ESC-Songcheck kompakt (26) – Tschechien: „Kemama“ von Benny Cristo

Quelle: Instagram @bennycristo

Wie schon in den zwei Jahren zuvor, fand die tschechische Vorentscheidung auch 2020 komplett online statt. Sieben Acts gingen ins Rennen, um Tschechien beim ESC in Rotterdam vertreten zu dürfen. Wie in den Jahren zuvor entschieden eine internationale Jury (bestehend aus ehemaligen ESC-Teilnehmern) und zu gleichen Teilen das Online-Voting über den späteren Sieger, in diesem Fall Benny Cristo. Bei der Jury konnte Benny zwar nur auf dem zweiten Platz landen, allerdings wurde er dank der Zuschauer-Stimmen über die Eurovision-App am Ende der strahlende Vertreter Tschechiens. 

Benny Cristo ist ein tschechischer Künstler mit angolanischen Wurzeln. Der gebürtige Pilsener wurde vor allem durch die tschechische Ausgabe von „Idol“ im Jahr 2009 bekannt. Obwohl er nur den siebten Platz belegte, konnte er sich in der tschechischen Musikszene etablieren und räumte auch einige Preise ab, wie etwa den größten tschechischen Musikpreis für den meistgestreamten Song. Neben der Musik ist Benny auch Schauspieler und Jiu-Jitsu-Kämpfer.

Der Song 

„Kemama“ ist ein Pop-Song mit afrikanischen Einflüssen sowie Dancehall-Elementen. Das Lied erlebte einige sogenannte Revamps, der letzte wurde von den ESC-Fans selbst quasi eingefordert. Nachdem die erste neue Version erschienen war und diese überwiegend negative Kommentare einheimste, entschuldigte sich Benny Cristo und versprach das Lied noch einmal zu überarbeiten. Komponiert und geschrieben wurde das Lied zu gleichen Teilen von Osama Verse-Atile, Ben Cristóvão (wie Benny bürgerlich heißt), Charles Sarpong und Rudy Ray.

In dem Lied geht es darum, sich selbst treu zu bleiben, nicht auf die Meinung anderer zu hören und immer weiter zu machen. Zudem werden in feinster Dancehall-Tradition auch Größen wie Bob Marley erwähnt und angedeutet, dass der Sänger „high“ werden will.

Der Check

Song: 2/5 Punkte
Stimme: 2/5 Punkte
Instant-Appeal: 2/5 Punkte
Optik: 4/5 Punkte

Benny: Revamps hin oder her – die besten Versionen, die ich von „Kemama“ bisher gehört habe, waren die beim ukrainischen Vorentscheid und bei der PrePartyES at home. Soll heißen: Der Song funktioniert vor allem live. Mittlerweile habe ich mich auch reingehört, aber Bennys Bühnenpräsenz hätten den Beitrag so oder so ziemlich sicher ins Finale gebracht. 7 Punkte.

Berenike: Auf der einen Seite plätschert es schon etwas dahin, auf der anderen Seite fällt es mir doch positiv auf, weil es auch einmal ein paar andere Soundeffekte und Einflüsse einbindet und nicht klassische ESC-Ware ist. Und auf gewisse Weise mag ich die chillige-plätschernde Grundstimmung auch, das versetzt einen gedanklich mit einem Cocktail ans Meer. 7 Punkte.

Douze Points: Welches war denn jetzt eigentlich die letzte und offizielle Version des Songs? Klassischer Fall von Verschlimmbesserung. Musikalisch nicht mein cup of tea, auch wenn ich verstehe, dass das zeitgenössisch ist. Es macht mir trotzdem keinen Spaß, bleibt nicht hängen und überhaupt. 3 Punkte.

Florian: Vor dem Schreiben meiner Bewertung musste ich mir noch einmal vor Augen führen, welche Version denn nun zum ESC sollte. Das war ein wirkliches Hin und Her und ganz ehrlich – wofür? Keiner der Revamps hat den Song in irgendeiner Form verbessert. Im Vergleich zu Deutschland und Österreich in der Riege der Dance-Tracks die schwächste Nummer. Besonders angesichts der letzten beiden tschechischen Beiträge fehlt mir hier die Kreativität und Originalität, die Tschechien ins Finale brachte. 4 Punkte.

Manu: Ein starker Vorentscheid birgt immer die Gefahr, dass viele mit dem Sieger nicht einverstanden sind. Und Benny Cristo hat sich ganz schön beeinflussen und verunsichern lassen, was schließlich in einem Revamp vom Revamp gipfelte. Denn „Kemama“ hat sicher nicht nur wegen der heimischen Bekanntheit des Musikers gewonnen. „Kemama“ ist einer der wenigen Titel, die vor allem außerhalb der Bubble hätten funktionieren können. Juryvotes wären hier wohl relativ sicher gewesen. Und wenn er seinen Auftritt ähnlich sympathisch verpackt hätte wie beim ukrainischen Vorentscheid, wären auch noch einige Zuschauerpunkte dazugekommen. Für mich einer der unterschätzten Beiträge in diesem Jahr: 8 Punkte.

Max: Da konnten auch keine duzend Revamps helfen: Kemama lässt mich einfach kalt, trotz afrikanischem Flair. Die Melodie bleibt nicht wirklich im Kopf, es fehlt eine Hookline mit Wiedererkennungswert, die auch bei der letzten „verdichteten Version“ nicht nachgeliefert wurde. Ich denke, die Nummer hätte es auch wirklich sehr schwer in Rotterdam gehabt, für mich ein Kandidat für einen der hinteren Plätze im Semi. 1 Punkt.

Peter: Benny Cristo ist ein sympathischer, vielseitiger Zeitgenosse, cool im entspannten Sinne. Sein Crossover-Song „Kemama“ mit Afropop, HipHop und Reggae-Elementen ist sicher nicht besonders originell, kommt bei Benny aber aufgrund seine angolanischen Wurzeln authentisch rüber und man merkt ihm die ausgelassene „Spielfreude“ an. Ein großartiger Botschafter für Tschechien mit einem charttauglichen Happy-Hip-Hop-Hit. 8 Punkte.

Gesamtpunktzahl: 38/84 Punkte

Beim ESC-kompakt-Index landet „Kemama“ auf Platz 23 von 41.

Wie hätte der tschechische Beitrag "Kemama" von Benny Cristo abgeschnitten?

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Bisher erschienene Songchecks:

Erste Hälfte des ersten Semis

(1) Australien: „Don’t Break Me“ von Montaigne
(2) Irland: „Story Of My Life“ von Lesley Roy
(3) Litauen: „On Fire“ von THE ROOP
(4) Nordmazedonien: „You“ von Vasil
(5) Russland: „UNO“ von Little Big
(6) Schweden: „Move“ von The Mamas
(7) Slowenien: „Voda“ von Ana Soklič
(8) Weißrussland: „Da Vidna“ von VAL

Zweite Hälfte des ersten Semis

(9) Aserbaidschan: „Cleopatra“ von Efendi
(10) Belgien: „Release Me“ von Hooverphonic
(11) Israel: „Feker Libi“ von Eden Alene
(12) Kroatien: „Divlji Vjetre“ von Damir Kedžo
(13) Malta: „All Of My Love“ von Destiny
(14) Norwegen: „Attention“ von Ulrikke
(15) Rumänien: „Alcohol You“ von Roxen
(16) Ukraine: „Solovey“ von Go_A
(17) Zypern: „Running“ von Sandro

Erste Hälfte des zweiten Semis

(18) Estland: „What Love Is“ von Uku Suviste
(19) Griechenland: „SUPERG!RL“ von Stefania
(20) Island: „Think About Things“ von Daði Freyr
(21) Moldau: „Prison“ von Natalia Gordienko
(22) Österreich: „Alive“ von Vincent Bueno
(23) Polen: „Empires“ von Alicja
(24) San Marino: „FREAKY!“ von Senhit
(25) Serbien: „Hasta La Vista“ von Hurricane


22 Kommentare

  1. Der Song gefällt mir wirklich gut. Gerade die afrikanischen Elemente, sind sehr ausssergewöhnlich.
    Ich denke mal, dass Benny Cristo ins Finale gekommen wäre, und dort einen Platz zwischen 10 und 15 belegt hätte.

  2. Cooler Typ, aber leider passiert in dem Song so rein gar nichts, der Rhythmus verspricht mehr als die kaum vorhandene Melodie halten kann. Und das wird dann leider nach 1 Minute echt langweilig für mich.

  3. Einer der wenigen Songs (neben Russland und Irland), die mich aktiv nerven; finde das nur chaotisch zusammengewürfelt – in welcher Fassung auch immer.

  4. Dieses Jahr finde ich beinahe alle Lieder entweder großartig/gut oder richtig schrecklich. Der tschechische Beitrag ist einer der wenigen, die sich mit einer 6/12 im Mittelfeld tummeln.

  5. Jugend textet, da steige ich normalerweise aus, zumal wenn eine*r beim Sprechsingen den Mund nicht richtig aufkriegt. Entsprechend hielt ich das Ergebnis der tschechischen Vorausscheidung für eine Art Prager Zahlensturz. Doch wie so oft beim ESC, dafür mag ich ihn so, kam ein kleines Ohrwürmchen angeschunkelt. Der Benny Christo und ich sind seither Freunde, teilen uns die angenehme Energie, mit der er seine Geschichte erzählt.
    Der ganz mies abgemischte erste Revamp-Versuch hat mich nochmal kurz verstört, doch mit der finalen Version ist alles wieder gut. Das bisschen Afroethno im Contest gefällt mir gut, ich vergebe einen vorderen Mittelfeldplatz.

  6. Ein Song mit afrikanischen Einflüssen – nice! Ich fand Kemama als Sieger gar nicht so schlecht. Wie sein Namensvetter beim Songcheck bereits angemerkt hat, funktioniert „Kemama“ vor allem live. Und dass er das kann, hat er ja beim Vidbir-Auftritt bereits gezeigt. Am besten gefällt mir nach wie vor die erste Fassung des Liedes, mit den anderen fällt es bei mir ein wenig ab. Und die erste Strophe bis zum Refrain finde ich einfach nur phänomenal. Finale wäre sicher drin gewesen mit einer guten Performance. Mir gefällt der Weg, den die Tschechien seit 2018 gehen. Well done! Hoffentlich sehen wir Benny auch im nächsten Jahr wieder.

    Prognose: Halbfinale 7/18 (70%)
    Meinung: Platz 19/41 (7 Punkte)

  7. Der Song klingt sehr zeitgemäß.

    Diesen harten Worten will ich aber schnell die Bemerkung hinterherschicken, dass ich den einen oder anderen zeitgemäßen Song so zwischendurch beim ESC ja ganz ok finde (zwecks Vielfalt und so …) 😉

    Und wenn zeitgemäßer Song, dann darf er ruhig so klingen wie der diesjährige tschechische Beitrag, da gibt’s wesentlich schlechtere (z.B. den tschechischen Beitrag von vor zwei Jahren). Ich höre „Kemama“ sogar ganz gerne, das Lied hat einige schöne Elemente, ist beschwingt und kann für gute Laune Sorgen, tiefer berühren tut es mich allerdings nicht.

    6 Punkte (von 12)

  8. Gesang: Zwischen Sagen, sägen und Singen ++ Karibik ++ Ey … Yo … Rap … mit Versuch zu Singen ++ Alleine Tanzen … ist vielleicht die bessere Idee
    Melodie: Folgt die Stimme ++ Passt ++ Rap ++ Gähn
    Gesamt: Noch ein Text mit ‘Mama’ drin. Befreie dich! ++ Er genießt und das ist gut ++ Heiter ++ Wir spielen besser
    Chancen: Netter Versuch ++ Null ++ Konkurrenz ist starker ++ Tschüß
    Optik: Macht Spaß ++ Nichts mehr ändern ++ Bühne könnte zu groß für ihn sein ++ Nicht meine Zielgruppe

  9. Das Video und der Song sind absolut stimmig.
    Ein etwas abgenutzter Dancehall Klangteppich wird irgendwo, zum Beispiel auf einer tristen, herbstlich grauen Wiese in Mecklenburg-Vorpommern, ausgerollt, und um in Stimmung zu kommen, lässt die Helikopter-Generation in einem Fahrzeug eine Pulle (J-Meister?) kreisen. Logisch, dass sich die Feierwütigen anschließend wegen aufsteigender Hitze in einem Stall etwas „nackig“ machen müssen. Es gibt ja Zustände, in denen hört und sieht man sich so manches schön. An der Musik kann das, nüchtern betrachtet, nicht liegen. Die ist nicht so heiß, wie sie vorgibt zu sein.

    Vielleicht hätte Benny Cristo versucht, im Semifinale etwas mehr Feuer auf der ESC-Bühne zu entfachen. Dancehall Rhythmen haben ja Fans und daher hätte es für das Finale reichen können. Wenn ich auf der Tanzfläche mal was zum runterkommen brauche, würde ich wohl auch zu „Kemama“ gemäßigt mit den Füßen wippen.

  10. Das ist so überhaupt gar nicht mein Fall – einer von ganz wenigen Titeln, die die diesjährige ESC-Playliste leider schon wieder verlassen mussten. Nervt mich von vorne bis hinten und ist dazu noch langweilig – muss man auch erst mal hinkriegen. 😉 Vielleicht wäre es live erträglicher gewesen, aber mir fehlt nichts, wenn mir das verwehrt bleibt.

  11. Noch mal so ein Song, der mir rein gar nichts sagt, dümpelt für mich ohne erkennbare Melodie vor sich hin. Das mag wohl zeitgemäss sein, aber besser wird es dadurch auch nicht. 2 Punkte

  12. Die Studioversion finde ich furchtbar, die Version bei ‚PrePartyES at Home‘ hingegen ist grandios. Ich tippe auf einen Platz im letzten Drittel.

  13. Trotz der Revamps (mir gefällt das Original immer noch am besten) ein echt cooler, sehr schön zeitgemäßer Song und mit Afro-Touch hätte ich aus Tschechien jetzt auch nicht unbedingt gerechnet. Ein klein bisschen monoton ist es vielleicht, aber Benny holt live sehr viel raus. Finale wäre verdient gewesen.

    Platz 8 von 41

  14. Ein etwas schwer zugänglicher Song. Finde ich musikalisch nicht schlecht, hätte aber wohl Probleme mit der Qualifikation gehabt.

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