Netflix-Film „Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga“ – Klamauk oder Hommage?

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Er ist noch nicht einmal veröffentlicht, aber schon jetzt heiß diskutiert: Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga. Die einen freuen sich auf die mit vielen bekannten Stars besetzte Komödie, die Netflix am 26. Juni veröffentlicht, während die anderen, zumeist aufgrund des amerikanischen Komikers und Schauspielers Will Ferrell, gelinde gesagt, nicht begeistert sind.

Dank seiner Frau, der schwedischen Schauspielerin Viveca Paulin, ist Will Ferrell seit 1999 ein Fan des Eurovision Song Contest. Laut eigenen Aussagen sah er bei einem Familienbesuch in Schweden zum ersten mal den Eurovision Song Contest, ist seitdem ein großer Fan und will seit diesem Moment auch einen Film über den Song Contest machen. Vor nunmehr vier Jahren nahm das Projekt dann langsam Gestalt an.

Zusammen mit seinem langjährigen „Saturday Night Life“-Kollegen Andrew Steele schrieb er das Script zu der Komödie, die im Umfeld des ESC angesiedelt ist. Zur Recherche zog es den 52-jährigen Ferrell 2018 zum Contest nach Lissabon, wo er hinter den Kulissen auch einige Teilnehmer interviewte. Neben Will Ferrell konnten unter anderem Pierce Brosnan, Rachel McAdams, Sängerin Demi LovatoDan Stevens von „Downton Abbey“ und der Game of Thrones-Star Jóhannes Haukur Jóhannesson (der 2019 in lässiger Trainingsanzug-Optik die isländischen Jurypunkte verlas) als Schauspieler gewonnen werden. In Gastauftritten sind unter anderem Salvador Sobral und Graham Norton zu sehen.

Und natürlich hat Will Ferrell sich von einigen Auftritten vergangener Tage inspirieren lassen, wie beispielsweise Dschingis Khan (1979), Lordi (2006) und Cleo & Donatan (2014). Ebenso darf das Hamster-Rad von Mariya Yaremchuk nicht fehlen – man kann sich schon vorstellen wie dieses im Film eingesetzt wird…

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Dan Stevens als Alexander Lemtov

Worum geht es?
Viel ist von der Story noch nicht bekannt: Will Ferrell spielt den isländischen Musiker Lars Erickssong, der (laut Edinburgh News angeblich im Jahr 1972) für Island am ESC teilnimmt. James Bond-Darsteller Pierce Brosnan verkörpert den Vater von Lars und gleichzeitig den „schönsten Mann Islands“, während Rachel McAdams die aufstrebende Musikerin Sigrit Ericksdottir mimt, mit der Lars im Duett singt. Die beiden haben die Chance zu beweisen, dass es sich lohnt für Träume zu kämpfen. Doch auch die Konkurrenz schläft nicht und so erleben wir Demi Lovato als engelsgleiche Sängerin Katiana und Dan Stevens als den russischen Widersacher Alexander Lemtov.

Eigentlich sollte der Film ab dem 16. Mai auf Netflix verfügbar sein, doch durch die Absage des ESC wurde „Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga“ auf den 26. Juni verschoben.

Stattdessen flimmerte im Werbeblock von ESC-Ersatzshows in einzelnen Ländern (in Deutschland beim FreeESC auf ProSieben) das erste 90-sekündige Lied „Volcano Man“ aus dem Film als Musikvideo getarnt über die Mattscheibe und wurde ebenfalls auf YouTube veröffentlicht.

Bei der ethnisch angehauchten Plastik-Pop-Nummer „Volcano Man“ wurde natürlich nichts dem Zufall überlassen: Will Ferrell singt das Lied zusammen mit „My Marianne“ (gespielt von Rachel McAdams und gesungen von der Schwedin Molly Sandén, die nach ihrem dritten Platz beim Junior Eurovision Song Contest 2006 auch diverse Male beim Melodifestivalen teilnahm). Produziert wurde das Lied von Savan Kodecha, der schon sehr erfolgreich unter anderem mit Ariana Grande, Ellie Goulding, Sam Smith und Maroon 5 zusammengearbeitet hat. Zusätzlich versprach Will Ferrell in der Graham Show weitere Songs mit Ohrwurm-Charakter.

Man darf gespannt sein, ob Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga hauptsächlich Klamauk bieten wird oder ob es den Machern gelingt, trotz der komödiantischen Anteile eine liebevolle Hommage an den ESC zu zeigen. Letzteres wäre der EBU sicher angenehmer, die weiterhin daran arbeitet einen amerikanischen Ableger des ESC auf die Beine zu stellen.

 

Update:

Der offizielle Trailer zum Film:

Im Originalton kann der Trailer hier gesehen werden.

Der Film scheint also nicht, wie zeitweise angenommen, in der Vergangenheit angesiedelt zu sein, sondern in der Gegenwart. Zudem konnte anscheinend für einige Takes die Bühne letztes Jahr in Tel Aviv genutzt werden, was dem Film auch optisch eine gewisse Wertigkeit gibt. Und auch wenn die Jokes jetzt nicht besonders subtil daherkommen (das war aber ja auch zu erwarten) darf man wohl zusätzlich gespannt sein, welche ehemaligen ESC-Beiträge in den verschiedenen Auftritten im Film so „verwurstet“ werden.

 


 

Wem das aber alles zuviel Klamauk ist, für den ist ja vielleicht der in der Produktion befindliche Animationsfilm Riverdance etwas:

Ja genau – der wohl weltweit bekannteste Interval-Act des Eurovision Song Contest „Riverdance“ aus dem Jahre 1994 wird als Animationsfilm aufbereitet. In diesem Film begleiten wir den irischen Jungen Keegan und seine spanische Freundin Moya in die magische Welt der Megaloceros Giganteus (irische Elche), die ihnen beibringen, Riverdance als „Feier des Lebens“ zu schätzen.

Das Drehbuch wurde von Tyler Werrin geschrieben, der schon in verschiedenen Funktionen an Filmen wie Ich – Einfach unverbesserlich, Minions und Pets gearbeitet hat. Regisseur des Films ist Dave Rosenbaum von Universal and Illumination, der bereits als Produktionsleiter für Sing, Ich – Einfach unverbesserlich, Madagaskar und Kung Fu Panda gearbeitet hat. Er wird von Eamonn Butler in seiner ersten Regie begleitet, der an den visuellen Effekten für Filme wie Harry Potter und der Orden des Phönix, Ant-Man und die letzten beiden Avengers-Filme gearbeitet hat.

Der Film Riverdance soll noch in diesem Jahr veröffentlicht werden – hoffen wir mal, dass Corona dem nicht einen Strich durch die Rechnung macht.


40 Kommentare

    • „Per un pugno di canzoni – Lass die Finger von der Puppe“ war ein ital.-franz. Film aus Mitte der 60er mit den damaligen Schlagerstars. Ein recht lustiger und kurzweiliger Streifen.

      Inhalt (aus Wikipedia):

      In der nordamerikanischen Stadt Little Europe findet ein Musikwettstreit statt, der im Fernsehen übertragen wird. Als die verschiedenen dort lebenden Nationalitäten – Italiener, Spanier, Franzosen und Deutsche – versuchen, den Wettbewerb zu beeinflussen, muss der Sheriff eingreifen. Als die Rechtsanwältin Betty zu spät zum Wettbewerb eintrifft, weil sie von den Männern eines Schallplattenmagnaten, der den Wettbewerb ebenfalls beeinflussen möchte, aufgehalten wurde, wird der Sheriff erneut aktiv und verbannt kurzerhand beide aus der Stadt. Dank Häuptling Großer Adler verlaufen alle Konfrontationen unblutig; er selbst zieht sich mit Betty in die Prärie zurück.

  1. Bin zwar eher auch skeptisch (wegen der notorischen Unlustigkeit von Herrn Ferrell), „Volcano Man„ könnte man sich aber tatsächlich genauso beim ESC vorstellen. Gucken werde ich den Film aber natürlich auf jeden Fall.

    • Naja, gibt doch wohl Schlimmeres.
      Deren Konkurrenten sind Amazon, Apple und Disney. In dem Umfeld stehen sie ohne Weiteres als Saubermann da. 🙂

      Und wer dafür nicht bezahlen will, kann sich ja immernoch nach dem Probemonat verkrümeln.

  2. Natürlich wird es Klamauk, aber das alleine muss ja noch nicht schlimm sein.
    Ich bin aus seinen SNL-Zeiten ein großer Ferrell-Fan, muss aber gestehen, dass viele seiner Filme wenig lustig sind.
    Wenn er solch ein großer Fan ist und den Wettbewerb positiv präsentieren will, schafft er das garantiert auch (wird ja auch im Interesse von Netflix sein).
    Man darf aber nicht unterschätzen, dass der Film auf das US-Publikum und Fans von Ferrell-Filmen ausgerichtet ist. Historische Genauigkeit oder feinfühlig zurückgenommenen Humor sollten wir also nicht erwarten.

  3. Ich finde es einfach nur schlimm, wie diese Amerikanischen Möchtegern „Sternchen“ meinen sich negativ über den ESC lustig zu machen.
    Ich freue mich den Film zu gucken um ihn danach in der Luft zerreißen zu können.

  4. Der Trailer löst bei mir auf jeden Fall mal keine Vorfreude auf diesen Film aus. Aber wenn es viele Anspielungen an den richtigen ESC und bereits existierende Auftritte und Stars gibt, ist er vielleicht einen vorsichtigen Einblick wert. Sonst steckt mir aber zu viel USA drin.

  5. Selbst wenn ich Netflix hätte würde ich ihn mir nicht anschauen da ich Will Ferrell in etwa so lustig finde wie ein eitriger Pickel auf der Nase.

    • Deswegen habe ich „angeblich“ geschrieben. Aber tatsächlich glaube ich nicht, dass der fiktive ESC des Films in der heutigen Zeit spielt. Und „Volcano Man“ klingt im Grunde auch eher nach den frühen 90ern…

  6. Ich bin mir nicht sicher, wie das beim Großteil des Publikums ankommt.
    Einerseits möchte und wird Ferrell natürlich die Bekanntheit des ESC steigern.
    Andererseits wird mit der Darbietung des Volcano Man nur die ohnehin weitverbreitete Meinung verstärkt, dass beim ESC ja keine ernsthaften Musiker antreten und die Sendung uns alle schwul macht.
    Dann lacht der Amerikaner kurz, wie vertrottelt eine Gesangsshow in Europa ist und zieht sich überlegen fühlend einen Teil der heimischen „Hochkultur“ rein: das neue Musikvideo von Lady Gaga, in der sie aussieht, als ob sie gerade Cicciolina beim UMK präsentiert hat.

    • Du meinst den Film „Cupcake“, Israel, 2014.
      Boah, hab ich mich damals fremdgeschämt für diesen so schlimmen Streifen. Alles nur unterste Schiene. Der Film hat eine Goldene Himbeere in Platin mit Diamant verdient!!!

      • @Nils.G

        Wie schlimm war der Film?? Also auf einer Fremdschämskala von 1 bis 10??

        Mir hat ehrlich gesagt der Trailer gereicht, dagegen wirkt sogar das „Schauspiel“ bei GZSZ hochgradig professionell.

      • #ESC1994

        -10

        Der Trailer reicht auch schon. Den kompletten Film sich anschauen, da forderst du die Lebenszeit wieder zurück.

      • Hätte mir das bloß einer früher gesagt. Jetzt liegt die DVD originalverpackt irgendwo im Regal und ich habe sie nie angeschaut. Wird wohl noch lange so bleiben nach eurer Kritik hier an dem Film.

  7. Diesen Scheißdreck schaue ich mir nicht an und wenn ich ihn geschenkt bekommen würde. Ein paar Amis machen sich über den ESC lustig. Toll, nur neidisch weil sie nie selbst so was hinbekommen haben. Aber sich dann lustig drüber machen. Nee danke verzichte.

    • Als Ergänzung: Einen schlimmeren und unlustigeren Komiker als Will Ferrell konnte Neflix für diesen Mist wohl kaum engagieren. Zeigt doch nur was die Amis darüber denken, nee danke kann ich verzichten. Und wieder wird alles nur auf die schrägen Kostüme oder schräge Acts reduziert. Und auch noch Will Ferrell dessen Witze so alt sind wie Ötzi und ungefähr so unwitzig und schmerzhaft sind wie ein eingewachsener Zehennagel. Da kann nur Scheiße dabei rauskommen.

      • Es gibt nur ganz, ganz wenige Filme von Will Ferrell, die keine Beleidigung der Intelligenz von Leuten ist, die aufrecht gehen können. Das ausgerechnet dieser Mist jetzt gut sein soll, wäre ein viel zu großer Zufall.

  8. „Volcano Men“ ist ganz gut getroffen – das klingt wie ein schrottiger Ethno-Dance-Titel aus einem norwegischen Vorentscheid, so mit albernen Wikinger-Kostümen und pathetischem Bodennebel … gut dass es sowas dieses Jahr beim Melodi Grand Prix nicht gab *hust* *hust*

    • Auf so eine klischeebeladene Idee würde doch nie jemand kommen! Norwegen will einen Wikinger zum ESC schicken? Niemals! Erst recht nicht 2020! Oh wait… 😉
      Ich habe tatsächlich vorhin nochmal den norwegischen VE gerankt, als Vorbereitung für den SCC, und da war dieser Auftritt dead last. Von daher passt dieser Kommentar ganz gut 😅

      • also der Schlager Wikinger ist bei mir Platz 1 im Norwegen. Das gibt mir einfach Keiino Vibes.
        Dead Last bei mir der „People tell me I´m a fish“ song von Raylee, obwohl die Version mit Magnus Bokn war schon gut, aber das original….

      • @Benjamin Hertlein

        Die Wahrscheinlichkeit dass ein Blitz zweimal an der selben Stelle einschlägt ist aber doch verschwinden klein, nicht wahr?? 😉

  9. Einfach abwarten und schauen. Ich meine es wird keine Doku und was bedeutet, ins “Lächerliche” ziehen??
    Wir Fans sind doch die einzigen, die den ESC so krass “ernst” nehmen. Auf der anderen Seite, soll es naüüürlich eine Party sein, alle vor Ort und feiern ohne Ende. Sehr differenziert, die jeweilige Sichtweise. Der Film ist ggf nicht nur als Fanboy-Produktion gedacht, sondern auch für andere, normale Menschen 😉🙋‍♂️

    • Ich frage mich aber, ob es auf eine substanzlose „witzige“ Unterhaltung (im Sinne der grenzdebilen Zwerge-Filme mit Otto) hinausgeht oder ob viel eher über den ESC und die „oh so peculiar Europeans“ als Zirkusattraktion hergezogen wird. Generell bin ich kein Fan von Klischees. Dass der ESC nur auf Joke-Entries reduziert wird, zeugt von Unwissen. Das haben meine Klassenkameraden schon vor über 10 Jahren gekonnt. Warum man jetzt einen Film zu dem altbackenen Thema macht, verstehe ich nicht.

  10. Wir lieben den ESC. Und deswegen konsumieren wir gerne so viele ESC-Inhalte wie möglich.
    In diesem Falle hoffe ich aber wirklich, dass sich so viele Menschen wie möglich zurückhalten.

    Zum einen kann man hier wirklich nur von einer minderwertigen Klischeevorantreibungskomödie ausgehen. Zum anderen wäre es aus meiner Sicht auch kein gutes Zeichen für die Entwicklung des ESC, wenn man jetzt so ein amerikanisches Netflix-Format dieser Qualität, die sich da abzeichnet, unterstützt.

    Ich finde es schon doof, dass man da das offizielle Eurovisionslogo benutzt – wahrscheinlich alles in der EBU-Hoffnung, Stück für Stück wirtschaftlich einen Fuß in den amerikanischen Markt und das Internetsegment setzen zu können. Ich finde das für die europäische (bzw. mit Israel, Australien und Co. „über Europa im Zentrum verbindende“) Idee bedauerlich; wenn der Film von Leuten aus dem EBU-Raum produziert worden wäre, okay. Aber so mag ich die Idee nicht und werde versuchen, ihn nicht anzugucken und anderen das auch so zu empfehlen.

    • Die USA werden den ESC kaputt machen…Stück für Stück, und kaum einer wird es merken. Sollten sie je am ESC teilnehmen, müssen sie gewinnen. Die USA verliert nicht gerne!

      • So dramatisch würde ich das nicht sehen🙂.
        Ich bin sicher kein USA-Sympathisant, aber das ist doch nur ein Film.

  11. Das die EBU das Logo der Eurovision jetzt verscherbelt, kann ich mir so erklären, dass es ab nächstem Jahr ein völlig neues Logo gibt. Die EBU will das Herz im Logo eh loswerden. Ist ja auch schon seit 2004 relativ alt. Wenn die EBU damit noch ein paar Euros verdienen kann, bitte.

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