Luca Hänni im Interview: „Der ESC-Auftritt geht in eine andere Richtung als das Video“

Bei keinem anderen Eurovision-in-Concert-Teilnehmer ist die Schlange beim Pressetreff so lang und so präsent wie beim Schweizer Luca Hänni. Er hat einen Tisch in der Mitte des Raums zugewiesen bekommen und gibt ein Interview nach dem nächsten. Sein Lachen kommt ihm dabei aber nie abhanden.

ESC kompakt: Hey Luca, die Vorbereitungen für Tel Aviv laufen. Ist das Dein erstes Promo-Event?

Luca: Das ist das erste und es ist auch das einzige, was wir machen, weil die Zeit gerade etwas knapp ist. Da haben wir gedacht: Machen wir einfach das größte. 

Warum ist es zeitlich so schwierig? 

Ich mach gerade noch mein Album fertig, ein deutsches Album für den Herbst. Da laufen schon Tourvorbereitungen und das ganze Staging. Und ich mache noch viele Konzerte gerade in der Schweiz. Deshalb ist es ein bisschen schwierig. 

Es gab ja die Erwartungshaltung, dass Du das deutsche Album machen würdest und jetzt nicht plötzlich beim ESC auftauchst und da auf Englisch singst. Widerspricht das nicht Deinem eigentlichen Plan?

Ich habe daraus einfach zwei Projekte gemacht. Für mich war klar: Wenn ich den ESC mache, dann will ich das schon auf Englisch machen. Denn ich denke, dass ich so in anderen Ländern auch Leute erreichen kann, besser vielleicht als mit Deutsch. Aber ich bin auch schon seit über einem halben Jahr an meinem deutschen Album dran… Dann kam das mit Helene Fischer, da kommt auch noch mehr. Da war für mich klar: das eine hat nichts mit dem anderen zu tun. Ich will einfach beides machen und vielleicht schmeißen wir nach dem ESC noch einen weiteren Song auf Englisch für andere Länder mit raus. Dann kommt aber das deutsche Album und mit dem gehen wir auf Tour. 

Luca Hänni mit der niederländischen ESC-Siegerin von 1975, Getty Kaspers

Du machst also jetzt Konzerte in der Schweiz, aber noch nicht in Deutschland. Wäre nicht gerade beides besser?

Jetzt ist aber die Schweiz dran. Das wechselt immer ein bisschen ab. Deutschland kommt auch wieder. Wir haben dort acht Termine im Sommer und im Herbst kommt dann dort die Tour.

Deutschland hat Dich ja entdeckt und jetzt trittst Du für die Schweiz beim ESC an. Was sagst Du zu den Deutschen, die jetzt vielleicht ein bisschen enttäuscht sind? 

Sie sollen auf jeden Fall anrufen (lacht). Oh je, was ist das für eine Message?!

Hättest Du Dir vorstellen können, für Deutschland beim ESC zu singen?

Ja, aber die haben nie gefragt. Ich bin nicht Schuld (lacht). Also, ich habe eine sehr starke Verbindung mit Deutschland. Da hat alles für mich angefangen und ich bin so gern in Deutschland unterwegs. Ich hoffe in der Tat, dass Ihr für mich anruft. Wir rufen auch für Deutschland an.

Wie kam es nun zu Deiner Teilnahme und wie ist das Lied entstanden?

Es war einfach im Song Writing Camp im letzten Sommer, wo wir viele Songs geschrieben haben. Ich war in einem Dreierteam. Das mache ich oft: ich schreibe und produziere oft nebenbei. Dort haben wir also „She Got Me“ geschrieben, auch wenn es damals noch keinen Namen hatte. Ich habe dann vier Songs eingeschickt. Dann gab’s diese Jury und plötzlich kam dann der Anruf vom Schweizer Fernsehen, dass der Song und meine Person auf dem ersten Platz wären. Und ich dann: Ok, let’s do it! 

Für den Auftritt ist Dir jetzt Sacha Jean-Baptiste zur Seite gestellt worden. Hast Du sie schon kennengelernt und wie war Deine Erwartungshaltung?

Ich kannte sie vorher nicht, aber wir haben uns jetzt schon kennengelernt. Wir hatten schon viele Proben zusammen. Ich weiß, was alles passiert auf der Bühne und wie es aussieht. Da bin ich sehr, sehr zufrieden. Das wird explodieren, das Ding. Also mit Tanz und Singen. Jetzt heißt es noch viel zu üben. Aber ich bin da guter Dinge. 

Und nimmt der Auftritt die Stimmung aus dem Video auf oder geht es in eine andere Richtung?

Wir machen eine andere Richtung.

Und welche?

Das kann ich leider noch nicht sagen.

Deine Kostüme stehen aber fest und Du hast Deine Moves schon drauf?

Die Choreografie habe ich schon drauf, die muss ich noch etwas verfeinern. Das Wichtigste jetzt ist, dass wir das Tanzen und das Singen zusammenbringen. Ich finde, das ist das Schwierigste, weil das natürlich alles live ist. Ich probe da jetzt jeden Tag. 

Worauf freust Du Dich in Israel am meisten?

Ich glaube, ich freue mich am meisten, dort zum ersten Mal Soundcheck zu haben. Und dass wir alles, was wir uns jetzt in PDFs rumschicken, dann dort sehen werden. Obwohl: Ich sehe dann ja selbst auf der Bühne (lacht). Also, macht Fotos von vorne! Vor diesem ersten Moment werde ich wahrscheinlich sehr aufgeregt sein, aber ich freue mich wahnsinnig drauf. 

Spürst Du aus der Schweiz einen Druck oder ist die Erwartungshaltung vergleichsweise niedrig?

Beides. Es gibt natürlich Leute, die sagen, da kommen wir jetzt vielleicht endlich wieder ins Finale. Aber ich versuche, das alles wegzuschieben. Und dabei bin ich eigentlich nicht schlecht und probiere einfach, mein Ding durchzuziehen.

Und das wird klappen. Viel Erfolg dafür. 

Danke. 

Luca Hänni in einem späteren Interview mit dem Moderator des ECG-Fanclubstreffens in Köln, Bernd Ochs vom Frankfurter RadioSUB 



4 Kommentare

  1. Visuell wird das sicher ganz toll werden, aber ob Tanzen und Singen zusammengehen wird, wird sich erst zeigen. Sympathisch, dass er das selbst auch so sieht.

  2. Keiner hat in Deutschland nach ihm gefragt, weil Deutschland ihn ganz sicher nicht braucht. Es geht auch ohne ihn. Und niemand hat auf ihn in Deutschland gewartet. Also bitte. Es ist ganz gut das er für die Schweiz antritt. Ist ja auch sein Heimatland.

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