ESC-kompakt-Jahresrückblick 2020 (2): Unser Lied für Rotterdam

Puh, nachdem „Unser Lied für Rotterdam“ von Co-Blogger Douze Points gestern schon zum „größten ESC-Aufreger“ erklärt wurde und das in den Kommentaren viel Zustimmung erfahren hat, liegt meine Wahl der Präsentations-Show für den deutschen ESC-Beitrag 2020 zum Highlights des Jahres vielleicht nicht unbedingt auf der Hand. Mir geht es hier aber auch gar nicht um die Show an sich, die sicherlich nicht Grimme-Preis-verdächtig war und auf die ich hier auch nur am Rande eingehen will. Stattdessen war ULFR unser einziger richtiger Vor-Ort-Blogger-Einsatz in diesem Jahr und deshalb etwas ganz Besonderes.

Gemeint ist damit: Nur in Hamburg waren wir als Team von (immerhin) vier Bloggern hautnah mit dabei, hatten ein straffes Arbeitsprogramm, aber auch Zeit zum Feiern und Spaß haben. Das sind für mich immer mit die schönsten Momente der Arbeit für den Blog und da 2020 alle Pre-Partys und auch der ESC selbst ausgefallen sind, war es das erste und einzige Mal in diesem Jahr, dass wir so zusammenkommen konnten. Die meisten anderen Aktivitäten mussten dann Cornona-bedingt vom heimischen Sofa oder Schreibtisch aus stattfinden.

Meine „Unser Lied für Rotterdam“-Reise begann am 27. Februar 2020 früh am Morgen in Frankfurt und schon auf dem Weg nach Hamburg gab es große Aufregung: Ben Dolic, einer unserer heißesten Tipps als deutscher Act in Rotterdam, hatte eine Instagram-Story gepostet, die kurz darauf auch wieder gelöscht wurde. Darauf vermeintlich zu sehen: Die Hamburger HafenCity, in der auch die Präsentation des deutschen Beitrags für Rotterdam stattfinden sollte.

Wir begannen natürlich sofort alle mit unserer investigativen Recherche, versuchten herauszufinden, aus welchem Hotel (?) dieses Foto aufgenommen worden sein könnte. Das sind die Momente in denen es richtig spannend wird, unserer WhatsApp-Gruppe heiß läuft und eine Nebensächlichkeit zur vermeintlich wichtigsten Frage der Welt wird (von Blog-Fotograf Volli gern durch die ironischen Frage „Steht eigentlich die Startreihenfolge schon fest?“ verdeutlicht).

Eine endgültige Bestätigung konnten wir vorab aber weder bei Blogger- und Journalistenkollegen noch beim NDR selbst bekommen, aber nachdem klar war, dass Ben tatsächlich ausgerechnet in dem Hotel untergekommen war, in dem auch Teile des Presseprogramms stattfinden sollten, wurde es immer wahrscheinlicher, dass Ben tatsächlich unser Act für Rotterdam sein würde. Entsprechend konnte ich dann schon rechtzeitig vor dem gemeinsamen Mittagessen im Café Gnosa mit den Co-Bloggern Peter und Flo und vor unserer Ankunft in der Astor Film Lounge, wo „Unser Lied für Rotterdam“ stattfand, einen entsprechenden Artikel vorbereiten, den ich dann nach der Bestätigung bzw. Ende der Sperrfrist nur noch raushauen musste.

Der Aufzeichnung der Show dauerte an diesem Tag von etwa 15 bis 16 Uhr und um 15:45 Uhr durften die anwesenden Journalisten bzw. alle, die dann die Pressemitteilung erhalten hatten, die Informationen über den deutschen Beitrag veröffentlichen. Den Artikel über Ben Dolic hatten wir, wie gesagt, auf gut Glück vorbereitet, aber die Informationen zum deutschen Beitrag wurden erst in der Show selbst bzw. parallel in einer Pressemitteilung veröffentlicht (auch wenn es da dank einer koreanischen Webseite auch schon Hinweise gab). Da Flo, Peter und ich in der Aufzeichnung saßen, musste hier also Douze Points ran, den wir im Stakkato mit Informationen aus der Show fütterten.

Den späten Nachmittag und frühen Abend über waren wir dann beschäftigt mit Interviews (z.B. Ben Dolic und Barbara Schöneberger), Fotosessions (s.u.) und – wie man neudeutsch so schön sagt – Networking oder einfach auch netten Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen. Irgendwann füllte sich das Foyer der Astor Film Lounge dann langsam mit dem regulären Kinopublikum und auch wir mussten uns langsam etwas beeilen, schließlich mussten wir rechtzeitig zu Beginn von Peters Live-Blog in Douze Points Büro ankommen, um dort zusammen die Show zu verfolgen. Vorher deckten wir uns aber noch mit Rotkäppchen, Katjes und auch ein paar deftigen Snacks ein.

Nach dem Live-Blog, unserem ESC kompakt Live (s.u.) und „Violent Thing“ on repeat ließen wir den Abend dann noch standesgemäß in der Hamburger Kult-Kneipe Daniels Company ausklingen, wo später am Abend auch das Aufmacherfoto dieses Artikels entstanden ist. An einem Donnerstagabend steppte dort nicht gerade der Bär und so durften wir uns bei dem freundlichen Barkeeper auch fleißig Musik wünschen. Wir können es nicht ganz sicher sagen, aber die Chancen stehen gut, dass „Violent Thing“ dort dann auch seinen allerersten Tanzflächen-Einsatz ever hatte. Peter wünschte sich übrigens mehrmals Polina Gagarinas Dancefloor-Filler „A Million Voices“ – und auch das wurde bereitwillig gespielt.

Was sich im Nachgang übrigens ganz und gar unwirklich anfühlt: Wie normal die Zeit in Hamburg ablief, obwohl Corona durchaus schon ein Thema war und knappe drei Wochen später dann tatsächlich der komplette ESC abgesagt wurde. Irre. Beim Frühstück am nächsten Tagen haben wir im vollbesetzten Café Knuth sogar noch gescherzt: „Wir müssen viel Wasser trinken, das hilft gegen Corona.“ Haha. Heute kann man sich das gar nicht mehr so vorstellen.

Das Melodifestivalen am Wochenende eine Woche später habe ich auch noch fast normal in Stockholm erlebt (wenn auch die Flughäfen schon deutlich leerer als sonst waren), am Montag darauf bin ich noch beruflich nach Berlin gefahren und wusste dann mitten in der Woche schon nicht mehr, ob ich freitags noch zurück nach Hause komme. Wir alle wissen, wie es weiterging. Umso schöner, dass wir zumindest in halber Blog-Besetzung diese zwei schönen Tage in Hamburg erleben durften – dank „Unser Lied für Rotterdam“.

Meine persönlichen ESC-Highlights 2020

Lieblings-ESC-Song 2020: Wenn ich allein danach gehe, welchen ESC-Song ich am meisten gehört habe, liegt Montaigne mit „Don’t Break Me“ ganz vorne. Mein meistgehörter Titel des Jahres (mit ESC-Bezug und überhaupt) ist allerdings „Kingdom Come“, Anna Bergendahls Melodifestivalen-Beitrag des aktuellen Jahres und Platz 4 unseres ESC kompakt Second Chance Contest 2020 (gefolgt von Annas beiden Liedern „Speak Love“ und „Thelma and Louise“ – Fanboy-Alarm). Als Bonus nehme ich noch meinen liebsten Nicht-ESC-Song eines ESC-Künstlers mit in die Liste: „Dance With Me“ von Jeangu Macrooy. Mein Hit des Jahres gänzlich ohne ESC-Bezug ist „Easy“ von Troye Sivan.

Schönste ESC-News 2020: Im Rückblick muss man wohl sagen: Dass das Finale des Melodifestivalen im März noch mit Publikum stattgefunden hat. Live-Show in der Halle, viele liebe Leute (wieder-)getroffen und richtig gefeiert. Bislang zum letzten Mal…

Größte ESC-Überraschung 2020: Das Line-Up des Dansk Melodi Grand Prix. Nicht mal mehr auf seine althergebrachten Vorurteile kann man sich verlassen: Der DMGP war von mir einst aufgrund der immergleichen Pop-Sülze gefürchtet und doch wurde mir Jahr um Jahr die ehrenvolle Aufgabe zuteil, die Show live-bloggen zu dürfen. In diesem Jahr waren mit z.B. „YES“ von Ben & Tan, „Den eneste goth i Vejle“ von Maja & De Sarte Sjæle und „Screens“ von Sander Sanchez aber ziemlich gute Beiträge am Start.

Größter ESC-Aufreger 2020: Das Ergebnis des Finala Naţională Eurovision 2020 in Moldau. Ich kann immer noch nicht glauben, wie das ausgegangen ist. Moldovița!

Größte ESC-Vorfreude auf 2021: Die Hoffnung stirbt zuletzt – ich hoffe darauf, den ESC 2021 in Rotterdam live vor Ort erleben zu können. Wahrscheinlichkeit dafür: Mindestens 0,017%.

Bisher erschienene Folgen unseres ESC-kompakt-Jahresrückblicks 2020:


10 Kommentare

  1. Das war eine interessante Reality-Doku, die ich gern gelesen habe. Ich hatte das Gefühl fast hautnah dabei gewesen zu sein.
    Danke, Benny für dein Artikel 🌻

    Die Story, die ich „zu verkaufen“ hätte, wäre meine unerwartete Begegnung mit unserem Vertreter Leon im Hotel nach der dt. VE 1996.

  2. Welch ein interessanter Bericht, vielen Dank dafür.😊

    Meine wirklich positiven Erinnerungen an 2020 waren die vielen tollen Songs in den jeweiligen Vorentscheiungen. Ich kann mich nicht erinnern, jemals so viele Favoriten gehabt zu haben.🙂

    • Noch kurze Anmerkung: Meine Entdeckungen aus Dänemark waren Emil😍 und Jasmin Rose. Aus der Republik Moldau kamen auch tolle Songs, z. B. von Pasha Parfeny. Aber ich steh‘ dazu: Ich mag „Brisääähn“ immer noch sehr gerne.😊

  3. Ach herrje, wenn Benjamin und ich uns auf eine Playlist einigen müssten, würde es Mord und Totschlag geben. „Don’t Break Me“ ist auf meiner 2020-Liste nur auf dem 40. Platz. Na ja, wir könnten ja vielleicht ununterbrochen Anna Bergendahl hören, von der habe ich zumindest zwei Lieder in meiner Playlist: „Ashes to Ashes“ und „Thelma and Luise“. Das würde dann wenigstens mit dem Auto von Ludwigsburg bis nach Kornwestheim reichen …
    Wenn sich meine Playlist nicht verzählt hat, habe ich dieses Jahr Bergüzar Korel’s „Kaybollan Yıllar“ am häufigsten gehört. Das ist zwar schon vier Jahre alt, aber nach wie vor ganz wunderbar. Auf Platz zwei folgt dann Imarhans „Imarhan“. Von den verhinderten ESC-Beiträgen sieht meine Playlist „Fai rumore“ ganz vorne, aber Rancores „Eden“ liegt noch davor.

    Vielen Dank für den schönen und sehr persönlichen Jahresrückblick!

  4. Von Anna Bergendahl gefällt mir nur ein Song und der aber so richtig gut – This is my life, beim SEMI Aus haben wie geschrien
    Ansonsten danke für den schönen Artikel mit schicken Fotos, nur dies Kleid wieder Barbara!!!

  5. Der Chat: „Geht um den ESC. Ist also SUPER wichtig“ 😂😂 Ich feiere das gerade sehr 😂😂 Großartig!

    Schön geschriebener Artikel. So ein bisschen wie die Reiseberichte von @Douze Points und solche Artikel sind auch immer Highlight-Artikel für mich 😊

  6. Dass dieses Leben ohne Beschränkungen schon so lange her ist… es kommt mir vor wie eine gefühlte Ewigkeit. Sieht man ja auch im Musikvideo zu „Violent Thing“, das war aus einer Zeit, als sich Betreiber von Diskotheken (zumindest in unseren Breiten) noch keine Gedanken über Pandemien machen mussten.

    Im Nachhinein tat es mir tatsächlich für alle Beteiligten Leid, weil die Mühen (scheinbar) umsonst waren. Sogar für „Professor Satellite“ tat es mir Leid. Und Borislaw Milanow hat später auch noch betont, dass die ganze Arbeit der Autoren in den Wind geschlagen worden wäre. Nun, da ist auch was dran. Wie gestern bereits berichtet, hätte man den ESC auch in anderer Form austragen können – wollte man aber damals partout nicht. Und dass die Beiträge nun nächstes Jahr nicht wieder antreten dürfen – ich glaube, da hat das Argument mit der Wettbewerbsverzerrung gerissen.

    Und auch für Ben Dolic tut es mir Leid – sein Titel hat es gar nicht erst in die Charts geschafft. War zwar bei den Sisters im Vorjahr auch so, aber die Umstände waren andere. Bei den Sisters war ja schon die Stimmung vorher eher mäßig, und das legendäre „I’m sorry, zero points“ gab den Rest. Bei „Violent Thing“ hat man sich den Start selbst vermasselt, weil die Sendung in der Nische lief. Und da der ESC ausfiel und damit die vermeintlich gute Platzierung beim ESC, kam es auch nicht mehr zur Chartnotierung.

    Auch wenn man sagen muss, dass die Erhebungsmethoden der Charts eher mäßig sind, wie sonst stünden gefühlt nur noch Gangster-Rapper auf Platz 1. Und „All I want für Christmas“. Ich habe gelesen, man wolle nunmehr auch Airplay in die Charts einfließen lassen. Das hätte vielleicht auch „Violent Thing“ helfen können. Den Sisters hingegen wohl eher weniger.

    Zumindest hat man die 41 Beiträge des ausgefallenen Jahrgangs noch auf CD rausgebracht – diese habe ich auch bei mir zu Hause. So bekommen die Songs noch die Aufmerksamkeit, die sie verdienen…

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