Kommentar: S!sters bei Eurovision in Concert – eine vertane Chance

Beim größten Pre-Eurovision Promotion-Event, dem Eurovision in Concert in Amsterdam, testeten die deutschen ESC-Vertreter Carlotta Truman und Laurita am Samstagabend ihre Performance von „Sister“. Dass sie dabei hinter den Erwartungen zurückblieben, lag nicht nur an ihnen selbst, sondern auch an der offenbar lustlosen Vorbereitung.

Am Samstagvormittag betraten die beiden S!sters Carlotta Truman und Laurita gut gelaunt die AFAS Live-Arena. Sie interagierten sympathisch unverstellt mit der deutschen und internationalen ESC-Presse. So weit, so gut. Als es am Abend bei der Präsentation ihres ESC-Beitrags „Sister“ zum Schwur kam, blieben die beiden jedoch nicht nur hinter den Erwartungen zurück, sondern offenbarten auch die ein oder andere Schwachstelle.

Dabei war auch die Platzierung der S!sters durch die Veranstalter nicht besonders gnädig: Bereits als fünfte musste sie im „Resterampe“-Umfeld (Zitat eines nicht genannten Eurovision-in-Concert-Besuchers) nach Georgien und vor Rumänien auf die Bühne. Diese vergleichsweise schwachen Beiträge hätten die S!sters eigentlich problemlos outperformen können. Allein: es gelang ihnen nicht.

Die vermeintlich stimmstärkere Carlotta war entweder technisch schlecht ausgesteuert oder setzte bei ihren Einsätzen häufig zu schwach ein, so dass das erste Wort eher unterging, anstatt gut betont hervorgehoben zu werden. Auch der gemeinsame Gesang der beiden in der zweiten Strophe entwickelte sich eher zu einer ungewollten zweistimmigen Darbietung.

Die ausbaufähige Gesangsleistung wurde noch durch die schwache Choreographie unterstrichen. Die beiden Sängerinnen begannen weitestmöglich von einander getrennt auf der Bühne mit der Darbietung und kamen sich im Laufe des Liedes immer näher. Eigentlich ein schönes Bild. Allerdings wussten sie dann nicht so recht miteinander zu interagieren.

Dass dann auch noch der auf der Großbildleinwand eingespielte Video-Content im gewollt coolen Schwarz-Weiß-Look als weitgehend uninspiriert nach hinten losging, war ein weiterer ungünstiger Baustein der Darbietung.

Zusammengefasst – und gerade auch vor dem Hintergrund der stimmstarken Rumänin, die anschließend auf der Bühne stand – wirkte der Auftritt der S!sters noch unausgegoren und verbesserungsbedürftig. In Anbetracht der Tatsache, dass nicht nur Luca Hänni aus der Schweiz seinen Aufritt bereits komplett finalisiert hat (einschließlich Bühnenkleidung), sondern auch der Spanier Miki (so berichteten die beiden das ESC kompakt zumindest am Vormittag in der AFAS Live-Arena), wird die Handlungsnotwendigkeit beim deutschen Auftritt umso deutlicher.

Carlotta und Laurita haben einen starken Song, der die Menschen bewegen kann. Das hat nicht zuletzt der deutsche Vorentscheid gezeigt. Nun gilt es, das auch bei der Performance professionell zu unterstreichen. Die beiden Sängerinnen und der NDR-Vertreter ließen sich am Samstag in Amsterdam diesbezüglich nicht in die Karten schauen. Auch im Hinblick auf die Veröffentlichung des Videos verloren sich die Äußerungen im Vagen („noch vor dem ESC“, so Carlotta am Vormittag).

Wir drücken die Daumen und wünschen uns, dass das gesamte Team mit dem Beitrag bald einen deutlichen Schritt nach vorne macht. Die Voraussetzungen sind da. Sie sollten jetzt auch genutzt werden.

Mit dem Video könnt Ihr Euch ein eigenes Bild vom „Sister“-Auftritt machen.



102 Kommentare

  1. Natürlich ist das Fankonzert an sich für den Ausgang beim ESC nicht wirklich wichtig. Allerdings können gerade die Beiträge, die nicht von Anfang an hochgejubelt werden, die Chance nutzen Aufmerksamkeit zu bekommen. Und diese Aufmerksamkeit ist dann nicht unwichtig, sofern sie sich auf die Wettquoten auswirkt (es wäre dumm nicht daran zu glauben, dass die „Macher“ der Show nicht darauf schauen).

    Das die Verantwortlichen diese Möglichkeit nicht vollständig ausschöpfen zeigte sich allerdings auch schon im letzten Jahr, als hinter Michael Schulte ein Video lief, wo sich alle fragten was denn das jetzt mit dem Lied zu tun habe. Letztes Jahr hatte man aber mit Michael Schulte einen gestandenen Musiker, der es schaffte, davon abzulenken.

    Douze Points berichtete mit sehr angezogener Handbremse und weitesgehend sachlich vom Auftritt der beiden S!sters. Diesen positiv darzustellen wäre unsachlich gewesen.

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