Die 80er sind zurück: Eurovision-Hits im Synthie-Pop-Sound

Es brodelte schon eine ganze Weile unter der musikalischen Oberfläche – doch spätestens seit der amerikanische Musiker The Weeknd mit dem wahrscheinlich größten Hit diesen Jahres „Blinding Lights“ die Charts der Welt heimsuchte, dürfte jedem klar geworden sein – die Sounds der 80er sind in vollem Ausmaß zurückgekehrt. 

Nicht nur die großen internationalen Stars wie beispielsweise Dua Lipa und zuletzt David Guetta mit Sia, die sich recht ungeniert am Instrumental von Pat Benatars „Love Is a Battlefield“ bedienen, auch Musiker hierzulande lassen diesen Trend nicht links liegen. So feierte jüngst Mark Forster mit der Single „Übermorgen“ im 80er-Sound mal wieder einen großen Hit. Auch das neuste Video von Mia. („Immer wenn ich dich seh’ (TimTim Remix)“, das wir Euch schon in unserem Roundup vorstellten, lässt sich vom Sound der 80er treiben, während Michael Schultes „For a Second“ sich noch recht vorsichtig vom erfolgreichen „The Weeknd-Sound“ inspirieren lässt.

2003 mit Platz 21 noch wenig erfolgreich – aber recht hatten Ruffus aus Estland!

Und damit haben wir galant den Bogen zum Eurovision Song Contest geschlagen: Denn nicht nur Mia. (deutscher Vorentscheid 2004) und Michael Schulte, der sich ja gern mal von verschiedenen modernen Sounds inspirieren lässt, experimentieren mal offensichtlich, mal vorsichtig mit den 80ern. Auch viele ehemalige Künstler des Eurovision Song Contest schlagen zur Zeit diesen musikalischen Weg ein. 

Vor kurzem veröffentlicht: Fancy lässt bei Verkas ‚Disco Kicks‘ ordentlich grüßen!

Besonders deutlich wird dieser Einfluss beispielsweise bei Donny Montells „Kai Nieko Kito Nelieka Man“ & „Kol Vakaras Ilgas“, Nevenas „Ljubav u Bojama“ und Verka Serduchkas vor kurzem veröffentlichtem „Disco Kicks“, das klingt, als hätte Fancy höchstpersönlich den Song in den 80ern produziert. Auch Vincent Bueno spielt auf seinem neuen groovigen „Instant Dose“ mit diesem Sound, während Benjamin Ingrosso mit Lionel Richies „All Night Long“ einen großen Hit des Jahrzehnts coverte und damit jung und alt in Schweden begeistert. 

Werden wir also im kommenden Jahr auch beim ESC zu den 80ern feiern? Die Chancen dürften nicht schlecht stehen – versuchte Erika Vikman es dieses Jahr schon mit ihrem 80er-Party-Schlager-Pop „Cicciolina“ – und auch ihre letzte Single „Synisten Pöytä“ strotzte nur so von diesem energischen Sound. Wer genau hinhört kann sogar ABBAs berühmte Klavierpassagen erkennen. 

Der wohl bis heute bekannteste Remix im 80er-Sound

Da DJs heute keine Plattenfirma mehr benötigen, um ihre Mixe einem breiten Publikum zugänglich zu machen, verwundert es auch nicht, dass so immer wieder neue Remix-Genres entstehen. Beispielsweise entstand der Trend, neu veröffentlichte Musik in die 80er zurückzubeamen. Bei diesem Trend werden große und kleine Hits durch den musikalischen 80er-Jahre-Fleischwolf gedreht und der Gesang mit Sounds aus dieser Zeit verschmolzen. Da wird der Welthit „Dance Monkey“ auf einmal mit der Rhythmik der Pointer Sisters vermengt und „Numb“ von Linkin Park mit den typischen Beats von Stock Aitken Waterman veredelt. Billie Eilishs „Bad Guy“ wird zu einem Saxophon-spielenden schmalzigen Typen und Lady Gaga, Rihanna, Dua Lipa – ja sogar Camila Cabellos „Havanna“ – finden sich auf die Partys von vor 25 Jahren zurückversetzt.

Auch an der Musik des ESC geht dieser Trend zum Glück nicht vorbei. Der bekannteste Mix dieses Genres ist sicher der von Koit Toome & Lauras „Verona“ (siehe oben). Und wer weiß – vielleichtwäre mit diesem Mix sogar ein Platz im Finale drin gewesen?

„If he was Big in Japan and just wanted to Dance with Somebody“

Wie würde es klingen, wenn John Lundvik das musikalische Kind von Whitney Houston und Alphaville wäre? John Mauritzson beantwortet uns diese ungestellte Frage mit seinem 80’s-Remix von John Lundviks „Too Late For Love“. 

… auch Justin Timberlake reist samt aufheulender E-Gitarre ungefragt zurück in die Vergangenheit

Natürlich darf auch der Welthit „Can’t Stop the Feeling“ von Justin Timberlake nicht in dieser Aufzählung fehlen. Als Justin 2016 mit seinem Interval-Auftritt im Stockholmer Finale für Stimmung sorgte, hätte er sich sicher auch nicht gedacht, dass sein Hit drei Jahre später eine Zeitreise in die 80er-Jahre unternimmt. Das sich aber auch das Instrumental von Justins Hit wunderbar für ein 80er-Jahre-Hit-Mashup eignet, bewies Happy Cat Disco schon einen Monat nach der Veröffentlichung von „Can’t Stop the Feeling“. Ohne nachzuschauen – wie viele Titel hört Ihr hier raus?

Habt Ihr auch schon andere 80er-Jahre-Mixe von ESC-Songs entdeckt und gefällt Euch dieser momentane Trend?


33 Kommentare

  1. Dieses MashUp Gedöns ist ja ganz nett, aber den großen 80er Trend kann ich nicht erkennen, auch wenn der beste Hit des Jahres (und zwei der besten Songs des diesjährigen ESC-Jahrgangs) sichtbar davon inspiriert sind. Mich ärgern viele dieser grauenhaft schlechten Coverversionen und Verwurstelungen nur noch…

  2. Die 80er Jahre waren, musikalisch gesehen, schon eine tolle Zeit.🙂 Sehr vielseitig auch, es wurde viel mehr geboten als nur Synthie-Pop, meiner Meinung nach. Aber Ruffus fand ich mit ihrem „Eighties Comming Back“ doch ziemlich langweilig. War für mich eher eine schlechte Hommage an die 80er Jahre.

    P.S.: Mein Mann, der (unfreiwilligerweise) ESCaperadio oder ESCradio ab und zu mithört, hat mich, als „Verona“ lief schon gefragt, ob der Song von Dieter Bohlen komponiert wurde. Hat irgendwie in der Tat deutliche Modern-Talking-Anleihen. Nichts für ungut, ich mag „Verona“ immer noch sehr gerne. War richtig sauer, dass der Song nicht das Finale erreicht hat.☹️

    • Da die dt. Synthie/Elektro-Pop-Szene ja leider in Trümmern liegt – reine Nische und nur wenige Projekte produktiv sind, bzw. oft nur altes Zeug nachspielt, sind mir Referenzen wie The Weeknd (hat vorher schon das 80er-Thema mit Gesaffelstein gefeatured) oder Miley Cyrus (Midnight Sky) ganz recht .. auch wenn man geflissentlich über den „verhinderten“ Senioren-ESC-Sieger „Verona“ hinwegscrollen muss. (@manus stiller Protest gegen JESC-Blogdominanz? Oder will er uns so geschmeidig seinen secret Lieblingssong als ESCape-Radio-Jingle unterjubeln? Hat er eine Wette gegen @Peter verloren?). 😉

      Eigentlich fehlt nur eine Umfrage, welches ESC-Land zuerst auf den Zug aufspringt. Wenn, dann hoffe ich inständig auf Frankreich oder Australien!

      • Du bist sehr negativ. Wir sollten uns lieber alle darauf fokussieren, dass wir den JESC-Pott nach hause ins Herz von Elmshorn (Möbelladen oder Dönerbude) holen!!!

      • @Jorge Nett gesagt kann ich überhaupt nichts mit dem JESC anfangen… Aber dieser Artikel entspringt deshalb keinem Protest. 😉
        Ich habe allerdings doch einigen Spaß an diesen Mixen im 80er-Stil und halte die für einen spaßigen Trend abseits der meist ähnlich klingenden typischen Remixen von ESC-Beitragen.
        Und tatsächlich… Während ich dem herkömmlichen Verona persönlich nichts abgewinnen kann, zaubert mir der 1985-Mix zumindest ein Lächeln ins Gesicht. Aber ich habe ja auch zur damaligen Erfolgswelle Modern Talkings meine ersten musikalischen Schritte unternommen…

      • Egal, ob Protest oder nicht: es ist schön, mal wieder was anderes zu lesen als nur Berichte und Votings zum JESC. Meiner Meinung nach nimmt das hier echt überhand.
        Und, ja, ich kann über Artikel die mich nicht interessieren, drüberscrollen. Tu ich auch. Ich lese keinen einzigen Bericht zum JESC. Aber trotzdem guckt man halt öfter auf diese Seite und sieht wieder was zu diesem Themengebiet und kaum etwas anderes. Und das nervt halt dann schon. Wenn ich auf Transfermarkt.de gehe, will ich ja auch nicht nur Berichte zum FC Bayern lesen.

  3. Ihr habt ja irgendwie alle recht.

    Ja, 80er sounds sind trendy (sind sie aber seit ca. 2000 fast durchgehend).

    Ja, Verona klingt nach Modern Talking, hebt sich aber nach meinem Empfinden durch seine hymnische Eleganz deutlich vom üblichen Bohlen-Schema ab. Da glaube ich ehrlich, dass der Dieter auf so eine Komposition sehr stolz wäre.

    Und ja, in den 80ern gab’s tolle Musik (in der Tat auch viel mehr, als uns das Format-Radio heute vormacht), aber das gilt eigentlich für jedes Popmusik-Jahrzehnt.

    • Vielen Dank dafür. War sehr interessant. Ich bin aber doch eher im Joy Division Team.

      Von New Order mag ich aber Crystal

      uiui, bestimmt hab ich wieder ein blödes > zu viel oder zu wenig..

      • Muss man sich zwischen Joy Division und New Order entscheiden? Das wäre für mich dann eine schwere Entscheidung… 😉

      • Ich nicht, mag beides 😉
        (war aber für Joy Division eh noch zu klein damals)
        Nur fehlt Peter Hook schon ein bisserl jetzt bei New Order
        Klingt aber immer noch gut…und Gott sei Dank nicht zu sehr nach 80´s 😀

      • Nö manu, das ist leicht für mich. Ich mag Mister „Schwämmchen im Mund“ Curtis.
        Das hat bestimmt auch was mit ganz bestimmten Erinnerungen zu tun. Aber vor allem mochte ich seine Stimme und ihn und natürlich diese unglaublich gute Musik, die für immer bleiben wird. New Order ist ok, die sind gut. Aber Joy Division ist und bleibt eine ganz andere Liga.

        Doredo muss jetzt soofort Shadowplay hören..
        (doredo steht auf Bass)

  4. Und wo ich’s gerade sehe: sein Tanzstil is ja wohl legendär!
    Und das meine ich ernst. Sowas ist mir tausendmal lieber als glattgebügelte 08/15 Scheiße.

    Sorry für das 08/15.. bin eigentlich Pazifist.

  5. Ich habe nie verstanden, was das Meisterwerk „Verona“ mit Modern Talking (von denen mir lediglich „Cheri Cheri Lady“ gefällt) zu tun haben soll.

    New Order mag ich übrigens lieber als Joy Division. Letztere waren vor meiner Zeit und klangen mir beim Nachhören doch ein bisschen zu schräg (bei NDW ist es ähnlich: die „kommerzielle“ Phase gefällt mir mehr als die von Musikkritikern meist deutlich bevorzugte wilde Frühphase). Aber wer weiß, wenn ich mich auf Joy Division bzw. die NDW-Frühphase richtig einlassen würde, könnte ich vielleicht doch noch Gefallen daran finden.

  6. Es freut mich wirklich sehr, dass hier Bands wie Joy Division und New Order erwähnt werden.

    Joy Division ist ganz großes Kino aus den letzten Jahren eines musikalisch großartigen Jahrzehnts, den Siebzigern. Joy Division sind für mich einzigartig. Auf eine gewisse Weise sehr sexy.
    New Order ist sicher etwas gefälliger, aber ebenso genial.

    Ein gelungenes 80er Revival ist für mich deshalb diese Nummer
    https://www.youtube.com/watch?v=PKXloFW_ZCA
    Das ist eben kein Cover, kein Remix, sondern für meinen Geschmack einfach gute Musik.

    Aber, wenn sich ein Trend gut verkauft, werden, wie im Artikel so treffen angedeutet, Klassiker so lange durch den Fleischwolf gedreht, bis die Konsistenz passt. Das muß ja nicht unbedingt schlecht sein. Ich will ja in diesem Leben auch noch Discofox lernen. Allerdings ist das Original fast immer um Klassen besser. Bei der schlimmen „Veredlung“ von Numb/Linkin Park, sehe ich übrigens ständig Rick Astley vor mir. Keine schöne Vorstellung. Armer Chester Bennington. Gute Nacht.

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