Kehrt die Türkei 2022 zum ESC zurück – Andorra aber nicht?

Bild: Instagram @canbonomo

Gibt es im kommenden Jahr ein ESC-Comeback der Türkei? Zumindest scheint die Hoffnung darauf so begründet wie schon lange nicht mehr. Der türkische Sender TRT und die European Broadcasting Union (EBU) stehen aktuell nämlich zu diesem Thema im Austausch und auch der Wechsel des Hauptverantwortlichen für den ESC – 2021 war bekanntlich der erste ESC mit Martin Österdahl als Executive Supervisor – scheint ein deeskalierendes Moment für die festgefahrenen Beziehungen zu sein. Das hat der TRT-Direktor İbrahim Eren der Zeitung Milliyet gesagt.

„TRT hat in der Vergangenheit eine Entscheidung in dieser Angelegenheit getroffen: Wir werden nicht teilnehmen, bis das Punktesystem geändert wird. Unser Verwaltungsrat hält an dieser Entscheidung fest, aber wir sind inzwischen auch in Gesprächen mit der Eurovision. Es gibt einen sehr guten neuen Executive Supervisor aus Nordeuropa. Ich denke, dieses Jahr war sehr erfolgreich. Nach langer Zeit war das wieder ein schöner Wettbewerb. Unsere Kollegen haben bekonnen, sich mit dem Neuen zu treffen. Ich weiß nicht, was passieren wird.“

2012 nahm die Türkei zuletzt am Eurovision Song Contest teil, damals mit Can Bonomo (Aufmacherfoto) und seinem Song „Love Me Back“. Seitdem pausiert das Land. Der Sender TRT und seine Verantwortlichen störten und stören sich vor allem aktuellen Abstimmungssystem, bei dem das Ergebnis zu 50% von den nationalen Jurys bestimmt wird, von denen man sich benachteiligt fühlt. Im Finale des ESC 2012 landete die Türkei bei den Jurys nur auf Platz 22, beim Publikum immerhin auf Rang 4. Auch die Big-5-Regelung sowie der Sieg von Conchita Wurst beim ESC 2014 stieß TRT sauer auf, was der Intendant des Senders zuletzt 2018 nochmals bekräftigte.

Dass es aktuell von der EBU Bestrebungen gibt, das Wertungssystem oder die Big-5-Regelung zu ändern, darf wohl bezweifelt werden. Aber wer weiß, welcher Formelkompromiss möglich ist? In jedem Fall sind Gespräche über eine Rückkehr schon mal ein wichtiger Schritt und damit auch eine gute Fortsetzung der Twitter-Fanaktion aus dem Jahr 2019.

Neuigkeiten gibt es auch aus Andorra, aber leider weniger gute. ESCtoday hat beim Sender RTVA nachgefragt, wie der aktuelle Stand bezüglich eines ESC-Comebacks des Zwergstaates ist. Entsprechende Gespräche waren im vergangenen Jahr bereits relativ weit gediehen, aufgrund der unsicheren Corona-Situation entschied man sich dann aber, eine Rückkehr erst für 2022 anzupeilen.

Xavi Mujal, der Generaldirektor von RTVA, hat in der Sache aber nur Folgendes zu sagen:

„Currently we are at the same stage, to not participate at the ESC 2022.“

„Aktuell sind wir auf demselben Stand, dass wir nicht am ESC 2022 teilnehmen.“

Je nach persönlichem Optimismuslevel kann man das nun als endgültige Absage werten (wie ESCtoday das tut) oder aber als das neue „Wir kommunizieren, wenn es etwas zu kommunizieren gibt“ im Sinne von: Alles noch offen, anything goes. Lassen wir uns also überraschen, was die kommenden Monate bringen – sowohl im Hinblick auf Andorra, als auch im Hinblick auf die Türkei.


110 Kommentare

  1. Auf die Türkei kann ich gut verzichten. Auf einen Erdogan-Propaganda-Song kann ich gut verzichten. Außerdem muss die Türkei die Regeln der EBU akzeptieren, wenn sie am ESC teilnehmen will und auch das der ESC ein liberales Event ist und homofreundlich ist. Das hat die Türkei auch zu aktzeptieren, wenn sie dabei sein will. Ansonsten halt nicht. Ich habe die Türkei nicht vermisst.

    • Spätestens seit diesem Jahr sollte klar sein, dass ein Popaganda-Song für einen Dikaktor nicht zugelassen wird.

  2. Wir sind glaube ich endgültig im Sommerloch angekommen. Solche Gerüchte über eine vermeintliche Rückkehr der Türkei gab es in den letzten Jahren immer wieder ohne dass am Ende etwas dabei herausgekommen ist. Muss auch zugeben dass ich die Türkei nicht wirklich vermisse.

  3. Ich kann echt nicht verstehen, wie man als ESC Fan sagen kann, „dass man ein Land beim ESC nicht vermisst“. Mir fehlt jedes Land, das nicht mehr dabei ist, selbst wenn ich kein Fan der Beiträge dieses Landes bin.

    Leider denke ich, dass solche Kommentare, wie der von mir zitierte, nichts mit dem Geist des Wettbewerbs zu tun haben und (sorry!) in den meisten Fällen auch nicht musikalisch motiviert sind. 🙁

    • @togavrus ceterum

      Doch, kann man. Die letzten Beiträge der Türkei fand ich musikalisch bestenfalls mittelmäßig.

      • Wenn die Qualität der Beiträge ein Kriterium wäre, dürften wir nur noch Italien, Portugal, Russland und die Ukraine zulassen … 😉

      • @togavrus ceterum

        Die von dir aufgezählten Länder schicken aber zumindest hin und wieder Songs die mir gefallen, das war bei der Türkei in den Jahren vor ihrem Ausstieg leider nicht der Fall. Die Hintergründe warum sie sich beleidigt zurückgezogen haben tragen bei mir auch nicht gerade zu einer Sehnsucht nach ihnen bei.

    • Es gibt schon genügend diktatorische und Homophobe Länder beim ESC. Da brauchen wir bestimmt kein weiteres. Deshalb Teilnahme nur dann, wenn die Türkei die Regeln des ESCs und die liberale Grundhaltung anerkennt. Ansonsten sollen sie halt weg bleiben.

      • Die anderen bekleckern sich ja auch nicht mit Ruhm, wenn es um Menschenrechte geht (s. Flüchtlingspolitik in den meisten Ländern), oder verhält es sich so, dass die Rechte der LGBT Community mehr wert sind als jene von Kindern aus Afrika und Syrien?

        Genau das ist der Grund, weshalb man die Politik aus dem ESC raushalten muss. Tut man das nicht, muss man entweder (wie Du, sorry) die große Heuchelshow abziehen oder es ist bald keiner mehr dabei.

      • Die EU-Flüchtlingspolitik ist sowieso ne Katastrophe, erst überfordert und dann den letzten Funken humanitären Ansatz im Abkommen mit der Türkei versenkt.

        Abgesehen davon waren bei dem ESC (analog zu Sportwettbewerben) immer schon kritische Staaten (Spanien unter Franco, Jugoslawien unter Tito, Portugal bis zur Nelkenrevolution) dabei, dass es ein Teil der Geschichte des Wettbewerbs ist, solche Staaten nicht auszuschließen, das machen Ungarn und Türkei ja selbst.

      • @togravus ceterum und eccehomo42

        So gesehen habt Ihr natürlich auch wieder recht.

    • Ich würde mich auch freuen, wenn die Türkei wieder zurückkkommt, und noch mehr, wenn sie wieder Musik wie VOR 2003 schicken würde (insofern gibt es hier erstaunlicherweise schon wieder eine musikgeschmackliche Übereinstimmung zwischen ESC1994 und mir, zumindest indirekt). Leider waren sie mit ihrer Musik seit 2003 viel erfolgreicher, also werden sie das nicht tun …

      Auf jeden Fall ist die Türkei für mich eines der besten Beispiele dafür, warum die Kategorien „viele Punkte beim ESC“ und „guter Song“ (was natürlich sehr subjektiv ist) nicht miteinander korrelieren. Was natürlich nicht heißen soll, dass ein guter Song zwangsläufig hinten landet (Sebnem Paker landete z.B. NICHT hinten).

      • Für mich halten sich die türkischen ESC-Beiträge vor und nach 2003 die Waage. Da gibt es auf beiden Seiten einiges, das ich mag, einiges, das ich durchschnittlich finde, und einiges, das ich nicht mag.

      • Ich meine mich zu erinnern, dass Du skandalöserweise „Opera“ (1983) nicht in höchsten Tönen gelobt hast, aber vielleicht verwechsle ich Dich ja, denn das kann ja eigentlich nicht sein 😉

      • Türkei 1996 und 1997 gehören für mich zu den besten Beiträge der 1990er Jahre.😊

      • Ich bin zwar ein passionierter Operngänger, aber „Opera“ … 🙉

    • Oje. Opera ist so ziemlich der übelste Trash ….. Der Typ sah laut aufrechtgehn aus wie eine Kreuzung aus Horst Tappert und John Travolta, zudem „Wagner, Puccini“…..

      • Ich finde sowohl Horst Tappert als auch John Travolta recht attraktiv 🙂

  4. Was die Türkei angeht, bin ich etwas Zwiegestalten. Klar, die Musik vermisse ich ungemein. Aber unter den jetzigen Bedingungen hätte ich doch Bauchgrummeln, vor allem, wenn die Türkei gewinnen sollte und der nächste ESC dann dort stattfinden würde.

    Aber ich würde Andorra sehr gerne wieder beim ESC sehen und fände es ungemein schade, wenn sie nun doch nicht wiederkommen würden.

  5. Türkei: akzeptiert die ESC-Regeln, dann herzlich Willkommen zurück oder lasst es bleiben, dann weiterhin tschüss. Über 40 andere Länder akzeptieren das auch – oder eben nicht und bleiben dann fern. Das sind die Spielregeln – um nichts anderes geht es.

  6. Puuh, das Problem liegt eindeutig auf türkischer Seite. Die Spielregeln sind bekannt, solange man fast immer 12 Punkte aus Deutschland und weitere geschenkte Televotingpunkte bekommen hat, war man immer vorne dabei, unabhängig von der Qualität der Songs. Glücklicherweise hat das neue Punktesystem das ein wenig relativiert bis zum türkischen Ausstieg. Die Big Five Regel kann aus Fansicht gerne fallen, sie wurde aber ja aus anderen Gründen eingeführt (Sicherung der Finanzierung des Events) und ich weiß nicht, inwieweit das noch gilt.
    Die Türkei kann jedoch nur unter den geltenden Regeln zurückkehren und das zweifel ich aktuell leider an

    • Genau das ist das Problem. Erdos Medienmarionetten sitzen in der Schmollecke, weil sie keinen automatischen Punktvorsprung von 50+ mehr haben. Diese Populisten sind halt letztendlich alles jämmerliche Würmer.

  7. Die TRT-Verantwortlichen sollten sich einfach mal locker machen, wieder teilnehmen und sich dann vor allem nicht darauf verlassen, dass es die Diasporastimmen schon richten werden.
    Bis zur Einführung des Televotings 1997 hat die Türkei schließlich auch sehr oft und trotz miesester Ergebnisse mit großer Freude am ESC teilgenommen – und die türkischen Beiträge waren weiß Gott von den Jurys sehr oft unterbewertet. Trotzdem hat man sich damals nie beleidigt zurückgezogen.

  8. Ich stör mich sehr an „Dieses Jahr war seit langem mal wieder ein schöner Wettbewerb.“ Weil keine „abnormalen Menschen“ mitgemacht haben? Weil dee ESC nicht in Israel war? Ich hätte die Türkei gerne wieder dabei, glaub aber nicht, dass es gut gehen würde.

    • „Weil keine „abnormalen Menschen“ mitgemacht haben?“

      Mit mehreren offen homosexuellen Teilnehmern und einer transsexuellen Moderatorin bezweifle ich, dass das deren Grund ist. Und in den letzten Jahren war der ESC auch nur einmal in Israel.

      Andererseits haben wir in der Top Ten tatsächlich fast nur Acts mit eigener musikalischer Credibility, was wirklich durchaus sehr schön ist. Man kann die von dir zitierte Passage also durchaus auch auf positive Weise deuten.

      • Da war mir die transsexuelle Moderatorin doch glatt entfallen, aber das Problem bei der „abnormalen“ Conchita war ja auch, dass sie gewonnen hat und „niemand was dagegen unternimmt“.
        Das Problem mit Israel 18 war auch nicht der Beitrag, sondern die Tatsache, dass sie gewonnen hat und damit europaweit den größten Anklang fand.
        Wurde weiter unten schon darauf aufmerksam gemacht, dass viele nicht-hetero-Normative teilgenommen haben, was mir bewusst war, aber wer weiß ob der TRT sich auch so gesprächsbereit geben würde wenn z.B. ein Tusse oder ein Vasil gewonnen hätte. Aber das ist natürlich nur sinnlose Mutmaßung.

    • Es geht im Übrigen auch nicht darum, wie oft der ESC in den letzten Jahren in Israel war, sondern darum, dass Israel gewann, die Türkei Israel aber doof findet, und deshalb konnte es sich nur um einen gekauften Sieg bzw. Manipulation handeln. Wie gesagt, ich würd mich sehr freuen wenn die Türkei wieder dabei wär, der Farbtupfer fehlt einfach (wie Herr Urban es mal so schön formuliert hat), aber wenn dann wieder jedes Mal rumgeplärrt wird, wenn der Türkischen Führung was nicht passt, dann doch lieber nicht.

  9. Unter Lenas Siegessong von 2010 (!) sind auf YouTube IMMERNOCH Türkische Kommentare die sagen das Lena den Sieg nicht verdient hätte und das sie eine rassitin ist weil sie Türkei den Sieg nicht überlassen hat.Wer nach 11(!) JAHREN nicht einsehen kann das man verloren hat hat beim ESC nichts zu Suchen. Deswegen kann ich ganz gut auf die Türkei beim ESC verzichten.
    Mein Tipp gegen Langeweile: Einfach auf LENAS Siegessong gehen dann die neusten Kommentare anschauen und in den Google Übersetzer jagen.

    • Hast Recht… bin ohne Worte.
      Nationalfanatismus hoch 10 aber immerhin gibt es auch Gegenstimmen „Wegen dieser dämlichen Regierung bleiben uns solche Freuden (wie der ESC) vorenthalten.“

    • Kannst auch russische Kommentare unter Jamala sehen und extrem gehässige Kommentare unter Ell und Nikki.
      Und auch Italiener gönnen es Mans nicht.
      ABER HIER WICHTIG: Irgendwelche Kinder/Nationalisten, die Dünnpfiff auf Youtube posten repräsentieren NICHT das Land und die Allgemeinheit wieder.

  10. Wo kommen wir denn da hin, wenn ein Land (in dem Fall die Türkei) der EBU vorschreibt was sie zu tun haben und wie die Regeln sein sollten. Jedes einzelne Land hat sich der EBU zu fügen und die Regeln zu akzeptieren, sonst brauchen sie gar nicht erst teilnehmen.

  11. Natürlich kann die Türkei wie jedes andere EBU-Land Anregungen zu Änderungen des ESC vorbringen (Scweden macht das ja nun fast schon jährlich), keine Ahnung, warum hier einige so tun, als müsste die Türkei einfach alles schlucken, wenn sie wieder mitmachen will. Und im Gegensatz zum Blogger kann ich mir gut vorstellen, dass man schon über Änderungen im Wertungssystem nachdenkt, es macht ja keinen Sinn, die Big-5 am Finale teilnehmen zu lassen, und die meisten davon dann mit Null Punkten zu frustieren.
    Andererseits dürften die wirklichen Gründe der Türkei eher auf einer politischen Ebene liegen, der ESC war passend für die Türkei als man sich noch Europa annähern wollte, heute ist man ja eher wieder dabei, die Unterschiede zu Europa herauszustellen.
    Aber in einem solchen fast schon autokratischen System, weiß man letztlich nie, wohin die Entwicklung geht, vielleicht doch wieder in Richtung ESC. Vielleicht findet man ja einen Kompromiss der es hilft der Türkei zu sagen, dass man sich durchgesetzt hat, auch wenn sich inhaltich kaum was ändert.

    • @maburayu

      Und es macht also Sinn deiner Meinung nach sich von einem Land erpressen zu lassen das sich nach einem Semi-Aus beleidigt zurückzgezogen hat und plötzlich meinte dass System sei ungerecht nachdem man mehrere Jahre da freiwillig mitgespielt hat, Hauptsache die Ergebnisse stimmen??

      Ne, unter diesen Umständen können sie gerne bis zum Sankt-Nimmerleinstag wegbleiben.

      • Warum benutzt du was Wort Erpressung? Wenn der türkische Sender sagt, dass er gerne mitmachen würde, aber etwas unfair findet, dann sollte man das diskutieren. Das ist ganz wertfrei. Ich habe ja klar ausgeführt, dass ich das mit den Juroren nur vorgeschoben sehe, die Gründe sind ganz andere. Und wenn nun die Türkei ein kleines Entgegenkommen braucht um wieder mitzumachen, dann sollte man da nicht grundsätzlich abblocken. Es sei denn man man die Türkei nicht dabei haben, politisch kann man das kaum begründen, dann müsste man auch Russland und Aserbaidschan diskutieren, oder nun ganz aktuell UNgarn.
        Ansonsten entsteht sehr schnell der Verdacht, dass man andere Gründe hat, die Türkei drausen haben zu wollen.

    • Was die BIG 5-Regel betrifft, stimme ich zu. Meinetwegen können sie diese abschaffen. Wäre vielleicht auch mal ein Anlass für die betreffenden Länder, sich etwas mehr Mühe zu geben.😉

      Wird aber wohl nicht geschehen, und zwar nicht, weil diese Länder am meisten Geld einzahlen, sondern weil denen die Zuschauer im Finale fehlen würden, sollten ein oder mehrere Länder der BIG 5 im Semi scheitern.

      • Sollte die EBU es wagen, die Big5-Regel abzuschaffen, bin ich dafür das Deutschland dann wegbleibt. Kann ja nicht sein, das diese Länder am meisten zahlen dürfen, aber dann noch durch das Semifinale müssen. Dann müsste die EBU mindestens die Beiträge für diese Länder deutlich senken.

      • @maburayu: Was meinst du mit kleinem Entgegenkommen? Entweder die Türkei akzeptiert die Regeln der EBU so wie sie sind oder sie akzeptieren sie nicht. Dann können sie halt nicht teilnehmen. Die anderen Nationen akzeptieren die Regeln der EBU doch auch, warum für die Türkei ne Extrawurst braten?

    • „Andererseits dürften die wirklichen Gründe der Türkei eher auf einer politischen Ebene liegen, der ESC war passend für die Türkei als man sich noch Europa annähern wollte, heute ist man ja eher wieder dabei, die Unterschiede zu Europa herauszustellen.“

      Um (musikalische) Unterschiede zu zeigen, ist der ESC allerdings auch immer eine schöne Bühne. Celebrate Diversity!

  12. Ich bin da sehr sehr zwiegespalten. Für Fans und Künstler würde es mich freuen. Aber die Entwicklungen der letzten Jahre lassen mich Propaganda-Pop erwarten. Hört euch zum Beispiel mal Sila mit dem Song Dan Sonra an. Eine sehr selbstbewusste junge Frau. Sie wollte nicht an einer Pro-Erdogan-Veranstaltung teilnehmen. Es wurden Songs von ihr verboten, Auftritte abgesagt. Neulich habe ich in neuere Stücke von Sila gehört. Biedere Schlager würde ich es nennen. Ihre einzige Chance, wieder Musik in der Türkei zu machen.
    Und was, wenn ein offen schwuler Mann oder eine Lesbe, Trans etc. für ein Land antritt? Ist die Türkei dann wieder aus Protest weg? Der ESC mit seinen Werten ist meines Erachtens nichts für die heutige Türkei. Hoffentlich ändert sich das irgendwann.

  13. Sollte Andorra die Corona-Pandemie als Ausrede zur Nichtteilnahme (miß)brauchen, wäre es sehr schade. Eine Rückkehr zum ESC würde mich sehr freuen.
    Auf die Türkei könnte ich auch (generell) verzichten.

    Bevor die EBU Länder weltweit zur Teilnahme mobilisiert, sollte sie lieber ehemalige Teilnehmer wie Andorra, Monaco, Slowakei, Ungarn, Bosnien-Herzegowina zurückgewinnen. Natürlich auch das letzte europäische Land wie Liechtenstein zum ESC einladen. Kosovo’s Status ist sehr kompliziert, aber auch das Land sollte die EBU im Blick behalten.

  14. zu den Erdogans „marrionetten“ Kommentaren:

    Die meisten Künstler die von der Türkei in den letzten Jahren geschickt wurden, sind alle pro Chp, also pro-sekuläre/europäische Partei.
    Can Bonomo hat ja sogar als jüdische Minderheit die Türkei vertreten 😀
    Die Türkei hat in den 00er Jahren nie wirklich politische Lieder gesendet und die große Mehrheit des türkisches Showgeschäfts sind eher sekulär angehaucht (Hadise und Co ja sowieso).

    • Das stimmt! Ich befürchte lediglich, dass es heute nicht mehr so wäre. Gerade in den letzten Jahren hat sich nach meiner Beobachtung viel verändert. Ob heute ein Beitrag ohne die Freigabe von Erdogan als Vertreter der Türkei antreten dürfte, wage ich zu bezweifeln.

    • Im Grunde ganz einfach, Wenn die Türkei erfolgreich bleiben will und das war sie ja, dann muss sie gute Künstler schicken. Wenn man bei der Auswahl schon einseitig sucht, dann wird das Risiko groß, doch nur Mittelmaß zu finden. Das kann sich die Türkei kaum leisten.

      • Ich bin mir sicher, das die Türkei, wenn sie zurückkommt, nur Künstler auswählen wird, die Treu zu Erdogan stehen. Unabhängig von den Erfolgsaussichten.

  15. Wenn ich das schon lese“ … kann ich drauf verzichten“ wenn man will findet man doch überall irgendwas woran man sich anstößt. Deutschland macht keine VE mehr holt nur 0 Punkte kann wegbleiben, UK hat den Brexit gemacht kann wegbleiben. Russland und Ukraine haben Krieg können wegbleiben, Aserbaidschan und Armenien geben sich nie Punkte können wegbleiben, Belarus hat einen Diktator kann wegbleiben, Spanien schickt eh nur Schmalz kann wegbleiben. Schweden will immer alles bestimmen kann wegbleiben, Ungarn und Polen sind gegen LTGBQ können wegbleiben usw man man man wenn man will findet man doch überall Gründe weshalb man auf ein Land verzichten könnte. Der Grundgedanke des Wettbewerbs ist aber ein ganz anderer: gemeinsam musizieren und miteinander Spaß haben und für ein Abend den ganzen politischen Kram mal beiseite lassen. Und dabei kann jedes Land herzlich gerne mitmachen.

    • Das ist sicher richtig. Voraussetzung ist aber, dass der Grundgedanke des ESC respektiert wird. War ja gerade in Sachen Belarus nicht der Fall, sonst hätten sie sich ja an die Vorgaben gehalten, dass der Song keinerlei politische Propaganda enthalten darf. Sind deshalb zu recht suspendiert. Und auch die Türkei wird diese Werte zumindest respektieren müssen. Dann sind sie herzlich willkommen. Schlimm genug, dass sie von einem Diktator regiert wird, aber die innenpolitischen Verhältnisse wird der ESC nicht ändern können.

      Für die Künstler*innen tut mir das sehr leid, weil mir eigentlich jedes Land beim ESC willkommen ist.

  16. Der neueste Schritt in Erdogans ständigem Wechseln der Allianzen und Ausrichtungen, um sich an der Macht zu halten: Big Daddy tRump ist weg und Biden weiß, dass er den Verrat an unseren kurdischen Alliierten irgendwie wieder gutmachen muß. Gleichzeitig wählt der Iran einen radikalen Theokraten zum neuen Präsidenten; die Chancen auf einen Krieg zwischen der Türkei und Iran um die Vorherrschaft in der Region ist in den letzten Monaten massiv gestiegen. Da er sich auf Putin nicht verlassen kann und sich mit den Saudis wegen Qatar überworfen hat, kann er nur noch auf den Westen zugehen und sich als stabilisierende, mehr sekulär,e Kraft im Nahen Osten inszeniere. Die mögliche Rückkehr zum ESC ist ein ganz kleines Puzzlestück in diesem Spiel.

  17. Thilo und Bobby haben ja recht, aber wenn wirklich üble Beleidigung richtung eben dieser Veranstaltung kommen (wie es ja auch bei Belarus der Fall war: „Müll der nach AIDS stinkt“), ist das schon ne Grenze, die man ziehen kann.

  18. Ich bin zwar bestimmt auch kein Freund des Erdogan-Regimes und fand auch, dass die Kritik von TRT an Big-Five und der Wiedereinführung der Jurywertung überzogen war. Noch schlimmer dann die Kritik zu Conchitas Sieg.
    Dennoch vermisse ich die Türkei im Wettbewerb und finde die Beiträge hier in Forum etwas einseitig.
    Keine gute Qualität? Also mir gefielen die Beiträge der letzten 5 Teilnahmen bis auf 2011 sehr gut. ManGa waren sicher auch nicht überbewertet und das es immer wieder Leute gibt, die einem anderen Land den Sieg nicht gönnen ist auch keine türkische Erfindung (und letztendlich hat Lena ja auch aus der Türkei 10 Punkte erhalten, das kann nicht nur die Jury gewesen sein).
    Vor allem aber die Aussage des TRT-Direktors wird hier in einem falschen Licht dargestellt. Ja, die Aussagen zu Conchita und zum zu schwulen Contest wurden von seinem Vorgänger so getroffen. Nun aber zu sagen, dass der neue TRT-Direktor den letzten Contest nur gut fand, weil nur „normale“ Künstler teilgenommen haben hat wohl vergessen, wer dabei war. Jeangu Macrooy – offen schwul, Jendrik – offen schwul, Lesley Roy – offen lesbisch, Vasil – mehr oder weniger offen schwul, Montaigne – offen bisexuell, Manizha – eine LGBT-Aktivistin, Und dann mehrere Beiträge, wo die Interpreten klar mit androgynen und queeren Attributen spielen wie the Roop, Tusse und vor allem die Sieger Måneskin. Also, da gab es schon weniger queere Jahrgänge seit 2012.
    Mal abgesehen davon gäbe es für mich dann noch mehr Kandidaten, die nicht teilnehmen müssten, wenn man den gleichen und durchaus gerechtfertigten Maßstab anlegt wie bei der Türkei. Aserbaidschan, Armenien, Georgien, Russland, Nordmazedonien, Serbien, Litauen, Polen, Moldau und auch die Ukraine sind alle nicht unbedingt bekannt für eine weitgehende Anerkennung LGBT-Rechten und die dortigen Politiker machen teilweise Stimmung gegen die Community.
    Lass uns einfach mal abwarten was passiert….und wenn es wirklich ein Propaganda-Lied gibt, hat die EBU ja dieses Jahr gezeigt, dass man handlungsfähig ist.

    • Letzte fünf Beiträge der Türkei für mich

      2008 exzellent
      2009 gut
      2010 exzellent
      2011 grottig
      2012 gut

      Einer meiner Favoriten ist zudem „Halley“ von 1986.

    • Hier möcht ich mich auch nochmal nachbessern, die Türkei stört sich daran, wenn jemand gewinnt der nicht in die Staatsmoral passt, seien es queere Menschen oder Israel oder sonst was, und das ist dann auch die einzig richtige Meinung und dann wird geschmollt und geschimpft bis der Arzt kommt, das ist einfach nur unsportlich und nicht mit den Werten des Wettbewerbs vereinbar. Matka Rossija z.B. ist auch kein Paradies der Vielfalt wie wir alle wissen, aber so ein verurteilendes Gezeter wie es aus türkischer Richtung (selbst wenn sie nicht teilnehmen!) immer wieder kommt wenn irgendwas am Ergebnis nicht gefällt kommt aus Russland in der Dimension zumindest nicht. Meckernde Stimmen gibt es natürlich immer aus allen Ländern wahrscheinlich.

  19. Ok, aber ich wunder mich dennoch über diese Merkwürdige Wertung der letzten Jahrgänge, warum waren die denn nicht „schön“?
    Naja vielleicht ist bei allzu krasser Spielerei mit Geschlechtern die Grenze gewesen, aber die Türkei schien ja in den letzten Jahren ihren eigenen Standard auf andere zu übertragen, auch in Bezug auf den Sieg Israels.
    Ich hoffe natürlich dass ich da wem Unrecht tue und der TRT mich eines Besseren belehren wird, je mehr (friedliche und respektvolle) Teilnehmer, desto toller ist das ganze.

  20. Kleine Info: Måneskin ist heute um 20 Uhr bei Lotta på Liseberg und nach meiner Information gibt es bei TV4 einen extra Stream Heute bei dem man sich nicht anmelden muss.

  21. Für die Menschen im Land tut es mir immer leid – zumindest für die Schnittmenge aus „Toleranten“ und ESC-Fans – aber auf der anderen Seite bin ich auch für eine klare Haltung. Und die Äußerungen über Conchita sind mMn ebenso wenig für den freiheitlichen Geist des Wettbewerbs tragbar wie so manche nationalen Aktionen im Zusammenhang mit LGBTs von den unterschiedlichsten Staaten.

    Genauso auch zum geplanten Anleuchten des Stadions beim kommenden Spiel GER – Ungarn. Natürlich geht es um Fußball, aber es kann aus meiner Sicht nie schaden, wenn man mal ein paar Werte klarmacht. Und so auch bei einem Songcontest. Das ist keine „Propaganda“ für mich, das sind Selbstverständlichkeiten, über die man mit gesundem Menschenverstand nicht einmal reden müsste, so selbstverständlich finde ich das. Rausgucken, Augen aufmachen. Die Welt ist bunt. Das ist ein natürlicher Zustand.

  22. Unter einem YouTube-Video hab ich erst letztens die Idee einer „Free representation“ gelesen. Geschrieben hat das ein User im Kontext mit Belarus, dass VAL mit einem neuen Beitrag unter Leitung der EBU teilnehmen hätte sollen.
    Ich fand die Idee erst komisch, aber ganz ehrlich: Bei Olympischen Spielen gab es für die Starter aus Russland, das teilweise wg. Doping gesperrt war, auch die Möglichkeit neutral unter der olympischen Flagge teilzunehmen.

    Ich weiß, das ist alles Wunschdenken, aber das wäre doch toll, wenn jedes Jahr ein Teilnehmer aus einem zufällig ausgewähltem inaktiven Land beim ESC teilnehmen könnte. So kann man evtl. inaktive Länder wie die Slowakei, Andorra, Luxemburg oder Monaco wieder animieren mitzumachen.

  23. Du weißt aber sicherlich, daß „Toleranz“ nicht reicht, „tolerieren“ kann ich beispielsweise Verkehrslärm. Was wir alle sicherlich wollen, ist Akzeptanz.

    • Es gibt allerdings ziemlich viele Gegenden in dieser Welt, in denen Toleranz schon ein Riesenfortschritt wäre und in denen die Unterscheidung Toleranz vs. Akzeptanz womöglich eher als Luxusproblem gesehen werden dürfte.

  24. Zur eventuellen Türkei-Teilnahme beim ESC 2022 selbst: Solange sie die ESC-Regeln akzeptieren sind sie von mir aus Herzlich Willkommen! Bitte bedenkt, dass die auftretenden Künstler sowie die Menschen hinter den Songs (Komponisten, Texter) keine Politiker sind und nicht für die Politik ihres Landes verantwortlich gemacht werden können! Erst wenn sich die Politik und Künstler zusammen tun (siehe Belarus aktuell) gehören sie nicht zum ESC!

    Zur Jury-Regeländerung: Von mir aus kann man die Jurys auch gerne erneut abschaffen! Habe ich auch schon vor rund einem Monat, nach dem ESC 2021, hier geschrieben. Die Jurys wurden ja 2009 wieder eingeführt um zu verhindern, dass sich die osteuropäischen Länder, sowie auch einige benachbarte Länder, sich gegenseitig die Punkte zuschieben. Aber so richtig hat das jetzt ja auch nicht geklappt. Deswegen kann man die Jurys, meiner Meinung nach, getrost wieder abschaffen.

    Zur „Big 5“-Regel: Wenn die Sponsoren das mitmachen von mir aus gerne! Allerdings habe ich hier die Befürchtung, dass dann die ehemaligen Big 5-Länder im Semifinale aus Trotz nicht ins Finale gewählt werden.

    • Zustimmung, was die Juries betrifft. Meinetwegen können sie auch gerne wieder abgeschafft werden.
      Deinem letzten Absatz kann ich nicht ganz folgen. Warum sollen denn die ehemaligen BIG 5-Länder aus Trotz nicht ins Finale gewählt werden? Im Gegenteil: Es wäre doch fairer, wenn sich alle Songs (mit Ausnahme des Gastgebers) den Semis stellen müssen. Wenn man mit 0 Televoting-Punkte abgestraft wird, kommt es doch auf dasselbe raus. Es wäre ja vielleicht auch eine Motivation für die betreffenden Länder (vor allem UK, Spanien und Deutschland) sich etwas mehr Gedanken um ihren Auftritt zu machen.

      • Ich bin aus bestimmten Gründen gegen die Abschaffung der Juries, reines Televoting taugt leider genauso wenig. Die beste Mischung aus beiden kommt in der Regel ziemiich gut,

  25. Ich denke, manche sollten beim Türkei-Bashing nicht zu eingenommen sein.
    Aus welchen Land hatten wir dieses Jahr einen feministischen Song? Aus Russland. Zudem von einer Sängerin, die offen LGBTQ unterstützt. Nur weil ein Land demokratisch gesehen nicht das geilste ist, heißt das nicht, dass man da Jahr für Jahr Propaganda zu erwarten hat und das hatten wir in den letzten Jahre bei keinem dieser Länder.
    Und wenn doch…siehe Weißrussland. Also chillt.

    • Glaubst du wirklich, wenn Putin nicht gewollt hätte, das der Beitrag 2021 Russland vertritt, das sie dann hätte auftreten dürfen? Das ist doch das zynische Kalkül von Putin, die als Alibi solche Beiträge hinschicken, nur um zu zeigen, seht her wie tolerant und aufgeschlossen man doch ist. Die reale Situation in Russland sieht natürlich ganz anders aus. Das Regime gibt sich mit diesem Beitrag ein tolerantes Gesicht, nur dahinter sieht es anders aus.

      • Hat Russland-Experte escfan05 schon mal bedacht, dass dieses Land ziemlich groß ist? Die „reale Situation“ in Tschetschenien, in Wladiwostok oder in Moskau ist jeweils eine ganz andere und Putin kann unmöglich hinter allem stecken, was irgendwo dort passiert.

      • Nichtsdestotrotz bleibt Manizha eine authentische Künstlerin, die hinter dem steht, was sie macht. Dass ihr die Teilnahme eventuell aus den falschen Gründen gestattet wurde, geschenkt.

        Wenn jedes Land nur noch Lieder schicken dürfte, die der jeweiligen Situation dort entsprechen, wäre das ohnehin ein sehr trostloser Contest. Und würde dadurch erst recht politisiert. Der ESC sollte stets eine Bühne für „freie“ Künstler aller Art sein und ist natürlich zuallererst eine eskapistische Unterhaltungsshow. Und ich hoffe, dass er auch immer so bleibt.

        Einer kritischen Berichterstattung um das Event herum steht ja trotzdem nichts im Wege.

  26. @Thomas M.: Tschuldigung, Putin ist Herrscher dieses Landes. Er hat die homophoben Gesetze erlassen. Und steckt hinter vielen anderen Gaunereien. Wie Hackerangriffe, Doping im Sport, Einmischung in Wahlen usw. Solche Beiträge wie Russian Woman, sind nur Tarnung.

    • Der arme Putin, die ganze Tarnung umsonst, denn der unerschütterliche escfan05 fällt nicht auf ihn herein.

      • Ich halte deine Handlung und deine Art wie du hier gerade postest und alles verniedlichst, für ziemlich jämmerlich. Um es höflich auszudrücken.

      • Du scheinst nicht zu begreifen, dass es uns nicht darum geht, Putin als allmächtigen Marvel-Helden darzustellen; es geht um das System Putin. Der trifft nun nicht jede einzelne noch so kleine Entscheidung, aber die Bürokratie, der Geheimdienst, Entscheidungsträger, wissen genau, was sie am besten tun bzw. vermeiden sollten, damit sie nicht im Gulag landen.Ich versetehe es nicht: Du wirkst in Deinen Kommentaren zu Musik oft sehr intelligent; bei Politik ist leider das genaue Gegenteil der Fall . meine Katze scheint da mehr Verständnis zu haben als Du

      • „aber die Bürokratie, der Geheimdienst, Entscheidungsträger, wissen genau, was sie am besten tun bzw. vermeiden sollten, damit sie nicht im Gulag landen“

        Das beschreibt sicher die Situation zu Stalins Zeiten sehr gut, ganz schlimm die Zeit um 1936/37, und bei Breschnew war es zeitweise womöglich ähnlich schlimm (bis in die Zarenzeit will ich jetzt mal nicht zurückgehen, da wurde mit Regimegegnern gewiss nicht besser umgesprungen). Ob Putin 2021 damit auf eine Stufe zu stellen ist, wage ich doch zu bezweifeln, bei aller berechtigten Kritik, die viele Aspekte seiner Machtausübung gewiss verdient haben.

        Nach escfan05s Ansicht scheint es unmöglich zu sein, dass Herrscher Putin Engagement für LGBT-Belange duldet, demzufolge ist Manizha sein Propagandainstrument. Das habe ich hier kritisiert. Würdest Du, nach Ersetzen von „Herrscher Putin“ durch „System Putin“, escfan05 zustimmen? Denkst Du also, dass das Engagement für LGBT-Belange zu den Dingen gehört, die man vermeiden sollte, um „nicht im Gulag [zu] landen“ und wenn man es doch tut und keine negativen Konsequenzen folgen, ist man ein Propagandainstrument Putins?

        P.S. In Tschetschenien ist es wirklich extrem gefährlich, sich für LGBT-Belange einzusetzen (daher meine Beispiele oben, Russland ist sehr divers), was aber weniger mit der Gesetzgebung Moskaus zu tun hat, als mit Islamismus und homophoben Traditionen dort. Russland ist eben nicht rein zentralistisch strukturiert (das soll nicht entschuldigen, dass aus Moskau nicht allzu viel Gegenwehr gegen die Zustände dort kommt).

        P.P.S Viele Grüße an Deine Katze (ich liebe Katzen, selbst wenn sie eine eindimensionale Sicht auf Russland haben sollten …).

  27. Und zum Thema Juries. Das Jetzige Voting System find ich mit am fairsten. Allerdings sollte man es andersrum machen, die Juryvotings werden verlesen, das Televotingergebniss, wird wie das Juryvoting durch Sprecher bekanntgegeben.

    • Ich denke das lässt sich nicht so einfach umsetzen, weil man die bekanntgabe der Jurypunkte in der Reihenfolge macht, dass es relativ spannend bleibt. Würden man jetzt die Televotingpunkte per Sprecher bekanntgeben, kann es passieren, dass die Favoriten alle auf einmal ihre Punkte bekommen und hinten raus es dann ziemlich zäh wird. Ich denke man kann es hier keinem Recht machen. Die eine mögens so, die anderen so.

      • Ich finde es gegenüber den Televoter respektlos, das nur die Gesamtpunktzahl vorgelesen wird, und das Juryvoting so im Vordergrund ist, durch die Sprecher. Es müsste andersrum sein. Denn die Televoter bezahlen ja für ihren Anruf Geld. Also müsste das Televoting in den Vordergrund geschoben werden und nicht das Juryvoting. Wenn man Zeit sparen will, kann man das Jurergebniss der einzelnen Länder gleich einblenden und direkt zum Televoting übergeben.

      • @escfan05

        Bezüglich des Votings stimme ich Dir zu. Ich finde auch, dass den Juries zu viel Aufmerksamkeit entgegengebracht wird.

    • Es gibt noch einen anderen Adpekt warum zuerst das Juryvoting so Aufwendig mit Sprechern zelebriert wird. Der Aspekt Zeit. Die Juryergebnisse stehen schon fest und können direkt zelebriert werden während die Telvotingergebnisse erst noch ermittelt und ausgezählt werden müssen was so schon recht lange dauert. Würde man also die Juryergebnisse nur schnell zum Schluss vorlesen müsste man noch länger warten bis die Ergebnisse des Televotings da sind und das war mir jetzt schon fast zu viel

      • Sie brauchen Zeit? Warum braucht man zwischen dem letzten Beitrag und beginn des Voting über eine Stunde, beim letzten ESC. Da lässt sich doch bestimmt was kürzen. Und schon hat man mehr Zeit für ein wichtiges Element beim ESC.

  28. Soviel ich weiß hat in Andorra die Regierung das letzte Wort. Wenn die vom Sender also sagen, „zum jetzigen Zeitpunkt…“ dann haben sie von der Regierung einfach noch nichts anderes gehört. Ich denke bei Andorra müssen wir uns bis Oktober gedulden, ob oder ob nicht.

  29. Das türkische Argument mit den Juries kann ich gar nicht nachvollziehen. Denn in den Achtzigern und neunzigern gab es fast nur Juryvoting, und obwohl die Türkei fast immer schlecht abschnitt, haben sie weiterhin am ESC teilgenommen. Mir scheint das Argument eher vorgeschoben.

  30. Eine interessante und einigermaßen vernünftige Diskussion.

    Wie schon oft erwähnt wurde, gibt es so viele Gründe, viele Länder vom Wettbewerb auszuschließen. Kaum ein Jahr in dem nicht irgendwer im deutschen Medienwald fordert, dass man sich doch endlich mal aus dem Wettbwerb zurückziehen solle. Und hier besitzt echt jemand die Nerven, der Türkei Erpressung zu unterstellen?!!

    Dann noch dieses Argument, dass eine Künstlerin wie Manizha nur aus manipulativen Gründen geschickt wurde! Wer ernsthaft glaubt, dass jemand wie Putin in Sorge darum ist, was die europäische LGBT-Community über Russland denkt, sollte niemandem politische Naivität vorwerfen …

    Letztlich wissen wir alle, dass der Wettbwerb nicht so unpolitisch ist, wie er gerne wäre, aber aller Punkteschieberei und Skandälchen zum Trotz gibt es alljährlich eine Europaweite demokratische Abstimmung, die unterm Strich einigermaßen glaubwürdig ausfällt. Wenn die üblichen Verdächtigen bereit sind, sich dem unterzuordnen, sehe ich nicht, was daran schlecht sein soll.

    Falls die EBU tatsächlich mal die Big5-Regel fallen lassen sollte – etwas, dass in vielen Fankreisen schon lange gefordert wird- würde das womöglich schon reichen, um die Türkei zurückzugewinnen.
    Ich wäre auch gespannt, ob die Jurys wirklich tatenlos zusehen würden, wie die großen Geldgeber sang- und klanglos im Semi ausscheiden.

    • Ich würde so gerne mal wissen, ob die Zahlungen der einzelnen Länder wirklich sehr unterschiedlich ausfallen. Wieviel Beiträge müssen zb Deutschland und Frankreich (Big 5) sowie Russland und Schweden zahlen?

  31. Von der Türkei mal zu etwas Erfreulicherem! Frankreich – genauer gesagt das verantwortliche France TV – hat heute offiziell den Startschuß für die Bewerbung zum nationalen Vorentscheid „Eurovision France: c’est vous qui décidez“, der nächstes Jahr erneut stattfindet, gegeben:

    https://eurovoix.com/2021/06/21/eurovision-france-cest-vous-qui-decidez-2022-submissions/

    Offizieller Bewerbungsschluß ist am 24. Oktober 2021 und es wurde dazu auch das Reglement für den Vorentscheid publiziert. Dieses Jahr wurde die Show auf France 2 und TV5Monde ausgestrahlt

    • Jetzt komme ich erst auf den Gedanken, dass es in Frankreich ja genau anders herum läuft als wie in Deutschland!
      Frankreich: Beim ESC eine öffentliche Bewerbungsphase und Vorentscheid-Show und beim JESC eine interne Auswahl.
      Deutschland: Beim ESC eine interne Auswahl und beim JESC eine öffentliche Bewerbungsphase sowie Vorentscheid-Show.

  32. Es gibt Neuigkeiten von der Insel Malta. Nächstes Jahr wird der ESC-Teilnehmer bzw. die ESC-Teilnehmerin wieder in einem eigenen nationalen Vorentscheid ausgewählt. Die dritte Staffel der Castingshow X Factor Malta wird diese Funktion nicht übernehmen und gleiches gilt auch für die maltesische Ausgabe der Show „Das Supertalent“:

    https://escxtra.com/2021/06/21/malta-to-select-eurovision-2022-entry-with-national-final/

    Die Infos hat heute Jason Micallef, der Vorsitzende der Valletta Cultural Agency heute verlauten lassen.

  33. Ich würde mich freuen, wenn ein Land wie Luxemburg wieder beim ESC mitmachen würde. Die waren in den 70igern und 80igern richtig stark.

  34. Ich würde mir die Türkei zurück wünschen. Wenn man sich mal ein Recap aller TUR-entries anschaut, fällt auf, wie kreativ und individuell jeder Beitrag ist. Keine Performance ähnelt einer anderen, man bekommt / bekam jedes Mal was Neues zu sehen und das macht Spaß. Oder Lieder wie Bana Bana, Sufi, Dönme Dolap, Halley. Einfach große Klasse.

    Dass die Türkei nach der Jahrtausendwende vom Publikum profitiert hat finde ich nicht schlimm, immerhin wurde sie jahrzehntelang von den Jurys ausgegrenzt und ignoriert. So hat sich diese Unfairness wieder aufgehoben. Die Kritik an den Jurys kann ich absolut verstehen. Die Punkteschieberei (zwischen Griechenland und Zypern) oder gezielter schlechte Bewertung aus politischen (Russland-Ukraine, Aserbaidschan-Armenien) oder taktischen Gründen (Italien und Malta dieses Jahr, die sich gegenseitig 0 Punkte gegeben haben, um selbst bessere Gewinnchancen zu kriegen und die Konkurrenz zu schwächen) zeigt, dass die Türkei gar nicht mal so Unrecht hat.

    Und die Regierung mit in die Argumentation aufzunehmen finde ich auch scheinheilig. Die allermeisten ESC-Teilnehmern aus der Türkei sind politisch dem linken Spektrum zuzuordnen. Hadise (2009) ist eine der lautesten bekannten Kritiker der aktuellen Regierung, ebenso der Frontsänger von Athena (2004). Can Bonomo hat jüdische Wurzeln bzw. ist selber Jude (2012). Sibel Tüzün ist auch alles andere als Regierungstreu (2006). In der Türkei können die Menschen sehr wohl zwischen dem ESC und Politik unterscheiden, anders als hierzulande.

  35. Und du glaubst ernsthaft dass Künstler wie Hadise heute noch ausgewählt werden würden mit ihrer kritischen Haltung Erdogan gegenüber?? Dann glaubst du wahrscheinlich auch noch an den Osterhasen.

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