Kroatien: Interview mit der ESC-2016- und Dora-2021-Teilnehmerin Nina Kraljić

Foto: Instagram @ninakraljic

Am 13. Februar findet der kroatische Vorentscheid Dora statt. Wir konnten im Voraus mit zwei Teilnehmern sprechen: dem Duo Ashley & Bojan und der ESC-Teilnehmerin von 2016 Nina Kraljić.

Nach ihrem Sieg von „The Voice Kroatien“ durfte Nina 2016 für Kroatien mit „Lighthouse“ am ESC teilnehmen. Sie erreichte das Finale und belegte dort den 23. Platz. Seitdem ist sie weiter fleißig als Sängerin und Songschreiberin aktiv und hat zwei Alben veröffentlicht.

An Dora 2021 nimmt Nina unter dem Namenszusatz „Alkonost of Balkan“ mit dem Titel „Rijeka“ teil. Alkonost ist der Name einer Sagengestalt des russischen Volksglaubens. Es handelt sich um Vögel, die das Gesicht einer schönen Frau besitzen. Sie wird den Wettbewerb auf Startplatz 1 eröffnen.

Nina gibt im Interview viele interessante Einblicke in ihr künstlerisches Selbstverständnis, erzählt von ihrem neuen musikalischen Projekt, bei dem sie sich mit dem musikalischen Erbe des Balkans auseinander setzt, und verrät ein wenig über ihren Dora-Beitrag „Rijeka“.

ESC kompakt: Was hast Du seit Deiner Teilnahme am ESC 2016 gemacht? Erzähl uns ein bisschen über Deine (musikalischen) Projekte seitdem.

Ich hatte viele Projekte mit wundervollen Orchestern, wundervollen Instrumentalisten, wundervollen Sänger:innen. Es gab auch viele wundervolle Kollaborationen mit anderen Sänger:innen. Außerdem habe ich Konzerte an wundervollen Orten gegeben, denn meine Musik wirkt anziehend auf Orte wie die wunderschöne Natur, Museen, Galerien usw., sogar Schlösser. Das sind auf jeden Fall nicht die typischen Veranstaltungsorte, diese Orte sind historische Denkmäler. Wir haben außerdem viele akustische Konzerte gespielt. Und neben der Veröffentlichung von neuen Liedern habe ich mir erlaubt, mir darüber Gedanken zu machen, in welches Genre ich mich wirklich vertiefen möchte. Denn in meiner Musik gibt es viele Einflüsse, so viele Stilrichtungen wirken auf sie ein, es gibt Kontraste. Man kann irische Einflüsse hören genauso wie orientalische und asiatische, auch Pentatonik. Es passiert ganz viel auf einmal: Filmmusik, Weltmusik, Pop etc. Ich habe mich einfach vom Fluss mitreißen und von der Strömung lenken lassen. Ich denke, wenn man ein wirklich guter Künstler sein möchte, muss man sich von der Strömung treiben lassen, man muss improvisieren, man muss frei sein. In der Musik gibt es so viel zu entdecken.

Ich habe also sehr viele verschiedene Lieder geschrieben und wir haben sie in ein schönes Geschenk verpackt: ich habe zwei Alben veröffentlicht. Mein zweites Album ist vor rund zwei Monaten herausgekommen, dabei habe ich mit einer anderen Plattenfirma zusammengearbeitet. Aktuell habe ich gar keine Plattenfirma, jetzt bin ich eine freie Frau.

Wir haben viele wunderschöne Dinge erschaffen. Und ich habe auch viele Auszeichnungen bekommen, wie den Preis „Slavic Hope“, den ich in Belarus erhalten habe. Der Präsident selbst hat ihn mir überreicht. Es war also ein sehr intensiver und wundervoller Weg seit damals.

Ninas aktuelle Single „Čuvaj me“

Du bist jetzt schon seit einigen Jahren als Sängerin und Songschreiberin aktiv. Was ist für Dich das wichtigste in der Musik?

Am wichtigsten für mich ist es auf jeden Fall ehrlich zu sein, aus meiner eigenen Erfahrung heraus zu sprechen, die Dinge zu erzählen, die bei mir privat passieren oder die ich wirklich fühle. Ich werde niemals ein Projekt machen oder ein Lied singen, wenn ich es nicht fühle. Ich möchte nicht irgendetwas tun, nur weil ich eine neue Single brauche, das würde ich niemals machen. Mit dem Schreiben ist es natürlich das Gleiche, sogar tiefergehend, denn wenn man seine eigenen Lieder schreibt, dann kommt das vollkommen aus dem eigenen Herzen. Ich habe elf Lieder auf Englisch geschrieben. Zwar habe ich noch keine Zeit gefunden sie aufzunehmen, aber ich plane mein erstes Soloalbum auf Englisch. Gleichzeitig arbeite ich an Material für den kroatischen Markt und natürlich auch für mich selbst: ich habe ein Ethnoprojekt am Laufen, das sich mit den Balkangebieten und der slawischen Kultur beschäftigt und versucht unsere Geschichte zu konservieren.

Was ist Deine schönste Erinnerung, wenn Du auf den ESC 2016 zurückblickst?

Die schönste Erinnerung ist auf jeden Fall, als ich den Preis für die charismatischste Persönlichkeit erhalten habe. Das war wunderschön, weil beim ESC jeder vollkommen charismatisch ist, wenn man also diesen Preis erhält, dann ist das eine große Sache und eine große Motivation sich selbst treu zu bleiben und sich nicht zu ändern. Das ist auch etwas, was ich immer allen erzähle: man muss zu sich selbst stehen, man muss standhaft bleiben, man muss als Person vollkommen ehrlich bleiben, damit man als Künstler:in ehrlich sein kann. Man kann nichts singen, was man nicht fühlt, und man kann als Künstler:in kein anderer Mensch sein als im realen Leben. Ich denke nicht so: Eine Person im privaten Leben sein und eine andere Person auf der Bühne, das funktioniert für mich nicht. Meiner Meinung nach muss man eine vollendete Person sein, man muss immer die gleiche Person sein. Nur dann kann man echte und ehrliche Gefühle einbringen.

Nina Kraljić beim ESC 2016 mit „Lighthouse“

Was hat Dich dazu bewogen wieder an Dora teilzunehmen?

Ganz klar die Tatsache, dass ich einen wirklich guten Song habe. Diesmal habe ich die Möglichkeit, mich so zu präsentieren, wie ich wirklich präsentiert werden möchte. Ich habe ein Lied, zu dem ich wirklich stehen kann, ich habe die Vorstellung im Kopf, ich habe die Bühnenpräsenz, die ich wirklich will. Alles an dieser Dora-Erfahrung ist vollkommen anders als bei Eurovision 2016. Ich bin natürlich sehr froh, dass ich die Erfahrung mit „Lighthouse“ gemacht habe, ich habe so viel über den Job und mich selbst gelernt, aber ich war nicht so erfahren und ich war sehr müde, weil Eurovision direkt nach The Voice folgte und das sehr zeitig war. Diesmal ist alles jedoch vollkommen in meiner Hand, ich bin der Chef. Wenn man als Künstler:in die Möglichkeit hat man selbst zu sein, dann ist das Ergebnis viel besser. Und um ehrlich zu sein ist der Song, den ich präsentieren werde, für mich selbst und für alle, die ihn bereits gehört haben, für mein Team, objektiv gesehen ist der Titel besser, er verkörpert mich besser als „Lighthouse“. Auch wenn ich „Lighthouse“ wirklich liebe und es ein Leuchtfeuer der Hoffnung für mich geworden ist.

Foto: Instagram @ninakraljic

Kannst du uns ein bisschen über deinen Dora-Song „Rijeka“ erzählen? Ist er ähnlich wie „Lighthouse“ oder können wir etwas ganz anderes erwarten?

Ihr könnt ganz gewiss mit etwas Anderem rechnen. Zum einen, weil er vollständig in Kroatisch ist, er ist sehr heimatbezogen, mit vielen slawisch-balkanischen Schwingungen. Der Song ist viel energetischer und in jederlei Hinsicht einfach anders, auch vom Team her. Was aber witzig ist: „Lighthouse“ hat diese Verbindung zum Meer, „Rijeka“ ist der Fluss, und lustigerweise scheint es so, als wäre ich besessen von Wasser. Aber „Rijeka“ ist auf jeden Fall anders, das Grundgefühl ist ganz verschieden. Der Song und seine Atmosphäre sind mehr „ich“.

Bezieht sich „Rijeka“ auf die kroatische Staat, wo Du auch schon gelebt und Musik studiert hast, oder heißt es „Fluss“?

Es bedeutet „Fluss“ und handelt von einer Reise, auf der man zu sich selbst findet. Wenn man sich selbst finden möchte, wenn man vor sich selbst zugibt, wer man ist und wer man sein sollte, dann ist das manchmal kein leichter Weg. Und das Lied handelt von der Reise, vor sich selbst und anderen zuzugeben, wer man wirklich zu 100% ist. Der Track hat auch eine übersinnliche Verbindung, es ist auf jeden Fall ein spiritueller Song für mich. Er hat eine wirklich große Bedeutung für mich. Ihr werdet das verstehen, wenn ihr den Song und den Auftritt sehen werdet. Ich kann Euch jetzt nicht mehr verraten wegen der Regeln.

Hörprobe von Ninas Dora-Beitrag „Rijeka“ 

Es scheint als wäre „Rijeka“ vollkommen auf Kroatisch. Stimmt das? Und weil es toll ist Muttersprachen beim ESC zu hören: würdest Du das Lied auf Kroatisch belassen, falls Du Dora gewinnst?

Auf jeden Fall! Genaugenommen wollte ich das schon beim ESC 2016, mein Land in meiner Muttersprache vertreten. Denn ich bin großer ESC-Fan und wirklich jedes Mal, wenn ich ein Lied in Landessprache höre, dann gefällt es mir besser. Ich werde also auf jeden Fall bei Kroatisch bleiben. Auch an der Bühnenpräsentation würden wir nicht viel ändern, alles würde im Großen und Ganzen gleichbleiben. Wir als ganzes Team glauben wirklich an das, was wir geschaffen haben, es ergibt alles sehr viel Sinn, es ist wirklich wunderschön und besonders, niemand hat je so etwas gemacht. Wir sind sehr zufrieden mit dem, was wir entwickelt haben.

Kannst Du ein bisschen über das Staging Deines Beitrags bei Dora verraten?

Nein, leider nicht. Ich kann Euch verraten, dass ich zwei wunderbare Pole-Tänzer haben werde. Sie sind wirklich toll, ich bin sehr stolz auf sie, nicht nur, weil sie unglaublich gutaussehend sind, sondern auch weil sie so intelligent, mutig und wunderbare Künstler sind. Sie verdienen die ESC-Bühne zu sehen, weil sie wirklich etwas Besonderes sind. Und auf dem Screen hinter uns wird es spannend zugehen. Das ist, was ich Euch verraten kann.

Foto: Instagram @ninakraljic

Hast Du bereits andere Dora-Teilnehmer:innen aus diesem Jahr getroffen?

Natürlich kenne ich viele, das Land ist einfach sehr klein, hier kennt sich jeder mehr oder weniger. Nicht im Sinne von persönlich und tiefer kennen, aber wir kennen uns von Konzerten etc.

Hast Du noch Kontakt zu anderen ESC-Teilnehmer:innen aus 2016?

Ich habe mehr oder weniger mit zwei von ihnen Kontakt, wir folgen uns gegenseitig auf Instagram. Manchmal schaue ich, was alle so machen, wie es ihnen geht, all das. Wie reden nicht im Sinne von wirklich tief miteinander sprechen, aber wir haben Kontakt. Musik verbindet Menschen, das macht Musik üblicherweise, bewusst oder unbewusst, das ist ihre Kraft.

Foto: Instagram @ninakraljic

Was sind Deine nächsten (musikalischen) Projekte?

Es ist gerade eine sehr intensive Zeit. Ich ändere meinen Namen und ich ändere mein Logo, weil ich niemals meinen eigenen Namen im Vordergrund haben wolle. Ich denke, dass der Name des Projekts in Diensten des Projekts stehen sollte. Deshalb wird der Name meines neuen Projekts beschreiben, welche Musik ich mache und welche Botschaft ich weitergeben möchte.

Ich werde an unserem kulturellen Erbe arbeiten und mich mit der slawischen Mythologie beschäftigen. Es wird nur ethnische, filmmusikartige Musik geben, sehr episch, weibliche-Kriegerin-Material. Ich denke, dass wir ein Land sind, das verloren hat, sich selbst zu spüren. Wir haben vollkommen vergessen, dass wir früher mächtig waren und dass wir ein talentiertes Land sind. Der Balkan ist sehr einzigartig und sehr talentiert und wirklich wunderschön. Aber wir haben aus den Augen verloren, wer wir in unserer Vergangenheit waren. Ich habe sehr viel Arbeit vor mir, aber ich möchte die Person sein, die dieses wunderbare Erbe erhält. Alle Menschen aus anderen Ländern, mit denen ich spreche, sind sich bewusst, dass wir eine alte Nation sind, dass wir ein wundervolles Land haben, wunderschöne Natur, wunderbare Musik, wundervolle Fähigkeiten, aber sie sagen auch immer: „Was ist mit Euch passiert, warum zeigt ihr das nicht, warum habt ihr keine Künstler:innen, die das zeigen?“ Und ich möchte das sichtbar machen. Es ist sehr spannend, die Lieder handeln von der Natur, von Göttern, von übersinnlichen Dingen, von Spiritualität. Wenn man Dinge, die grundlegend für die Menschheit sind, verehrt, wie Ehre, Liebe, Hingabe, Natur, die Verbindung mit der Natur, die Verbindung mit der spirituellen Welt, dann ist das nichts Typisches.

Ninas Coverversion des Songs „Libar“ des bekannten kroatischen Sängers Gibonni

Welcher kroatische ESC-Beitrag gefällt Dir am besten?

Danijela Martinović mit „Neka mi ne svane“ würde ich sagen. Als Kind habe ich es die ganze Zeit gesungen.

Nina covert „Neka mi ne svane“ (ESC 1998) und „Tuga dolazi kasnije“ (Dora 2004) bei „Eurosong od Doma“

Was ist Dein Lieblings-ESC-Beitrag?

Ganz eindeutig „Just maybe, I’m crazy“: „Wild Dances“ von Ruslana. 100%.

Als deutsche Seite sind wir neugierig: Hast du auch einen deutschen Lieblings-ESC-Beitrag?

Da muss ich nachdenken. Es ist nicht „Satellite“, das kann ich schon einmal sagen. Ich mochte den Song nicht. Es ist vielleicht gefährlich, das zu sagen, aber ich mochte ihn einfach nicht. Das ist natürlich subjektiv, ich hoffe, es macht Euch nichts aus. Einen Moment, ich muss nachdenken. Wie hieß sie gleich? Sie hatten einen Song, der „Ghost“ hieß. Jamie… Jamie… Jamie Lee! Ja, ich mochte sie wirklich. Ich mag alles an ihr. Meiner Meinung nach war sie herausragend schön, die Bühne war sehr interessant und sie hatte eine wundervolle Stimme. Obwohl sie sehr jung war, ist sie stolz aufrecht gegangen. Das Lied war interessant und gut. Sie ist nur 20ste-irgendwas im Finale geworden, aber ich denke, dass der Song mehr verdient hätte. Man sollte ihr auf jeden Fall mehr Anerkennung geben, weil sie eine außergewöhnliche Künstlerin ist. Ich denke, dass man in Zukunft noch viel von ihr erwarten kann, sie hat viel Potential.

Foto: Instagram @ninakraljic

Vielen Dank, dass Ihr mir die Möglichkeit gegeben habt, die Dinge aus meiner Perspektive zu erzählen. Und nur, damit Ihr es wisst: mir gefällt die deutsche Sprache wirklich gut, es ist meine Lieblingssprache zusammen mit Japanisch, eure Sprache ist unglaublich. Ich spüre immer eine seltsame Verbindung zu Deutschland und ich finde es immer toll dort zu sein, ich hatte letztes Jahr eine phantastische Zeit dort und hoffe bald zurückkehren zu können. Küsse an alle.

„Slijepa Ulica“ aus Ninas aktuellen Album „Čuvaj me“ 

Seid Ihr nach Ninas Aussagen auf „Rijeka“ gespannt ? Was haltet Ihr von Ninas Ansprüchen an sich als Künstlerin? Lasst es uns in den Kommentaren wissen!


10 Kommentare

  1. Ich möchte ja das Rijeka gewinnt, für mich der stärkste Beitrag in Dora. International scheint ja Colors von Bernada am besten anzukommen, dieser belegt bei mir „nur“ Platz 6. Und nachdem was Nina erzählt hat, den ganzen Hintergrund, brenn ich noch mehr für den Beitrag und werd aufjedenfall erstmal zu Dora schalten (zum Glück startet sie gleich auf der 1) Bevor ich zum Mello switche 🙂

    • und als ich gelesen habe „Die schönste Erinnerung ist auf jeden Fall, als ich den Preis für “ dachte ich zuerst sie hat sich über den Barbara Dex Award gefreut 😀 😀

      • Es kann sogar sein, dass sie sich wirklich über den Barbara-Dex-Award gefreut hat 😂 Gibt es noch einen anderen Preis, der zu der Beschreibung passt? 🤔

  2. Ein tolles Interview! Vielen Dank dafür!😊😊
    „Rijeka“ ist mein Favorit. Ich drücke ihr alle verfügbaren Daumen.😊
    Super, dass sie trotz eines 23. Platzes beim ESC als Künstlerin so etabliert ist in ihrer Heimat ist.

    Sehr interessant auch, dass „Satellite“ nicht zu Ninas Lieblingstiteln gehört. Find‘ ich irgendwie gut, dass mal diesbezüglich eine andere Antwort kommt.

  3. Vielen Dank Berenike und @ Matty lies das bitte gut durch. Rijeka ist keinesfalls eine von dir beschimpfte Anbiederung der Kulturhauptstadt.
    Ich finde Nina sehr sympathisch weil sie geradlinig ist und weiß was sie will. Ein Pluspunkt ist das sie auf Landessprache singt diese mag und das auch in jedem Fall beibehält sollte sie nach Rotterdam fahren. Für mich ist sie jetzt schon meine Favoritin

  4. Ich bin ja auch immer dafür, lokale und regionale Kulturen, Traditionen, Dialekte etc. zu erhalten, aber phasenweise klingt mir Ninas Ansatz doch etwas zu patriotisch und … wie soll ich das sagen? Mythisch-mystisch oder vielleicht sogar esoterisch? Andererseits nervt mich dieser uniforme Einheitsbrei, der unseren Globus zunehmend überzieht, auch sehr. Vor Corona bin ich geschäftlich viel gereist, und wenn man morgens in einem Business-Hotel aufwacht, weiß man zunächst nicht, ob man in Helsinki, Lissabon oder Tel Aviv ist. Es sieht überall gleich aus. Und in deutschen Fußgängerzonen findet man überall die selben globalen Mode- und Sonstwas-Ketten; auch dort is das regionale Geschmäckle fast vollständig verloren gegangen. Schade wenn es jetzt auch Kroatien trifft: Das war auf meiner Kroatienreise 2014 noch anders, zumindest außerhalb von Tourismusmagneten wie Dubrovnik.

    Wie dem auch sei: Hauptsache ist, dass mir Ninas Lied sehr gut gefällt, zumindest in Schnipselform. Viel Glück!

    • Ich kann Dein Dilemma gut nachvollziehen. Einerseits ist Patriotismus mit all den oft dazu gehörenden Mythen etwas, das mir nicht besonders sympathisch ist, andererseits mag ich’s auch nicht, wenn überall alles gleich aussieht und klingt.

  5. Also für mich war bei den 12 Snippets rein nix dabei. Entweder die ewig-gleiche Balkan-Ballade oder billige Pop-Nümmerchen. Beides nicht so mein Fall. Sorry, Kroatien.

  6. Die Leuchtturmwärterin ist back. Mir hat ihr Lied vor 5 Jahren sehr gut gefallen, und ich konnte nicht nachvollziehen, dass es so weit hinten landete. „Rijeka“ ist auch sehr schön und mein bisheriger Favorit bei der Dora. Wieso sie auf Startnummer 1 gesetzt wird, muss ich nicht verstehen.

    Dass Künstler sich neu erfinden, kommt ja immer wieder vor. Ich finde ebenfalls, dass das jetzt etwas zu patriotisch rüberkommt. Ich habe da aber auch ambivalente Gefühle, gerade weil ich Familie auf dem Balkan habe. Vielleicht ist es ja auch nur „lost in translation“.

    Ich persönlich kann auch mit dem Übersinnlichen oder Fantasy-Genre (jetzt fehlen nur noch die Drachen ) nichts anfangen. Aber hey, es geht ja ums Lied. Und dass sie auch Frauen liebt. 😉 Der Balkan braucht viel mehr Leute, die dazu stehen. Danke für das Interview, Berenike!

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