ESC-Songcheck kompakt (15) – Island: „Hatrið mun sigra“ von Hatari

Das anti-kapitalistische Multimedia-Projekt Hatari wurde 2015 in Reykjavik von Klemens Hannigan und Matthías Tryggvi Haraldssonn gegründet. Kurz danach stieß der maskierte Trommler Einar Hrafn Stefánsson dazu. Die Gruppe stellt sich gegen die Auswüchse der neoliberalen Gesellschaft, in der man entweder mitmacht – oder scheitert. Mit ihren Performances will Hatari die Widersprüche dieser Gesellschaftsform präsent machen.

Für ihren Auftritt bei der isländischen Vorentscheidung Söngvakeppnin standen neben den drei Bandmitgliedern auch die Tänzer und Choreografen Sólbjört Sigurðardóttir, Andrean Sigurgeirsson und Ástrós Guðjónsdóttir auf der Bühne. Neben Hera Björk (Island 2010) qualifizierten sich Hatari aus dem ersten Halbfinale fürs Finale. Dort traf die Band im Superfinale auf Friðrik Ómar (Island 2008), den sie deutlich, aber nicht überragend schlugen.

Der Song 

„Hatrið mun sigra (Der Hass wird siegen)“ ist eine auf Isländisch vorgetragene, düstere Klageschrift gegen unsere heutige Gesellschaftsform, die von der Band selbst geschrieben und komponiert wurde. Die englische Übersetzung wirkt intellektuell aufgesetzt und schwer zugänglich. Musikalisch ist das in vermeintlich harten Industrial-Rockmetal verpackt, der aber schlageresque Strukturen erkennen und selbst eine Rückung nicht auslässt.

Der Beitrag ist in jeder Hinsicht stark polarisierend. Das zeigt auch das ESC-kompakt-Polarimeter, wo Hatari einen Höchstwert erreichen. Die mediale ESC-Community ist ob des Beitrags und der inhaltlichen Aussage jedoch/ebenfalls ganz aus dem Häuschen.

Der Check

Song: 2/5 Punkte
Stimme: 2/5 Punkte
Instant-Appeal: 4/5 Punkte
Optik: 5/5 Punkte

Benny: Oft wird ja behauptet, Hatari muss man entweder lieben oder hassen. Stimmt nicht, ich liege da ziemlich genau in der Mitte. „Hatrið mun sigra“ höre ich mir „privat“ nicht an und manchmal skippe ich den Song sogar, wenn ihn die Eurovision-Playlist ausspuckt. Im Zusammenspiel mit der Performance und der aktuellen Botschaft weiß ich das Gesamtkunstwerk aber durchaus zu würdigen. Ich gehe fest davon aus, dass Hatari beim Televoting (ganz?) vorne landen, die Jurys dürften einen Sieg Islands aber verhindern. 6 Punkte

Douze Points: Unerträglicher Pseudo-Aufreger, für den sich niemand interessieren würde, wenn er aus Deutschland käme (wo es solche Musik und Auftritte ja auch seit etwa 20 Jahren gibt). Wenn ich BDSM-Outfits sehen will, gehe ich in entsprechende Clubs. Und intellektuell-angehauchten Krach gibt’s auch überall. Das brauche ich nicht beim ESC. Auch nicht mit Rückung, für die ich dennoch einen Extra-Punkt gebe. 2 Punkte

Peter: Ich mag die schrägen, provokanten, schrillen und gerade auch rockigen Einreichungen beim ESC meistens sehr, so auch diesen Titel. Und Island ist per se mal eines meiner ESC-Lieblingsländer. Die starke Hatari-Inszenierung, beschwingt gespickt mit popkulturellen und sexuellen Zitaten, ist zwar nicht wirklich originell, aber extrem unterhaltsam, tempo- und abwechslungsreich und lässt mich über die einzige Flanke des Songs, das zuweilen überzogene Gebrülle, hinwegsehen. 12 Punkte

Gesamtpunktzahl: 20/36 Punkte

Beim ESC-kompakt-Index landet „Hatrið mun sigra“ auf Platz 10 von 41.

Wie schneidet der isländische Beitrag "Hatrið mun sigra" von Hatari ab?

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Bisher erschienene Songchecks:

Erste Hälfte des ersten Semis
(1) Finnland: „Look Away“ von Darude feat. Sebastian Rejman
(2) Montenegro: „Heaven“ von D Mol
(3) Polen:„Pali Się (Fire Of Love)“ von Tulia
(4) Serbien: „Kruna“ von Nevena Božović
(5) Slowenien: „Sebi“ von Zala Kralj & Gašper Šantl
(6) Tschechien: „Friend Of A Friend“ von Lake Malawi
(7) Ungarn: „Az én apám“ von Joci Pápai
(8) Weißrussland: „Like It“ von Zena
(9) Zypern: „Replay“ von Tamta

Zweite Hälfte des ersten Semis
(10) Australien: „Zero Gravity“ von Kate Miller-Heidke
(11) Belgien: „Wake Up“ von Eliot
(12) Estland: „Storm“ von Victor Crone
(13) Georgien: „Sul tsin iare“ von Oto Nemsadze
(14) Griechenland: „Better Love“ von Katerine Duska



91 Kommentare

  1. Ich habe das in den letzten vier Jahren immer richtig vorausgesagt und daher: Dieses Lordi für Erwachsene wird siegen und zwar knapp – und da werden wir tief durchatmen – vor Russland. Außer es kommt einen Überraschungsperformance wie letztes Jahr Zypern – und die traue ich diesmal nur Polen, Australien, Belgien, oder Malta zu

    Und darüber wäre ich keineswegs traurig

  2. Italien gewinnt nie, wenn sie ein gutes Lied am Start haben und die Niederlande werden sicher 4. – sagt meine KRake

  3. Joar, irgendwie tangiert mich das mal so gar nicht. Und bei einer Aufzählung sämtlicher Beiträge aus diesem Jahr würde ich diesen sicherlich vergessen. Es existiert, weiter nichts. Aber da es die meisten anders sehen, wird das recht weit kommen. DER ganz große Wurf? Ist es definitiv nicht.

    Semi 12/17
    Qualifikation 3/17 (90%)
    Gesamt 30/41

  4. Im Grunde ist das nichts was man noch nicht gehört hat – das Erstaunen über Island scheint eher dem „das sowas zum ESC geschickt wird“ geschuldet zu sein.

    Den Auftritt finde ich persönlich extrem schwach und diese Lack/Lederoptik wirkte in der Vorentscheidung sogar billig. „Gesanglich“ verdient das sogar Minuspunkte – und das nicht wegen der motzig-schreienden Strophen, sondern wegen des mehr als dünnen und zeitweise schiefen Refrains. Musikalisch finde ich es aber nichtmal schlecht, das Instrumental ist kräftig produziert, die Rückung unerwartet eingesetzt.

    Bei dem ganzen politischen drum-herum weiß ich noch nicht so recht was ich davon halten soll, mein erster Impuls war, das es mich nervt.

    Das kommt natürlich ins Finale (und da gehört es auch hin), aber dort könnte es auch irgendwo nur bei Platz 10-15 landen, wenn es für Island schlecht läuft.

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