ESC-Songcheck kompakt (37) – Italien: „Zitti e buoni“ von Måneskin

Bild: Gabriele Giussani

Wie traditionell üblich, wurde der italienische Beitrag für den Eurovision Song Contest auch in diesem Jahr wieder im Rahmen des altehrwürdigen Festival die Sanremo gesucht und gefunden. Über insgesamt fünf Abende erstreckte sich der Wettbewerb, insgesamt 26 Acts nahmen teil. In der Nacht vom 6. auf den 7. März standen Måneskin schließlich als Sanremo-Sieger fest und gaben noch in der Nacht via Instagram bekannt, auch die Einladung anzunehmen, für Italien zum ESC zu fahren. Die vierköpfige Gruppe konnte sich im Superfinale des Sanremo-Festivals sowohl bei der Presse-Jury als auch – dort mit großem Abstand – beim Televoting auf den ersten Platz setzen.

Måneskin sind eine italienische Rockband, die 2017 durch ihre Teilnahme an der Castingshow X Factor bekannt wurde. Bandmitglieder sind der Sänger Damiano David, die Bassistin Victoria De Angelis, der Gitarrist Thomas Raggi und der Schlagzeuger Ethan Torchio. Die Mitglieder lernten sich in der Schule kennen und gründeten die Gruppe 2016. Da Bassistin Victoria aus Dänemark stammt, wählte man als Bandnamen das dänische Wort für „Mondschein“. Bei X Factor 2017 belegte die Gruppe den zweiten Platz. Die erste EP „Chosen“ erreichte Platz 3 der italienischen Charts, das erste Album „l ballo della vita“ Platz 1. Auch die seit 2017 veröffentlichen Singles waren sehr erfolgreich, wie „Torna a casa“(2018) auf Platz 1 der Charts und „Morirò da re“ (2018) und „Chosen“ (2017) auf Platz 2. Im Februar 2019 gingen die Måneskin auf Europatour und traten unter anderem auch in München, Hamburg und Stuttgart auf.

Der Song

Geschrieben wurde „Zitti e bunoi“ einzig von den vier Bandmitgliedern selbst. Das Lied ist ein energetischer Rockbeitrag, der stark von der einzigartigen Stimmfarbe des Frontsängers Damiano David und der Bühnenpräsenz der Bandmitglieder lebt und ein idealer Song für Livekonzerte ist. Wir dürfen uns sicher auf eine beeindruckende Bühnenshow beim ESC freuen.

Übersetzt heißt der Songtitel „Still und brav“. Im Text geht es darum sich nicht Konventionen und Erwartungen zu beugen, sondern stattdessen bedingungslos ausgeflippt, verrückt und anders als die anderen zu sein.

Der Check

Song: 5/5 Punkte
Stimme: 5/5 Punkte
Instant-Appeal: 5/5 Punkte
Optik: 5/5 Punkte

Benny: Richtig starker Indie-Rock-Song. Gerade im direkten Vergleich mit Finnland ist Italien doch sehr viel frischer und massentauglicher (im Sinne von: Wenn schon Rock, dann richtig). Dazu kommt, dass die Band einfach Charisma hat und ihr Ding durchzieht. Mal wieder gut gemacht, Italien. Vielleicht sogar ein Dark Horse. 10 Punkte.

Berenike: Manch einer mag „Zitti e buoni“ als lärmig beschreiben. Aber genau deshalb mag ich den italienischen Beitrag. Auf mich wirkt der Song sehr authentisch, beim Anhören kommt für mich eine ehrliche Wut rüber. Hier wird nichts mit hübschen Melodien oder allzu massenverträglichen Arrangements geschönt. Da die Bandmitglieder, insbesondere Leadsänger Damiano, obendrein echte Rampensäue sind, schafft es Italien ein weiteres Mal ganz oben auf meiner persönlichen ESC-Rangliste zu stehen. 12 Punkte.

Douze Points: Als ich „Zitti E Buoni“ letztens beim Laufen gehört habe, hatte ich einen Flashback in die 80er. Damals dachte ich (nur für sehr kurze Zeit), ich müsste harte und ehrliche Rockmusik gut finden. Letztlich gefielen mir aber nur schlagerhafte Punksongs mit humorvollen Texten. Nun kommen 30 Jahre später Måneskin um die Ecke und machen einen auf Glamrock, wobei sie nicht nur melodisch mit denselben abgenudelten Tricks spielen wie die Bands damals, sondern sich auch klamottentechnisch kein My von der damaligen Zeit abheben oder damit ironisch spielen (wie z. B. die Dänen). Was ist bloß in die Italiener gefahren, das zu ihrem Sanremo-Sieger zu machen?! Und warum wird das so gehypt? Ich will das wirklich verstehen. In der Zwischenzeit gebe ich 2 Punkte.

Florian: Måneskin liefern eine interessante Nummer, mit der man aus Italien vielleicht gar nicht gerechnet hätte. Doch das Arrangement ist gut gelungen und wirkt auf mich sehr gefällig. Der Refrain ist trotz seiner Härte eingängig und klug zusammengesetzt. Im Übrigen bin ich durchaus davon überzeugt, dass dieser Song im Finale neben Finnland koexistieren kann und seine eigene Nische finden wird – in jedem Fall ist dieser Beitrag eine musikalische Bereicherung für den Jahrgang. 7 Punkte.

Manu: Wenn mich Finnland an Linkin Park denken lässt, denke ich bei Måneskin an raue Indierock-Bands wie den White Stripes, Kasabian oder den Queens of the Stone Age. Und auch wenn ich mir persönlich solchen nicht glatt produzierten Rock schon lange beim ESC gewünscht habe, brauchte ich ein paar Hördurchgänge um den Reiz von „Zitti e buoni“ zu entdecken. Zu sehr war ich von den optischen Glamrock-Anleihen abgelenkt. Anfangs befürchtete ich, eine Italien 2014-Platzierung, mittlerweile glaube ich aber an eine positive Überraschung für Måneskin. Überzeugte 8 Punkte – fast hätte es sogar 10 gegeben.

Max: Bei Sanremo konnte ich mit der Nummer nicht viel anfangen, meine Favoriten waren dann doch andere. Es ist aber kein schlechter Beitrag, die rockigen Klänge sind gut, aber catchen mich nicht so wie etwa Finnland. Dafür fehlt mir hier dann doch der nötige Punch. Italien wird damit wohl nicht so weit vorne wie in den vergangenen Jahren mitmischen, aber es ist trotzdem ein solider Beitrag. 6 Punkte von mir, gibt nicht viel zu sagen.

Peter: Italien zeigt der ESC-Community regelmäßig, wohin die Reise geht. Kein Big-Five-Land hat eine so makellose Bilanz vorzuweisen – kreativ wie auch mit Blick auf ein erfolgreiches Abschneiden im Finale. Sanremo ist das neue Melodifestivalen – jetzt wo Christer sich zurückzieht. Dieses Jahr bildet Italia keine Ausnahme, wenn es um kreative Höchstleistungen geht. Diodato hat im letzten Jahr den Song zur Pandemie abgeliefert, Måneskin sind die europäische Benchmark für den Blick nach vorne. „Zitti e buoni“ ist viel, viel mehr als eine Glampunkrock-Reminiszenz, der Titel ist eine innovative und kraftvolle Neuinterpretation eines der bedeutendsten Musikgenres der Musikgeschichte in der Tradition von The Jam, Hazel O´Connor, The Clash bis hin zu Marilyn Manson. Der wichtigste Titel des ESC-Jahrgangs 2021. Mindestens 12 Punkte.

Gesamtpunktzahl: 57/84 Punkten

Beim ESC-kompakt-Index landet „Zitti e buoni“ auf Platz 12 von 39.

Wie schneidet der italienische Beitrag "Zitti e buoni" von Måneskin ab?

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Bisher erschienene Songchecks:

Erste Hälfte des ersten Semis

(1) Australien: „Technicolour“ von Montaigne
(2) Irland: „Maps“ von Lesley Roy
(3) Litauen: „Discoteque“ von THE ROOP
(4) Nordmazedonien: „Here I Stand“ von Vasil
(5) Russland: „Russian Woman“ von Manizha
(6) Schweden: „Voices“ von Tusse
(7) Slowenien: „Amen“ von Ana Soklič

Zweite Hälfte des ersten Semis

(8) Aserbaidschan: „Mata Hari“ von Efendi
(9) Belgien: „The Wrong Place“ von Hooverphonic
(10) Israel: „Set Me Free“ von Eden Alene
(11) Kroatien: „Tick-Tock“ von Albina
(12) Malta: „Je Me Casse“ von Destiny
(13) Norwegen: „Fallen Angel“ von TIX
(14) Rumänien: „Amnesia“ von Roxen
(15) Ukraine: „SHUM“ von Go_A
(16) Zypern: „El Diablo“ von Elena Tsagrinou

Zwischenstand nach dem ersten Halbfinale

Erste Hälfte des zweiten Semis

(17) Estland: „The Lucky One“ von Uku Suviste
(18) Griechenland: „Last Dance“ von Stefania
(19) Island: „10 Years“ von Daði og Gagnamagnið
(20) Moldau: „Sugar“ von Natalia Gordienko
(21) Österreich: „Amen“ von Vincent Bueno
(22) Polen: „The Ride“ von RAFAŁ
(23) San Marino: „Adrenalina“ von Senhit
(24) Serbien: „Loco Loco“ von Hurricane
(25) Tschechien: „Omaga“ von Benny Cristo

Zweite Hälfte des zweiten Semis

(26) Albanien: „Karma“ von Anxhela Peristeri
(27) Bulgarien: „growing up is getting old“ von VICTORIA
(28) Dänemark: „Øve os på hinanden“ von Fyr & Flamme
(29) Finnland: „Dark Side“ von Blind Channel
(30) Georgien: „You“ von Tornike Kipiani
(31) Lettland: „The Moon Is Rising“ von Samanta Tīna
(32) Portugal: „Love Is On My Side“ von The Black Mamba
(33) Schweiz: „Tout l’univers“ von Gjon’s Tears

Zwischenstand nach dem zweiten Halbfinale

Finale

(34) Deutschland: Jendrik – I Don’t Feel Hate
(35) Frankreich: Barbara Pravi – Voilà
(36) Großbritannien: James Newman – Embers


113 Kommentare

  1. Ich bin sehr gespannt wo Italien letztendlich landen wird. Vorne kann ich mir kaum vorstellen. Hinten aber auch nicht. Eine knifflige Angelegenheit. Rockige Songs waren beim ESC mehr oder weniger immer ohne Chancen.

  2. Mal eben was ganz anderes, bitte!!!

    Wer hat auch die CD-Edition besorgt? Habt ihr auch einige Fehler entdeckt?

    Beim österreichischen „Amen“ stehen die gleichen Composer & Writer (Jess Cerro & Dave Hammer) wie beim australischen „Technicolour“.

    Da hat wohl einer nicht aufgepasst – Austria = Australia!

  3. Hm, ich kann es eigentlich kurz machen und sagen: Was eine geile Scheiße! Ich bin kein großer Italien-Fan und bin daher froh, dass sie im Vergleich zum letzten Jahr einen großen Sprung gemacht haben („Fai Rumore“ ist einfach unhörbar für mich). Ich liebe Rock, ich liebe *diesen* Stil von Rock mit am meisten, und deswegen hat mich das auch ganz schnell bekommen.
    Chancen in Rotterdam? Gute Frage. Italien hat bei mir in der einen Gruppe die 2021 Jury haushoch gewonnen (2. Platz Belgien, 3. Platz San Marino), und so wie ich das mitbekomme, würde das wohl unter jungen Zuschauern ebenfalls gewinnen. Bei älteren bin ich mir nicht so sicher. Und bei den Jurys ebenfalls nicht, weswegen ich mal vorsichtig auf Platz 6-10 getippt habe. Mein Wunschgewinner wäre es auf jeden Fall.

    @Thomas M.
    Tja, dann bin ich ja froh, dass die Zeiten vorbei sind und Du und Rockmusik beim ESC koexistieren könnt. 😉 Ich war vor dem ESC Rockfan, weswegen ich gerade diesen „Krach“ im Wettbewerb sehr schätze.

    Prognose: Finale 6-10
    Meinung: Platz 2/39 (12 Punkte)

  4. Italien = 5 Jahre in Folge in meiner Top 3. Das schafft so schnell kein anderes Land. Außer vielleicht Serbien/Bosnien in vergangenen Zeiten, aber das ist mein Balkan-Bias. 
    Musik, Text, Stil, Attitüde, alles passt bei „Zitti e buoni“ – übrigens ein perfekter Workout-Song. Ich hoffe auf eine sehr gute Platzierung. VOR Finnland, sonst bin ich beleidigt. 😉

  5. Tut mir Leid, aber ich kann mit Italien, genau wie alle Jahre zuvor, leider nichts anfangen und kann den Dauer-Favoriten-Status nicht nachvollziehen. Die einzigen italienischen Songs die mir wirklich ein wenig gefallen haben kamen von Nina Zilli 2012 und Emma Marone 2014. Danach gab es nichts mehr aus Italien was mich positiv berühren konnte.

  6. Ich muss meine Meinung etwas revidieren. Nachdem ich mich heute intensiv mit dem ESC Kompakt ESC beschäftigt habe ist Italien bei mir sehr gestiegen.

  7. Nachdem Italien vier Jahre hintereinander meine Nummer eins war, erreichen sie mich dieses Jahr leider nicht wirklich. Für mich ist das ein durchschnittlicher Rocksong ohne besonders einprägsame Melodie mit einer komischen Performance. Die guten Quoten kann ich entsprechend wenig nachvollziehen, ich sehe Italien definitiv nicht in den Top 5.

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