Die Schweiz strafft ihren Auswahlprozess für den ESC 2020

Foto: Thomas Hanses

Wer folgt auf Luca Hänni (Aufmacherfoto) und vertritt die Schweiz beim Eurovision Song Contest 2020 in den Niederlanden? Wie diese Entscheidung fallen soll, haben die Kollegen vom Schweizer Fanblog douzepoints.ch nun recherchiert und beim Schweizer Fernsehen nach dem Auswahlprozess gefragt.

In diesem Jahr hat die Schweiz ihren Act für den ESC – angelehnt an den deutschen Auswahlprozess – erstmals von einem 100-köpfigen Zuschauer-Panel (entspricht der deutschen Eurovisions-Jury) und einer 20-köpfigen internationalen Expertenjury auswählen lassen. Diese durften nicht nur die Künstler, sondern auch die Songs bewerten.

Dieses System soll im Großen und Ganzen beibehalten werden, allerdings wird der Prozess deutlich gestrafft und klarer gestaltet. Durften die Sender der unterschiedlichen Sprachregionen – also RSI, RTR, RTS und SRF – im vergangenen Jahr noch Wildcards vergeben, wird das Verfahren nun vereinheitlicht. Es gibt eine zentrale Plattform, über die Songs eingereicht werden können und zwar zwischen dem 2. und 16. September: srf.ch/esc. Darunter werden auch Lieder aus dem Schweizer Songwriting Camp sein, über das wir bereits berichtet haben. Mehr Zeit soll es dann hingegen dafür geben, die bestbewerteten Songs mit den passenden Künstlern zu kombinieren.

Interessant: Obwohl die explizite Suche nach gesellschaftspolitisch relevanten Lieder in Deutschland in diesem Jahr nicht zum Erfolg geführt hat, ruft das Schweizer Fernsehen zur Einsendung ebensolcher „Konzeptsongs“, wie es auch in den offiziellen Regeln heißt, auf:

„Bei Eurovision Song Contest geht es u.a. auch darum durch das Aufgreifen von bestimmten Themen die Gefühle der Zuschauer und Juroren zu wecken. Wir ermutigen daher Komponisten und Autoren auch Songs einzureichen, die Themen zum aktuellen Zeitgeschehen aufgreifen oder durch Ihren Inhalt eine emotionale Reaktion oder Wiedererkennung beim ESC Zuschauer hervorrufen. Beispiele: Netta von Israel griff in Ihrem Song „Toy“ die Me-Too Debatte auf. Michael Schulte verarbeitete in seinem Lied „You Never [sic!] Let Me Walk Alone“ den Tod seines Vaters.“

Musikalisch wird nach einem „zeitgemässen Song, der internationalen Anforderungen entspricht und auffällt“ gesucht.

Wer auch immer ausgewählt wird, die Schweiz beim ESC 2020 in den Niederlanden zu vertreten, tritt in große Fußstapfen. Luca Hänni hat die Eidgenossen in diesem Jahr nach längerer Durststrecke mit seinem Gute-Laune-Song „She Got Me“ nach längerer Durststrecke wieder ins Finale und dort direkt auf Platz 4 geführt. Auch nach dem ESC feiert das Lied nach wie vor kommerzielle Erfolge und ist im Heimatland ein Radiohit.



34 Kommentare

  1. Das Zeitfenster für das Einreichen der Wettbewerbsbeiträge ist ziemlich eng gesteckt. In Finnland ist sie für den Vorentscheid UMK noch knapper: eine Woche (1. bis 8. November 2019)!

    In Norwegen läßt man sich da viel länger Zeit: hier geht die Bewerbungsfrist für die Wettbewerbsbeiträge vom 2. März bis 31. Juli 2019. In Schweden dauert sie vom 26. August, 9.00 Uhr bis zum 13. September 2019, 23.59 Uhr und in Tschechien vom 29. Januar 2019 bis zum 31. Juli 2019.

    • Da das Zeitfenster ja aber nun auch schon lange vorher bekanntgegeben wurde ist das Zeitfenster doch eigentlich relativ schnuppe (könnte auch nur einen Tag betragen). Wenn jemand einen Song dafür hat wartet er halt auf das angegebene Zeitfenster und reicht es dann ein.
      Es ist ja nicht so, das die Beiträge nur in diesem Zeitfenster entstehen dürfen…

  2. Es ist doch sehr lustig, dass das Einreichen von thematischen Songs (inspiriert von Netta oder Michael) letztes Jahr auch schon so angeregt wurde und dann „She Got Me“ dabei rauskam – ein echt toller Song, aber kann man mir bitte die gesellschaftspolitische Relevanz dabei erklären? 😂
    (Das ist keine Kritik an „Gute-Laune-Songs“, nicht jeder Song braucht eine bedeutsame soziale Message! Ist nur witzig, diesen Unterschied zwischen Ausschreibung und Outcome im Rückblick zu sehen, oder? ^^)

  3. Ich sehe ein Muster.

    Neue Vorauswahl bringt Michael Schulte, Platz 4 – Schweiz übernimmt Teile der Vorauswahl – Luca Hänni Platz 4

    Wildcard S!isters mit Konzeptsong, Platz 25 – Schweiz sucht ebenfalls verstärkt Konzeptsongs – Schweiz bleibt wieder im Semi kleben…

    • Ich sah jetzt bei s!sters kein wirkliches konzept. Wenn man denn schon ein konzept hat, muss man es auch durchziehen.
      Was war das gleich bei s!sters? Feminismus? LGBT?

  4. Ich hatte letzthin die ehre(!), ein paar worte mit reto peritz zu wechseln. Ich bin mir sicher, das die schweiz nächstes jahr ganz vorne mitspielen wird, denn man merkt die unheimliche motivation den pot endlich wieder nach hause zu holen. CHUMM BRING EN HEI……

  5. Bei Luca fällt mir ein – gibt es dieses Jahr vielleicht wieder die wunderbare Sommerserie mit ESC-Star-Strand-/Gym-sonstigen Bildern? Das war letztes Jahr sicher nicht nur für mich ein echtes, super Fun Highlight. Bitte, bitte, bitte!

    • Ja, dem schließe ich mich an! Zum Beispiel von Miki, Mahmood oder Chengiz habe ich woanders schon sehr ansehnliche Sommermotive gesehen!

      • Bei mahmood schliesse ich mich nur an, wenn er sich aus dem hemden-fundus von j. von der lippe bedient.

  6. Ganz ehrlich, wenn der NDR den Song jetzt aufgrund der allgemeinen Reaktion wieder an die Schweiz zurückgibt und die damit nächstes Jahr gewiinen, lache ich mich über die langen Gesichter hier tot 😀
    Ansonsten eine sinnvolle Änderung, ich habe diese Doppel-Struktur, dass man sich zentral UND beim jeweiligen Regional-Sender bewerben kann, schon letztes Jahr nicht so richtig verstanden: Wenn mein Song nicht gut genug ankommt, flieg er irgendwann sowieso raus, egal, ob er als Wildcard später in den Prozess einsteigt oder nicht.

  7. Weiß man denn schon mehr, wann das Eurovision Panel sich wieder trifft, um den Kandidaten für 2020 zu suchen? Hier im Blog wurde doch berichtet, dass Simon + Kutscher wieder Mitglieder für das Panel sucht. Hat irgendjemand schon Antwort bzw. Absage erhalten? Wenn es nach mir ginge, könnte man das Panel zwar abschaffen (spart Geld), aber ich entscheide das ja nicht.

  8. Ja, so langsam könnte Herr Schreiber mal was durchsickern lassen. Fände es Schade wenn das Panel aufgelöst wird. Hatte ja immerhin nen guten riecher.

  9. Die Bewerbung für das Panel wurde eingestellt man kann die Webseite nicht mehr ausfüllen sondern man liest dort nur wie der deutsche Beitrag 2019 einen gefallen hat und man darf abstimmen.

    • Das besagt nichts. Immerhin sollte man dieses Mal ESC-Songs aus diesem Jahrgang bewerten. Nachdem deren Abschneiden nun bekannt ist, ist das ja nicht mehr vorurteilsfrei möglich.

  10. Den NDR interessiert der ESC bis zur nächsten Notwendigkeit nicht. Abgehakt, erledigt und widmen wir uns wichtigeren Dingen wie z.B. die Sommerpause.

    Und eigentlich ist es doch auch egal, welcher Murks da wieder aus Hamburg kommt. Glaubwürdig wird es eh nicht sein.

      • Mehr als vier Akkorde wären ein Anfang … und ein Text, der wenigstens in Ansätzen einen Sinn ergibt, wäre auch schön. Über 3 Minuten reiht sich ein abgetretenes musikalisches Klischee ans andere. Allerdings war der Liveauftritt stark, weshalb es Luca auf meiner Liste auf den 11. Platz geschafft hat. Aber Tütensuppe bleibt Tütensuppe, auch wenn sie mir schmeckt.

      • @Topgravus, ehrlich….in dem fall lieber eine lecker-schmecker tütensuppe als eine hausmacher frühlingsgemüsesuppe die einen komischen nachgeschmack hat.

    • Ich dachte – um Rainers Frage zu beantworten – Du magst The Jam, Lady Marmelade, Strawberry fields und Raspberry beret.

  11. Bei „The Masked Singer“ ist jetzt übrigens nicht nur Max Mutzke als Astronaut getippt, sondern auch Michael Schulte.

    Musikalisch bin ich übrigens jetzt Grashüpfer-Fan. Schon zwei Songs gesungen, die ich liebe (Skyfall, Believer). <3 <3 <3

    Und der Kakadu ist enttarnt. Als ich den Kakadu zuerst gesehen habe, dachte ich ja, Dirk Bach wäre seinem Grab entstiegen. Aber für ihn wäre das ja kein Kostüm gewesen, sondern fast schon Dschungelcamp-Moderationskleidung. 😉

      • Mir ist gar nichts klar. So genau passe ich bei den Indizien usw. auch gar nicht auf.

        Ist ohnehin fraglich wie sehr man denen trauen kann. Klar, Millenium und bulgarische Farben beim Octopus waren sehr eindeutig, aber Einstein und Doppeldeckerbus beim Schmetterling waren doch sehr weit hergeholt.

        Aber Ruth ist gut dabei. Beim Kakadu richtig getippt und den Octopus immerhin auf dem Zettel gehabt. 🙂

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