe hier > https://de.wikipedia.org/wiki/OTI_Festival bzw. hier > https://en.wikipedia.org/wiki/OTI_Festival.

    Seit 2018 gibt es den AfriMusic Song Contest > https://en.wikipedia.org/wiki/AfriMusic_Song_Contest#AfriMusic_Song_Contest_2020.

  15. Der Eurovision Asia Song Contest ist damit Geschichte …..und ich stelle jetzt mal die Behauptung auf, dass der amerikanische ESC Ableger nach nur einem Durchgang auch wieder Geschichte sein wird. Die Amerikaner werden die Show mit The Voice, X-Faktor und AGT vergleichen und feststellen, dass beim ASC nur „unbekannte Lieder gesungen werden“ – das ist nichts für den einfachen Mann vom Land. Der will nur schon seit Jahren bekannte Lieder hören, damit er vergleichen kann, ob der /die Sänger/in auch gut gesungen hat.
    Ich habe 4 Jahre in den USA verbracht und mitten unter den „Eingeborenen“ dort gelebt.

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