Vergleich: So gut stimmten 2019 ESC-Barometer und EKI mit ESC-Ergebnis überein

Wer bei diesem Aufmacherbild ein Déjà-vu hat, liegt ganz richtig: Diese Collage haben wir genutzt, um das letzte ESC-Barometer 2019 zu illustrieren. Kurz vor Einrichtungsschluss waren die Beiträge von den Niederlanden und der Schweiz veröffentlicht worden – und beide schossen direkt an die Spitze unseres ESC- Barometers. Letztlich sagten wir damit den Sieger und den vierten Platz beim ESC in Tel Aviv recht gut vorher.

Werden wir das in diesem Jahr wieder schaffen? Und wie gut können die Wertungen der ESC-kompakt-Leser eigentlich sein, wenn man nur ein Video oder einen Vorentscheid-Auftritt gesehen hat? Und hilft uns unser EKI,  der ESC-kompakt-Index, um ein realistischeres Bild zu erhalten? Diese Fragen stellen sich aktuell umso drängender, da wir uns ja gerade wieder in der Vorentscheid-Saison befinden und jede Woche ein neues ESC-Barometer kommt.

Um das beurteilen zu können, müssen wir uns einfach nur das Ergebnis des ESC-Finales anschauen und das vergleichen mit dem letzten ESC-Barometer vom 11. März 2019 und dem EKI vom selben Tag. Hier zur Erinnerung zunächst die Top 10 nach der Durchschnittsbewertung. Die Ukraine hatte zwar bereits am 27. Februar 2019 bekanntgegeben, dass sie nicht am ESC in Israel teilnehmen würde. Der Vollständigkeit halber hatten wir MARUF aber weiter mit ausgewiesen.

Bei der Rangreihung nach der Durchschnittsbewertung lag Belgien in der Top10. Eliot schafft es aber in Tel Aviv nicht ins Finale. Hier zeigen sich also schon erste Ungenauigkeiten. Der EKI berücksichtigt neben der positiven Bewertung auch das Polarisierungspotenzial der Beiträge. Dadurch gibt es kleinere Verschiebungen. Ob sie insgesamt zu einem besseren Vorhersagewert geführt haben, schauen wir uns gleich an.

Zusätzlich nehmen wir aber noch eine weitere Benchmark mit in die Auswertung: Die Wettquoten. Hierfür nehmen wir die von Oddschecker am Tag vor dem ersten Halbfinale des ESC 2019 in Tel Aviv, also dem 13. Mai 2019. Zu diesem Zeitpunkt waren somit bereits alle Auftritte komplett bekannt. Das sollte eine sehr hohe Vorhersagekraft haben.

Damit geht es jetzt an den Vergleich. Wir schauen uns nur die 26 Finalplatzierungen an. Das bedeutet auch, dass Lieder, die von den ESC-kompakt-Lesern sehr weit unten gesehen wurden, es aber trotzdem ins Finale geschafft haben (z.B. Platz 35), automatisch hohe Abweichungswerte haben.

Ein Lesebeispiel: Sergey Lazarev erreichte im Finale den 3. Platz. Beim ESC-Barometer auf Basis der Durchschnittsbewertung lag er auf Platz 15, was eine Differenz von 12 Platzpunkten bringt. Der EKI sah den Russen sogar nur auf Platz 20, ergo 17 Punkte Differenz. Besser war hier der Oddschecker mit nur einem Platz Abweichung.

Die Einzelabweichungen der 26 Finalbeiträge haben wir nun aufaddiert. Die beste Vorhersagekraft hat erwartungsgemäß der Oddschecker von einem Tag vor dem Halbfinale: Die Gesamtabweichung liegt bei 128 Platzpunkten bzw. bei durchschnittlich 4,9 Plätzen (128 Punkte durch 26 Beiträge). Den zweibesten Wert erreicht der EKI mit 174 Punkten (durchschnittlich 6,7 Plätze), gefolgt vom ESC-Barometer mit 200 Punkten (7,7 Plätze).

Für das Jahr 2019 – und nur hierfür gilt diese Auswertung – konnten wir also die Vorhersagekraft durch den EKI um einen  Platz bzw. 13% steigern. Und auch die Kenntnis der finalen Auftritte beim ESC half den Wettern nur um eine weitere Steigerung der Präzision um 1,8 Platzpunkte.

Interessant ist die Analyse, wo nun die einzelnen Indikatoren die stärksten Abweichungen zum tatsächlichen Resultat ergeben haben. Hierzu haben wir alle Differenzen größer/gleich 10 blau markiert (siehe oben). Die ESC-kompakt-Leser hatten scheinbar den klassischen Russlands-Bonus nicht im Blick – und der EKI noch weniger. Und natürlich konnten sie nicht ahnen, welche Bühnenshows Australien aber auch Frankreich aus dem Hut zaubern würden. Spannend aber zu sehen, dass der EKI gerade hier über die Berücksichtigung der Polarisierung besser performte. Hierzu muss man sagen, dass es beim ESC-Barometer ums Gefallen geht und nicht in erster Linie um eine Vorhersage für den ESC.

Die Wettquoten wiederum überschätzten Frankreich massiv und Griechenland (wie auch die ESC-kompakt-Leser bereits kurz nach der Nominierung) stark. Lustigerweise erkannten die ESC-kompakt-Leser das unterhaltsame Potenzial von Serhat von Anfang an besser als die Wettenden kurz vor den ESC-Shows.

Lange Rede: Das ESC-Barometer gibt einen ersten Fingerzeig, wie gut ein Beitrag beim ESC abschneiden kann. Der EKI hat seine erste Feuerprobe überstanden, indem er ein noch etwas besseres Ergebnis geliefert hat. Das kann aber für 2020 schon wieder anders aussehen. Und natürlich ist die Vorhersagekraft der Wettquoten nach den Proben die beste – aber immer noch vergleichsweise fehleranfällig.


3 Kommentare

  1. Insgesamt kann man auch sagen, dass langsame Songs bzw. Balladen im EKI- Index fast durchgängig schlechter erwartet wurden im Vergleich zum tatsächlichen Ergebnis.
    Russland, Nordmazedonien, Albanien, Serbien, Israel waren alle unterbewertet.
    Liegt wohl daran, dass Balladen in der Bubble, nicht nur bei esc- kompakt, weniger beliebt sind.

  2. meine Videopopularitätsanalyse hatte nur eine Abweichung von aggregierten 82 Plätzen im Vergleich zu den Finalplatzierungen 🙂

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