ESC-Songcheck kompakt (10) – Belgien: „Release Me“ von Hooverphonic

Da waren die Belgier in dieser Saison ganz vorn mit dabei: Bereits am 1. Oktober gab die flämische Rundfunkanstalt bekannt, dass in diesem Jahr die Gruppe Hooverphonic intern ausgewählt worden sei, um das Land beim ESC in Rotterdam zu vertreten. Die Veröffentlichung des ESC-Songs erfolgte dann am 17. Februar. Nach der Absage des ESC 2020 wurde bereits bekannt gegeben, dass Hooverphonic beim ESC 2021 für Belgien antreten werden.

Die Band wurde bereits 1995 gegründet, hat in der Zwischenzeit aber einige Besetzungswechsel hinter sich gebracht. Leadsängerin ist nun die 18-jährige Luka Cruysberghs, die schon The Voice van Vlaanderen gewonnen hat. Außerdem besteht die Band aktuell noch aus den Gründungsmitgliedern Alex Callier (Bass) und Raymond Geerts (Gitarre). Alex ist beim ESC übrigens kein Unbekannter: Er hat 2018 Senneks Song „A Matter Of Time“ mitgeschrieben. In der neuen aktuellen Besetzung haben Hooverphonic bislang erst ein Album veröffentlicht: „Looking for Stars“; insgesamt hat die Gruppe aber bereits zehn Alben auf den Markt gebracht.

Der Song 

Laut der belgischen Website songfestival.be handelt das Lied vom kranken Vater von Alex Callier (dem Bass-Spieler der Gruppe), der inzwischen verstorben ist. Alex hat den Song auch gemeinsam mit Luca Chiaravalli komponiert. Der Text lässt sich aber viel besser so interpretieren, dass eine Person versucht, sich von ihrem Partner zu trennen, weil die Beziehung ein trauriges Spiel ist. Das Lied ist sehr ruhig, gerade schon getragen, dabei aber auch melodiös und einschmeichelnd. Einige Kritiker sollen es mit einem James-Bond-Song verglichen haben.

Der Check

Song: 2,5/5 Punkte
Stimme: 4/5 Punkte
Instant-Appeal: 2/5 Punkte
Optik: 2/5 Punkte

Benny: Von „Release Me“ habe ich schon seit Wochen immer wieder einen Ohrwurm und das im positiven Sinne. Allerdings ist der Song schon sehr unauffällig für den ESC und es hätte einer „Calm After The Storm“-mäßigen Inszenierung bedurft, um in diesem harten Halbfinale zu überstehen – eine Qualität, die das belgische ESC-Team in den letzten Jahr leider nicht allzu oft unter Beweis gestellt hat. 8 Punkte.

Berenike: Je mehr Songs in diesem Jahr veröffentlicht wurden, desto besser gefiel mir der Titel. „Release me“ ist kein auffälliger Song, wirkt aber auf mich sehr authentisch und ehrlich zerbrechlich, was durch Luka Cruysberghs‘ intensive Mimik noch einmal verstärkt wird. 7 Punkte.

Douze Points: Das Sprichwort beschreibt den Fakt als „In Schönheit sterben“. Bei „Release Me“ stirbt der Zuhörer aber noch schneller an schöner Langeweile. Daran ist grundsätzlich überhaupt nichts verkehrt. Vollkommen verkehrt ist für den Song jedoch die ESC-Bühne. Das wäre nicht weit gekommen. 6 Punkte.

Florian: Schon vor der Bekanntgabe im Herbst war ich Hooverphonic-Fan. „Release Me“ steht der Gruppe in nichts nach und wirkt somit sehr authentisch und nah an dem Sound, für den die Band steht. Im ersten Halbfinale hätte der Titel allerdings untergehen können. Für mich ändert es aber nichts daran, dass mir der Song gut gefällt und weiterhin auf meiner Playlist bleiben wird. 8 Punkte.

Manu: Es klingt in meinen Ohren oft wie ein Lob, wenn jemand sagt, dass ein Lied nicht „ESC-tauglich“ ist. Die letzten Jahre haben oft das Gegenteil gezeigt. „Release me“ ist zwar nicht der ganz große Wurf, schafft aber eine Stimmung zu kreieren. Unaufgeregt und fast träge schleppt sich das Lied durch Strophen und Refrain – und über allem schwebt die an Portishead erinnernde Gitarre. Aber leider nicht die relativ ausdruckslose Stimme von Sängerin Luka. 7 Punkte.

Max: Bond-Vibes sind immer an der richtigen Stelle bei mir. Ein atmosphärischer Song bei dem ich gespannt bin, wie er in Rotterdam inszeniert werden würde. Dennoch wäre er chancenlos gewesen, dafür fehlt dann doch das gewisse Etwas, zudem wird die Phrase „Release me“ einmal zu oft erwähnt für meinen Geschmack. Bleibt für mich trotzdem kein schlechter Song. 6 Punkte.

Peter: Obwohl es Hooverphonic schon über 20 Jahre gibt, sind sie mir bisher nicht aufgefallen (wiewohl ich die Spielfime, für die sie zum Soundtrack zugeliefert haben, gesehen habe). Ich habe jetzt auch nicht das Gefühl, viel verpasst zu haben. Das piano-balladeske „Release me“ klingt so wie der Klangteppich, der immer in der angenehm entspannten Bar vom Park Hyatt in Hamburg läuft: gefällig, aber boring boring boring. Luka (Curysberghs) hat eine sympathische Ausstrahlung und eine schöne Stimme, I give you that. 6 Punkte (ich fiebere dem ersten Pussanga’s Passion mit Douze Points im Park Hyatt nach dem Kontaktverbot entgegen).

Gesamtpunktzahl: 48/84 Punkte

Beim ESC-kompakt-Index landet „Release Me“ auf Platz 27 von 41.

Wie hätte der belgische Beitrag "Release Me" von Hooverphonic abgeschnitten?

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Bisher erschienene Songchecks:

Erste Hälfte des ersten Semis
(1) Australien: „Don’t Break Me“ von Montaigne
(2) Irland: „Story Of My Life“ von Lesley Roy
(3) Litauen: „On Fire“ von THE ROOP
(4) Nordmazedonien: „You“ von Vasil
(5) Russland: „UNO“ von Little Big
(6) Schweden: „Move“ von The Mamas
(7) Slowenien: „Voda“ von Ana Soklič
(8) Weißrussland: „Da Vidna“ von VAL

Zweite Hälfte des ersten Semis
(9) Aserbaidschan: „Cleopatra“ von Efendi


28 Kommentare

  1. Der belgische Beitrag ist wie ein Bach der einen nur dann fasziniert wenn man ihn näher betrachtet ansonsten plätschert er an einem vorbei. 5 Punkte. Ich freue mich trotzdem das sie nächstes Jahr wieder dabei sind

    • Ich mag den belgischen Beitrag. Gerne hätte ich ihn im ESC-Finale gesehen/ gehört. Meine Einschätzung: 11.-15. Platz.
      Allein die Gruppe Hooverphonic lohnt sich. Umsomehr freue ich mich, dass das belgisch-flämische Fernsehen der Gruppe für 2021 eine neue Chance gibt. Danke dafür.

  2. Einer meiner Lieblingssongs. Ich liebe den Song und vor allem die Stimme der Sängerin.
    Ich denke mal optimistisch, dass „Realease me“ knapp ins Finale gekommen wäre, dort allerdings eher im hinteren Mittelfeld gelandet wäre. Ich fürchte, dass der Song ein wenig zu unauffällig ist, um groß zu punkten.

  3. Als Hooverphonic als belgische Vertreter bekanntgegeben wurden, habe ich mich sehr gefreut, weil mich die Musik von Hooverphonic schon seit vielen Jahren begleitet. Aiuch wenn ‚Release Me‘ nicht zu den Meisterwerken von Hooverphonic gehört, ist es zweifelsfrei einer der musikalisch besseren Beiträge des abgesagten Jahrgangs. Allerdings wäre das Lied mMn die falsche Wahl für einen Liederwettstreit gewesen. Deshalb denke ich, dass die Reise nach dem Halbfinale zu Ende gewesen wäre, außer die Jurys hätten den belgischen Beitrag mit Punkten überhäuft; in diesem Falle hätte es vielleicht knapp für den Finaleinzug gereicht.

  4. 6 Punkte von Peter? Welch ein vernichtendes Urteil. Na gut, hier bounct und groovt ja auch nix. 🙂

    Ich mag diese entspannten Nummern eigentlich ganz gern. Es dürfte trotzdem etwas mehr passieren, als dass es einfach nur hübsch klingt.
    Nun hat diese Band, die ich sehr schätze, ein Jahr Zeit, einen cooleren Song zu finden, mit dem sie realistischerweise das Finale anpeilen können. Und ich bin sicher: sie schaffen das.

  5. Die Musik beginnt, das erste zerbrechliche „Release Me“ erklingt und man hat mich… Wunderschöne Atmosphäre, hervorragend gesungen und ein schöner Text, auch wenn man das loosing game von Duncan wiederfindet. Und die kleine Steigerung am Ende gefällt mir auch sehr. Naja, und mein Angliszismus lautet wie immer „vulnerability“ 😍 Ganz großes Kino.
    9.5/10 und mein Platz 5 von 41.

  6. Ich finde den Song großartig ..allerdings haben Hooverphonic schon viel bessere Songs gemacht „Sometimes“ zb hätte den ESc gewinnen können ..auch „“Romantic“ wäre eine bessere Wahl gewesen ..trotzdem Platz 2./41

  7. Also mir gefällt’s, ich mag ja diese Bondnummern – aber dem Song geht nach 2 Minuten die Luft aus. Wäre im grottigen 1. Semi durch Juries durchgekommen; im Finale dann je nach Inszenierung im vorderen oder hinteren Mittelfeld. Diese war ja öfter ein Problem für unsere Nachbarn, aber Hooverphonic sind keine veränstigten Rehe, sondern so professionell, dass sie ihre eigenen Leute dafür reingebracht hätten, statt sich auf die Requisite des Senders zu verlassen.

  8. So, bin auch mal wieder dabei, nachdem ich mich nicht an die Songchecks rangetraut habe. Nachher werde ich noch versuchen, die restlichen nachzuholen. 🙂 Leider stimmt mich der Konjunktiv dabei immer recht traurig…

    Hooverphonic kannte ich offen gesagt noch gar nicht, aber „Release Me“ gefiel mir von Anfang an recht gut, auch wenn es mich etwas später wirklich abgeholt hat. Die große Frage: Wie hätten die Belgier das inszenieren können? Und wenn ich da ein Blick auf die letzten Jahre werfe, kann ich mir nicht vorstellen, dass das der große Wurf gewesen wäre. Insofern wird Belgien vermutlich im Halbfinale hängen bleiben. Ich meine natürlich „würde hängenbleiben“. *seufz*

    Prognose: Halbfinale Platz 11/17 (50%)
    Meinung: Platz 12/41 (8 Punkte) für mich

    • Ich freu mich schon drauf, Deine Nachhol-Kommentare zu lesen! Wie ich sehe, hast Du bei Aserbaidschan schon mal angefangen, was Du erfreulicherweise hinter Belgien hast, wenn auch nur knapp.

      • Schön, dass Du Dich immer wieder für meine Kommentare begeistern kannst! 🙂 Wie ich sehe, sind wir gegenseitig die größten Fans voneinander. Ich lese auch sehr gerne Deine Kommentare hier.

  9. Sehr schönes, ruhiges Lied, momentan mein Gesamtplatz 6.

    Kann sein, dass es im starken ersten Semifinale mit dem Weiterkommen knapp geworden wäre. Aber ich spekuliere da eigentlich sowieso nie groß drüber (und habe den Vorgänger-Satz auch nur geschrieben wegen des Wortgefüges „starkes erste Semifinale“, das ich dem „grottig“ eines Mitkommentators entgegenstellen möchte 😉 )

    Ich gebe 9 Punkte von 12 (die sind eigentlich nicht vorgesehen, aber die 7,5 und 4,5 Punkte, die ich für andere Semifinalisten bereits vergeben habe, ja auch nicht).

  10. Hooverphonic wären wohl gleich an der ersten Ausfahrt rausgedrängt worden. Vielleicht ist der Song auch ein bisschen zu auswechselbar alternativ. Garbage in ihrer Bond-Phase? Die Cardigans haben eine neue Lead-Sängerin?
    Dass der Song nicht von der Stelle kommt, ist – wie die gesamte Produktion – nur konsequent: In der Forderung nach Freisetzung schwingt eigenes, zutiefst menschliches Zurückhalten mit. Etwas mehr Wortschatz wäre den Lyrics dennoch gut bekommen.
    Inmitten der Melancholie gönnt sich „Release Me“ Konzertstreicher – nicht die billigsten! – und einen dringend benötigten Tonschritt in der Bridge.
    Gefällt mir soweit recht gut, muss ich stimmungsbedingt aber manchmal wegdrücken. Auf den Beitrag 2021 bin ich jetzt schon gespannt, da geht noch was.

  11. Hach, das mag ich! Schön melancholisch und gefühlvoll, dazu (für mich) ein totaler Ohrwurm. Vermutlich für die ESC-Bühne zu unauffällig, hätte wohl höchstens von den Jurys ins Finale gehievt werden können und da kaum Punkte bekommen. Ich denke, ich werde mich mal mit dem bisherigen Œuvre von Hooverphonics beschäftigen müssen. Das klingt ganz so, als sei mir da bisher was entgangen.

  12. Belgien darf die Bond-Schiene auch mal wieder verlassen. Das hat die letzten 2 Jahre nicht mehr funktioniert und dieses Jahr wäre es genauso gelaufen.

    • @Tamara

      Stimme dir zu, wäre wohl knapp geworden. Dennoch liebe ich diesen Song und bin froh dass ich diese Band durch den ESC überhaupt erst entdeckt habe.

  13. Wäre schon mit seiner Melancholie bei diesem ESC etwas seltenes gewesen, aber wohl nicht ins Finale gekommen, von mir 10 Punkte, like it

  14. Kurz nach der Veröffentlichung von drei Musiker und mir bewertet

    Gesang: Zu viel innerhalb der gleiche Oktave ++ Ein wenig mehr Kraft darf ruhig sein ++ Sauber ++ Schöne Stimme
    Melodie: Schön, endlich ein wirkliches Lied ++ So geht Ballade aus Belgien ++ Anspruchsvoller als es sich anhört ++ Musik zum Träumen
    Gesamt: Zu viele Streicher, die der Gesang zunichte machen ++ Gut kombiniert ++ Gut ++ Alles passt zusammen
    Chancen: Finale ++ Finale ++ Mehr Show ist notwendig ++ Gehört ins Finale
    Optik: Supermarktmitarbeiterin ++ Zu viel schwarz ++ Engel mit ihren Teufeln ++ Langweilig

  15. „Release me“ ist einer der schönsten Beiträge in diesem Jahr und gehört für mich in die Top 10.
    Sicher wäre es Hooverphonic mit einer tollen Inszenierung gelungen, sich zumindest für das Finale zu qualifizieren. Wunschdenken? Wir werden es nicht erfahren.

  16. Hier blutet mein Herz am meisten, dass wir dieses Machwerk auf der großen Bühne nicht sehen werden. Eine traumhaft schöne Ballade, die mich stellenweise an Nancy Sinatras „Bang Bang“ erinnert. Das ist Musik, die meinen Kopf leicht macht und sich wie ein Teil von mir anfühlt. Einziges Trostpflaster ist die erneute Nominierung von Hooverphonic.

  17. Seit ich mich in den Song reingehört habe, gefällt er mir immer besser. Er mag nicht allzu spannend sein, aber trotzdem sehr atmosphärisch und wirklich schön. Leider ist das alles kein Kriterium für erfolgreiche ESC-Beiträge und wenn ich da an die Inszenierung von Sennek denke… Ich freue mich aber jetzt schon auf ihren Song für 2021!

    Platz 16 von 41

  18. Release me verströmt eine sehr melancholische Stimmung, was mich grundsätzlich zwar anspricht,
    trotzdem fehlt mir hier gleichzeitig auch etwas, wahrscheinlich weil das Lied sehr gleichförmig fast monoton verläuft. Gesanglich aber auf jeden Fall top, 6 Punkte

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