Paenda im Interview: „Limits ist die Zusammenfassung all der Emotionen, die ich erlebt habe.“

Eic 2019 The Interview Sessions Austria Benny und Paenda

Obwohl sich auch viele Fans und Journalisten für ein Interview mit Paenda interessieren, nimmt sich die Österreicherin vor Eurovision in Concert extrem viel Zeit für ESC kompakt. Dabei ist sie sehr gut gelaunt und sympathisch, macht viele Witze, lacht viel – und beantwortet die Fragen teilweise von sich aus so umfangreich, dass man sich die Hälfte der Fragen sparen kann. Selbst die regelmäßigen Unterbrechungen durch D Mols A-Capella-Einlagen am Nebentisch erträgt sie mit Engelsgeduld.

Nachdem Du als österreichische Teilnehmerin für den ESC bekannt gegeben wurdest, habe ich mir Dein Album angehört und war dann doch sehr überrascht, als „Limits“ erschienen ist, weil der Song ja doch ganz anders klingt. Wie würdest Du denn die Musik beschrieben, die Du eigentlich machst, und wie passt „Limits“ dazu?

Ich bezeichne meine Musik als Electronic Pop. Das gibt mir die Freiheit, auch mal andere Richtungen auszuprobieren, wenn ich Lust darauf habe. Mein Album „Evolution I“ war tatsächlich sehr viel härter, würde ich sagen, und auch sehr viel komplexer. „Limits“ ist ja aber auf dem neuen Album, das am 26. April erscheint. Da ist der Song zwar auch ein bisschen anders als der Rest, aber nicht so sehr anders, weil das ganze zweite Album sehr viel poppiger ist, sehr viel geradliniger und melodiöser.

„Limits“ ist aber trotzdem die einzige Ballade auf dem Album. Wirklich, der einzige ruhige Song! Wir haben letztens geprobt und da war es dann irgendwie so „Okay, jetzt haben wir eine Stunde durchgetanzt – und jetzt kommt ‚Limits‘.“ (lacht) Ich habe anfangs nicht einmal gewusst, ob der Song überhaupt aufs Album soll, eben weil ich mir bewusst war, dass er komplett ausschlägt. Ich wollte ihn aber so ruhig halten, weil die Stimmung und das Thema des Songs anders nur sehr schwer zu transportieren gewesen wären. Das war der einzige Weg, dieses Gefühl rüberbringen zu können.

Der Song ist aus einem emotionalen Impuls heraus entstanden. Ich bin ein Mensch und mir geht’s auch nicht immer gut und ich habe schon Tiefs in meinem Leben erlebt. „Limits“ ist die Zusammenfassung all der Emotionen, die ich über die letzten Jahre erlebt habe. Und genau deshalb habe ich ihn aufs Album genommen: Weil jeder von mir erwartet, dass ich lächle, dass ich auf der Bühne stehe, dass ich die Powerfrau bin, die über die Bühne springt, und dass ich laut bin – dass ich genau das bin, was ich eigentlich immer bin. Aber warum darf ich dann nicht auch eine schwache Seite haben und die auch zeigen in meiner Musik?

Und dann als der Song ausgewählt wurde – den habe ja nicht ich ausgewählt…

Eic 2019 The Interview Sessions Austria Paenda stellt sich den Fragen von ESC kompakt Chef BennyBenny

Das wäre jetzt genau meine nächste Frage gewesen: Waren diese Punkte, die Du gerade genannt hast, dann auch die Gründe, warum der Song für den ESC ausgewählt wurde? Vielleicht gerade weil er so persönlich ist?

Ich habe keine Ahnung! (lacht) Ich weiß es bis heute nicht. Aber ich glaube, ich muss jetzt mal nachfragen, das fragen mich nämlich viele. (lacht) Ich weiß nur, dass der Song, den ich eigentlich eingereicht hatte, nicht genommen worden ist. Und der war genau so: Der war stark, der hatte Beats und der war „Bäm“! Und dann haben sie gesagt: ‚Der ist es nicht, aber wir hätten Dich gerne.‘ Da war dann das Album schon fertig und ich dachte, vielleicht finden sie da noch etwas.

Und dann hast Du es halt mal rübergeschickt…

Genau, wer kann, der kann. (lacht) Und dann haben sie genau diesen Song ausgewählt. Das war lustig, weil ich irgendwie auch schon so ein Gefühl hatte, dass es dieser Song werden könnte. Er ist sehr persönlich und er polarisiert sehr stark. Ich glaube, er triggert bei sehr vielen Menschen etwas – was auch immer das dann ist. Ich glaube, dass die Tatsache, dass der Song so anders ist, so reduziert, sie dann am Ende angesprochen hat, so dass sie dann gesagt haben: „Okay, wir wollen diesmal ein Statement setzen.“

Ich bin übrigens auch die erste Frau aus Österreich, die ihren Song ganz alleine geschrieben und auch selbst produziert hat. Das ist also insgesamt schon ein Statement und ich glaube, da sollte der Song dann dazu passen.

Eic 2019 The Interview Sessions Austria Paenda antwortet Investigativ-Benny

Kannst Du schon was darüber sagen, wie ihr das, was Du jetzt alles gesagt hast, dann auch auf der Bühne in Tel Aviv deutlich machen wollt?

Ich kann verraten, dass ich nicht über die Bühne springen werde. Ich kann auch verraten, dass ich nicht fliegen werde – leider. Ich wollte ja unbedingt, aber meine Managerin hat gesagt ‚Nein!‘. (lacht) Nein, also es wird natürlich auf jeden Fall ruhig und sehr atmosphärisch werden.

Österreich ist im vergangenen Jahr auf dem dritten Platz gelandet. Spürst Du dadurch Druck?

Nein. Ich freue mich lieber für andere Menschen, als mich mit ihnen zu vergleichen. Für mich persönlich ist Musik immer schwer zu bewerten. Ich bin Musikerin und ich liebe Musik und ich sehe vor allem die Künstler dahinter. Ich glaube, Cesár ist ein total lieber Mensch, er ist vor allem ein unfassbarer Sänger und der Song war super. Deshalb freue ich mich einfach, dass er so gut abgeschnitten hat.

Eic 2019 The Interview Sessions Austria Tattoo auf zauberhaften Ruecken von Paenda

Beschäftigst Du Dich auch mit Kommentaren oder Wettquoten? Liest Du so etwas oder machst Du das gar nicht?

Ich habe versucht, mich davon abzuschirmen, aber so ganz geht das gar nicht. Aber das ist auch nicht gesund, man muss lernen, damit klar zu kommen. Es ist ja auch naiv zu glauben, dass Du jedem gefällst. Das ist auch nicht nur in der ESC-Bubble so. Wenn Du in die Öffentlichkeit trittst, hat jeder eine Meinung von Dir. Manchmal bin ich schon überrascht, wie übergriffig manche Menschen sind. Aber auf der anderen Seite erreichen mich auch so viele positive Nachrichten und die sind mir sehr viel wichtiger als alles andere.

Paenda Österreich ESC 2019 Eurovision Benny Eic Eurovision in Concert Interview Selfie

Wie ist denn generell Dein Verhältnis zum ESC? Warst Du schon früher interessiert und hast Du auch Lieblingssongs?

Ich habe den ESC auf jeden Fall immer verfolgt und geschaut. Und „Euphoria“ ist ein extremer Lieblingssong von mir und steht auf meiner Liste immer noch ganz oben.

Du hast gerade schon selbst von der ESC-Bubble gesprochen. Ist es hier jetzt so wie Du es erwartet hast?

Ich habe natürlich vorher viel erzählt bekommen, auch wie toll alles ist. Und so ist es jetzt auch wirklich (lacht). Es sind alle voller Liebe und alle versuchen sich gegenseitig zu unterstützen. Ja, ich finde es echt schön.

Eic 2019 The Interview Sessions Austria Benny und sein Star old school auf CD



26 Kommentare

  1. „Limits ist die Zusammenfassung all der Emotionen, die ich erlebt habe.“

    War sie denn in ihrem Leben niemals fröhlich?

  2. Aufgewecktes mädel. Ich versteh nicht, warum sie so einen schnarchriemen singt.(singen muss?) Schade, da hätte es sicher besseres gegeben.

  3. Limits triggere, da stimme ich für mich zu. Da wurde ein derzeit oft um sich greifendes, tief resignierendes Gefühl, für das ich gern eine Lösung sähe, musikalisch greifbar gemacht. Liefe gern davon Richtung Lala-Land Dänemark oder ginge es wie Island an oder schluchze es wie die Niederlande, befreite mich wie Australien. Niente. Keine Exitstrategie. So furchtbar ehrlich, dass es wehtut. Nach dreimal Hören hat es geflasht. Danke Paenda fürs Greifbarmachen. Übrigens, feines Interview!

  4. Ein total sympathisches Mädel und es gibt ein neues unpluggt Video von Limits…das ist gigantisch gut, wenn Sie das so in TEL Aviv auf die Bühne bringt ist alles möglich….Ich halte Ihr die Daumen ich finde Sie und Ihren Song sehr gut…leider um Klassen besser als Unseren

  5. Bei der Überschrift dachte ich zuerst: Ohje, jetzt wird es klischeehaft. Bei Aussagen „mein persönlichstes Album“, „alle Emotionen reingepackt“, etc. klimpert es im Phrasenschwein. Ist aber doch ein Interview sinniges Interview mit Humor, den ich mag. 🙂

    „Es ist ja auch naiv zu glauben, dass Du jedem gefällst.“
    Genau diese Lässigkeit braucht man auch, wenn man selbst ein Statement setzen will. Dass im Internet krasser geschrieben wird, ist ja nur eine Seite – die andere, dass oft darauf dünnhäutig oder gekränkt reagiert wird. Und selbst ein ESC-Sieger hat doch maximal 20-30% Zustimmung.

    „Ich kann verraten, dass ich nicht über die Bühne springen werde. Ich kann auch verraten, dass ich nicht fliegen werde – leider.“ Das lässt also Pyro, Ausdruckstänzer und Trickkleid offen … 😉

  6. Ich muss mal in das Album rein hören, wenn das die einzige Ballade und der Rest eher so Bäm, bin ich gespannt. Aber ich finde Limits einen Klasse Song, der hat was mit der gehauchten Kopfstimme. Ist in meinen Top 10 dieses Jahr

  7. Das Mädel redet sich hinsichtlich meiner Törichtkeitseinschätzung um Kopf und Kragen. Das konnte ansonsten nur Nena, aber die hatte die wesentlich besseren Lieder.

  8. Wie in den letzten Jahren wird Österreich wieder unterschätzt, diesmal aber besonders krass. Ich denke, das Konzept wird aufgehen.

  9. Tolle, sympathische Künstlerin.
    Leider hat der ORF bei der Songauswahl danebengegriffen. Ich kenn den von ihr zuerst eingereichten Song. Das war so ziemlich das Gegenteil von Limits – ein absoluter Banger mit untypischer Struktur, aber gewissen Ähnlichkeiten zum vorjährigen Siegersong Toy.
    Ich mag Limits sehr, ihr anderer Titel wäre für den ESC aber die bessere Wahl gewesen. Ich halte Pænda jedenfalls die Daumen und hoffe, dass sie die ESC Erfahrung unabhängig vom Ausgang genießt.

    • Darf man fragen, ob dieser Song veröffentlicht wird bzw. auf dem neuen Album enthalten sein wird? Das würde mich sehr interessieren.

      • Der Song wird auf Ihrem Album sein…ist aber von der österreichischen Jury als nicht 100% geeignet befunden geworden…Gruß

      • Leider no idea. Das neue Album werde ich mir aber jedenfalls besorgen. Bin auch neugierig, ob ich den anderen Song drauf wiedererkenne. Vielleicht wird sich Pænda ja auch selbst mal dazu äußern, aber mutmaßlich erst nach dem ESC, um bis dahin nicht von Limits abzulenken.
        Grundsätzlich find ich den Ansatz vom ORF ja nicht schlecht, nach den Erfolgen der Vorjahre etwas Risiko einzugehen. Und ein Teil von mir will die Hoffnung auch nicht aufgeben, dass Limits Jurys und Publikum doch beeindrucken und viel besser abschneiden wird, als die meisten erwarten…

  10. Viel Glück an unsere Nachbarn!!! Könnte schon sein, dass Österreich ins Finale kommt. Paenda hebt sich schon von der Masse ab. Allerdings bleibt der Titel nicht wirklich bei mir hängen, rutscht mir irgendwie direkt wieder aus den Ohren. Möglicherweise wäre ein etwas flotterer Titel auch keine schlechte Wahl gewesen.

  11. Er gehört dieses Jahr zu meinen Favorieten und in Amsterdam hat sie gezeigt was sie kann. Da passt das Gesamtpaket.Sie fällt auf und kann richtig gut singen.:)

  12. Das Gehhhauchhhe. Ich kann einfach nicht. Aber sie hat die Haare schön. Wer weiss, vielleicht flasht mich der Auftritt im Mai.

  13. Was mich ja ein bisschen an der EiC Performance gestört hat, sie hat die Wörter teilweise so verschluckt (ich weiß soll so sein), dass es sich echt nicht mehr gut angehört hat.

Schreibe eine Antwort zu Klaus Antwort abbrechen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.