Måneskin goes Berlin goes Pride goes TikTok: Livestream-Konzert heute um 17 Uhr

Es läuft gut für die diesjährigen Sanremo- UND ESC-Sieger Måneskin. Ihr ESC-Erfolg „Zitti e buoni“ entwickelt sich (in guter Tradition nach „Arcade“) zu einem der erfolgreichsten ESC-Reichweitenhits ever bei YouTube und Spotify und in den Charts können die Lucky Four im Fahrwasser von „Zitti e buoni“ mit „I Wanna Be Your Slave“ und dem groovigen Four-Seasons-Jersey-Boys-Cover „Beggin'“ gleich mehrere Hits platzieren.

Und dann helfen die Lockerungen und Reise-Erleichterungen, die in Europa auf Basis der rückläufigen Pandemiezahlen wieder möglich werden, Måneskin auch, mehr Promotion zu machen als noch vor vier Wochen vorstellbar war.

Im Rahmen einer Europapromotour waren und sind Måneskin auch einige Tage in Berlin, geben unter anderem Interviews (waren auch für ARD Brisant vor der Kamera) und stellen Ihr aktuelles Album „Teatro d’ira – Vol. I“ (eine Hommage an die Stimmung der Bootlegs der 70er) vor.

Ein Highlight des Stages in Berlin ist ein virtuelles TikTok-Konzert, das heute um 17 Uhr live aus dem Berliner Queer-Club SchwuZ übertragen wird. Das ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Das SchwuZ gibt es schon seit 1977 und es positioniert sich selbst unwidersprochen als Deutschlands ältester queerer Club und größte queere Kulturinstitution. Eigentlich ist das SchwuZ pandemiebedingt seit (heute exakt) 460 Tagen geschlossen, umso stärker ist das Signal, dass sich Måneskin diese Location im Pride-Monat Juni (im dem inzwischen sogar LEGO eine „Everbody Is Awesome“ Pride Edition veröffentlicht hat) für ihr Live-Streaming-Event aussuchen.

Und dann ist das SchwuZ auch schon Gastgeber und Veranstaltungsort vieler legendärer ESC- und Schlagerpartys der Community gewesen. Auch spezielle ESC-Karaoke-Partys haben die sehr aktiven Berliner Fans (in Kooperation mit ECG und OGAE) dort schon veranstaltet. Auch hier gilt also wieder, wenn man sich die individuellen Bevor-es-Corona-gab-Erinnerungen an das SchwuZ ins Gedächtnis ruft: „Die Erinnerung ist das Paradies, aus dem man nicht vertrieben werden kann.“

Dass sich Victoria, Damiano, Ethan und Thomas TikTok als Streamingpartner ausgesucht haben, ist auch kein Zufall. Die App gilt immer stärker als „the place to be“ und erobert gerade die Mütter und Väter der TikTok-Kernzielgruppe im Sturm (nicht zuletzt dank whiteyy18, der #CougarTok erschaffen hat), mal sehen wie lange die Hype anhält. Zur Erwachsenenwelt auf TikTok passt jedenfalls glänzend, dass Måneskin in einem ihrer bislang wenigen Posts auf einem ihrer TikTok-Accounts die Rolling Stones, Led Zeppelin und Fleetwood Mac als ihre musikalischen Roots bezeichnen. Aus der jüngeren Vergangenheit kommen Harry Styles (ebenfalls ein TikTok-Fetish-Held) und Miley Cyrus hinzu, deren Signature Song „Midnight Sky“ schon von Måneskin gecovert wurde. Das ist alles wohlgemerkt eine Selbstauskunft, andere Role Models der Glamrock-Ära wären naheliegender.

Die Präsenz von Måneskin auf TikTok ist vielfältig. Alle Accounts verbindet der krasse Unterschied zwischen einer sehr hohen Reichweite und einem überschaubaren Content-Angebot. @therealmaneskin (verifiziert) bietet nur zwei Videos, eines davon die Ankündigung des heutigen Live-Concerts. Daneben gibt es den Band Account @maneskinofficiali sowie eine Präsenz jedes einzelnen Bandmitglieds. Die Urheber sind nicht unzweifelhaft verifiziert, der Content allerdings ist (wenn auch eher schlicht und wenig originell) so authentisch, dass man auch hier Måneskin als Absender vermuten kann. In jedem Fall sind die Reichweiten eindrucksvoll. 385K folgen @maneskinofficiali, bei den Bandmitgliedern führt Damiano (317,7K) vor Victoria (261,9K) und Ethan (155,1K). Das Schlusslicht bildet Thomas mit 117,9K, was immer noch beachtlich ist, sind auf diesem Account doch bislang nur vier Clips gepostet (zwei davon allerdings shirtless, was bei Måneskin jetzt auch nicht mega-überraschend ist).

Diese Reichweiten sind am 16. Juni 2021 um 11:00 Uhr erhoben, mal sehen, wie sich die Accounts nach dem heutigen Live-Streaming entwickeln?! Wir sind sehr gespannt auf das Konzert und voller Emotionen! Werdet Ihr zuschauen? Und wie hat es Euch gefallen?

P.S.: Breaking News Update 2h vor Konzertbeginn:

Die Promotion in Berlin scheint bestens zu funktionieren. Co-Blogger Flo postet in der Blogger WhatsApp-Gruppe einen tagesaktuellen Ausschnitt aus den Midweek-Charts, wo die beiden oben schon erwähnten Hits von Måneskin inzwischen an dritter und vierter Stelle der offiziellen deutschen Charts rangieren. Es geht voran, keine Atempause, Geschichte wird gemacht.


40 Kommentare

      • Da sehe ich nun wirklich keine musikalische Schnittstelle bisher. Stones noch am ehesten und ein bissl Led Zeppelin ist auch in fast jeder härteren Rockband drinnen

      • Bin da in deinem Team: Auch wenn alles irgendwie miteinander zusammen hängt und die Garage Rock Sachen sich auch auf die 70er beziehen, beim besten Willen höre ich da nix von Fleetwood Mac raus. Aber gut, ich habe mir als Spätgeborener auch nur mal ein Best-Of Album gekauft und „Tusk“ war immer mein Lieblingslied der Band.

    • Nicht nur die Optik auch der Sound geht klar in die 70er, wobei Stones und Led Zeppelin eh bei jederm Rockmusiker als Vorbild Pflicht sind. Schwieriger sind da Fleedwood Mac, die ja als fantastische Blues-Rockgruppe gestartet und dann immer weiter ins popige abgeglitten sind.

      • Den Sound der 70s sehe ich bei Maneskin wirklich bisher kaum, außer ich habe die falschen Songs gehört^^ Optisch ist da mehr Richtung Glam Rock Künstlern (der junge Bowie, T.Rex, The Sweet) oder auch die 80er Hair Metal Bands (Europe, Bon Jovi etc).
        Über Fleetwood Mac ließe sich vorträfflich diskutieren, ich bin da eher bei den 70er Alben mit Buckingham und Nicks^^
        Musikalisch sind sie halt näher an moderneren Rockbands, die ja alle sowieso irgendwie Stones und Led Zeppelin als Vorbild haben

      • Die 70er sehe ich vor allem (oder besser: ausschliesslich?) bei dem Song Vent’anni. Da passt auch das Video ganz gut dazu.

    • Ich bin mit Fleetwood Mac aufgewachsen, weil meine Eltern große Fans waren. Ich erinnere mich an lange Autofahrten nach Portugal oder Griechenland mit der Musik von Fleetwood Mac als Soundtrack. ❤

      • Die späteren Sachen sind auch i. O., haben aber nicht den wunderbaren Geschmack von Urlaubsreisen in den 70ern und 80ern.

      • Ich muss sagen, bis in die späten Achtziger gefällt mir eigentlich fast alles und ich finde, dass die einige der besten Songs aller Zeiten unter die Menschen (sowohl in Urbesetzung als auch in der Mainstrembesetzung) gebracht haben.

      • @eccehomo42
        Ok, ich kenn auch nur die zwei Lieder, die man überall hört. Da ist die Rhythmus-Gruppe doch mehr an Led Zeppelin als an 80er Punk oder 90er Grunge.
        Optisch packe ich sie in die 70er, weil die Glitter-Bands wirklich witzig waren, und Bon Jovi etc. einfach nur schlimm, optisch meine ich natürlich. Wenn man die exzessiven Kajal Gebrauch als Einordnung nehmen würde, wären natürlich auch Goth-Bands der 90er ein Vorbild.

      • Interessant sehe ich zumindest bei „Zitti E Buoni“ überhaupt nicht so, das schreit für mich Punk und Grunge und der Unterschied liegt ja eher im Gitarrenspiel und in den Lyrics. Die Rhythmusgruppe unterscheidet sich ja zwischen Classic Rock und Grunge nicht so stark

    • Ich gebe zu, soviele Songs von Måneskin habe ich noch gar nicht gehört (eigentlich nur, was meine angefixte Tochter so über Tiktok dudelt), um da jetzt fundiert Vorbilder nennen zu können, aber sowas wie Fleedwood Macs Oh Yeah passt schon zu denen und wie eccehomo42 bereits andeutete, riecht Zitti e buoni auch für mich nicht eben wenig nach Teen Spirit.

      Aber wenn schon Led Zeppelin Erwähnung finden, wundert es mich, dass noch niemand die frühen Queen ins Rund geworfen hat, die Anfangs auch sehr Zep-beeinflusst waren und auch stilistisch durchaus zu Måneskin passen (speziell Thomas sieht dem jungen Roger Taylor wirklich dermaßen ähnlich, dass man ihn für seinen Sohn halten könnte …).

    • Rein optisch erinnern sie mich einfach nur an „The Sweet“. Mein Bruder hat 1974 ein Vermögen in deren Bravo-Starschnitt investiert.

  1. Mit Tiktok konnte ich nie was anfangen und hab auch keine Lust, es nochmal auszuprobieren. Das Lego-Set werde ich mir aber bestellen, sieht hübsch aus.

    • es fehlen die „grossen“ italienischen Balladen, vor allem Torna a casa und Vent’anni (aber auch Le parole lontane, vielleicht mein Lieblingslied von Maneskin). Schade, irgendwie, aber ich glaube, dass es unvermeidlich ist….
      Toll aber, dass Coraline und Paura del buio dabei sind.

      • Das war irgendwie nicht gut ausgesteuert, vor allem die Gitarre war zu leise.
        Und schade, dass es so leer war.

  2. Auch wenn der Titel von Maneskin, nicht unbedingt mein Favorit war, bin ich froh, das ein ESC-Sieger immer noch so präsent ist. Das ist nicht selbstverständlich.

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