KEiiNO im Interview: „Wir wollten mit einem Song über Akzeptanz am ESC teilnehmen“

Beim Eurovision-in-Concert-Presseempfang treffen wir auf die gutgelaunte Alexandra Rotan und Tom Hugo Hermansen von KEiiNO. Das dritte Mitglied der Band, der samische Rapper Fred Buljo fehlt bei dieser Veranstaltung. Aufgeschlossen und sympathisch gehen die anderen beiden ins Interview.

ESC kompakt: Alexandra, Tom, Ihr seid nur zu zweit. Warum ist Fred heute nicht hier?

Tom Hugo: Er ist eine spirituelle Person und man weiß nie, wann er erscheint. Er ist tatsächlich in der Luft.

Alexandra: Du kannst ihn nicht sehen, aber er ist da.

Tom: Aber er wird definitiv hier sein.

(Anm. d. Red.: So war es auch, abends stand Fred auch auf der Bühne)

Ist das hier in Amsterdam Euer erstes Promo-Event?

Alexandra: Ja, es ist unser erster offizieller Auftritt seit wir den Melodi Grand Prix in Oslo gewonnen haben. 

Tom: Wobei wir auch in Stockholm bei der Pre-Party waren, aber das war viel kleiner. Das hier ist viel größer. Aber spaßig. 

Euer Song ist ein großer Hit in Norwegen, nicht wahr?

Alexandra: Ja. 

Heißt das auch, dass Ihr dadurch mehr Druck im Hinblick auf den ESC in Israel spürt?

Tom: Nein, den spüren wir nicht. In Norwegen haben wir eher die Unterstützung des ganzen Landes. Wir sind vielleicht jetzt Stars zu Hause. Da wir vorher allein aber nie richtig große Stars waren, erwartet niemand von uns, dass wir gewinnen. Das ist sicher anders für einen Star in einem anderen Land, der vom nationalen TV-Sender ausgewählt wurde und der bekannte Songschreiber hinter sich hat. Wir sind ein Team und haben zusammengefunden und festgestellt, dass es besser ist zusammenzuarbeiten, als es allein zu probieren. Und plötzlich hat Norwegen entschieden, dass wir das Land vertreten sollen. Daher können wir eigentlich gar nicht verlieren.

Wie genau habt Ihr drei zusammengefunden?

Alexandra: Tom und ich haben uns vor fünf oder sechs Jahren kennengelernt, als wir einen Song für jemanden in Japan geschrieben haben. Und dann haben wir uns letztes Jahr wiedergetroffen, weil wir beide am Melodi Grand Prix teilgenommen haben. Damals hat es nicht mit dem Sieg geklappt, als es jeder allein versucht hat. Also haben wir es jetzt gemeinsam gemacht. Und wir haben auch Fred mit dabei. Er ist ein samischer Rapper und Songwriter. Gemeinsam haben wir dann KEiiNO gestartet. 

Tom: Wir haben ähnliche Werte und wollten beim ESC mit einem Song über Akzeptanz teilnehmen, darüber von der Mehrheit toleriert zu werden, obwohl man anders als sie ist. Und hier sind wir: ein Schwuler, eine Frau und ein Same. Im Moment sagt man in Westeuropa und in Norwegen viellicht dazu: ja, und? Aber geh nur mal 50 Jahre zurück. Da war es nicht dasselbe, wenn man kein heterosexueller weißer Kerl war in Norwegen. Wir feiern mit unserem Song, wie weit wir gekommen sind, erinnern die Welt aber auch daran, dass diese Schlacht immer weiter geschlagen werden muss. Denn nicht überall gibt es die Möglichkeiten wie in Norwegen. 

Diese Foto und die folgenden sowie das Aufmacherfoto entstanden bei der Aftershowparty von Eurovision in Concert

Wie habt Ihr drei mit Euren unterschiedlichen künstlerischen Hintergründen entschieden, welche Art von Musik Euer Beitrag haben soll? Wie ist die Musik entstanden?

Tom: Es hat sich einfach entwickelt, als wir zusammen gearbeitet haben. Fred hat sein samisches Erbe, Alexandra und ich lieben die Volksmusikmelodien, die in norwegischer und skandinavischer Musik über Jahrzehnte genutzt wurden…

Alexandra: … und ich liebe auch Pop und Dance Music. Jedes Mal, wenn ich alleine einen Gig habe, mache ich viel Uptempo-Musik, weil mir das so viel Energie gibt. Daher war mir klar, dass, wenn ich noch einmal beim Melodi Grand Prix antreten würde, es dann mit einem Uptempo-Song sein sollte. Und es hätte nicht besser sein können, als mit so einer bedeutenden und starken Botschaft und eben einem Uptempo-Lied. 

Tom: Wir haben tatsächlich alles zusammengemixt und wussten wirklich nicht, wie gut das funktionieren würde. Drei Genres zu mixen, kann ein grandioser Fehler sein oder eben gute klappen. 

Alexandra: Ja, wir hatten durchaus Angst und waren nervös. Aber glücklicherweise hat es funktioniert. 

Alexandra, Du hast bisher einmal am Melodi Grand Prix teilgenommen. Du, Tom, zweimal. Wie schlimm wäre es gewesen, wenn Ihr es mit „Spirit In The Sky“ nicht bis nach Tel Aviv geschafft hättet?

Tom: Ich hatte das Gefühl, dass das mein letzter Versuch beim Melodi Grand Prix sein würde. Aber es war kein wirklicher Druck da. Ich habe mir gesagt: Wir machen das, das wird in jedem Fall lustig. Das wird eine großartige Erfahrung, zumal in einer Band. Denn da ist man nicht allein. 

Alexandra: Wir haben aber auch eine ganz neue Marke vorgestellt, eine ganz neue Art von Musik. Und den Norwegern hat das gefallen. Und jetzt können wir es ganz Europa zeigen. 

Werdet Ihr auch nach dem ESC als KEiiNO auftreten? Wird es weitere Songs von Euch geben?

Tom: Ja, auf jeden Fall. Wir haben schon angefangen, weitere Lieder zu schreiben. Wir machen auch Covers, und wir sind für viele Gigs im Sommer bereits gebucht. 

Alexandra: Wir sind erst seit fünf Monaten eine Band. Aber das fühlt sich gut und richtig an. 

So, jetzt aber noch kurz zu den anderen Songs beim ESC. Habt Ihr irgendwelche Favoriten?

Alexandra: Da gibt es eine Menge guter Lieder. 

Tom: Für mich ist es „Dirty Dancing“. Das liebe ich. 

Alexandra: Ja, das ist auch in Dauerschleife in einem Kopf. Also nehme ich das auch. 



12 Kommentare

  1. „.. darüber von der Mehrheit toleriert zu werden, obwohl man anders als sie ist. Und hier sind wir: ein Schwuler, eine Frau und ein Same ..“ „.. Aber geh nur mal 50 Jahre zurück. Da war es nicht dasselbe, ..“

    Echt? Nicht weniger? Die wollen angeblich über die Probleme in Norwegen vor 50 Jahren singen? Klingt der Song deshalb wie ein Aufguss? Warum nicht auch noch über den Ölpreisschock, das Waldsterben, … Und (Achtung Kalauer) nach so einer Interpretation sind Manga mit „We could be the SAME“ Keiino beim Thema Lapplandbewohner schon zuvorgekommen. ^^

    • „Die wollen angeblich über die Probleme in Norwegen vor 50 Jahren singen?“

      Wo steht das im dem Interview? Ich habe gelesen, dass sie feiern wollen, dass sich die Verhältnisse in den letzten 50 Jahren geändert haben.

  2. „Wir haben tatsächlich alles zusammengemixt und wussten wirklich nicht, wie gut das funktionieren würde. “

    Das sagt alles über diesen schlimmsten Beitrag des ganzen Jahrgangs, ein furchtbares und völlig unakzeptables Machwerk, das zudem leider sogar gewinnen könnte, was die ultimative Bankrotterklärung des ESC wäre.

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