ESC-Songcheck kompakt (24) – San Marino: „FREAKY!“ von Senhit

Die san-marinesische Rundfunkanstalt SMRTV hat sich auch in diesem Jahr für eine interne Auswahl des Künstlers entscheiden, der den Zwergstaat beim Eurovision Song Contest 2020 in Rotterdam vertreten sollte. Die Entscheidung für Senhit fiel aufgrund ihrer intensiven Erfahrungen, die sie auf Bühnen und in Clubs in ganz Europa und in den USA mit Liedern sowohl in italienischer als auch in englischer Sprache gesammelt hat. Ein weiterer Aspekt sei der Erfolg ihrer jüngsten Electro-Pop-Single „Dark Room“ gewesen.

Senhit ist italienisch-eritreischer Abstimmung und hat ihre Karriere vor allem in Musicals in Deutschland und der Schweiz vorangetrieben. 2002 kehrte sie nach Italien zurück und veröffentlichte 2006 ihr erstes Album. Ein Jahr später folgte bereits das zweite. Beim Eurovision Song Contest 2011 in Düsseldorf trat sie noch unter dem Namen Senit auf, also ohne H in der Mitte. Mit dem Song „Stand By“ schaffte sie damals nicht den Sprung ins Finale.

Am 6. März war Senhit als diesjährige ESC-Vertreterin bekanntgegeben worden. Einen Tag später startete ein „Digital Battle“ auf ihrer Webseite, bei der die Nutzer entscheiden sollten, mit welchem von zwei Songs sie in Rotterdam antreten sollte: „Freaky!“ oder „Obsessed“. Nach 48 Stunden stand dann fest, dass „Freaky!“ mehr Stimmen erhalten hatte.

Der Song 

„Freaky!“ ist ein fröhlicher Disco-Track, der stark von der Stimme der Sängerin getragen wird. Neben den klassischen Disco-Elementen gibt es auch moderne Tupfer, gerade das etwas „dahingerotzte“ Freaky, Freaky, Freaky. Wie häufig bei Titeln aus der Disco-Funk-Kategorie ist der Aufbau nicht einfach zu erkennen; manche Elemente werden mehrfach wiederholt, einige davon in einer anderen Instrumentierung. Das bremst die Eingängigkeit.

Geschrieben wurde der Song von Gianluigi Fazio, Henrik Steen Hansen und Nanna Bottos. Inhaltlich geht es um eine ungewöhnliche Liebe. Während andere Menschen das Liebespaar und seine Lebensweise abschätzend betrachten, mögen sie es einfach: Freaky, freaky, freaky.

Der Check

Song: 2/5 Punkte
Stimme: 4/5 Punkte
Instant-Appeal: 1/5 Punkte
Optik: 3/5 Punkte

Benny: Mir gefällt, dass Senhit gar nicht erst versucht, besonders seriös zu wirken, sondern einfach Spaß verbreiten will und mit Elan das Projekt ESC angeht. Am Song selbst finde ich vor allem den Anfang ansprechend und dann immer wieder einzelne Elemente – eine richtige Struktur kann ich aber nicht erkennen. 6 Punkte.

Berenike: Leider ist der Song nicht „freaky“, so wie es der Songtitel verspricht, sondern eine beliebige Funk-Nummer, in der der Refrain gefühlt 20x wiederholt wird. Immerhin verbreitet es ein Gute-Laune-Feeling. 3 Punkte.

Douze Points: Der Song ist alles außer „Freaky!“. Disco-Sounds in allen Ehren, aber diese nervigen Girl-Power-Versatzstücke dazwischen empfinde ich als störend. Außerdem fehlt mir der musikalische rote Faden. Den mag es geben, mir ist er dann aber zu versteckt. Schade um Senhits schöne Stimme. 5 Punkte.

Florian: Ich war doch sehr erfreut über die Nachricht, dass Senhit wieder für San Marino starten wird. Leider traf es mit „Freaky“ den Song, den ich in der Online-Auswahl weniger mochte. Zwar transportiert er eine positive und nette Stimmung, aber gleichzeitig ist der Song nicht wirklich einprägsam. Bis auf das immer wiederkehrende „Freaky freaky freaky“ hat der Song für mich keine wirkliche Ausstrahlungskraft. Dafür gibt es von mir 4 Punkte.

Manu: Wenn ein Lied schon „Freaky!“ heißt, dann ist es das meist nicht. Das ist wie bei Frauen, die vom Friseur kommen und ihre neue blaue Haarsträhne als „fesch“ oder „crazy“ bezeichnen. Und so wirkt auch Senhit’s Lied auf mich nicht wirklich freaky. Da hilft nicht mal der „Mousse T“-Sound – alles wirkt etwas altbacken und verkrampft gewollt auf mich – und nur ab und zu blitzen gute Momente hervor. Auch ihr zweiter Beitrag konnte mich lediglich in der italienischsprachigen Originalversion überzeugen. 3 Punkt.

Max: Ich weiß nicht, ob San Marino einfach das Epizentrum der drögen Diskonummern ist, oder wieso man seit einer gefühlten Ewigkeit mit dem gleichen Disko-Brei an den Start geht. Habe absolut keine Zeit für „Freaky!“, die Nummer ist überholt, einfältig und ich habe noch nie verstanden, was der Zwergstaat beim ESC eigentlich so will… 1 Punkt.

Peter: Wie im Vorjahr liefert San Marino mit „Freaky!“ wieder einen beschwingten Mitwipp-Song, der ein bissel aus der Zeit gefallen ist. Frühe 90er-Jahre, würde ich sagen. Mich erinnern der Titel und das Video an „Too funky“ von George Michael, allerdings ist das ca. 500x besser. Was mir an „Freaky!“ gut gefällt (an an Senhit auch): Der Beitrag gibt nicht vor, mehr zu sein, als er ist, eine ausgelassen-schlichte Dancepop-Nummer mit einem ansprechenden Beat. 7 Punkt.

Gesamtpunktzahl: 29/84 Punkte

Beim ESC-kompakt-Index landet „FREAKY!“ auf Platz 35 von 41.

Wie hätte der san-marinesische Beitrag "FREAKY!" von Senhit abgeschnitten?

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Bisher erschienene Songchecks:

Erste Hälfte des ersten Semis

(1) Australien: „Don’t Break Me“ von Montaigne
(2) Irland: „Story Of My Life“ von Lesley Roy
(3) Litauen: „On Fire“ von THE ROOP
(4) Nordmazedonien: „You“ von Vasil
(5) Russland: „UNO“ von Little Big
(6) Schweden: „Move“ von The Mamas
(7) Slowenien: „Voda“ von Ana Soklič
(8) Weißrussland: „Da Vidna“ von VAL

Zweite Hälfte des ersten Semis

(9) Aserbaidschan: „Cleopatra“ von Efendi
(10) Belgien: „Release Me“ von Hooverphonic
(11) Israel: „Feker Libi“ von Eden Alene
(12) Kroatien: „Divlji Vjetre“ von Damir Kedžo
(13) Malta: „All Of My Love“ von Destiny
(14) Norwegen: „Attention“ von Ulrikke
(15) Rumänien: „Alcohol You“ von Roxen
(16) Ukraine: „Solovey“ von Go_A
(17) Zypern: „Running“ von Sandro

Erste Hälfte des zweiten Semis

(18) Estland: „What Love Is“ von Uku Suviste
(19) Griechenland: „SUPERG!RL“ von Stefania
(20) Island: „Think About Things“ von Daði Freyr
(21) Moldau: „Prison“ von Natalia Gordienko
(22) Österreich: „Alive“ von Vincent Bueno
(23) Polen: „Empires“ von Alicja


30 Kommentare

  1. Ich habe für Obsessed abgestimmt und Obsessed auf Italienisch wäre großes Kino gewesen. Freaky ist für mich nur ne langweilige beliebige Nummer. 2 Punkte

  2. Das wäre im Halbfinale ausgeschieden , was ja bei San Marino Tradition ist .
    Also kein Verlust und einer meiner letzten Plätze .

  3. Erst mal: San Marino ist eins meiner ESC-Lieblingsländer und ich bin froh, dass es dabei ist.

    „Freaky“ hat eine der schönste Strophen dieses Jahrgangs, die ersten 25 Sekunden sind einfach himmlisch! Allerdings ist „Freaky“ auch Anwärter für den nervigsten Refrain des Jahrgangs (weswegen ich für „Obsessed“ gestimmt hatte). Das ergibt insgesamt einen Mittelfeldplatz und

    6 Punkte (von 12)

    • San Marino mag ich beim ESC generell auch. Sie nehmen sich nicht ganz so ernst, sind aber auch ein bisschen ehrgeizig. Und zweimal wurde man ja auch belohnt. Und, böse gesagt, mag ich aus dem Zwergstaat mehr Lieder als aus manch anderen großen ESC-Nationen… 😉

  4. Oh Mann, was für ein Absturz im Vergleich zum letztem Jahr. Serhat gehörte 2019 zu meinen Favoriten, höre ich noch heute sehr gerne.

    „Freaky“ ist mein absolutes Schlusslicht, auch, wenn ich es mit früheren Beiträgen aus San Marino vergleiche. Kann mir auch nicht, dass sie das Semi überstanden hätte.

  5. Leider ein völlig überflüssiges Liedchen, das auch ziemlich nervt. Selbst Valentina hätte dieses Lied abgelehnt… naja, vielleicht auch nicht, wenn ich an „Spirit of the night“ denke, was ähnlich schlimm war…

  6. Es ist schon komisch, dass San Marinos erster Beitrag, der 2008 den letzten Platz im Halbfinale belegte, noch immer in meiner Playlist ist, während alles, was danach kam, im Eimer verrottet. Leider ist auch ‚Freaky‘ Eimermaterial, zumindest für mich.

    • Überrascht mich weniger. Aber soll ja auch Leute geben, die die Schweiz im selben Jahr gerne im Finale gesehen hätten. Halte beides für bei Fans recht überschätzt, das war eigentlich nur der 73. recht lieblose konservative Italoballaden-Aufguss. Vielleicht habe ich aber auch nur eine genetisch bedingte Abneigung gegen solche Lieder. Tut mir leid, aber wir werden sicherlich noch eine andere Übereinstimmung finden. 🙂

  7. Für mich gehört die älteste Republik der Welt San Marino zum ESC dazu. Schade, dass Monacos Revtour nur 2004-06 anhielt. Senhit hatte mit ihren beiden Songs keine Meilensteine gesetzt. Ich dücke ihr für 2021 die Daumen und mit besseren Songs.

  8. Senhit ist eine tolle Frau mit tollem Look. „Freaky!“ macht einfach Spaß, hat ein paar hübsche Lyrics und ich hätte gerne die Bühnenshow dazu gesehen. Für mich persönlich viel besser als Daddy Serhat und ein absolut verdienter:
    Platz 15 mit 8/10.

  9. Die letzten Tage im Songcheck zeigen deutlich, was für ein unterirdisches zweites Semi das geworden wäre. Senhits Song ist auch völlig ohne Struktur, ziemlich nervig und ohne Chance aufs Finale. Eigentlich mag ich San Marino echt gerne, aber ohne Valentina ist es einfach nicht mehr dasselbe 😉 .

    Platz 32 von 41

    • Es kommen noch zwei Beiträge aus der Trashfraktion und ein weiterer Schreisong. In der Tat, das zweite Semi wäre in der Tat nicht sonderlich attraktiv gewesen.

  10. Ein paar schnittige Streicher auf einem funky Groove – da hole ich reflexartig meine imaginären Glockenhosen raus und bin bereit für die Discoparty. Die erste Dreiviertelminute ist auch echt okay. But wait. Nicht nur, dass „Freaky“ plötzlich zu viele Tonspuren auffährt – irgendjemand hat sie am Mischpult auch noch bis zum Anschlag ausgepegelt. Und zwar alle. Gleichzeitig.
    Das ist überaus strapaziös, vom Refrain will ich gar nicht reden. Für die Dauer dieser ESC-Saison schließe ich mich der „Disco Sucks“-Bewegung an.
    Verdammt, Senhit! Ich hatte mich so auf deine Eurovisions-Rückkehr gefreut.

  11. Instant-Appeal 1/5? Na, Douze Points, Du weißt ja gar nicht, wie „Freaky!“ die Performance im Halbfinale gewesen wäre!
    Sen(h)it – absolut unterbewertet damals in Düsseldorf. Sie hätte das Finale verdient. „Stand By“ fand ich viel ansprechender als, sagen wir, den Gewinnersong? 😉
    „Freaky!“ ist ganz lustig, aber der Refrain hat wirklich einen gewissen Nervfaktor. Das Lied erreicht mich dadurch eher weniger. Pluspunkte gibt es aber trotzdem dafür, dass man sich selbst nicht so ernst genommen hätte.

    Prognose: Halbfinale 18/18 (10%)
    Meinung: Platz 25/41 (6 Punkte)

  12. Ich wünsche mir, dass San Marino den ESC mal ernst nimmt. Kein Trash-Pop und kein Ralph Siegel. Werden sie doch wohl mal hinkriegen.

    • #Tobiz: Dein Aspekt finde ich interessant. Da ist was dran. Dem sanmarin. Fernsehen fehlt es an einem ESC-Berater bzw -team. Bewerben wir uns? 😉

  13. Schade, „Obsessed“ hätte mir noch ganz gut gefallen. Mit dem schrecklich nervigen „Freaky“ kann ich so gar nichts anfangen. Alles andere wie das Semi-Aus hätte mich hier schon schwer gewundert.

  14. Ich muss mich outen, dass ich dieses Werk gar nicht so schrecklich finde. Ja vor allem textlich ist dass schon ganz weit unten, aber musikalisch groovt es teils schon ganz gut. Auch die Retrofunkelemente erzeugen zumindest bei mir eine gute Stimmung….

  15. San Marino ist das einzige Land von dem mir bisher kein einziger Titel gefallen hat, und auch dieser Song ist leider keine Ausnahme.

    Finde ihn einfach nur nervtötend und altbacken. Hätte kaum Chancen aufs Finale gehabt.

  16. Gesang: Angenehm ++ Sie singt mit einem Lach in der Stimme ++ Passt zu Melodie ++ Auf der sichere Seite
    Melodie: Alles in drei Minuten gequietscht ++ Munter ++ Heiter ++ Europop 2020
    Gesamt: Tanz auf Italienisch ++ Passt ++ Erfrischend ++ Sticht hervor
    Chancen: Finale, Top 26 ++ Finale ++ Gut ++ Gehört ins Finale
    Optik: Freigeister sind immer willkommen! ++ Große Frage was sie anziehen wird in Rotterdam ++ Dein Tag fängt an beim Friseur? ++ Ich bewerte keine Frauen

  17. Fängt gar nicht übel an, aber das ist leider schnell vorbei und dann wird’s anstrengend. 3 Minuten können überraschend lang sein! Das Beste an San Marino ist tatsächlich, dass es keine vorgetäuschten tiefgründigen Botschaften und Weltrettungsambitionen gibt. Das Lied soll einfach Spaß machen – gelingt bloß leider nur bedingt, weil einfach zu viel Kraut und Rüben.

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