LIENNE im Interview: „Ich war im deutschen Finale in Köln dabei“

Bild: Tibor Schrag

Die Augsburger Künstlerin LIENNE hat in diesem Jahr als Songwriterin an der der litauischen ESC-Vorentscheidung „Pabandom iš naujo!“ teilgenommen. Ihr Beitrag „Thank You Very Much“, der von Martyna Jezepčikaitė gesungen wurde, schaffte es ins Finale, dort auf den 4. Platz und beim Televoting sogar auf den 3. Platz. Deshalb und wegen ihrer auffälligen Social-Media-Verbindungen in die ESC-Welt hatten wir sie auch als mögliche Teilnehmerin am deutschen Auswahlprozess auf dem Zettel.

Und tatsächlich: Nachdem LIENNE gesehen hat, dass wir über ihre potenzielle Teilnahme berichtet haben, hat sie sich bei uns gemeldet und wir haben mit ihr ein Interview per Videokonferenz geführt. Wir haben mit ihr über ihren Weg durch den deutschen Auswahlprozess (und bis ins Finale) gesprochen, haben sie gefragt, wie es zur Teilnahme an der Vorentscheidung in Litauen kam und ob sie auch an einer öffentlichen Vorentscheidung in Deutschland teilnehmen würde. All das und noch viel mehr, erfahrt Ihr hier in unserem Interview.

ESC kompakt: Für diejenigen, die Dich noch nicht kennen: Wer bist Du und was machst Du als Künstlerin?

LIENNE: Ich bin LIENNE, komme aus Augsburg und meine Musik geht in die Richtung R’n’B/Pop. Auf der Bühne haben wir als Band ein Streicherquartett dabei, das ist unser Markenzeichen.

Der Grund, aus dem wir heute sprechen, ist Deine Teilnahme am deutschen Auswahlprozess. Ich war überrascht, dass Du darüber sprechen möchtest, weil die Idee hinter dem aktuellen Format eigentlich ist, dass Künstler „im Geheimen“ mitmachen können, ohne dass jemand davon erfährt, wie das etwa bei einer öffentlichen Vorentscheidung der Fall wäre. Du hast Dich anders entschieden – warum?

Für mich gibt es keinen Grund, das geheim zu halten. Ich habe kein Problem damit, dass Leute wissen, dass ich dabei war.

Heißt das, Du hättest auch kein Problem damit gehabt, an einer öffentlichen Vorentscheidung teilzunehmen?

Ja, auf jeden Fall!

Wie kam es denn überhaupt zu Deiner Teilnahme? Hast Du Dich selbst beworben oder wurdest Du angefragt?

Ich wurde vom NDR angefragt, ob ich Lust darauf hätte. Erstmal dachte ich, das wäre eine Spaß-E-Mail und dass das nicht ernst gemeint ist. Aber ich dachte mir auch: „Klar, warum nicht?“ Als wir dann geantwortet haben, hieß es gleich „Das Songwriting Camp ist dann und dann“ und schon ging es los (lacht).

Und wie war es dann für Dich im Songwriting Camp? Hattest Du schon Erfahrung in dieser Hinsicht?

Für mich war es eine neue Erfahrung. Ich habe bislang nur mit meinem Producer und meinem Manager zusammengearbeitet und hatte keinen Kontakt zu anderen Songwritern. Aber das war echt eine neue Erfahrung, weil alle wirklich so cool drauf waren, wie ich mir das vorgestellt habe. Alle waren total locker und hatten viel Verständnis dafür, dass ich das zum ersten Mal gemacht habe. Ich fand das mega!

Du warst in Malmö, oder? Wie viele Lieder sind da dann entstanden?

In Malmö waren es vier Songs. Davor war ich aber auch in Bulgarien und da waren es drei Songs. Dann war ich noch in Woking, da sind zwei Songs entstanden. Und dann gab es noch ein Online-Songwriting-Camp mit Leuten aus Stockholm, da sind zwei Songs entstanden. Das war cool, weil in jedem Songwriting Camp auch unterschiedliche Leute dabei waren.

Was passiert jetzt mit dem ganzen Material? Willst Du das veröffentlichen oder hältst Du es für nächstes Jahr zurück?

Ich finde, dass die Songs sehr gut geworden sind und deshalb will ich sie gern rausbringen. Auch wenn es damit jetzt nicht zum ESC gereicht hat: Ich habe in die Songs meine Gefühle aufgenommen, deshalb ist das alles ganz wertvoll und ich würde mir wünschen, daraus ein Album zu machen. Konkret ist aber bislang noch nichts, vielleicht klappt es Ende des Jahres.

In Woking hast Du dann ja bestimmt auch Jendrik kennengelernt. Wie gefällt Dir denn „I Don’t Feel Hate“?

Jendrik ist echt eine super Persönlichkeit! Er ist super lieb und ich bin echt froh, dass ich ihn kennengelernt habe. Wie ich vorhin schon gesagt habe, alle Künstler, Producer und Songwriter waren super und ich hatte nie das Gefühl, mit jemandem im Wettbewerb zu stehen. Wir haben uns alle gegenseitig unterstützt und da gehört auch Jendrik dazu. Ich finde „I Don’t Feel Hate“ sehr cool und er hat eine schöne, starke Message. Ich wünsche ihm ganz viel Erfolg und hoffe, dass Deutschland das rocken wird – und ich glaube auch daran.

Wie weit bist Du denn dann im Auswahlprozess gekommen?

Ich war bis zum Ende dabei, also auch im Finale in Köln.

Mit einem Song oder mit mehreren?

Ich hatte zwei Songs dabei.

Wie war es dann für Dich, die in Köln auf die Bühne zu bringen?

Verrückt! (lacht) Das war mega krass. Ich habe mich total vorbereitet, extra Outfits besorgt, wurde dort in der Maske schön gemacht. Das hatte ich auch noch nie in meinem Leben! Umso mehr freue ich mich, dass ich dabei sein durfte, weil es einfach eine riesen-coole Erfahrung war. Vielleicht war ich auch einfach noch nicht bereit dazu, für Deutschland anzutreten.

Bild: Robert Hagstotz

Das klingt aber so, als würdest Du nicht ausschließen, dass Du das in der Zukunft nochmal versuchst.

Ja…das schließe ich nicht aus (lacht).

Richtig auf Dich aufmerksam geworden sind wir, weil unsere Leser herausgefunden haben, dass Du als Songwriterin mit „Thank You Very Much“ von Martyna an der litauischen Vorentscheidung teilgenommen hast. Wie ist das denn passiert?

Der Song hieß eigentlich „Fuck You Very Much“ – das darf so im Fernsehen aber natürlich nicht gesagt werden. Der wurde dann in anderen Ländern gepitcht und dann hat sich Litauen gemeldet. Ich habe Martyna dann sogar ein bisschen geholfen, weil sie mich zum Beispiel gefragt hat, wie ich den Song an bestimmten Stellen singe und das so ähnlich machen wollte. Sie war wirklich mega süß! Für sie war der Song dann der, der am meisten herausgestochen hat und deshalb hat sie sich dafür entschieden.

Wie ist denn generell Dein Verhältnis zum ESC? Verfolgst Du die Shows und auch Vorentscheidungen?

Früher habe ich den ESC mit meiner ganzen Familie angeschaut – alle zusammen im Wohnzimmer. Ich fand das immer cool! In den letzten Jahren habe ich ihn aber ehrlich gesagt nicht mehr ganz so intensiv verfolgt. Ich hätte mir auch nie vorgestellt, dass ich als Sängerin mal etwas damit zu tun haben würde. Umso spannender finde ich jetzt alles, weil ich auch weiß, wie alles drumherum abläuft. Ab jetzt werde ich ihn also wieder öfter anschauen (lacht).

Was sind denn Deine weiteren Pläne für die kommende Zeit?

Demnächst stehen ein paar Online-Streamingkonzerte an. Außerdem wollen wir eine Single veröffentlichen und sind mit Plattenfirmen im Gespräch. Ich möchte außerdem als Künstlerin wachsen und noch mehr meine Stärken herausfinden. Da hat auch der ESC jetzt schon seinen Teil dazu getan, ich bin selbstbewusster geworden. Ich konnte in den Songwriting Camps auch experimentieren und unterschiedliche Sachen ausprobieren.

Durch die Corona-Krise habe ich außerdem generell gemerkt, dass es wichtig ist, dass wir Künstler da sind. Ohne Künstler gibt es keine Musik und ohne Musik ist das Leben ziemlich langweilig.

Mehr über LIENNE könnt Ihr hier auf ihrer Facebook-Seite, hier auf ihrem Instagram-Account oder hier in der Sendung „Startrampe“ vom Bayerischen Rundfunk (BR) erfahren.


94 Kommentare

  1. Es wurde ja Spekuliert das Jamica auch am Auswahlprozess Teilgenommen hat. Der Neu Veröffentlichte Song „Run Like a River“ könnte einer dieser Songs sein die im Prozess waren. Würde von der Länge zumindest passen.

  2. Anna Pape könnte auch dabei gewesen sein. Zumindest kennen Jendrik und Anna sich und er hat sich schon zu ihrem neuen Album positiv geäussert.
    Daraus geschlossen könnte das hier ihr Beitrag in Köln gewesen sein:

    • Schöne Melodie, aber mit der Stimme habe ich ein bißchen meine Probleme.
      Nee, „I don’t feel Hate“ gefällt mir doch besser, „Dear Anna“ ist mir doch irgendwie zu unscheinbar.
      Wenn untergehen, dann wenigstens mit „Pauken und Trompeten“, endlich mal wieder volles Risiko.

  3. Ich weiß zwar nicht ob er sich für uns beworben hat. Aber es könnte sein. Und damit hätten wir auf jeden Fall mehr Erfolg gehabt.

    • Ich hätte nach Deiner Hauptaussage eigentlich auch gar nicht erwartet, dass Du dazu noch weiter was sagst. Aber ganz offensichtlich möchtest Du andeuten, dass Dir noch etwas Wichtiges auf der Zunge liegt. Vielleicht ja „An einer Vorauswahl sollten nur bekannte Sänger(innen) teilnehmen“ oder „Ich kenne schon alles, was gut ist, folglich ist alles, was mir nicht bekannt ist, schlecht“?

  4. Ich kenne LIENNE bereits aus dem Fernsehen, da sie mal im BR vorgestellt wurde. Sie hat echt eine tolle Stimme und ich hoffe, dass sie Deutschland mal vertreten wird.
    Wäre toll gewesen, wenn wir was von den beiden Teilnehmer-Songs gehört hätten, aber irgendwann werden wir die mal zu Ohr bekommen. 😊
    Das mit den Instagram-Follower war damals echt ein guter Hinweis: LIENNE war auch darunter, ebenso Zoe Wees. Etwas trauere ich „Girls like us“ schon nach – auch, wenn es mich sofort nicht überzeugt hatte – aber es hält sich in den deutschen (und auch US-) Charts ziemlich gut. Und ja, ich gehe fest davon aus, dass sie dabei war.

  5. LIENNE hat auf jeden Fall bei einer Sache Recht, ohne Musik wär das Leben echt langweilig, gerade jetzt während Corona🎶

  6. Hm, ich mag Jendrik ja sehr gerne, war dann aber von „I Don’t Feel Hate“ doch etwas enttäuscht. Aber immer noch 10 mal interessanter als alles, was hier im Artikel und den Kommentaren erwähnt wird (der Wellerman hat hier ja eigentlich nix zu suchen).

  7. Trotz unserer gut 300.000 Einwohner immer wieder eine Seltenheit deutschlandweit bekannte Künstler aus meiner Stadt zu sehen, deswegen freu ich mich besonders, dass Lienne im Rahmen der ESC-Bewerbung ein bisschen Aufmerksamkeit bekommt.
    Das Material, das sie bisher veröffentlicht hat, ist jetzt nicht so meins, aber Fuck/Thank You Very Much trifft meinen Geschmack dagegen ziemlich gut. Also bin ich gespannt auf neue Veröffentlichungen

    • Also bitte, Ihr habt doch Dutzende Promis aus Augsburg, ob nun Urmel aus dem Eis & Co, Jim Knopf, Lukas & Co oder die ganzen Drachen und Pumuckls… also so ’ne Promidichte wie Augsburg gibts doch sonst hierzulande höchstens noch in Köln oder Berlin!

      • Bei den Promi-Exporten könnte man fast meinen, hier gäbe es nur Holzköpfe 😉

      • Lach… zumindest sind die aus echtem Holz, hier in Köln hingegen…

    • Ach, noch jemand aus meiner Gegend, bin zwar nur Gersthofer, aber das ist ja fast dasselbe wie ein Augsburger. Kannte bisher nur Andreas Bourani als bekannten Sänger aus Augsburg, früher war mal Linda G. Thompson sehr bekannt als Mitglied von Silver Convention, die kommt sogar aus meinem Kaff und ist (kein Witz) 4 Häuser weiter aufgewachsen.

      Ihre Musik macht echt was her, hoffe wir sehen sie irgendwann mal tatsächlich beim ESC. Bisher war ja die Friedbergerin MarieMarie am nächsten dran.

  8. Die Stimme finde ich sehr gut. Ich könnte mir Lienne sehr gut beim ESC vorstellen.🙂

    Aber „Thank You very much“ hat mir gar nicht gefallen.

  9. Ich würde mich freuen die beiden Songs hören zu können. 🙂

    Wer weiß, vllt. wird sich ja in ein oder zwei Jahren dann auch letztendlich zum ESC fahren.

  10. Also wenn das Jendriks Mitstreiter waren, dann ist mir klar, warum er haushoch gewonnen hat.

    Nicht weil Jendrik und sein Song um Längen besser oder schlechter waren. Alle Songs und Künstler sind klasse. Aber Jendrik und sein Song haben ein Alleinstellungsmerkmal. Das ist doch offensichtlich und lässt sich nicht abstreiten. Die anderen klingen nicht 08/15, aber doch wie etwas, was man jeden Tag im Radio hört. Und das kann keiner hier bestreiten.

    Und weil IDFH kein typischer Radiosong ist, wird er auch nicht oft gespielt. Oder hört irgendjemand Arcade, Toy, 1940 etc. oft im Radio? Macht schon alles Sinn, für mich zumindest. Immerhin reden wir hier über den ESC und net über X-Factor, wo Songs von etablierten Künstlern nachgesungen werden, und meist ein Double am Ende gewinnt. Wir suchen beim ESC einen eigenständigen Künstler mit gewisser Aussagekraft.

    Genau wegen dieses Alleinstellungsmerkmals wird sich Jendrik auch im Mai gegen andere positiv absetzen, ob es nun einige hier wahrhaben wollen oder nicht…

    Als angebliche ESC-Kenner hier muss doch jedem schon aufgefallen sein, dass es besser ist ein Risiko einzugehen und somit aufzufallen, als irgendwas Alltägliches dahin zu schicken.

    Kann gut gehen oder auch schief, aber wenigstens hatte man dieses Jahr Eier in der Hose und schwimmt mal zur Abwechslung gegen den Strom. Dann hab ich auch nichts dagegen, wenn Deutschland wieder Letzter werden sollte.

    • Ich finde das Auswahlverfahren bewegt sich genau in die richtige Richtung, weg vom Casting-Modell hin zu Musikern, die ihre eigene Musik vorstellen und deswegen auch glaubhaft auf der Bühne sind. Ich war beispielsweise mit dem letzten Jahr mitnichten zufrieden, weil es zwar ein aussichtsreiches Lied war, aber einfach nicht zum Sänger passte. Wenn der NDR weiterhin eher ein Augenmerk auf junge Künstler hat, dann könnte man vielleicht irgendwann auch die Geheimhaltung weglassen, die dürften alle nichts gegen einen öffentliches Finale haben. Da wird man sehen, wie es sich entwickelt.
      Ich denke auch Jendrik hat gewonnen, weil er eben ein fertiges Produkt auf der Bühne hatte, er wusste was er wollte, weil er das Lied für den ESC geschrieben hat und so sah die Präsentation dann eben auch aus.

    • Ich bin froh, daß wir eben diesmal keinen 08/15-Poptitel haben (und sogar ein bißchen Deutsch ist dabei…). Sorry, damit konnte ich mich nur selten identifizieren.

  11. Ich hoffe, daß Lienne es nächstes Jahr erneut versucht, unser Land beim ESC zu vertreten und am Ende auch ausgewählt wird.

    Es kann aber auch durchaus ein Interpret sein, der auf Deutsch singt. Als Beispiel dafür fällt mir die Gruppe Pudeldame ein:

    https://www.youtube.com/watch?v=Fw8J4YIP9co

    Ein weiteres Beispiel, wer uns mal beim ESC vertreten sollte, ist Leony:

    https://www.youtube.com/watch?v=jWvTrd2tXyk

    Oder das hier:

    https://www.youtube.com/watch?v=DgyHaHCnhyo

    Viel Spaß beim Anhören.

    • „Kinder ohne Freunde“ hat einen coolen Beat. Gefällt mir gut.🙂
      „Boots“ klingt dagegen sehr … na ja, … gewöhnlich.😉 Keine Ahnung, aber so etwas würde wohl eher untergehen beim ESC.
      Wußte gar nicht, dass es Tokio Hotel noch gibt. Ich war ja nie der große Fan von der Band, der Hype ist irgendwie an mir vorbei gegangen. Aber der Song gefällt mir gut.🙂

    • Pudeldame sind auch die musikalische Unterstützung von Ariane Alter bei „Late Night Alter“. Die Band gefällt mir 😀

  12. In Jendriks Instagram-Follower-Liste kann man ganz gut sehen, wer alles (wahrscheinlich noch) im Finale mit dabei war: Anna Pape, Benedikt Koestler, Stefan Celar, Lienne, Erwin Kintop, Tim Kamrad, Jamica, Daniel Schumacher, OXA und Linda Teodosiu (plus all die gruseligen Mainstream-ESC-Schwedenpop-Songwriter, von denen ich hoffe, dass der NDR sie nie wieder anruft).

  13. Es ist schon sehr frustrierend, was aus „unserem“ Vorentscheid wurde. Das Fundament welches man vor 10 Jahren aufgebaut hat, ist inzwischen kaputt. Anstatt sich immer weiterzuentwickeln, ist man nun praktisch wieder auf dem Stand von 2009.

    • Welches Fundament soll das denn gewesen sein; das Format wurde doch gefühlt jedes Jahr geändert? Außerdem, und das gehört auch zur Wahrheit, haben die VEs der letzten 10 Jahre keinerlei Hits abseits der Siegertitel (und selbst da zuletzt nicht mehr) hervorgebracht, sind außerhalb der Bubble nur auf wenig Resonanz gestoßen und haben dazu in den letzten Jahren eigentlich nur noch für schlechte Presse gesorgt. Man muss sich gerade auch als Fan einfach eingestehen, dass da nicht unbedingt etwas „zu Grunde gerichtet“ wurde, sondern das ganze nie so funktioniert hat, wie man es sich vielleicht gewünscht hätte.
      Ich fände es auch toll, ein etabliertes VE-Format zu haben, um das uns ganz Europa beneidet; das haben wird aber nunmal nicht und das wird auch nicht mehr kommen, jedenfalls nicht in einer MF-/San-Remo-Größenordnung. Der NDR muss eben mit dem Arbeiten, was man hat und da finde ich persönlich, aus dem zu schließen, was Alex Wolfslast in den letzten Monaten so an Hintergründen und Überlegungen offenbart hat, das jetzige Verfahren das Beste seit dem Modus von 1998-2003.

      • Die Wahrheit dürfte in der Mitte liegen. Wenn das jetzige Auswahlverfahren noch das Beste seit langem sein soll, dann nur, du sagst es selbst mit anderen Worten, weil man sich mittlerweile um alle Chancen gebracht hat. Mitnichten sind diese Zustände gottgegeben `nun einmal so‘, das wurde systematisch vor die Wand gefahren.
        Ein Brett von Fundament war seinerzeit die Akzeptanz, die hätte man auch in (namhaften) Künstlerkreisen ausbauen können, um das standing des ESC hierzulande sukzessive zu verbessern. Ein ganz klarer Rückschritt, weil durch die Lappen gegangen, mal ganz abgesehen von der Stagnation auf vielen anderen Feldern, wo eine lebensnotwendige Weiterentwicklung über die Jahre, wenn überhaupt, nur in homöopathischen Dosen festzustellen ist.

        Stattdessen bläht man das Selektionsverfahren zum Bersten auf und läßt sich Floh um Floh ins Ohr setzen oder besorgt das selber. Man doktert und schustert herum und übt sich im Versteigen. Die Auflistung der ganzen vermeintlich erforderlichen Songwritingcamps spricht schon Bände, fast schon die logische Konsequenz von völlig falsch gesetzten Prioritäten und symptomatisch, dass ein Song das Rennen macht, der davon gar nicht tangiert wurde (leider mit vergleichbar überschaubarer Eignung). Wird jeder Songschreiber bestätigen können, dass auf Knopfdruck zumeist nur Ausschuss produziert wird, aber frag hierzu einen von denen, die daran ordentlich partizipieren und sei es durch das Mitorganisieren…von daher, cui bono…?

        Den im Überfluss existierenden Kreativhonig dieses Landes wird der NDR so jedenfalls niemals saugen können, die entsprechende Imkergilde wird nach wie vor weitestgehend die Gefolgschaft verwehren. Und der geneigte Konsument nimmt keine Notiz oder wendet sich schlimmstenfalls mit Grausen. Wenig beneidenswert, aber das hat man sich hart erarbeitet und d’accord auch mit der Aussage, das da alsbald nichts mehr kommen wird. Wenn ein Schreiber seinen designierten Nachfolger vorab schon über den grünen Klee lobt, verheißt das nicht wirklich etwas Gutes.
        Gleiche Brüder, gleiche Kappen eben…

  14. Wenn Jendrik 11,82 Punkte gekriegt hat und angeblich soooo viele wie aufgezählt mit noch mindestens einem Lied dabei waren, wieviele Punkte hat dann Lienne bekommen? 0,005 oder so?

    Dieses Auswahlverfahren ist eine Farce und es ist nicht erklärbar, warum die Show aus Köln nicht gezeigt wird. Das Argument „Die Künstler sollen einen geschützten Raum haben blabla“ zieht nicht mehr. Nicht mehr nach diesem Interview.
    Man fragt sich schon, ob der NDR hier was verschleiern möchte? 🙂

    • Gehn wir doch mal mit den Infos ran, die wir kennen: Du kannst ja mal abschätzen welchen Punkteschnitt Lienne hat,, wenn sie bei der normalen ESC-Punktevergabe auf Platz 2 oder 3 gelandet ist. (Xavier hatte 2018 8,475 Punkte im Durchscnitt zum Vergleich)

      Ach ja.In der Pressekonferenz mit Jendrik, wurde gesagt, dass sie etwa die Hälfte der beteiligten Künstler sich einen öffentlichen Vorentscheid vorstellen können. Und das sie hoffen, dass sie in Zukunft dann einen öffentlichen Vorentscheid durchführen können. Falls Du Dich wunderst, wieso die Künstler, die sich gegen einen öffentlichen Vorentscheid ausgesprochen haben, sich nicht öffentlich melden, dann … äh… das war der Sinn eines geheimen Vorentscheids.

      Also ehrlich gesagt sehe ich da keine Verschleierung. Im Gegenteil.

      • Du findest das alles also total transparent, was der NDR macht? Denn das wäre das Gegenteil von Verschleierung.
        Wir können uns gern über das Argument unterhalten, meinetwegen auch über die Punktearithmetik, die du zugrunde legst. Möglicherweise hab ich da einen Denkfehler.

        Aber du wirst bitte nicht ernsthaft behaupten wollen, dass der NDR in dieser internen Auswahl transparent arbeitet? Natürlich wird uns da was verschleiert. Ob bewusst oder unbewusst – auch darüber können wir gern diskutieren.

      • Ich wiederhole mich da mal:
        In der Pressekonferenz mit Jendrik, wurde gesagt, dass sie etwa die Hälfte der beteiligten Künstler sich einen öffentlichen Vorentscheid vorstellen können. Und das sie hoffen, dass sie in Zukunft dann einen öffentlichen Vorentscheid durchführen können.
        Zusätzlich wurde schon im Vorfeld dazu gesagt, dass es Künstler gibt, an die sie nur rankommen, wenn der Vorentscheid nicht öffentlich ist.
        Wie Du jetzt an LIENNE siehst, setzt der NDR die beteiligten Künstler nicht unter Druck. Sie können selbst entscheiden, ob sie sich outen wollen.

        Also wo soll da bitte von NDR-Seite etwas verschleiert worden sein?

      • Wo hab ich denn behauptet, dass der NDR Künstler unter Druck setzt?

        Du beantwortest zwar meine Frage nicht, ob du wirklich findest, dass der NDR alles transparent dargelegt hast, aber ich bin nicht so und möchte deine Frage beantworten, wo ich finde, dass der NDR etwas verschleiert:
        offenbar hat Lienne keine Probleme damit, dass bekannt ist, dass sie beim VE bekannt war. Das war ja letztes Jahr bei diesem einen Duo auch so. Hab den Namen vergessen.
        Wenn der NDR schon nicht sagen will, wer alles im Auswahlprozess dabei war (was ich ja verstehen kann), warum sagt er dann nicht wenigstens das, was er sagen kann? Warum gibts nicht mal so ein Leckerli „Hallihallo, hier ist ein Song, der auch in der Auswahl war.“ Verbunden mit ein paar netten Worten an Lienne?
        Warum macht man die Show in Köln nicht etwas zugänglicher, vor allem, was die Bewertung angeht? Man könnte doch sagen, wieviel Songs am Start waren und wie sich die Votings verteilt haben? Warum nicht wenigstens das? „Wir hatten 10 Songs am Start, Jendrik hat sich durchgesetzt mit x% der Stimmen.“

        Natürlich: der NDR muss das nicht machen. Aber wie gesagt: transparent ist das nicht. Ich erwarte auch keine vollständige Transparenz. Aber ein bisschen mehr wäre schon schön.

        Wenn das für dich alles so passt, dann freut mich das sehr für dich. Ich freue mich immer über glückliche und zufriedene Menschen.

      • Das mit dem unter Druck setzen bezog sich auf die „Verscheierung“. Also LIENNE wurde nicht unter Druck vom NDR gesetzt, dass sie sich nicht outen solle. -> keine Verschleierung.
        Also nicht „Du hast doch gesagt…“ sondern „Dass sie nicht unter Druck gesetzt wurde, zeigt doch eher, dass sie nichts verschleiern wollen“.
        Wir wissen, dass es 15 Beiträge waren im Finale und das einige hundert Beiträge insgesamt am Start waren. Das hatte ja der Herr Schrfeiber in seiner typischen Art und Weise schon referiert.
        Ob ich glücklich mit unserem Vorentscheid sein werde, wird sich erst noch in den nächsten Jahren zeigen. Dieses Jahr dürfte die Performance verdammt gut sein. Mal sehen, ob das Deutschland jetzt endlich mal auch in Zukunft auf die Kette bekommt. Da wäre interessant zu wissen, ob die Zusammenarbeit mit dem litauischen Produktionsteam längerfristig angedacht ist, oder ob das mal wieder nur ein OneShot wird.

      • Ich denke Grundvoraussetzung sollte sein, dass der eigene Beitrag in der Heimat gut ankommt. 2020 und 2021 ist das überhaupt nicht der Fall. Also was bringt uns ein gutes Ergebnis beim ESC, wenn sich unsere Landsleute überhaupt nicht dafür interessieren.

  15. Heute vor 40 Jahren fand der ESC in Dublin statt. Und Lena Valatis kam auf einen tollen 2ten Platz. Es reichte sehr knapp nicht für den Sieg. Schuld daran hatten die Schweizer 😉.
    Was waren das für Zeiten für Deutschland. Wir waren sozusagen die Schweden jener Zeit. Egal was damals Deutschland schickte, wir gehörten immer zu den Favoriten. 1977 Platz 8. 1978 Platz 6. 1979 Platz 4. 1980 Platz 2. 1981 Platz 2. 1982 Platz 1. 1983 Platz 5. 7 Jahre am Stück tolle Ergebnisse. Unvorstellbar heute.

  16. Das waren Zeiten. Hab heute kurz in die VE 1983 geschaut. Caroline Reiber hat sofort Klartext gesprochen- indem sie sinngemäß sagte „Sie liebe Zuschauer haben diese 12 Lieder gewählt“. Gemeint war das Radiopublikum, die zuvor aus 20 oder 24 Liedern wählen durfte. Im finalen Vorentscheid war dann die Demoskopie gefragt. Der BR hat das wirklich klasse gemacht. Gleich zu Beginn 1979 holte man Frechdachs Thomas Gottschalk auf die Moderationsbühne. Natürlich gab es auch Pannen wie 1980, wo man irrtümlich Costa Cordalis zum Sieger erklärte. Jedenfalls war der Vorentscheid ein wichtiges Ereignis. Seit 1984 wechselte sogar die Moderation jährlich. Was auch immer für gesteigertes Interesse sorgte. 1987 und 1988 begann es auch zu kriseln. Aber 1989 gelang noch einmal mit Hape Kerkeling ein Glanzstück an Show und tollen Siegern mit Nino de Angelo und Dieter Bohlen.

  17. Super….jetzt bin ich wieder deprimiert. Wenn ich daran denke, was der NDR aus dieser Veranstaltung gemacht hat.

    • Na ja, ich hätte auch gerne wieder eine VE. Diese waren eigentlich auch musikalisch vielseitig bestückt, waren meistens vielversprechende Acts dabei. Es wurde leider meistens der „kleinste gemeinsame Nenner“ gewählt, das lag wohl meist am Abstimmungsmodus. Die restlichen Fehler wurden dann oft beim ESC begangen, so performancetechnisch.
      Ich finde, wir sollten der ESC-Jury mal die Chance geben, wir wissen ja noch gar nicht, wie wir unter diesem Modus abschneiden. Jetztes Jahr ist ausgefallen und die Wetten sagen zu diesem Zeitpunkt doch noch gar nichts aus.

  18. Gaby es geht mir gar nicht um das Abschneiden von Jendrik. Sondern um das Grundsätzliche….wie der NDR diese Sache nun angeht. Ich halte gar nichts von solchen Wochenenden, wo die üblichen Verdächtigen spontan Lieder schreiben. Für diverse Künstler. Ich bin froh das mit Jendrik jemand siegte, der selbst sein Lied schrieb. Also bleibt uns dieses Jahr die Schweden/Bulgaren- Compo erspart. Dann die Suche nach der Eurovisionsjury….furchtbar! Musik ist nicht Mathematik sondern Seele. Auf gut deutsch, mir gefällt ein Lied oder nicht. Dann ist es jetzt Mode, die Teilnehmer geheim zu halten. Damit die Verlierer sich nicht blamieren. Die Namen die bisher genannt wurden, da hätte sich keiner blamiert,weil Ottonormal Bürger keinen davon kennt. Es geht nun einmal um einen Wettbewerb, da gibt es Sieger und Verlierer. Das sollte sich der NDR klar machen.
    Aber es bringt ja gar nichts. Weil immer die selben Leute am Hebel sitzen und sich insgesamt nichts ändern wird.

    • „Also bleibt uns die Schweden/Bulgarien-Combo erspart“ – Allein schon deshalb mag ich „I don’t feel hate“. 😊

      Aber mit einer TOP-10-Platzierung dürfte es schwierig werden, so realistisch bin ich schon. Ich finde die Konkurrenz dieses Jahr sehr stark. Aber ich wünsche Jendrik natürlich das Allerbeste.🙂

  19. „Warum schicken wir immer unbekannte Leute“ werde ich von Freunden gefragt, wenn ich ihnen unsere Beiträge vorspiele.
    Der NDR unterstützt ja Jendrik wie schon die Vorgänger nicht. Keine Promo.

    • Sag Ihnen: „Frag doch Deinen Star selber, ob er nicht Lust auf den ESC hätte.“
      Mal sehen wie die Reaktionen sind. Ich habe da immer nur ausweichende Antworten bekommen.

  20. Es müssen überhaupt keine Stars sein! Auch Newcomer wie Lena oder Roman Lob können die Deutschen begeistern. Der eine oder andere Star traut sich trotzdem ran. War in der Vergangenheit immer wieder der Fall. Außerdem können erfolgreiche Acts im Hintergrund werkeln und für Talente ein Lied schreiben. Man kann doch nicht Raab bzw Pro 7 das Feld überlassen. Mehr oder weniger bekannte Künstler treten dort an. Obwohl sie dort öffentlich bewertet werden und letzter werden können. Die ARD hat genug junge Leute in ihren Kanälen. Da muss doch der eine oder andere dabei sein, der sich für den ESC begeistern kann.

    • Naja Roman Lob war ein One-mittelgroß-Hit Wonder. Er verschwand so schnell wie er gekommen war. Lena war eine der ganz wenigen, die aus einem ESC Newcomerstatus eine Karriere hat zimmern können. Glaub Dschinghis Khan waren auch echte Newcomer und beim ESC und später leidlich erfolgreich. Ansonsten war das mit den Newcomern beim deutschen ESC Vorentscheid ja in den letzten sagen wir mal 3 Jahrzehnten jetzt auch nicht so dolle. Fast alles sozusagen Fallobst. Wüsste ausser von den erwähnten keinen echten Newcomer der für Deutschland beim ESC Finale zugegen war, der irgendwas vorweisen kann, was man wohlwollend als Erfolg bezeichnen könnte. Hatte natürlich auch keiner nen Single Hit, oder war mit Alben erfolgreich durchgestartet.

      • Du scheinst ja nur Künstler(innen) zu akzeptieren, die irgendwelche Erfolge in Single- oder Album-Charts vorzuweisen haben, das ist traurig.

      • Ob hierzulande Newcomer oder Star spielt überhaupt keine Rolle beim ESC. Hier kommt es einzig auf den Song an und wie ein Interpret seinen Song präsentiert.

    • @ Andi

      Prinzipiell gebe ich Dir ja Recht. Aber in den letzten Jahren hatte ich eher den Eindruck, daß der NDR bewußt sich gar nicht um die etablierte Namen bemüht hat. Gut, viele würden sich wohl diesem Auswahlmodus nicht stellen und direkt nominiert.

      Aber es ist beängstigend, daß nach Lena so gut wie niemand mehr kam, der langfristig Eindruck gemacht hätte. Selbst Schulte läuft mal nur so „nebenher“. Vielleicht hängt es auch damit zusammen, daß die Leute eher deutschsprachige Lieder bevorzugen oder auch am Marketing hängt…..

      Meines Erachtens kann man aber die Schiene „talentierte Nachwuchshoffnung“ nicht jahrelang fortsetzen.

  21. Für mich die Kernfrage bleibt, wer beim NDR auf die Idee gekommen ist z.B. Lienne bzw überhaupt andere Personen, die irgendwelche potentielle Eignung vorweisen überhaupt ‚einzuladen‘. Von sich aus beworben hatte sie sich ja offensichtlich nicht. Da muss man ja auch erstmal von selbst drauf kommen, die einzuladen. Ich spreche der verantwortlichen NDR Redaktion ab auf die entsprechende Personen, die eingeladen wurden, ‚von allein‘, d.h. durch Recherche oder Ähnlichem, gekommen zu sein. Mir erschliesst sich das alles nicht. Irgendwer muss dem NDR ja schlussendlich ihren Namen ordentlich geflötet haben. Dann wurde also nachgeschaut ‚was die so macht‘. Aha. Dann wurde von irgendwem festgestellt, dass Liene iwie geeignet wäre. Ja? Wahrscheinlich, ich nehme es an, weil sie schon einige Erfolge hat vorweisen können oder waren das nur hypothetische Erfolge, die hätten passieren können aber nicht passiert sind (böses Business und so), weil ..wahrscheinlich weil sie so gut ist, dass ihre Qualitäten von kaum jemand anderem bislang bemerkt wurde, aber nun endlich von den sehr begabten Scouts dieser NDR Redaktion. Als ob DAS irgendwer glauben würde…

    • digame (in deren Händen das Verfahren seit letztem Jahr komplett liegt) scoutet in der deutschen Musikszene. Ansonsten hatte man das Verfahren ja nun schon dreimal durchgeführt und damit einen gewissen Pool an Künstlern, die bei beiden Juries grundsätzlich gut angekommen sind. Ursprünglich wurde im Sommer/Herbst 2017 von diversen ÖR-Musikredakteuren mal eine Liste von etwa 4000 möglichen Kandidaten erstellt die dann jährlich geupdatet und unterschiedlich eingedampft wurde und eventuell auch heute noch als „Steinbruch“ für die dem Eurovisions-Panel in der ersten Runde vorgelegten Künstler dient.

    • Bevor du das Verfahren kritisierst, solltest du das Verfahren schon kennen. In den letzten Jahren war es ja immer so, dass auch Künstler in die erste Auswahlrunde genommen wurden, die davon selbst nichts wissen. Erst wenn sie von der Eirovisions-Jury positiv bewertet wurden, werden sie dann angefragt.

    • ok schon klar. dennoch entscheidet letztendlich alleine die verantwortliche NDR Redaktion wer eingeladen wird. Es gibt keinen Weg an dieser Redaktion vorbei. Die müssen das schon auch noch endbewerten, sonst wird nicht eingeladen, da nur sie Einladeberechtigung haben. 4000 mögliche Kandidaten? Jährlich geupdated? Jetzt geht’s aber los…Also das glaubt ja wohl niemand. Märchen aus 1001 Nacht…vielleicht sinds sogar 10.000 oder warum nichht gleich alle Komponisten die bei der GEMA gemeldet sind. Das sind glaub ich 65.000 minus derjenigen die bereits das Zeitliche gesegnet haben natürlich. Ne nee. Dafür dass angeblich tausende iwie gesichtet worden sind ist mir das Ergebnis viel zu dürftig. Logisch gesehen können solche Mengen überhaupt nicht gesichtet werden und dann auch noch zutreffend bewertet werden.
      Wie dem auch sei…
      es wundert mich weiterhin warum diese Lienne eingeladen worden ist. Auf was fusste denn diese Entscheidung, sie einzuladen, denn viele dieser zigtausend wurden ja nicht eingeladen. Muss ja irgendwelche Kriterien gegeben haben, die als Ergebnis hatten, dass ihre Einladung erfolgte. Könnte mir auch vorstellen, dass Lienne selbst es vielleicht gerne gewusst hätte, was und wer ihre Einladung verursacht hat. Beworben hatte sie sich ja gar nicht. Erfolg scheidet ja auf jeden Fall als Kirterium aus. Es muss also ‚was anderes‘ gewesen sein. ach nund dazu müssen dann ja neben den Textern und Komponisten auch noch Interpreten gesucht und eingeladen werden. Tausende natürlich in der Auswahl. Lol. Ammenmärchen.

      • Na dann frage LIENNE doch. Sie ist auf Instagram und beantwortet vielleicht Deine Frage. Dann frag sie noch, wann sie angefragt wurde. Danach kannst Du ja ünoxh bei Puls Musik nachfragen wieso sie eine Livesession Ende 2019 gemacht haben und Mitte 2020 wieder machen wollten.
        Und dann kannst Du sie auch fragen wie es zur Zusammenarbeit mit Aera Tiret gekommen ist.
        Aber was erzähl ich hier. Die Antworten dazu kennst Du ja alle bereits von Berufswegen, oder?
        Ach. Und dann recherchier mal was Frau Andrea Wolflast vor der Head of Delegation-Berufung gemacht hat. Könnte aufschlussreich sein wenn Du das noch nicht wusstest.

      • Alexandra…nicht Andrea…Lienne weiss doch gar nicht warum sie eingeladen wurde. Daher kann sie das nicht beantworten. Der NDR bzw die zuständige Redaktion hat sie eingeladen. Nur die könnten darlegen, warum Lienne eingeladen wurde und nicht jemand anderes der angeblich zigtausend möglichen Personen. Hat dem NDR jemand von Digame den Namen zugeflötet? Wenn ja warum? Live Sessions machen doch ziemlich viele und das nicht nur beim BR. Klar, irgendwer muss ja eben auch eingeladen werden. Glaube aber nicht, dass faire, oder sinnvolle, oder vom Subjektivismus Einzelner befreite Kriterien den Ausschlag geben. Man könnte stattdessen eigentlich auch Würfeln und es würde kein schlechteres Ergebnis hinten rauskommen. Vielleicht wird ja bei Digame ‚gewürfelt‘ – wer weiss das schon. Wobei: das Würfeln an sich gebiert an sich, rein statistisch gesehen, nicht zwangsläufig Schlechtes. Wollte aber noch anmerken, dass ich nicht grundsätzlich kritisiere, dass Lienne eine Chance gewährt
        wurde. Wenn ich das so sehe leidet sie ja unter notorischem Miserfolg. 7 Jahre bei Youtube und nur 80.000 Aufrufe? Alles dann auch noch auf Englisch. und wenn man auf ihrem Youtubekanal die Beschreibung über sie liest könnte man meinen sie wird ‚bald ‚zu den grössten Vokalistinnen der Gegenwart gehören. Der Realitätscheck hält dem aber eben nicht Stand.

      • Meinen Kommentar oben hast du wohl einfach überlesen. Deshalb hier nochmal: Wer eingeladen wird, entscheidet die Eurovisions-Jury. Kann man auch alles nachlesen statt zu spekulieren und im Nebel zu stochern. Denen werden alle möglichen großen und kleinen Künstler per Video vorgelegt, die Jury bewertet, und dann werden die, die in die nächste Runde kommen, aber noch nichts von ihrem Glück wissen, überhaupt erst angesprochen. Der Pool wiederum speist sich aus bekannten Künstlern, Castingteilnehmern und Newcomer, die aus diversen NDR-Redaktionen (Ina‘s Nacht, Radios…) und anderen, die ich jetzt nicht mehr zusammenbekomme (irgendwo kann man das aber nachlesen), vorgeschlagen werden. Plus natürlich die, die sich selbst bewerben.

      • ich glaube es nicht, dass ‚alle Möglichen‘ von der Eurovisions Jury bewertet werden. Kann überhaupt nicht sein. Videos bewerten? Da würde ja die Qualität des Videos von übergroßer Bedeutung sein. ‚alle möglichen‘ würde aber auch bedeuten, dass ALLE erfolgreichen Songschreiber in Deutschland (von denen es einige Hundert gibt) (mal ganz zu Schweigen von den Interpreten) von dieser Jury (oder schon davor durch Digame) rausgekickt wurden. Stattdessen erwies sich einer mit ’nicht vorhandenem‘ Erfolg und ’selbstgeschriebenen Song‘ als unangefochtener 99% Sieger. Also beim besten Willen, dass ist eben einfach total unglaubwürdig. Merkst du selbst, oder?

      • Du fragst also lieber nicht Lienne selber, ob ihr gesagt wurde, warum sie ausgewählt wurde.
        Okay.
        Dann guckst Du nur auf einen YT-Kanal, um etwas über eine Sängerin zu erfahren. Was wäre wenn ich Dir erzählen würde, dass sie erst 2019 in eine „Künstlercommunity“ in Augsburg aufgenommen wurde? (Nur mal so, nach 10 Minuten Internetrecherche)
        Sorry, aber Recherche ist nicht so Dein Ding, oder?

  22. Wenn man den einen oder anderen Kommentar hier liest, dann wird einem schnell klar, warum die Hälfte der Künstler kein ausgeprägtes Interesse daran hat, dass ihre Beteiligung öffentlich gemacht wird.
    Das, was ich mir von Lienne angeschaut habe, finde ich ganz toll. Ohne Wenn und Aber. Warum man sich grundsätzlich so negativ über alles auslassen muss, was einem persönlich nicht so gefällt, erschließt sich mir nicht. Man könnte doch dann auch einfach mal gar nichts schreiben???
    Und das ewige Gemeckere darüber, dass es sich nicht um Top-Stars handelt, geht völlig an der ESC-Realität vorbei. Denn der ESC ist ja nicht gerade das Festival der internationalen Top-Stars. Aber was für andere Länder völlig ok ist (ex-Casting Teilnehmer oder weniger bekannte Künstler), wird von einigen selbsternannten ESC-Koryphäen hierzulande reflexartig angejault. Warum sind ein Duncan in Holland oder eine Destiny in Malta besser als vielleicht ein Benedikt Köstler in Deutschland?

    Was Trevoristos sagt, ist -wohlwollend formuliert- einfach falsch. Nicht die NDR-Redaktion entscheidet, wer eingeladen wird, sondern die beiden Jurys. Die bewerten nämlich zunächst alle Künstler (und später alle Songs). Eingeladen zu den Songwritings werden diejenigen, die die beste Bewertung als Künstler erreicht haben.
    Das Kriterium wurde hier aber auch schon mehrmals erläutert. Die Juroren bekommen einen Zugang zu einer Online-Plattform. Dort können sie sich Videoclips von Künstlern einspielen lassen, die sie bezüglich weniger Merkmale auf einer Skala bewerten müssen. Das macht jeder Juror alleine für sich zuhause.
    Die Ergebnisse aller Juroren werden später aggregiert. Bei der Bewertung fließen dann wohl top-Bewertungen überproportional in das Ergebnis ein, um Künstler zu finden, die besonders starken Support bekommen (also vom Prinzip her lieber 3×10 Punkte und 7×3 als 10×6 Punkte). Ein guter Freund von mir ist Teil der Jury. Der hat mir das genauso erklärt.
    Offensichtlich waren da dieses Jahr Jendrick und Lienne dabei und haben so gut abgeschnitten, dass sie eingeladen wurden. Und die genannten 4000 Kandidaten haben sich wohl über die Jahre angesammelt. Angeschaut werden aber nur die jeweils neuen Kandidaten. Also auch das sollte mengenmäßig möglich sein, wenn man bedenkt, dass sicherlich bei einige Bewerbungen der Wunsch einer Teilnahme vermutlich das Talent leicht übersteigt und die Bewertung schnell erledigt sein kann.

    Es kann sich jeder für eine ESC-Teilnahme bewerben. Wer wirklich für den ESC brennt, wird das auf jeden Fall hinbekommen. Es werden aber auch Kandidaten ohne deren Wissen vorgeschlagen. Also Trevoristos: schlag´ dem NDR doch einfach mal deine Wunschandidaten vor. Und bewirb dich für die Jury. Dann kannst du deine Kandidaten bestmöglich unterstützen. Und dann wird im nächsten Jahr alles gut (wären da nur nicht anderen 99 doofen Juroren).

    • Ich unterstützte tatsächlich zahlreiche Newcomer in real. Viele die man unterstützt und von denen man meint, es müsste doch mit dem Teufel zugehen, wenn die nicht bald Erfolg haben werden, rohrkrepieren halt. ‚Wunschkandidaten‘ gäbe es hunderte, wenn nicht Tausende. Ich misgönne niemandem eine Einladung. Viele d.h. in fact die übergroße Mehrheit der potentiell Einladungsfähigen (glaube 99%) wurden halt aber NICHT eingeladen. Es gab eine Vor-Siebung, die so glaube ich recht subjektiv war. Habe so die dumpfe Vermutung dass von den aktuell sagen wir mal Erfolgreichsten 200 Songschreibern in Deutschland entweder keiner eingeladen wurde (automatisch weggesiebt?), oder keiner von denen hat eine Einladung positiv beschieden (eher unwahrscheinlich). Erfolg ist zwar kein unbedingtes Qualitätsmerkmal, aber ein unbestechliches Kriterium. (‚Erfolg‘ wäre zb Tantiemeneinnahemn nennenswerter Höhe im Inland, aber auch im europäischen Ausland..) Entscheidend ist ja wer eingeladen wird, um auf dieser Onlineplatform bewertet zu werden und nicht wie das Auswahlverfahren DANACH abläuft. Wobei ein Auswahlverfahren durch nicht rein zufällig ausgewählte Personen bei gleichzeitiger Gewichtung nach Musikkonsum für mich und auch statistisch keine überzeugende Ergebnisse erbringen kann. Erbringt nur ein Bubble-Ergebnis. Die Behauptung durch so ein Verfahren ausgewählte Song-Interpret Kombination wäre besonders geeignet für den ESC ist natürlich sowieso blanker Unsinn. JEDER Song, wirklich jeder Song, der einwandfrei, politikfrei und jugendfrei ist und mit hoher stimmlichen Qualität vorgetragen wird, kann beim ESC reüssieren.
      Ausserdem ist es nicht falsch wenn ich schreibe ‚der NDR lädt ein‘. Das ist leider faktisch 100% richtig. Der NDR ist keineswegs verpflichtet alle diejenigen einzuladen, die eine Juryauswahl zur Einladung empfohlen/vorgeschlagen hat. Es könnte nämlich z.B. gelegentlich passieren, dass jemand der vorgeschlagen wurde, sich als ‚dann doch nicht geeignet‘ in der Bewertung der verantworltichen NDR Redaktion erweist. Seit dem Naidoo Fiasko sollte man meinen, dass die NDR Redaktion auf der Hut ist.

    • Ich glaube, wir haben aneinander vorbeigeredet.
      Der Prozess ist nicht dazu gedacht, die besten Songwriter zu finden und einzuladen. Das wäre ohnehin nicht ganz so einfach, weil viele von denen vertraglich an einen Publisher oder an ein Label gebunden sind.
      Der NDR sucht zunächst Künstler, die als Interpreten Deutschland vertreten könnten. Die am höchsten bewerteten werden dann als mögliche Interpreten zu Songwritings eingeladen. Dort werden sie mit professionellen Songwritern zusammengebracht und schreiben an ihren eigenen Songs mit. Lienne wurde also als Künstlerin ausgewählt, nicht als Songwriterin. Ich denke, wir sind uns einig, dass nicht jeder, der eine geniale Stimme und gesangliche Fähigkeiten hat, auch ein guter Songwriter sein muss. Der typische Singer-Songwriter ist eher Wunschdenken und Ausnahme.
      Die am besten bewerteten Künstler werden also zu den vom NDR organisierten Songwritings eingeladen. Lienne hat das beschrieben, Jendrik hat auch darüber gesprochen. So ist dann auch der Song „Fuck you very much“ entstanden. Ich vermute auch, dass Oxa auf diese Weise Co-Autorin von dem Song „El Diablo“ wurde.
      Naürlich könnte man jetzt auch wieder mit Meckern beginnen, was das denn für Writer in den Camps sind bzw. nach welchen Kriterien diese ausgesucht werden. Ich will hier aber mal eine Lanze für den NDR brechen und ein paar Beispiele nennen. Lienne war in England in einem Camp. Einer der Autoren dort ist Co-Writer und Produzent von „Je me casse“, wie ich gelesen habe. Für Malta wird der Song hier gefeiert und steht bei den Wettanbietern hganz oben, bei uns wird sofort ohne echtes Wissen kritisiert. Letztes Jahr hat in demselben Camp der belgische Writer Jeroen Swinnen mitgewirkt, eben der, der auch an Repondez moi für Gjon aus der Schweiz mitgeschrieben hat. Ein Boris Milanov wird für seine Songs für Victoria und Destiny gelobt. Ich bin mir sicher, dass die vom NDR ausgesuchten Songwriter gerade was das Thema Tantiemen angeht, ausgesprochen gut zurecht kommen.
      Es ist aber auch mehrfach gesagt worden, dass Künstler ihre Songs selbst mitbringen können. Das hat Jendrik ja bewiesen. Das war aber auch schon in den vergangenen Jahren so (z.B. Ryk. Lilly among clouds). Songs, die in der Song Bewertung durch die Jurys bestehen, kamen früher in den VE. Heute dann eben in die abschließende Live-Show nach Köln.
      Und der NDR sammelt jedes Jahr auch einige Hundert Songs von draußen ein. Jeder deiner Songwriter kann also problemlos Songs einreichen.Oder sich beim NDR für die Camps anbieten.
      Deine Bewertung des Verfahrens als „blanker Unsinn“ kann ich übrigens nicht teilen. Die Schweiz fährt damit seit Luca Hänni nicht schlecht. Von Sisters abgesehen war Deutschland 2018 mit Michael Schulte extrem gut vertreten. Ben Dolic / Violent Thing fand ich auch absolut wettbewerbstauglich und Jendrik finde ich ausgesprochen erfrischend und steht uns als Nation gut zu Gesicht.

      • Du meinst also es gäbe so eine Art von textuellen und kompositorischen Masterplan mit dem man sozusagen einen objektiv wettbewerbstauglichen Song konstruieren kann. Ausserdem erscheint es mit so, dass du deine subjektive Erwartungshaltung wie ein ESC Song sein müsste, um wettbewerbstauglich zu sein als allgemeingültig darstellst. Es mag ja sein, dass du persönlich einer Interpret/Song-Kombination Wettbewerbstauglichkeit bescheinigst. Kann auch sein dass eine Jury und/odr eine Komission einem Song Wettbewerbstauglichkeit bescheinigt. Tatsächlich ist es so, dass einfach jeder Song der gewisse Grundvorrausetzungen erfüllt voll und ganz grundsätzlich ESC wettbewerbstauglich ist. Entscheidender und durchaus kniffliger ist dann aber die Einschätzung, ob ein Song beim ESC viele Punkte bekommen kann, oder nicht, was ja wohl eher mit anderen Parametern zu tun hat, als mit Wettbewerbstauglichkeit. Hier spielt, so meine ich, die Popularisierungsfähigkeit einer Interpret-Song Kombi die große Rolle. Ob ein Song viele Punkte bekommen kann, oder nicht, ist eine ungemein schwer zu beantwortende Frage. Mir erscheint dass genau diese Frage im deutschen Auswahlprozess keinerlei mindestens aber eine deutliche Minder-Relevanz hatte, da sonst ja der Jendrik Song auf gar keinen Fall ‚mit 99%‘ hätte gewinnen können. Es muss so gewesen sein, dass er keine popularisierungsfähige, schlagkräftige Konkurrenz hatte. Genau das verwundert mich, bei dem ja angeblich so breit angelegten Auswahlprozess. Der kann einfach nicht so breit angelegt gewesen sein. Bei Ben Dolic um Vorjahr war ich ja auch verwundert. Bei Jendrik wird plötzlioch dessen tolle Bühnenpräsenz gelobt obwohl im Vorjahr jemand zum Sieger erkoren wurde hatte, der genau das ja nicht hatte.
        Jendriks Song magst du erfrischend finden, da stellst du allerdings einfach eine winzige Minderheit dar und zwar von denen die den Song bereits gehört haben. Die Mehrheitsmeinung ist leider Kopfschütteln…Ob sein Vortrag im Finale so dolle werden wird wie behauptet? Das kann man so lange glauben bis dieser Vortrag gelaufen ist. Könnte mir aber vorstellen, dass die Verzweiflung unbedingt einen augenstechenden Bühnenauftritt hinlegen zu müssen (um die Popularisierungs-Schwäche des Songs zu übertünchen) eine nicht sinnvolle, anbiedernde Übertreibung zur Folge haben könnte. Ob Übertriebenheit und Anbiederung unserer Nation dann gut zu Gesicht stehen würde? Das würde ich verneinen.

      • Jendriks Proben für die Performance war 28.02. bereits sehr weit fortgeschritten gewesen. Deine Spekulation passt also nicht zum realen Zeitfenster.

        Aber zum Thema Spekulation: Jetzt spekuliere ich mal. Letztes Jahr stand alleine der Song im Fokus. Es kam dabei ein guter Song raus. Allerdings stellte sich dan raus, dass der Künstler mit dem Song eher blas rüber kam und für einen solchen Song die tänzerischen Fähigkeiten fehlten.
        Jetzt zur Spekulation: Die schlechte Reaktion auf den Auftritt bei dem deutschen Finale, ist den NDR-Leuten aufgefallen (wenn nicht sogar davon überrascht wurden. Würde ich denen durchaus zutrauen), sodass sie in Köln dann beim geheimen Vorentscheid echte ESC-Bedingungen schaffen wollten.
        Deswegen dieses Jahr ein Song mit dazugehöriger Performance.

      • Lieber Trevoristos,
        wo in meiner Antwort hast du das nur alles gelesen, was du da hineininterpretierst? Ich habe lediglich das Verfahren beschrieben.
        Und nein, ich meine nicht, dass es einen „textuellen und kompositorischen Masterplan“ gibt, mit dem man einen objektiv wettbewerbstauglichen Song konstruieren kann. Woraus schließt du das? Es gibt ein paar obligatorische Rahmenbedingungen (3 Minuten, kein Vocoder/Autotune, ggf. Anzahl Backings, kein Lead-Dubbing etc.) Nicht weniger, aber auch nicht viel mehr.
        Ich habe auch keine persönliche Erwartungshaltung an einen ESC-Song. Manche Siegersongs finde ich toll, manche nicht. Manchmal „verhöre“ ich mich in Songs, die bereits im Semi rausfliegen. Ich fand „Violent Thing“ als Song super und ich liebe „You let me walk alone”. “Toy” als Song finde ich nicht gut, der Gesamtauftritt war aber clever und perfekt. Sobral fand ich wiederum super. Ich lass mich überraschen. Jedes Jahr aufs Neue.
        Zum Glück geht es aber nicht um meinen Geschmack oder um deinen. Oder den von anderen selbsternannten ESC-Orakeln. Hinterher haben es sowieso immer alle gewusst.

        Du hast das Verfahren leider immer noch nicht verstanden, oder du willst es nicht einfach verstehen. Die Bewertung durch die beiden Jurys versucht genau das zu erreichen, was du als knifflig beschreibst: finde den Beitrag, der möglichst viele ESC-Punkte bekommen könnte. Insofern müsstest du ein glühender Fan des Verfahren sein.
        Um Beiträge zu identifizieren, die Punkte beim ESC bekommen könnten, lohnt sich ein Blick auf diejenigen, die die Punkte vergeben. Um beim ESC erfolgreich zu sein, muss man seit 2009 sowohl im Expertenvoting als auch beim Zuschauervoting punkten. 50% kommen in diesem Jahr von 195 Musikexperten in 39 Ländern, 50% kommen aus dem Zuschauervoting. Beide Gruppen kommen allerdings oft zu unterschiedlichen Ergebnissen (bspw. Keiino / „Spirit in the sky“), was möglicherweise auch an unterschiedlichen Präferenzen oder Prioritäten liegt. Ein professioneller Musiker achtet sicher auf andere Dinge, als ein Zuschauer zuhause auf der Couch.
        Die beiden Jurys, die beim NDR und auch beim SRF eingesetzt werden, so habe ich es zumindest verstanden, antizipieren den europäischen Geschmack dieser beiden Gruppen, die beim ESC Punkte vergeben. In der 20-köpfigen Expertengruppe sitzen 20 internationale Musik-Profis, die ihren Lebensunterhalt mit Musik verdienen und in ihrer Heimat schon mal in der ESC-Jury saßen. Also nicht willkürlich ausgewählt, sondern quasi nach „Stellenbeschreibung“ besetzt. 20 professionelle Musiker aus unterschiedlichen europäischen Ländern als Repräsentanten für die Experten zu nehmen, finde ich an sich nicht falsch und auf jeden Fall besser, als willkürlich irgendwen zu nehmen.
        Und die 100 Juroren der Eurovisionsjury müssen vor dem ESC ihr Gespür für erfolgreiche und nicht erfolgreiche Beiträge unter Beweis stellen. Ich habe verstanden, dass es die 100 Besten von ein paar Tausend sind, die da mitgemacht haben. Diese 100, die sich „qualifiziert“ und gegen ein paar tausend andere durchgesetzt haben, sind mir persönlich auch lieber, als die vielen selbsternannten Experten. Denn diese 100 haben ja gerade wohl das geschafft, was du als „knifflig“ bezeichnest: sie haben vorab die Beiträge identifiziert, die später viele ESC-Punkte bekommen konnten.
        Und um dieses Thema zu verlassen: ich persönlich würde es mir nicht zutrauen, ein besseres Urteil zu fällen, als das aggregierte Urteil dieser beiden Jurys aus 120 ganz speziell ausgewählten Menschen. Insofern kritele ich auch nicht dauernd an deren Entscheidung rum.

        Du sprichst weiter davon, dass die Popularisierungsfähigkeit einer Interpret-Song Kombi die wesentliche Rolle spielt bei der Frage, ob es Punkte hagelt oder nicht. Und da liegt, wenn ich das mal in der dir eigenen, absoluten Wahrheitseigentümerschaft beschreiben darf, vielleicht ein klitzekleiner Denkfehler bei dir vor. Salvador Sobral mit „Amar Pelos Dois” ist ja nun alles andere als ein Song, der die Massen begeistert und „popularisierungsfähig“ ist (sofern dieses Wort überhaupt existiert und präzise definiert ist). Das muss ein Beitrag beim ESC aber auch nicht.
        Ich habe mal gelesen oder gehört, dass erstaunlich wenige Menschen beim ESC anrufen (relativ wenige im Verhältnis zur Zuschauerzahl). Es gab mal Statistiken von der EBU, da konnte man nachlesen, dass die Hälfte aller Anrufe aus Deutschland kamen und wenige andere Länder den größten Rest beisteuerten. Und in Relation zur Zuschauerzahl gab es nur 3%-4% Anrufe (wobei man die Mehrfachanrufer noch rausrechnen müsste, so dass vermutlich 2% der Zuschauer die 50% Telvotingpunkte vergeben; berücksichtigt man, dass die meisten Anrufe aus wenigen Ländern kommen, die auch nur jeweils 51 Punkte zu vergeben haben, dann sind es vermutlich <1% aller Zuschauer, die das Publiumsergebnis bestimmen). Man könnte also etwas zynisch sagen, dass 99% der TV Zuschauer sich köstlich amüsieren, Käseigel oder andere lokale Spezialitäten in sich reinstopfen und mit einem Getränk runterspülen. Die haben vermutlich auch alle eine Meinung – sie äußern diese nur nicht. Warum auch? Lästig, kostet Geld und für das eigene Land kann man i.d.R. eh nicht abstimmen.
        Am Ende bestimmt also eine winzige Minderheit der Zuschauer, wo die Televoting-Punkte hingehen. Es scheint also beim Televoting so zu sein, dass der Beitrag in erster Linie ein paar „heavy supporter“ in möglichst vielen Ländern finden muss, die das Mettbrötchen mal kurz aus der Hand legen und anrufen. Für einen "netten" oder „recht guten“ Song ruft niemand an, davon gibt es mehr als genug beim ESC zu bestaunen. Und einen Song, den man zum Kotzen findet, muss man sowieso ohne die Möglichkeit der telefonischen Sanktion über sich ergehen lassen. Man kann ja nicht gegen ein Land anrufen. was hat das mit Jendrik zu tun?
        Offensichtlich ist es Jendrik mit seinem Live-Auftritt gelungen, viele der Mitglieder der beiden Jurys auf seine Seite zu bringen und top-Bewertungen einzusammeln. Wer 120 Juroren überzeugt, hat die Teilnahme verdient. Ich finde es übrigens schade und auch ein wenig respektlos, dass du aus Jendriks´ Sieg bei der internen Auswahl schlussfolgerst, die Konkurrenz sei nicht schlagkräftig genug gewesen. Die werden sicher nicht mit Schrott-Produktionen und „Lirum, larum Löffestiel“ angetreten sein. Und die Künstler, die hier so genannt wurden, können nachweislich auch alle singen.
        Das zeigt aber auch, lieber Trevoristos, dass du ausschließlich deinen Maßstab gelten lässt. Denn du stellst dein Urteil praktisch über das von 100 + 20 anderen Juroren. Das ist alleine schon mathematisch sehr gewagt.
        Apropos Mathematik: du sagst, ich würde zu einer „winzigen Minderheit“ gehören, die den Song erfrischend findet (von denen, die ihn bereits gehört haben).
        Das offizielle Video haben sich aktuell ca. 1,3 Mio. Menschen angesehen. 30.363 mal Daumen hoch, 15.797 mal Daumen runter (das Icon „Kopfschütteln“ gab es leider nicht). Zwei Drittel als „winzige“ Minderheit zu bezeichnen bzw. ein Drittel als „Mehrheitsmeinung“ wirft schwerwiegende Grundsatzfragen über unser Schulsystem auf.
        Aber im Ernst: auch das sagt gar nichts aus über den 22. Mai. Wie weiter oben ausgeführt: diejenigen, die den Song schlecht finden, können nicht gegen Jendrik anrufen. Diejenigen, die einen Song gut finden, rufen trotzdem in der Regel nicht an. Es geht am Ende um die paar wenigen Menschen in 38 anderen Ländern, für die der Song am 22. Mai heraussticht, etwas Besonderes ist und für den sie anrufen. Ich drücke Jendrik dafür zwei Daumen und tippe mit 8 Fingern weiter.
        Schließlich schreibst du noch: „Könnte mir aber vorstellen, dass die Verzweiflung unbedingt einen augenstechenden Bühnenauftritt hinlegen zu müssen (um die Popularisierungs-Schwäche des Songs zu übertünchen) eine nicht sinnvolle, anbiedernde Übertreibung zur Folge haben könnte.“
        Hier hast du mich vollends verloren oder du bist einfach näher dran an Jendrik und dem NDR. Von welcher Verzweiflung redest du hier genau? Woher beziehst du dein Wissen, dass man bereits verzweifelt ist und sich „anbiedern“ möchte?

        Vielleicht einfach mal abwarten, Jendrik und seinem Song etwas positiver gegenüberstehen und nicht alles immer so typisch deutsch niedermachen.

      • Also bei aller Liebe. Erstens ist es nicht ‚mein Urteil‘, sondern das Urteil der breiten Öffentlichkeit in ihrer übergroßen Mehrheit. Es ist nunmal Fakt, dass Jendriks Song, ein simpel gestricktes Kinderlied, völlig durchgefallen ist. Hat auch keine Nische gefunden. Glaube da muss man sehr lange suchen einen in der Vorfeldverwertung erfolgloseren deutschen ESC Beitrag finden zu können, der auch noch so ziemlich verlacht wurde. Daher finde ich es äusserst seltsam, dass ausgerechnet eine 100er Jury DAS nicht hören konnte, oder wollte, obwohl das doch nun wirklich jeder sofort hört. Ich bewerte hier übrigens nur den Song bzw die Song-Video Kombi, da eine Live-Präsentation inklusive Bühnenshow (weil die ja so super werden wird) der interessierten Öffentlichkeit verkniffen wird. Der Jendrik hat den Song bis heute noch nie live präsentiert, nur Lip Sync…stolze Leistung. Die werden sich dadrauf dann auch noch einen Backen, weil sie meinen sie wären so raffiniert…gähn

        Ich bestreite im übrigen sämtliche Theorien bezüglich ‚welcher Song könnte Punkte kriegen‘ um dahingehend einen Interpret-Songkombi auswählen zu wollen. Das ist die völlig falsche und sogar kontraproduktive Heransgehensweise. Man muss Songs bzw Interpret/song Kombis immer rein subjektiv bewerten. Die Jury, die bewertet, sollte eine zufällig ausgewählten Personengruppe sein, die nach statististischen Gesichtspunkten gewichtet sein sollte. Dabei könnte man gewissen Schwerpunkte setzen, um die Mehrheit der ‚Alten‘ auszubremsen ;-). Den Schwerpunkt auf die kleine geschmacksmäßig recht eingeengte ESC Fanbubble zu setzen ist natürlich völlig falsch. Der Glaube man könnte als Laie, oder gar als ‚ESC Fan‘, zutreffend bewerten was vielen ANDEREN gefallen könnte ist ein ziemlicher Fehlglaube. Man kann anderen keinen Song empfehlen, den man selber eigentlich gar nicht anhören möchte, auch wenn der ‚Bombe‘ vorgetragen wird (KIs d.h. ‚die Algorithmen‘ zb schlagen keine Songs vor, die anderen nicht gefallen, sondern die anderen gefallen). Immer sollte der Bewertungsschwerpunkt auf der subjektiven Songbewertung liegen. Das Trallalafitti sollte man nicht überbewerten. Komischerweise war es bei Ben Dolic iwie so gut wie genau andersherum, als bei Jendrik. Der war ja Performancemäßig usw nicht so wirklich der Überzeuger…

      • und noch was: dass so wenige Leute anrufen hat viele Ursachen und gebiert natürlich ungute Ergebnisse. Bin mir ziemlich sicher, dass die Anrufzahlen geschmälert sind, weil die Zuschauerzahlen insgesamt (also vor allem in Westeuropa) und der Erfolg der allgemeinen Vorfeldverbreitung (Marktanteil) seit 2010 deutlich zurückgegangen sein müssten, besonders auch seit Erdogan der Türkei verbietet teilzunehmen (glaub vllt bis zu einem Drittel des ESCs Vorfeldtraffics stammte aus der Türkei bzw von der türkischen Diaspora). Glaube nicht, dass die Anrufzahlen gestiegen sind. Liegt natürlich daran, dass es beim ESC so viele zeitgemäße Songs gibt, ist ja klar… Hoffe es ist Dir bewusst, dass die, die sich die Finger wund wählen würden bestimmte junge Leute sind. Die gucken den ESC aber gar nicht mehr, insbesondere in Westeuropa. Klar es gucken immer noch vllt 1 Mio ‚Junge‘ den ESC, das sind aber nicht die, die anrufen würden. Deutschland könnte nächstes Jahr ja spaßeshalber BTS engagieren. Lol. Wäre ja möglich. Sieg sicher – so sicher wie das Amen in der Kirche…naja gut zumindest beim Televote in Westeuropa und darauf kommt es ja an, wenn man ehrlich ist.

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