ESC-kompakt-Jahresrückblick 2020 (6): Vom isländischen ESC-Fieber zum Hype um Húsavík

Was war 2020 für ein Jahr aus ESC-Sicht?! Auch trotz der Absage des ESC in Rotterdam und dem damit ausgefallenen Wettbewerb wurden die Songs des Jahrgangs nicht nur in der ESC-Bubble ausgiebig begutachtet und debattiert. Dabei stach allerdings ein Beitrag schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt hervor und verursachte unter anderem auch in Deutschland schon Anfang Februar (vor dem eigentlich Sieg in der isländischen Vorentscheidung) einen medialen Hype.

Die Rede ist natürlich von Daði og Gagnamagnið. Der in Berlin lebende Daði Freyr schloss sich mit der Band Gagnamagnið zusammen und performte im isländischen Vorentscheid Söngvakeppnin 2020 den Song „Think About Things“. Der Sieg in der isländischen Vorentscheidung war für wenige überraschend – doch die sich bereits vorher aufbauende mediale Welle rund um Daði og Gagnamagnið umso mehr. Ob Russell Crowe oder Jan Böhmermann (auch auf der Playlist Fidi & Bumsi zum Podcast Fest & Flauschig zu finden) – der Song traf überall auf sehr viel Anerkennung.

Mittlerweile verzeichnet „Think About Things“ auf Spotify schon über 60 Millionen Streams und zählt damit bereits zu den meistgestreamten ESC-Beiträgen überhaupt. Nicht zuletzt aufgrund des anhaltenden Erfolgs nach der Ausstrahlung von „Eurovision: Europe Shine A Lightfügte der Streaminganbieter den Song zur „Sommerhits 2020“-Playlist hinzu. Somit dürfte es auch keine große Überraschung gewesen sein, dass die Fangemeinde auf Daðis Rückkehr zum ESC 2021 hoffte und deutlich machte, dass der isländische Rundfunksender ihn erneut zum isländischen Vertreter küren sollte.

Doch schnell wurde klar, dass Daði Freyr nicht erneut an der isländischen Vorentscheidung Söngvakeppnin teilnehmen wollte. Somit blieb nur die Möglichkeit, ihn per interner Vorauswahl nach Rotterdam zu schicken und auf den traditionellen Vorentscheid zu verzichten. Letztlich entschied man sich genau dafür und so wurde Ende Oktober die erneute Teilnahme von Daði og Gagnamagnið beim ESC 2021 in den Niederlanden verkündet. Die Erwartungen an die isländischen Vertreter sind nun natürlich groß – und genau deshalb wird die internationale (ESC-)Fangemeinde wohl wieder sehr genau auf Island blicken, sobald der Beitrag für den kommenden ESC veröffentlicht wird. Übrigens: Daði startete das neue Jahr direkt mit einem neuen Titel – „Feel The Love“ heißt dieser und ist pünktlich zum Jahresbeginn erschienen.

Island scheint im letzten Jahr generell der ESC-Dauerbrenner gewesen zu sein. Am 23. Juni erschien die lang erwartete Netflix-Verfilmung „Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga“ mit Will Ferrell, Rachel McAdams… und Molly Sandén als Gesangsstimme für die Schauspielerin McAdams als Sigrit Ericksdottir. Der Hype rund um den Film übertraf wohl alle Erwartungen und auch der Soundtrack ging durch die Decke. Nicht nur in Island konnten sich die musikalischen Höhepunkte „Husavik (My Home Town)“ und „Jaja Ding Dong“ in den Charts platzieren – auch in Schweden, Großbritannien und sogar den US-amerikanischen iTunes-Charts verzeichnete der Soundtrack beachtliche Erfolge. Inzwischen ist der Soundtrack sogar in der Kategorie „Best Compilation Soundtrack for Visual Media“ bei den Grammy Awards 2021 nominiert.

Sobald die Reisebeschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie aufgehoben werden, wird das kleine Dorf Husavik sich wohl über zahlreiche neue Urlaubsgäste freuen können, die die Locations im Hafen oder den Ort selbst erkunden möchten. Und wer weiß – vielleicht brechen wir bald alle gemeinsam zum Eurovision Song Contest nach Island auf, wenn es nach 32 Teilnahmen und Platz 2 mit Yohanna im Jahr 2009 endlich soweit ist? Eins steht fest: Mit Island wird es auch in Zukunft beim ESC nicht langweilig.

Meine persönlichen ESC-Highlights 2020

Lieblings-ESC-Song 2020: The Roop – „On Fire“

Schönste ESC-News 2020: Duncan Laurence ist aufgrund der Absage des ESC 2020 der längste amtierende ESC-Gewinner und glücklich verlobt 

Größte ESC-Überraschung 2020: Frankreich kann doch noch den (J)ESC gewinnen 

Größter ESC-Aufreger 2020: Arilena Ara schlägt Elvana Gjata in Albanien, Dotters hauchdünne Niederlage an The Mamas 

Größte ESC-Vorfreude auf 2021: Ein besonderes Melodifestivalen-Jahr unter den Zeichen der Corona-Pandemie, einen hoffentlich guten deutschen Beitrag und den neuen französischen Vorentscheid  – und natürlich einen in welcher Form auch immer stattfindenden ESC in Rotterdam!

Bisher erschienene Folgen unseres ESC-kompakt-Jahresrückblicks 2020:


6 Kommentare

  1. Dadi hätte sicher mit „Think about Things“ in Rotterdam sehr gut abgeschnitten, aber Iva’s Song mag ich lieber.🙂

  2. Ich glaube, der neue Beitrag von Daði og Gagnamagnið wird wieder mit viel medialer Aufmerksamkeit (evt. sogar wieder ein Hype) begleitet.

    Kann noch immer nicht ganz verstehen, wieso es 2017 nach der Veröffentlichung von „Is this love?“ so gut wie keinen gab, der darin den ESC- Sieger sah.
    Aber nachdem ein paar Promis „Think about things“ promoteten, war der fast gleiche nerdige Auftritt plötzlich kein Geheimtipp mehr, sondern der große Favorit ??
    Ich glaube, das Ergebnis hätte man im Rückblick mit „Francesco Gabbani“ beschreiben können.

    Positiv zumindest, dass damit der ESC bereits vor Mai in den Medien ist.

    • Warum sollte man auch einen ESC-Sieger in einem Lied sehen, das anschließend noch nicht mal seinen eigenen Vorentscheid gewinnen konnte? Außerdem ist ein Lied mehr als nur der Auftritt. „Think about things“ ist eine eigene, neue Komposition und hatte auch ein lustiges Video, das gut viral gehen konnte.

      • Zu dem Zeitpunkt der jeweiligen Veröffentlichung wusste doch noch keiner, ob „Is this love?“ oder „Think about things“ den Vorentscheid gewinnen wird/ kann.

        Stimmt schon, dass das Video einen großen Teil des Hypes verursachte, aber nur der Bühnenauftritt hätte am Ende doch den möglichen ESC- Sieg gebracht.
        Und da seh ich kaum einen Unterschied zwischen den beiden Auftritten.

      • Ja, eben. Wenn alleine der Auftritt entscheidend gewesen wäre, dann hätten auch beide Songs ihren Vorentscheid gewonnen (oder nicht gewonnen). Aber anscheinend gefiel den Leuten Dadis zweiter Song besser als der erste.

  3. Der Act kam einfach passend zur Netflix-Promotion des ESC-Films und verbreitete sich parallel in den sozialen Netzwerk wie wild. Für mich konntes Net-co-working und Teil des Erfolges.

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