Presseschau: Alle reden über die (nicht stattfindende) deutsche Vorentscheidung

S!sters Sisters Unser Lied für Israel 2019 Deutschland

Am Sonntag haben wir darüber berichtet, dass die deutsche Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest in diesem Jahr höchstwahrscheinlich ausfällt und stattdessen bereits ein Act durch NDR, internationale und Eurovisions-Jury direkt nominiert wurde. Eine offizielle Bestätigung dafür steht nach wie vor aus, aber alle Zeichen deuten darauf hin, dass es keine Vorentscheidungsshow im Fernsehen zu sehen geben wird.

Weiterverbreitet hatten die Nachricht dann zunächst die Schlagerprofis. Gestern Abend hat dann die BILD-Zeitung die Informationen aus unserem Beitrag in einem eigenen Artikel aufgegriffen und titelt „NDR kippt Show zum ESC-Vorentscheid“. Darin gibt es aber – zumindest für ESC-kompakt-Leser – keine wirklich neuen Informationen, stattdessen wird der schon im März stark abgekühlte Kaffee ein zweites Mal aufgewärmt:

„2019 waren Schiebungsvorwürfe gegen die ARD lautgeworden, nachdem das Mädchen-Duo „Sisters“ [sic!] kurzfristig am Vorentscheid teilnehmen durfte, obwohl es sich nicht wie die anderen Teilnehmer über ein Songschreiber-Training [sic!] qualifizieren musste.“

Den zweiten Grund, den die BILD, wohl nicht zu Unrecht, für die Absetzung der öffentlichen Vorentscheidung verantwortlich macht, ist die schlechte Platzierung des deutschen Beitrags in Tel Aviv. Im Nachgang dazu hatte ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber angekündigt, den Auswahlprozess zu überdenken.

Im Windschatten der BILD sprangen dann heute Morgen auch weitere Medien auf das Thema auf, unter anderem berichtete das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Während sich viele Medien angelehnt an das RND und die BILD im Wording ähneln, wird DerWesten sehr deutlich. „Blamage“ und „Trauerspiel“ sind die Worte, die das Portal zur Beschreibung der deutschen ESC-Saison 2019 wählt:

„Wer erinnert sich noch an den deutschen ESC-Act von 2019?

Ja? Gute Frage, nicht wahr. Das dachten sich wohl auch ARD und NDR und werfen die Vorentscheids-Show für den deutschen Act einfach mal komplett aus dem Programm, wie die Bild berichtet.“

Aus der Vielzahl der Berichte sticht sehr positiv der Bericht von Jens Maier für stern.de hervor, der zum einen tatsächlich ESC kompakt als Quelle für die Berichterstattung nennt, zum anderen sowohl die jüngere deutsche ESC-Vergangenheit klar analysiert, aber auch sachlich die Vor- und Nachteile einer Direkt-Nominierung darstellt. Außerdem zieht er richtigerweise Parallelen zum aktuellen Schweizer Auswahlverfahren:

„Andere Länder verzichten seit Jahren auf eine Zuschauerbeteiligung und erzielen damit gute Ergebnisse. Zuletzt die Schweiz, wo 2019 sowohl der Teilnehmer Luca Hänni (ehemaliger „DSDS“-Sieger) als auch sein Song „She got me“ intern ausgewählt wurden. Hänni belegte in Tel Aviv Platz vier – das beste Ergebnis für die Schweiz seit 1993.“

Ausführlicher recherchiert hat auch die Neue Osnabrücker Zeitung, die sogar ESC kompakt um ein kurzes Statement zu den geplanten Änderungen und vor allem die Bedeutung für den NDR befragt hat:

„Das Risiko besteht darin, dass die Verantwortung zu 100 Prozent bei den NDR-Verantwortlichen und den internen Jurys liegt und man sich bei einem schlechten Abschneiden des deutschen Kandidaten nicht auf das Voting des Publikums berufen kann.“

Nachdem die Neuigkeiten rund um die – nicht stattfindende – deutsche Vorentscheidung nun größere Welle schlagen, hat der NDR heute auch seine strikte Kommunikationssperre etwas gelockert und zumindest ein kurzes Statement verfasst, dass sowohl an diverse Redaktionen ging, als auch von der Online-Redaktion eurovision.de auf Facebook verbreitet wurde:

„Den Bericht der BILD-Zeitung können wir so nicht bestätigen. Erste Informationen über die Planungen zum ESC wird der NDR Ende dieses Monats herausgeben. Bis dahin bitten wir um Geduld.“

Dass die Entscheidung des NDR, in diesem Jahr nicht bzw. erst sehr spät zu kommunizieren, auch ihre Tücken hat, zeigt sich zum Beispiel an dem Artikel der Kollegen von Quotenmeter. Dort scheint man nicht verstanden zu haben, dass der Auswahlprozess durchaus komplex war, wenn auch hinter verschlossenen Türen. Das gilt teilweise aber auch für andere Medien. Eine offizielle Pressemitteilung des NDR hätte hier vielleicht für Klarheit sorgen können.

Das Thema wird uns hier auf ESC kompakt weiter beschäftigen und wir besprechen den aktuellen Stand der deutschen ESC-Auswahl natürlich auch heute Abend um 19 Uhr in unserem ESC kompakt LIVE.


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