Kommentar: Der ESC und das ewige Drama mit den Tickets

Eurovision Song Contest 2019 ESC Tel Aviv Israel Tickets

Bis zum Eurovision Song Contest 2019 in Tel Aviv sind es nur noch knapp drei Monate. Wir kennen mittlerweile schon mehrere Wettbewerbsbeiträge, noch mehr Künstler und sind mitten in der Saison. Doch so gut vorbereitet der israelische Sender Kan als Gastgeber in den meisten Bereichen wirkt, mit einem Aspekt der Organisation scheint er – wie so viele vor ihm – doch einige Probleme zu haben: Dem Kartenvorverkauf.

Bei keinem (mir bekannten) Großevent läuft der Ticketverkauf so chaotisch wie beim ESC. Schon allein, dass die Tickets überhaupt erst so spät in den Verkauf gehen, ist nicht gerade fanfreundlich. Im Gegensatz zu normalen Konzerten müssen die Zuschauer in der Regel noch Flüge und Unterkünfte buchen (und ja, auch Urlaub nehmen). In den vergangenen Jahren gingen die Tickets trotzdem regelmäßig sehr kurzfristig in den Verkauf.

Auch dieses Jahr ist da keine Ausnahme. Die erste Verkaufswelle war eigentlich für Dezember angekündigt, wurde dann verschoben und soll nun „rechtzeitig“ Ende Februar stattfinden. Ein genaues Datum hat der Ticketanbieter Leaan aber noch nicht bekannt gegeben.

Überhaupt, die Verkaufswellen: In Lissabon im vergangenen Jahr gab es davon gefühlt mindestens ein halbes Dutzend, wobei jeweils anscheinend nur relativ wenige Tickets in den freien Vorverkauf gingen, so dass diese – selbst für andere Shows als das Finale – jeweils innerhalb von wenigen Minuten ausverkauft waren. Und das, obwohl dann viele Shows vor Ort nicht ganz voll waren.

Ein Grund dafür dürfte sein, dass die nationalen Fanclubs der OGAE-Familie Ticketpakete zur Verfügung gestellt bekommen, die Karten für insgesamt sechs Shows beinhalten: Das Jury-Semifinale am Montag, das erste Halbfinale am Dienstag, das Jury-Semifinale am Mittwoch, das zweite Halbfinale am Donnerstag, das Jury-Finale am Freitag und das große Finale am Samstag. Viele Fans wollen sich die Shows aber nicht zweimal an zwei aufeinanderfolgenden Abenden ansehen und lassen ihre Tickets deshalb teilweise verfallen. Andere Fans kaufen Karten auf Vorrat für die weniger beliebten Shows und lassen sie dann verfallen, wenn sie doch noch Tickets für ihre Wunschshow bekommen.

Diese subjektiven Eindrücke vor allem aus Lissabon und Kiew hätte ich gerne mit Zahlenmaterial unterfüttert und habe deshalb im vergangenen Sommer im Zuge unserer „Lissabonner Leben“-Serie auf dem PRINZ-ESC-Blog fünf Fragen an die Pressestelle der European Broadcasting Union (EBU) geschickt:

  1. Wie viele Tickets waren für welche Show verfügbar und wie viele davon wurden jeweils verkauft?
  2. Wie viele Tickets für welche Show wurden in welcher Vorverkaufsphase verkauft?
  3. Wie viele der verkauften Ticket wurden nicht verwendet und sind verfallen?
  4. Wie zufrieden war die EBU mit dem Ticketvorverkauf und plant sie Änderungen für den ESC 2019?
  5. Wie viele Tickets wurden an portugiesische, wie viele an spanische und wie viele an andere Fans verkauft?

Zunächst bekam ich auch eine freundliche (aber anonyme) Antwort, man gebe eigentlich keine Informationen dazu heraus, werde sich aber mit dem Ticketanbieter in Verbindung setzen und sich wieder bei mir melden. Auf zwei Erinnerungsmails nach mehreren Wochen habe ich nie wieder eine Antwort erhalten.

Der Ticketvorverkauf ist sicherlich eine logistische und organisatorische Herausforderung, weil sehr spät feststeht, in welcher Halle der kommende ESC stattfindet und wie die Bühne aussehen wird. Beide Fragen sind für Tel Aviv aber nun schon länger zumindest mehr oder weniger beantwortet, so dass das nicht das alleinige Problem sein kann.

Schwierig dürfte auch sein, dass jedes Jahr ein anderer Ticketanbieter für den Vorverkauf verantwortlich ist. Vielleicht sollte die EBU hier etwas mehr Zentralismus wagen und mehr Vorgaben machen.

Das wird in diesem Jahr aber sicherlich nicht mehr passieren und so bleibt uns fürs Erste nur die Hoffnung auf einen baldigen Vorverkaufsstart und dann einen reibungslosen Ablauf.

Und wer von Euch will sich dann Tickets für Tel Aviv besorgen?


10 Kommentare

  1. Tja, wir warten auch noch drauf. Meine Hoffnung ist die Anmeldung, bei der wir dann rechtzeitig vom Anbieter informiert werden sollen, wann der Vorverkauf tatsächlich stattfindet. Egal, irgendwie haben wir das immer hingekriegt. Hotel und Flüge sind schon seit Monaten gebucht. Wenn es mit den Karten nicht klappen sollte, die vielen Liveevents in Tel Aviv werden uns schon entschädigen. Der Strand ist lang, wir werden eine Bühne finden.
    Noch bin ich optimistisch, obwohl es so spät mit dem Vorverkauf noch nie war.

  2. Stimmt, die Thematik Tickets ist jedes Jahr wieder aufregend und zeitaufwendig. Wenn mann vor Ort ist, soll es auch das Finale in der Halle sein und gern auch das Juryfinale am Vorabend.

  3. Dass es auf den Fragenkatalog keine richtigen Antworten gab, ist wohl bezeichnend für den intransparenenten Bereich des Ticketverkauf. Schon allein durch die Verkaufsgebühren macht der Ticketanbieter gute Kasse und vertreibt die Karten sicherlich auch in großen Kontingenten an Zwischenhändler und Sponsoren, bei denen die Karten dann versickern. Da lässt man sich natürlich nicht gern in die „Karten“sehen. Nach dem ESC in Kiew fehlte ein erheblicher Betrag in der Einnahmekasse, soweit ich mich erinnere.
    Dass ESC-Fans ihre gesamtes Kontingenten vor Ort nicht wahrnehmen, kommt sicherlich vor. Kann aber in meinen Augen nicht für die oftmals vielen leeren Reihen bei den Proben oder Semis allein verantwortlich sein.
    Entweder hat ein Händler oder Sponsor die Karten nicht weitergereicht, oder es bestand einfach kein Interesse an den Randveranstaltungen.
    Für das Finale weckt man bei der großen Nachfrage wohl eher keine Begehrlichkeiten. Hier sind die Fans weiterhin auf ihr Glück angewiesen und auf das Angebot eines Public Viewings mit Grossbildleinwand vom Gastgeber.

  4. Wir Osnabrücker fahren dieses Jahr nicht zum ESC und versuchen daher auch gar nicht erst, Tickets zu bekommen. Zu teuer die Flüge und Hotels, zu gering die Ticketchancen und ohne Foto-Akkreditierung/Prinz-Blog wär‘s nur der halbe Spaß.

  5. Den Bogen zwischen noch kein Ticket-Verkauf und Fan-Kontingente kriege ich leider nicht hin.
    Meist sind die freien Plätze Sponsoren-Tickets.
    Und wer dieses Jahr live vor Ort war, weiss wie voll bereits beim ersten Semi-Finale de Innenraum war.
    Vielleicht solltet ihr bei so einem Artikel erwähnen, dass die Verzögerung dem Geschacher um die Kosten der Sicherheitsmaßnahmen geschuldet ist, und wohl daraus resultierend noch keine Preise feststehen können.
    Bevor hier die Fan-Kontingente als Argumentation missbraucht werden, kurz noch angemerkt dass die Fan-Pakete keinen preislichen Vorteil darstellen, sondern der volle Preis bezahlt wird, nur als Pakte halt, da ja auch wir die Bilder im TV lieben, wenn die Fans vorne Gas geben.
    Mit Verlaub ein recht unsachlicher, und eventuell unnötiger Kommentar.

    • Hi Florian, da hast Du mich missverstanden. Der Kommentar zielt überhaupt nicht gegen die Fanpakete, die ich a) super finde und b) immer selbst in Anspruch nehme. Ich denke nur, dass man gerade die Jury-Finals besser vermarkten und so für einen vollen Innenraum und bessere Stimmung sorgen könnte, anstatt den Fans drei zusätzliche Tickets aufzudrücken, die sie a) bezahlen müssen und b) dann ggf. verfallen lassen. Mein Eindruck war, dass der Innenraum außer bei den drei Fernsehshows häufig nicht voll war und ich kenne viele Leute, die ihre Tickets nicht in Anspruch genommen haben. Ich habe den Eindruck, dass viele mit drei Tickets voll und ganz zufrieden wären. Aber wie gesagt – das hätte ich gerne mit Zahlen unter- oder widerlegt, so ich sie denn bekommen hätte.

      • Beruhigt ja etwas!
        Sicher wären Manche mit kleineren Paketen zufrieden, aber erfahrungsgemäß stellen die Fan-Pakete die Ticket-Agenturen jedes Jahr vor eine Herausforderung. Wieso dies so ist bzw. wieso hier technisch nicht mehr drin ist wird ein Rätsel bleiben.
        Aber natürlich kann durch das Ansinnen kleinerer Pakete auch der Boomerang entstehen, dass es insgesamt weniger Pakete gibt. Rosinenpickerei hat leider immer Nachteile.
        Und ob ein Jury-Finale wirklich einen vollen Innenraum haben muss sei dahin gestellt.
        Im Ganzen sehe ich für die Fans mehr Vorteil im bisherigen Paket bzw. bleiben da nicht die Fans auf der Strecke die die ganze Woche vor Ort sind.
        Und was hätten wir in Lissabon ohne diese Pakete gemacht? Das war ja manchmal der einzige Ort wo man sich gemeinsam zu ESC-Musik sehen konnte, da das Fan-Cafe schlicht überfordert war.
        In das Nest Fan-Pakete würde ich bei der EBU nicht piksen, aber sicher wäre es interessant ob es nicht Möglichkeiten gibt wie die Sponsoren-Tickets kurzfristig noch an Mann oder Frau gebracht werden können.

      • Das Thema Euroclub/Fancafé will ich gar nicht aufmachen 😉 Aber auch da sieht man, wie schwierig es ist, wenn Dinge jedes Jahr von jemand anderem geplant werden. Da schaffen die Fanclubs mit dem Fancafé viel mehr Kontinuität als der Euroclub, der jedes Jahr anders ausgestaltet ist…

Schreibe eine Antwort zu Florian Antwort abbrechen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.