Melodifestivalen 2020 Quickcheck Semi 3: Gepflegte Langeweile in Luleå

Ist das ein Zeichen? Die ESC-Göttin Carola (Mitte) mit drei ESC-Teilnahmen und einem Sieg, Everybody’s ESC-Darling Måns Zelmerlöw mit einem ESC-Sieg und Mariette mit … vier Mello-Teilnahmen (2014, 2015, 2017, 2018). Sind aller guten Dinge Fünf?

Von der reinen Papierform her ist die Sache beim dritten Semi im nordschwedischen Luleå klar: Mariette und Mohombi (Mello 2019) qualifizieren sich bestenfalls direkt für das Finale in Stockholm. Aber lassen sich die fünf Acts zwischen den beiden von ihnen die Butter so schnell vom Brot nehmen? Sicher ist das nicht.

Einminütige Ausschnitte von allen sieben Songs sind hier zu finden. Douze Points und Manu bewerten die Snippets nach dem ersten Hören mit bis zu 5 Sternen. Wie gefallen Euch die Songs? Kommentiert gern unter diesem Beitrag.

Diese Beiträge treten Samstagabend an. Zwei davon kommen direkt ins Finale, zwei in die Andra Chancen. Drei Titel scheiden aus:

1. Mariette – Shout It Out
Thomas G:son, Cassandra Ströberg, Alex Shield, Mariette Hansson

Douze Points: Es gibt Lieder, da kann man sich schwer vorstellen, dass die auf der Bühnen funktionieren sollen. Das ist bei „Shout It Out“ in den Strophen nicht anders. Der Refrain nimmt etwas an Fahrt auf, verliert sich dann aber auch in der stadionpoppigen Standardware. Tut nicht weh, reißt aber auch nicht viel.
Bewertung: 3 Punkte

Manu:
Ruhiger Anfang, irgendwann setzt ein stampfender Beat ein. Im Refrain öffnet sich das Lied. Das ist nichts aufregendes neues und klingt nach einer soliden Mello-Nummer. Aber Mariette wird das schon mit einem guten Staging zu verkaufen wissen. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass „Shout it out“ das Lied ist, das Mariette endlich zum ESC bringt.
Bewertung: 3 Punkte

 

2. Albin Johnsén – Livet börjar nu
Robin Stjernberg, Albin Johnsén, Gino Yonan

Douze Points: Betroffenheitspop auf Schwedisch. Das ist alles ganz modern, aber eben auch etwas getragen und wie 1.000 Mal gehört. Das Lied bringt das Mello ganz sicher auf kein neues Niveau. Und es dürfte es auch schwer haben für die weitere Qualifikation.
Bewertung: 2,5 Punkte

Manu:
One-Hit-Wonder („Din soldat“) will mehr als nur einen Hit, ob das aber mit „Livet börjar nu“ was wird, wage ich bei diesem kurzen Ausschnitt mal zu bezweifeln. Der Vers im Sprechgesang und nur mit Piano untermalt, der Refrain voll instrumentalisiert. Die Melodie bleibt bei mir irgendwie nicht hängen – die schwedische Sprache klingt hier für mich nicht rund und zeitweise kantig. Schade, aber das ist mir zu wenig.
Bewertung: 2 Punkte

 

3. Drängarna – Piga & dräng
Anders Wigelius, Robert Norberg, Jimmy Jansson

Douze Points:

„I come from Alabama with my banjo on my knee.“ Endlich kommt mal etwas Schwung in die Bude. Folk-Pop ist eigentlich für mich die Hölle, aber zum Mello gehört so was schon dazu. Und letztlich ist das so nah, wie man dieses Jahr wohl dem Schwedenschlager kommt.
Bewertung: 3,5 Punkte

Manu:
Oh weia. Das klingt als hätten Santiago und Rednex ein heimliches Kind gezeugt… Ein Musikstil der meilenweit entfernt von meiner privaten Playlist existieren wird, aber sicher ein Beitrag, der auf der Bühne Spaß machen kann. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das nach Rotterdam kommt, könnte im Mello aber für eine (unangenehme?) Überraschung sorgen. Bewertung? Je nach Stimmungslage – deshalb die Mitte:
Bewertung: 2,5 Punkte

 

4. Amanda Aasa – Late
Amanda Aasa, Siri Jansson, Erik Grahn, Alex Shield

Douze Points: Da sie als erste Teilnehmerin des Mello stattfand, habe ich wohl kaum einen Namen diese Saison häufiger geschrieben. Aber wie das so ist mit den Siegern von P4 Nästa – die haben es immer sehr schwer beim Mello. Das dürfte für Amanda nicht anders sein mit ihrem Indie-Mainstream-Pop.
Bewertung: 2,5 Punkte

Manu:
So klingt sie also, die „P4 Nästa wildcard“. Und für mich tönt Amanda Aasa wie das glatte Gegenteil von Drängarna. Fast schon chillig am Indie-Electro angelehnt, wirkt „Late“ wie eine poppigere Version von Sansa’s „Lover View“ aus Finnland. Das kann sofort im Radio auf Heavy Rotation laufen. Auf der Bühne ist es aber sicher schwierig umzusetzen. Schöne Stimme, mir gefällt der Ausschnitt richtig gut. Die breite Masse wird’s aber vielleicht zu langweilig finden und auf eine Steigerung warten.
Bewertung: 4,5 Punkte

 

5. Anis Don Demina – Vem e som oss
Anderz Wrethov, Johanna Elkesdotter Wrethov, Anis Don Demina, Robin Svensk

Douze Points: Das fühlt sich ein bisschen an wie Drängerna für die jüngere Generation. Poppiger geht glaubwürdiger Schweden-Rap wohl nicht, ohne sich vollends zu verbiegen. Das hat aber Schwung und macht Spaß und bedient ein Genre, was in diesem Jahr bisher fehlt.
Bewertung: 3,5 Punkte

Manu:
Anis Don Demina war schon zweimal beim Mello und trotzdem werden sich die meisten vielleicht nicht mehr daran erinnern: 2018 unterstützte er Samir & Viktor, letztes Jahr schied er zusammen mit Zeana in der ersten Runde aus, hatte trotzdem aber einen respektablen Hit. Den Einfluss von Samir & Viktor kann man hören, ebenso scheint er „Can’t hold us“ von Macklemore & Ryan Lewis in Rotation gehabt zu haben. Das macht Spaß und irgendwie auch Laune und ich hoffe auf einen guten Auftritt.
Bewertung: 3 Punkte

 

6. Faith Kakembo – Crying Rivers
Jörgen Elofsson, Liz Rodrigues

Douze Points: Also, wenn schon Sonja Aldén nicht in die Andra Chancen kommt, warum sollte es dann Faith gelingen? Weil sie in einem ziemlich schwachen Semi startet und „Crying Rivers“ dann schon mal ein bisschen mehr nach 2020 klingt. Irgendwie schon schön.
Bewertung: 3 Punkte

Manu:
Puh, schwierig… Das soll wohl die große Ballade des Abends sein. Klingt nach einer B-Seite aus den 80ern und plätschert so dahin. Ich bin ja durchaus empfänglich für ruhigere Stücke, aber das langweilt mich schon im kurzen Ausschnitt. „Stop crying rivers over me“… Singen kann Faith Kakembo sicherlich, das Lied hat meiner Meinung nach aber keine weitere Runde verdient, sollte da nicht noch ein musikalischer Clou passieren.
Bewertung: 1 Punkt

 

7. Mohombi – Winners
Jimmy Jansson, Mohombi Moupondo, Palle Hammarlund

Douze Points: Den Kalauer muss ich gleich vorwegschicken: Winners klingen anders. Der Aufbau in der Strophe ist ganz angenehm radiopoppig. Aber beim Refrain schlafen einem ja die Füße ein. In einer gerechten Welt, könnte das ein böses Erwachsen für Mohombi geben. In diesem Semi dürfte er wohl noch leicht fallen.
Bewertung: 2,5 Punkte

Manu:
Es ist schon gewagt seinen Beitrag „Winners“ zu nennen, das schürt Erwartungen. Persönlich konnte ich mit seinem „Hello“ im letzten Jahr – gerade durch den Auftritt – gar nichts abgewinnen. Das Gitarrenriff im Hintergrund während der hörbaren Strophe „Winners“ erinnert mich etwas an Hadise’s „Düm Tek Tek“, das Instrumental ist modern und tanzbar, bleibt dabei für mich aber etwas blass. Schwache Bridge, kaum vorhandene Melodie im Refrain. Vielleicht muss ich es öfter hören, derzeit nett gemeinte
Bewertung: 3 Punkte

 

Prognose Douze Points
Finale:
Drängarna, Mariette
Andra Chansen: Anis Don Demina, Mohombi

Prognose Manu
Finale:
Mohombi, Mariette
Andra Chansen:
Drängarna, Anis Don Demina

 

Welcher Beitrag ist Dein Favorit im 3. Halbfinale des Melodifestivalen 2020? (die Umfrage ist bis Samstag 20 Uhr geöffnet)

  • 1. Mariette - Shout It Out (38%, 65 Votes)
  • 7. Mohombi - Winners (21%, 36 Votes)
  • 3. Drängarna - Piga & dräng (14%, 24 Votes)
  • 6. Faith Kakembo - Crying Rivers (10%, 17 Votes)
  • 5. Anis Don Demina - Vem e som oss (9%, 15 Votes)
  • 4. Amanda Aasa - Late (6%, 11 Votes)
  • 2. Albin Johnsén - Livet börjar nu (2%, 3 Votes)

Total Voters: 171

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36 Kommentare

  1. Also zunächst einmal muss ich Douze Points korrigieren. Mariette nahm 2015, 2017, 2018 & 2020 am Mello teil. 2015 erreichte sie ihr bislang bestes Ergebnis Platz 3.

    Des weiteren ist dieses Halbfinale mit Abstand das Schwächste.
    Mariettes Song hört sich nicht schlecht an, ist aber nichts Besonderes.
    Amanda Asa zieht die Zuschauer mit einem englischen Titel über den Tisch, indem sie dann doch plötzlich auf Schwedisch singt.
    Faith Kakembo klingt leicht anstrengend.
    Mohombi braucht Minuten lang um in die Gänge zu kommen.

    Na da bin ich mal gespannt, was am Samstag passiert.

  2. Gaaaaaaaanz schwach. Da ist für jeden song sogar eine minute zuviel. Das einzig poitive. Die schweden kommen nicht drumrum, diesmal auch einen schwedisch gesungenen song eine runde weiter zu voten. Wären sonja und linda in diesem semi gewesen, wären beide weitergekommen.
    Immerhin ist die entscheidung ob am weekend swe oder lit bei diesem mageren schwedischen angebot ganz leicht.

  3. Das scheint wohl das schlechteste Halbfinale zu sein bisher . Ich hab da bisher kein Favoriten .
    Werde den Abend denn lieber Norwegen schauen . Da ist jedenfalls Finale .

  4. Und damit lege ich mich fest: Dieses Jahr fährt zum ersten mal seit 2014 eine SchwedIN zum ESC…
    Ich prophezeie es wir ein Anna – Hanna – Dotter Dreikamp 🙂

    • Sehe ich auch so.
      Also wenn Hanna Ferm nächste Woche nicht einen mega Song aus dem Hut zaubert, bleibe ich bei Dotter als meine Favoritin.

      • Bin ich ganz bei dir – wobei Anna 10 Jahre nach ihrem Debakel eine gute ESC-Plazierung oder auch ein Sieg gönnen würde…

        Wobei ich sogar Frieda Öhrn noch als Geheimtipp auf der Karte habe…

  5. MARIETTE – Gefällt mir wieder besser als ihr letzter Mello-Song, kommt an ihre anderen aber bei weitem nicht heran.

    ALBIN – Singt Schwedisch, also Füller.

    DRÄNGARNA – Weckt nach Albin zumindest wieder auf. Ist trotzdem nicht meine Musik.

    AMANDA – Läuft genauso an mir vorbei wie Albin.

    ANIS – So macht Christer das also, dass zumindest ein schwedischen Song nicht direkt rausfliegt. Vier hintereinander…

    FAITH – Ist zumindest von der Sprache wieder eine Abwechslung. Musikalisch rauscht das auch einfach so durch.

    MOHOMBI – Auf niedrigem Niveau mit das Beste in diesem Semi.

    Aber schlau eingefädelt von Christer. Das ganze Mello-Füllmaterial in einem Semi, so dass man sich das sparen und ganz auf Norwegens Finale konzentrieren kann. Herzlichen Dank!

  6. Bin ganz froh, dass das 3. HF so schwach daher kommt – so kann man sich ohne gross was zu verpassen voll und ganz dem Norwegen-VE widmen :-))

  7. tja ich mache es kurz und schmerzlos – 7 lieder – 7 gurken – 7 mal 0 sterne.
    daher sind mir beim voten leider die hände gebunden.
    option 8 rückt team esc-kompakt ja nicht raus. 😀

  8. Ich finde es ist immer schwierig Lieder nach so kurzen Schnipsel zu bewerten. Aber das dritte Semi ist doch etwas besser, als die ersten beiden, die sehr schwach waren. Wenn jetzt kein Wunder im 4 Semi passiert, wird Schweden definitiv nicht in Rotterdam gewinnen. Je nach Sichtweise- eine gute oder schlechte Nachricht.

      • Ähem… So etwas zu posten könnte ziemlich gefährlich sein, da verstehen manche Fans keinen Spaß. Vor mir hast Du nichts zu befürchten, ich gehöre der südländischen Fraktion an (grins)

      • Da sowieso robin bengtsson, anna bergendahl, dotter oder hanna ferm gewinnen, ist das unmöglich. Interessant wird es, wenn christer björkmann die leitung abgibt.

      • Mir grundsätzlich egal, aber nochmal Anna Bergendahl im Halbfinale scheitern zu sehen, wäre schon echt brutal. Irgendwie glaube ich aber jedoch nicht, dass sie nach Rotterdam fährt.

  9. Puh… also nach Sicht der Auftritts-Schnipsel würde ich gern meine Bewertungen ändern… Und in den meisten Fällen sogar nach unten. Durch die schönen Lichtspiele auf dem Boden würde die Schnarchballade sogar dabei nun immerhin zu den anderen aufschließen. Daneben gefällt mir aber Mariette auch besser – und aus dem Semi nun fast am besten. Schön reduzierter Auftritt anscheinend. Schauen wir mal…

    • Die Gruppe, die Du Santiago nennst, heißt Santiano und hat sm deutschen Vorentscheid teilgenommen. Ansonsten war Dein Tipp goldrichtig!

  10. Go Mariette!
    Ich würde mir auch eine Frau als schwedische Teilnehmerin wünschen. Momentan ganz klar Dotter, aber Mariette und Hanna scharren schon mit den Hufen 😃

  11. Ziemlich enttäuschende Auswahl, aus Nostalgiegründen bin ich dann für Drängarna. Faith zwar stimmlich top, würde aber mit Malta und Israel im gleichen Semi starke Konkurrenz bekommen. Mariette hatte leider auch schon bessere Lieder.

    • Nach deiner Ansicht würden sich im Finale also auch Tom, Diodato und Blas die Punkte gegenseitig wegnehmen, weil sie weiße, dunkelhaarige Männer sind? Sorry aber das halte ich für ausgemachten Schwachsinn!

      • Sorry, den Ton gefällt mir gerade nicht – aber es kann auch sein, das die Genannten allesamt mit RmB- oder Soulstücken antreten und dadurch nicht mehr zu unterscheiden sind.
        Gilt möglicherweise auch für Bulgarien und Rumänien im zweiten Semi, auch da könnten die Beiträge ähnlich sein.

  12. Das dritte Semi ist – fast schon traditionell 😉 – das schwächste des diesjährigen MF. Da der Link zu den einminütige Ausschnitte nicht mehr funktioniert, habe ich stattdessen die 30-sekündigen Ausschnitte der Probeauftritte herangezogen:

    Platz 6+7
    2. Albin Johnsén – Livet börjar nu
    4. Amanda Aasa – Late

    Platz 5
    5. Anis Don Demina – Vem e som oss

    Andra Chansen
    3. Drängarna – Piga & dräng
    7. Mohombi – Winners

    Finale
    1. Mariette – Shout It Out
    6. Faith Kakembo – Crying Rivers

    Wobei es zwischen Faith Kakembo und Mohombi knapp ist – könnte sich also auch anders herum ausgehen …

    • Ja sehe ich auch so. Die drei englischen Titel sind selbstverständlich die Stärksten dieses Halbfinales.
      Nach den Proben-Clips muss ich meinen ersten Eindruck über eben diese drei Songs nochmal etwas revidieren. Natürlich waren die ersten zwei Semis stärker, aber Mariette, Faith und Mohombi bieten trotzdem gute Auftritte, die die ihre Songs aufwerten. Und so schlecht sind die Beiträge nun auch nicht. Ist ganz Okay!

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