ESC 2022: Konstrakta aus Serbien sorgt bereits mit der ersten Probe für internationales Aufsehen

Bild: EBU / Nathan Reinds

Vorgestern stand die Serbin Konstrakta zum ersten Mal auf der Probenbühne in Turin. Nachdem schon im März ihr Vorentscheidungsauftritt die YouTube-Trends – nicht nur in Serbien – dominierte, ist das Video ihrer ersten Probe inzwischen (noch vor der Ukraine) mit 1.2 Mio Aufrufen das meistgeklickte Probenvideo auf dem offiziellen Eurovision-TikTok-Kanal. Auch hier auf ESC kompakt stieß der Beitrag zu ihrer Probe auf deutlich höheres Interesse als manch andere Probe; bei unserer Umfrage liegt der Auftritt aktuell auf Platz 4 im zweiten Semi. In den Wettquoten für den Eurovision Song Contest schlägt sich diese Popularität zwar aktuelle noch nicht nieder, das dürfte aber nur noch eine Frage der Zeit sein.

@eurovision

Konstrakta with a mesmerising first rehearsal for Serbia 🙌 👏🙌 #Eurovision2022 #EurovisionTikTok #Eurovision

♬ original sound – Eurovision

Und auch in Deutschland rückt Konstrakta zunehmende in den Fokus der Öffentlichkeit – und zwar weit über die Balkan-Diaspora hinaus. Erst heute ist ein ausführlicher Artikel über sie in der Frankfurter Rundschau erschienen, der mit dem Titel „Das Anti-Goldkehlchen“ überschrieben ist. Der Artikel von Autor Thomas Roser ist in ähnlicher Form bereits vor zwei Wochen im Tagesspiegel erschienen. Die Überschrift damals: „Serbiens Lady Gaga“.

In dem Artikel wird natürlich erneut die vielschichtige Bedeutung des Songtextes ihres ESC-Beitrags „In corpore sano“ referiert, der Autor wagt aber auch schon eine Prognose – demnach könnte Konstrakta zu einem Dark Horse werden, allerdings ohne Chancen auf einen Platz ganz vorne:

„Ihre überraschende Kür zu Serbiens Eurovisionshoffnungsträgerin hat der Interpretin in den letzten Wochen umjubelte Auslandsauftritte von Israel bis Kroatien beschwert. Heimische Buchmacher schreiben Konstrakta hinter den Favoriten aus der Ukraine und Italien mittlerweile gar wachsende Außenseiter-Chancen zu. Doch für einen Überraschungserfolg bei Europas Liederwettbewerb wirkt ihr Beitrag einfach zu unorthodox.“

Gut, dass hätten vor einem Jahr wohl auch die meisten Kommentatoren über die italienische Band Måneskin und ihren Beitrag „Zitti e buoni“ gesagt – das Ergebnis ist bekannt. Lassen wir uns also überraschen, wie weit die Online- und Feuilleton-Popularität Konstrakta noch tragen kann und wie die zweite serbische Probe am morgigen Donnerstag läuft. Wir halten Euch hier natürlich auf dem Laufenden.


28 Kommentare

  1. Das ist ein ESC-Beitrag, der die Zeiten überdauern wird, ganz gleich wie Konstrakta abschneidet.

    • Jepp, Konstrakta wird bleiben und uns in vielen Rückblicken wieder begegnen! Ich habe heute- komplett off topic- Caroline Fortenbacher gesehen!

      • Hätten wir 2008 nur „Hinterm Ozean“ zum ESC geschickt …

    • Sehe ich genauso. Ich bin zudem Leser der FR und werde mir gleich den Artikel reinziehen. Vielen Dank für den Hinweis ! Gibt es tatsächlich eine Sensationsgewinnerin ?

  2. Klar, dass die Feuilletons von SZ und Tagesspiegel über diese sich intellektuell gebende Nummer berichten und nicht über Rumtata-Nummern im Starterfeld.
    Um den Hintergrund des Songs zu verstehen, muss man allerdings Serbisch können und ins serbische Gesundheitssystem einsteigen, was für manche sicherlich nicht so einfach und nachvollziehbar ist. Ansonsten bleibt der Song plakativ und nichtssagend.
    Klicks und Aufrufe spiegeln nur das öffentlich erzeugte Interesse für den Act wieder, nicht dessen Qualität.
    Überdauern wird der Auftritt im Kuriositätenkabinett des ESC. Mehr nicht.

    • Der Song ist mit Inszenierung ein Gesamtkunstwerk.
      Man muss den Text nicht verstehen um das wahrzunehmen.
      Ich liebe den ESC genau für solche Beiträge.

    • Nun, wenn du das am Ende auf latein erwähnte „Traurige Seele im gesunden Körper“ nicht verstanden hast, kann dir nichts dieses Lied näher bringen. Auch nicht das erlernen der serbischen Sprache. Die unversicherten Künstler in Serbien ist nur eines der Themen, viel wichtiger ist die Ironie und Gesellschaftskritik, sie spricht darüber dass uns nur das Äußere wichtig geworden ist, dass Maßstab der Gesundheit das gute Aussehen ist und wie wir es erreichen; und was ist mit der Seele? Was nutzen uns die glänzenden Haare und gute Haut wenn wir innerlich verrecken (Instagram!), was nützt so viel Händewaschen und Lockdowns wenn wir dabei seelisch kaputt gehen. Der Körper ist gesund, und nun…?
      Jeder kann die Untertitel lesen und verstehen was sie sagt. Himmel.

    • Auch schön. Leider gibt’s keine Untertitel. Weiß jemand, von was sie singt? Von den Arbeitsbedingungen in der serbischen Textilindustrie vielleicht???

      • Die serbische Textilindustrie existiert so gut wie gar nicht, leider. Sie singt über sich selbst und verschieden Eindrücken und Entscheidungen die sie so macht. Das Lied heißt „Ich wusste nicht dass ich das wollte“.

    • Alle Serben böse. Besonders Konstrakta. Zeigen wir’s ihr.
      LOL Ist klar, Rainer. Niemand greift so hart durch wie die Schweiz.
      #Sanktions-Schlupfloch
      #Oligarchen-Paradies
      Ich werde auch nicht für die Schweiz anrufen. Aber nur deshalb, weil das Lied unfassbar langweilig ist. 🙂

      • Und das hat was genau mit der schweiz zu tun? Immerhin übernimmt die schweiz sämtliche eu-sanktionen und hat mehr oligarchen sanktioniert als die eu vorgibt. Unsere regierung stellt sich klar hinter die ukraine und es finden grosse friedens-demos statt.
        In serbien finden auch grosse demos statt, aber pro-russland. Die serbische regierung weigert sich, eu-massnahmen zu übernehmen.Wer sich nicht klar und dezidiert gegen diesen russischen angriffskrieg ausspricht, der unterstützt ihn.

      • Und was hat Konstratka damit zum tun? Kannst deinen R***mus rlegant rechtfertigen?

      • @gobro, ganz klar! Ich erwarte von ihr, wie eigentlich von jedem serben der in der euro/ welt-öffentlichkeit steht, ein klares statement zum russischen angriffskrieg. Grad jetzt, wo in serbien die tendenzen stark zu pro-russland neigen.
        Ich, und ich spreche wirklich nur für mich, möchte sie in dieser tendenz nicht bestätigen.

      • Ein komplett böswilliger Kommentar, der mal wieder ein ganzes Volk über einen Kamm schert. Ich wette, der Kommentarschreiber war kein einziges Mal in Serbien und kennt auch keine Person aus dieser Region. Dass es da unterschiedliche historische und auch kulturelle Verbindungen zu Russland als Volk gibt, vergisst er ebenfalls. Es gibt auch ein Europa ausserhalb Deutschlands.

        Was den Krieg betrifft, so hat Konstrakta doch mehrmals betont, dass ihr Song nichts mit dem Krieg zu tun hat. Die Ukraine ist einer ihrer Favoriten. Die ESC-Chefin hat bei der Verabschiedung gesagt, dass sie hoffe, dass vom ESC eine starke Botschaft für den Frieden ausgehen werde. Auf ihrem LED sieht man die Farben der Ukraine (ob Absicht oder nicht wissen wir nicht). Was soll sie noch machen, damit der Kommentarschreiber glücklich wird? Eine Ukraineflagge auf der Bühne küssen?

        Ziemlich peinlich und uninformiert.

    • Respekt erbsenhirn. Konstrakta hat doch absolut gar nichts mit der Regierung zu tun und sie für ihr Land zu haten ist ja maximal behindert. Solltest mal anfangen bisschen nachzudenken dann würdest du auf die Idee kommen dass nicht alle Menschen gleich denken nur weil sie aus einem Land stammen
      Wozu sollte sie jetzt auch politische statements geben, es wäre unnötig und hat nichts mit dem esc zu tun oder ihrem Lied

      • Lieber Rainer1,

        ich hab dich immer sehr geschätzt, aber dein letzter Satz ist einfach nur dumm!

        Nebenbei, wenn schon, wieso verlangst du das nur von Serben und nicht von jedem auf diesem Planeten??? Hat Marius Baer sich schon dazu geäußert?

  3. Serbien nimmt bei mir langsam aber sicher die Rolle von Shum letztes Jahr ein. Das hab ich zunächst auch als unerträglichen Schwachsinn abgetan, nur um es am Ende dann total abzufeiern. Konstrakta hat sich auf jeden Fall schon in meinen Gehörgang gebrannt und ich bin gespannt, wo die Reise hingeht. Vom Ausscheiden im HF bis Top 5 oder besser ist da irgendwie alles möglich

  4. Find die Versuche, Konstrakta für die Politik der serbischen Regierung haftbar zu machen, auch ziemlich unfair und armselig.
    Sie kommt aus der alternativen Belgrader Künstlerszene, die mit dem dumpfen Nationalismus und der ekelerregenden Putin-Kuscherei eines Aleksander Vucics überhaupt nichts am Hut hat.

    Hab schon seit Wochen das diffuse Gefühl, dass sie in Turin für eine faustdicke Überraschung sorgen könnte, bin mir nur noch nicht sicher in welchem Ausmaß…

  5. Es gibt in Belgrad auch jede Menge Künstler und Intellektuelle, die vor Putin geflohen sind. Auch darüber wurde in der FR berichtet.

    Die Staatsführung muß sich entscheiden, ob sie Europa oder Nationalisten folgen soll. Hat aber mit Konstrakta persönlich nichts zu tun.

  6. Ich habe jetzt auch die restlichen Kommentare hier gelesen und bin total überwältigt. Einige von euch haben wirklich die treffenden Worte zu diesem Thema gefunden, die genau meine Gedanken reflektieren. Nur hätte ich sie nie so eloquent und sachlich zu Papier bringen können. 🙃
    Danke dafür! ❤

Schreibe eine Antwort zu Schlippschlapp71 Antwort abbrechen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.