Ready, Set, Go: In diesen Ländern ist letzte Woche der Startschuss für die ESC-2023-Bewerbungen gefallen

Foto: EBU / NATHAN REINDS

Die „Woche der Bewerbungs-Starts“ liegt hinter uns. In den vergangenen Tagen begann nämlich in den verschiedensten Ländern die Bewerbungsphase, um ESC-Beiträge einzureichen. Wer in Großbritannien 2023 dabei sein will, kann sich bereits jetzt – Ende August – in einigen Ländern bewerben. Hören können wir aktuell aber (noch!) keinen der potenziellen Songs. Frühestens ab dem 01. September des Vorjahres dürfen Wettbewerbs-Beiträge veröffentlicht werden.

Gefühlt ist der Eurovision Song Contest in Turin zwar gerade erst vorbei, aber wie wir ja alle wissen: Nach dem ESC ist vor dem ESC! In einigen Ländern nimmt man das ganz genau und verliert keine Zeit bei der Beitragswahl-Planung. Ob für die nationalen Vorentscheidungen oder eine interne Auswahl: Der Startschuss zur Einsendung geeigneter Beiträge ist gefallen. In welchen Ländern genau, checken wir jetzt.

Schweden

Seit vorvorgestern können Songs für eines der wohl beliebtesten ESC-Vorentscheidungs-Programme eingereicht werden: das Melodifestivalen in Schweden! 2023 soll wieder durch mehrere Städte in Schweden getourt werden und während SVT erneut 14 Künstler:innen intern auswählt, werden die restlichen 14 Vorentscheidungsbeiträge unter allen eingereichten Bewerbungen ausgesucht.

Seit Freitag werden über die offizielle Webseite des „Melfests“ Beiträge angenommen. Üblicherweise kommen da jährlich über 2.000 Songs zusammen, die dann ausgesiebt werden müssen. Im Februar und März stehen die 28 Acts dann in vier Vorrunden, einer Second Chance Runde und dem großen Finale auf der Bühne, so wie wir das gewohnt sind. Tickets fürs Melodifestivalen 2023 können ab dem 01. November bestellt werden.

Griechenland

Ebenfalls seit Freitag erwartet der griechische Sender ERT Bewerbungen für den ESC. Anders als in Schweden wird hier jedoch wieder intern entschieden, wer das Land vertreten darf. ERT scheint besonders hohe Ansprüche zu haben. Wie schon im vergangenen Jahr reicht es nicht aus, einfach nur einen Song einzureichen. Man hätte am liebsten direkt das Gesamtkonzept vor Augen, so der Sender.

„Bei der Wahl, ob es zu einer Teilnahme [am ESC] kommt, wird auch jede kreative Gruppe berücksichtigt, welche den jeweiligen performenden Act unterstützt und Ideen bzw. Konzepte für die Promotion und die Präsentation des Songs mit einbringt.“

Auf gut Deutsch: Auch das Team, das hinter einer Bewerbung steckt, spielt bei der finalen Auswahl eine Rolle. Stage-Konzepte können somit auch direkt eingereicht werden. Bewerbungen werden bis zum 9. Oktober entgegengenommen.

Schweiz

Auch die Eidgenossen sind seit vergangener Woche gespannt auf Einreichungen. Die Schweizer Sender SRF, RTS, RSI und RTR suchen wieder gemeinsam nach einem geeigneten ESC-Beitrag. Wie berichtet, geschieht das nach drei erfolgreichen Jahren wieder hinter verschlossenen Türen. Eine internationale Jury und ein 100-köpfiges Zuschauerpanel wählen über mehrere Runden den Schweizer Beitrag für Großbritannien aus.

Ein zeitgemäßer Song mit „klar verständliche Message“ wird gesucht. Komponist:innen werden von den zuständigen Sendern zudem ermutigt, vor allem Beiträge mit Message zum aktuellem Zeitgeschehen einzusenden, die „Emotionen hervorrufen“. Im Falle eines Gleichstands werden Acts mit Schweizer Staatsbürgerschaft bzw. Schweizer Wohnsitz bevorzugt; bewerben können sich jedoch Acts aus allen Ländern. Zwar endet die Bewerbungsphase am 8. September; man will den Gewinneract jedoch erst „Anfang 2023“ bekannt geben.

Update aus den Niederlanden

Der niederländische Sender AVROTROS nimmt zwar schon seit mehreren Wochen Bewerbungen für kommendes Jahr entgegen. Eine kleine Änderung bei der (internen) Auswahl des niederländischen ESC-Acts wurde allerdings erst jetzt bekannt: das Auswahlkomitee wurde leicht verändert. Die beiden Neuzugänge sind Podcasterin und Moderatorin Carolien Borgers und Radio-DJane Hila Noorzai, die als ESC-Expertin gilt. Weiterhin Teil der internen Jury sind ESC-2021-Moderator Jan Smit, Kommentator Cornald Maas, Radio-DJ Sander Lantinga und Eric van Stade, der Generaldirektor bei AVROTROS.

Gesucht wird ausdrücklich nach einem „zeitgemäßen und authentischen“ Song. Noch bis Mittwoch können Songs eingereicht werden, die die Niederlande beim ESC 2023 vertreten wollen. Ein Act hat die Möglichkeit, bis zu drei Songs einzureichen. AVROTROS betont vor allem, dass Newcomer genau dieselbe Chance haben, ausgewählt zu werden, wie „alte Hasen“ im Showbiz. Seit 2013 haben es die Niederländer – bis auf eine Ausnahme – immer ins Finale des Song Contests geschafft.

Update aus Rumänien

Zu guter Letzt geht es noch um unser aktuelles ESC-„Sorgenkind“: Rumänien. Direkt nach den Manipulationsvorwürfen der EBU – u.a. gegenüber der rumänischen Jury – im 2. Halbfinale des diesjährigen ESC, hat sich der rumänische Sender TVR wütend gegenüber der EBU geäußert und mit Konsequenzen gedroht. Dennoch hat Rumänien nun seine Teilnahme in Großbritannien bestätigt. Das Ganze könnte aber noch eine Wendung nehmen…

Wir erinnern uns: Im Finale des ESC 2022 in Turin gab es keine Live-Schalten nach Rumänien, San Marino, Montenegro, Georgien, Polen und Aserbaidschan. Während des Finales wurde behauptet, die Leitungen in diese Länder seien unterbrochen worden und man müsse die Ergebnisse nun live in der Halle vorlesen. Wie sich später herausstellte, hat die EBU in Wahrheit die Jury-Votings der besagten Länder ersetzt. Grund: Man vermutete, diese Länder haben im zweiten Halbfinale vorsätzlich füreinander gevotet.

Insbesondere, dass man diesen Vorwurf nicht bereits nach dem zweiten Halbfinale klar kommuniziert hat, stört TVR. Laut dem Sender sei sowohl die ESC-Abstimmung als auch der EBU-Algorithmus im Falle von zu ersetzenden Votes „undurchsichtig“. Weil man sich ungerecht behandelt fühle, befinde man sich nun in einem Rechtsstreit mit der EBU. TVR möchte jetzt – trotz ESC-Zusage für 2023 – Schweizer Anwaltskanzleien kontaktieren. Diese sollen untersuchen, ob TVR den Rechtsstreit mit der EBU gewinnen kann.


20 Kommentare

  1. Komischerweise, erfährt man zum jetzigen Zeitpunkt aus verschiedenen Ländern schon was über den Auswahlprozess für den ESC. Nur in Deutschland herrscht schweigen. Nicht überraschend, wenn man sich um Korruption und Hofberichterstattung kümmern muss.

    • Ich finde, gerade nach so einem Jahr, sollte man früh anfangen nach einem neuen Weg zu suchen. Vielleicht tut man das ja bereits, aber da bisher kein Aufruf zur Songeinreichung kam, bin ich wirklich gespannt was da wieder zusammengebraut wird,

      • Denke mal, die ARD ist in der Tat mit sich selbst beschäftig, allein schon, um diese ganzen Unregelmässigkeiten aufzuarbeiten. Deshalb glaube ich auch nicht wirklich, dass man sich im Moment großartig mit dem ESC befaßt.

    • Ich hoffe, dass die ARD-Sender trotz der aktuellen (internen) mächtigen Probleme, auch der NDR, keine wesentlichen Auswirkungen auf die deutsche Vorauswahl (ob öffentlich oder intern) haben wird.

    • Wo sind denn die News aus Dänemark, Norwegen, Island, Polen, Tschechien, Portugal, Kroatien, Slowenien, Serbien, Zypern, Malta, Österreich, Frankreich, UK, Irland….? NUR in Deutschland herrscht Schweigen?

      Was für ein Quatsch. Wie gesagt: Empfehle ob der Verbitterung ein anderes Hobby.

  2. Übrigens müssen bis zum 8. September die sieben Bewerberstädte des Vereinigten Königreiches ihre vollständigen Konzepte zum Ausrichten des ESC vorlegen!

    • Gibt es schon Neuigkeiten bezüglich eines möglichen Termins für den ESC 2023? Die letzten Jahre konnte man ja meistens schon vorher auf einen passenden Termin Datum schließen wegen Fußball oder so.

      • Das wird dieses Jahr schwieriger, weil die Fußball-Saison dieses Jahr bis Mitte Juni geht (wegen der WM Ende 2022).
        Ausschließen kann man daher eigentlich nur den 03.06 (Pokalfinals in Deutschland und England) und vor allem den 10.06. (CL-Finale).

        Es hieß die letzten Jahre eigentlich immer, dass die EBU einen möglichst späten Termin im Mai bevorzugt, was dann (wegen den Fußball-Übertragungen) in der Regel Mitte des Monats war.
        Die seit Jahren gewohnte Dopplung vom letzten BL-Spieltag und ESC-Finale wäre am 27.05.23. Aber da die EBU im Mai ja nun komplette Auswahl hat, würde ich auch den 13.05. oder 20.05. noch nicht komplett ausschließen wollen.

        Kurz gesagt: Mit den großen Fußball-Endspielen gibt es im Mai 2023 keine Dopplung. Mal schauen, ob die EBU lieber ans Monatsende geht oder Mitte Mai als gewohnten Termin beibehalten möchte.

  3. Diese Kommentarmaschine zum NDR unter Artikeln mit ESC-Fahrplanbezug kennt man ja auch inzwischen auswendig. ^^

    Zum Topic: Klingt so, als ob Dany in NL wohl kein so sicherer Kandidat wäre – jedenfalls bräuchte man sonst keine hochbesetzte Mitgliederliste der Auswahljury veröffentlichen. Und Rumänien legt sich selbst ein Ei, wenn sie das Voting-Thema anwaltlich hochkochen wollen, bzw. nicht selbst aufarbeiten. Stattdessen versuchen sie mit dem Verweis auf die B-Note (Algorithmus, etc.) vom Kern des mitverursachten Problems abzulenken.

  4. Es hat in den letzten fast 30 Jahren, die ich diesen Wettbewerb nun verfolge im August meiner Meinung noch NIE News zur deutschen Vorentscheidung gegeben. Egal wie erfolgreich und egal mit welchem Konzept. Hier wird ja so getan, als ob beim ESC der frühe Vogel den Wurm fangen würde und das Ganze ein Wettlauf ist. ist es aber nicht und es haben auch schon Songs gut abgeschnitten, die ganz ohne Vorentscheidung einfach kurz vor der Deadline im März vorgestellt worden sind.

    • Das mit dem frühen Zeitpunkt sehe ich genauso. Aktuell soll man einfach den Rest-Sommer genießen und sich an den Frühmeldungen einzelner Länder erfreuen.

      Die grundsätzliche Unruhe kommt ja auch nur daher, dass a) die Songauswahl der letzten Jahre relativ kritisch gesehen wurde (v.a. im Endprodukt) und b) der NDR die letzten Jahre weit bis ins neue Jahr hinein sämtliche Kommunikation zum Thema komplett unterdrückt hat.

      So sehr ich hoffe, dass der Auswahlprozess nächstes Jahr besser wird, hoffe ich doch dass der NDR auch „b)“ berücksichtigt und die Außenwelt etwas transparenter, früher und gründlicher informiert als in den letzten Jahren. Dieses Jahr war hier ja schonmal ein 1. Schritt weil es zumindest erste Bilder vom Casting-Prozess gab. Hoffentlich wird aber nicht wieder bin in den tiefen Winter mit ersten Infos gewartet.
      Ich hoffe doch, der NDR erkennt die Chance, dass der ESC eine gute Möglichkeit ist, auch mal wieder positive Nachrichten zu produzieren. Und die gab es in der ARD-Familie ja zuletzt nun wirklich nicht.

  5. „Ein zeitgemäßer Song mit „klar verständliche Message“ wird gesucht. Komponist:innen werden von den zuständigen Sendern zudem ermutigt, vor allem Beiträge mit Message zum aktuellem Zeitgeschehen einzusenden, die „Emotionen hervorrufen“.“

    Das sollte ein Alarmsignal sein. Woke bullshit incoming. Der ESC dürfte so ziemlich die einzige Bubble sein, in der das überhaupt noch funktioniert.

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