Replay Rotterdam (20): Die Punktevergabe – Spannend oder grausam?

Zum fünften Mal wurde in diesem Jahr die „neue“ Art der Punktevergabe angewendet. Zuerst werden die 12 Punkte der Jurywertung einzeln verkündet, danach werden die Televotingpunkte, welche ein Land erhält, in Summe bekannt gegeben.

Diese Präsentationsweise ist seit der Einführung umstritten. Die Produzenten argumentieren, dass es die Show spannender macht und für mehr Dramatik und Unterhaltung sorgt. Plakativ trägt auch das Youtube-Video mit der Vergabe der Televoting-Punkte den Titel „The exciting televoting results sequence of Eurovision 2021“. Doch ist diese Art der Präsentation wirklich spannender als die „alte Variante“? Oder nicht sogar eher grausam, wenn Teilnehmer „Zero Points“ im Televoting erhalten? Ganze vier Länder mussten das in diesem Jahr am eigenen Leib spüren.

Mein Freund hat in diesem Jahr zum ersten Mal wieder den ESC angeschaut, nachdem er ihn viele Jahre nicht verfolgt hat und hat somit das „neue“ Votingverfahren in diesem Jahr zum ersten Mal miterlebt. Sein erster Kommentar dazu: „Das ist ja doof, was interessiert mich denn, wie 5 Leute abgestimmt haben? Es ist doch viel interessanter, wie die Zuschauer in den einzelnen Ländern abgestimmt haben“. Und er hat damit nicht unrecht, der Präsentation der Juryvotes wird gefühlt viel mehr Raum gegeben. Hier erfahren wir alle Punkte von 1 bis 12 aus jedem abstimmenden Land, im Televote gibt es dann nur eine ominöse Summe, bei der man während der Show keine Ahnung hat, wie sich diese zusammen setzt. Auch zeitlich wird der Juryvoteansage mehr Zeit eingeräumt: 34 Minuten vs. 16 Minuten.

Könnte man die Punktevergabe also anders gestalten? Eine theoretische Option wäre, die Televoting-Punkte zuerst einzeln durchzugeben und die Jury-Punkte anschließend addiert anzusagen. Also so wie es aktuell gehandhabt wird, nur umgedreht.

Das hätte jedoch den Nachteil, dass sich die Sendung wieder mehr ziehen würde, weil man die Televotes nicht mehr zusammenrechnen könnte, während die Jury-Punkte schon angesagt werden. Eine Möglichkeit wäre hier jedoch, die Votingzeit zu verkürzen. Hier ist sowieso die Frage, warum die Abstimmzeit so lange gestreckt werden muss. Der überwiegende Teil der Zuschauer beginnt wahrscheinlich seine SMS und Anrufe spätestens nach Ende des ersten Schnelldurchlaufs abzusenden. Eine kürzere Votingzeit hätte obendrein noch den Vorteil, dass manipulative Powervotings mutmaßlich erschwert werden würden. Und die Intervalls, die jetzt in der recht langen Votingzeit auftreten, könnten dann einfach in der Auswertungszeit performen.

Allerdings bestünde noch ein zweiterer Nachteil: diese Art der Präsentation würde psychologisch sehr schlecht rüberkommen. Auch wenn es genaugenommen vollkommen egal für die Gesamtpunktzahl ist, in welcher Reihenfolge sie präsentiert wird, würde immer der Eindruck entstehen, dass das Televoting von den Jurys überstimmt wird. In der Reihenfolge erst Jury dann Televote, wirkt es psychologisch so, als ob die Zuschauer zu Hause das Jury-Voting noch drehen könnten. Von daher ist das keine Option.

Zusätzlich würde auch ein kleiner, jedoch sicher nicht ungewollter Nebeneffekt der summierten Televotingpunktansage wegfallen: dass Nachbarschafts- und Blockvoting wäre nicht mehr „versteckt“. Aktuell werden der EBU (und auch uns Fans) einige nervige „die Ostländer schieben sich eh alle nur die Punkte zu“-Diskussionen erspart, weil es einfach nicht mehr so ins Auge springt.

Als weitere Option böte sich an, zum „alten“ Votingverfahren vor 2016 zurückzukehren. Die Jury- und Televotes eines Landes also zu vereinen und dann die Punkte 1 bis 12 zu verkünden, so wie auch jetzt noch die Jurypunkte durchgegeben werden. Auf diese Weise würde man nicht nur sehen „was irgendwelche fünf Leute abgestimmt haben“, sondern würde das Gesamtvoting der einzelnen Länder erfahren.

Die (Schweden-beeinflussten) Showmacher behaupten hier immer, dass diese Art der Präsentation weniger spannend wäre und insbesondere wenn der Sieger rechnerisch feststeht, langweilig wäre. Aber ist die summierte Televoting-Punktvergabe wirklich so viel spannender und das bis zum Schluss? Spätestens als die Punkte Frankreichs vergeben worden waren, war in diesem Jahr eigentlich klar, dass Italien gewonnen hat. Auch ohne genaues Mitrechnen stand überschlagsmäßig fest, dass nie und nimmer noch ausreichend Punkte für die Schweiz „im Topf“ waren. War es diesmal nicht sogar spannender zu verfolgen, wer sich den Jury-Sieg holen wird? Bei jeder neuen Punktevergabe zu gucken: War Frankreich dabei? War die Schweiz dabei? Können Italien, Malta und Island doch noch aufholen?

Natürlich stimmt es, dass es bei der „Einzel-12-Punkte-Ansage“ irgendwann den Punkt gibt, an dem der Sieger feststeht, weil ein Land uneinholbar vorne liegt. Aber nur im Falle eines „Runaway-Winners“ wäre dieser relativ zeitig im Laufe der Punktevergabe. Ansonsten stünde der Sieger immer erst relativ spät im Laufe der Votingbekanntgabe fest, insbesondere wenn man die Reihenfolge so festlegt, dass es möglichst lange eng bleibt, so wie es in Düsseldorf 2011 zum ersten Mal angewendet wurde. Gerade in diesem Jahr mit nur 25 Punkten Differenz zwischen dem Sieger Italien und den Zweitplatzierten Frankreich hätte man bis drei Punkteverkündungen vor Schluss die Frage offen halten können, wer der Sieger ist.

Außerdem: bei einem „Runaway-Winner“ wüsste man bei der jetzigen Form der Punktepräsentation den Sieger auch schon zeitiger oder spätestens vor der letzten Punktevergabe, weil entweder nur noch so wenig Punkte übrig sind, dass keiner mehr überholen kann oder noch so viele Punkte übrig sind, dass jemand auf jeden Fall überholen wird. Letztendlich ist es auch nur richtig spannend, wenn es eng an der Spitze zugeht. Nur dann kann das Televoting „noch mal alles drehen“. Aber dann wiederum könnte man auch durch eine gute Reihenfolge der Punkteansage der einzelnen Ländervotes viel Dramatik erzeugen.

Darüber hinaus bringt die jetzige Art der Punktepräsentation auch eine übermäßige Fixierung rein auf den Sieger mit sich. Aber gibt es nicht auch noch viele andere spannende Fragestellungen? Beispielsweise, ob es ein Land noch schafft in die Top 5 oder Top 10 zu klettern? Selbst wenn der Sieger etwas eher feststeht, ist alles andere tatsächlich so unwichtig?

Vielleicht ist das auch der Unterschied, warum diese Art der Punktevergabe beim Melodifestivalen besser funktioniert als beim ESC selbst. Weil dort als Vorentscheid das Hauptaugenmerk darauf liegt, wer gewonnen hat und zum ESC fahren darf, alles andere ist doch eher nur Statistik. Beim ESC hingegen sind die anderen Platzierungen auch wichtig – mindestens für die einzelnen Länder selbst. Nach einer Serie von Misserfolgen kann eine gute Platzierung schon ein großer Erfolg sein, so wie Michael Schultes vierter Platz 2018. Für ein Land kann es darum gehen, das beste Ergebnis seit Beginn seiner Teilnahme einzufahren. Für ein anderes darum, eine Erfolgsserie aufrecht zu erhalten. Und ein drittes Land bangt bis zum Schluss, ob es vielleicht doch noch gelingt, nicht Allerletzter zu werden. Und all diese Dinge können sich bei der Einzelpunkteansage noch ergeben, selbst wenn der Sieger schon eher feststeht, weil hier bis zur letzten Wertung eine Dynamik nach oben und unten möglich ist.

Die jetzige Präsentation der summierten Televoting-Punkte hat dagegen etwas Endgültiges. Sobald sie vergeben worden sind, weiß man, dass die Maximalplatzierung erreicht ist, und dass man ziemlich wahrscheinlich noch weiter nach unten rutschen wird, wenn die hinter einem liegenden Länder, die ihre Punkte noch nicht erhalten haben, überholen. Solange die einzelnen Länderpunkte vergeben werden, besteht hingegen immer noch die Chance, dass ein Land noch nach oben klettert. Auch wenn es mit zunehmender Zeit immer unwahrscheinlicher scheint, stirbt bei der einzelnen Punkteansage die Hoffnung zuletzt. Bei Ansage der Summenpunkte stirbt die Hoffnung direkt.

Dies ist besonders grausam für die Länder, die wenig oder noch schlimmer gar keine Punkte erhalten. Direkt am Anfang der Punkteverkündung steht fest, dass sie ganz hinten landen werden. Zusätzlich wird noch einmal extra mit dem Finger auf diese Teilnehmer gezeigt und die Länder werden mit der Verkündung auf gewisse Weise bloßgestellt. Zweifellos ist es bei der Einzelpunkteansage auch nicht schön, immer wieder und wieder und wieder leer auszugehen. Aber es ist zumindest so, dass nach der letzten Wertung einfach nur feststeht, dass man keinen einzigen Punkt erhalten hat, ohne dass es allen anderen offensichtlich unter die Nase gerieben wird. Für die Zuschauer aus dem Land selbst macht es sicherlich keinen so großen Unterschied, deren Augenmerk ist auf das Ergebnis des eigenen Landes gerichtet, die  „Nomalzuschauer“ aus anderen Ländern werden ihren Blick jedoch größtenteils gar nicht übermäßig auf die genaue Platzierung der anderen richten.

Noch viel grausamer ist es für die Künstler selbst, null Punkte im Televoting einstecken zu müssen. Nachdem das niederschmetternde Ergebnis verkündet wurde, hält die Kamera direkt auf sie. Das hat manchmal schon fast etwas Big-Brother-artiges sich an den emotionalen Reaktionen zu ergötzen. James Newman und Jendrik zeigten zwar relativ souverän-humorvolle Reaktionen. Aber vielleicht auch nur, weil sie im Bewusstsein, dass die Kamera gerade voll auf sie draufhält, dazu gezwungen wurden. Gerade Jendriks Verhalten am Finalabend zeigt ja, dass er das Ergebnis nicht gut verarbeiten konnte. Bei der alten Präsentationsweise ist das Endergebnis letztendlich das Gleiche, aber die Künstler werden wenigstens nicht so vorgeführt.

Außerdem hat die jetzige Televotingpräsentation ein weiteres Problem: auch wenn sie die Wertigkeit des Televotings „erhöhen“ möchte, indem uns die Verantwortlichen einreden, dass „das Televoting noch einmal alles drehen kann“, ist es am Ende fast eher eine Abwertung, weil die Punkte nur kurz genannt und gezeigt werden. Hinterher hätten die meisten sicherlich sagen können, wer die Top 5 im Jury-Voting waren. Aber wer die Top 5 im Televoting waren? Und wie vielen Menschen war direkt nach dem Finale in Tel Aviv eigentlich bewusst, dass KEiiNO Televoting-Sieger waren? Zumindest hier gäbe es jedoch eine einfache Lösung, ohne das Abstimmungspräsentation zu verändern: man könnte die Televotingpunkte einfach dauerhaft anzeigen, nicht nur in dem Moment, in dem sie zu den Jurypunkten addiert werden.

Alles in allem sollten sich die Verantwortlichen noch einmal überlegen, ob die jetzige Art der Votingpräsentation wirklich so viel unterhaltsamer und spannender ist. Vielleicht könnte man einfach einmal durchspielen, welche Spannungsbögen es bei den letzten ESCs nach alter Präsentationsweise gegeben hätte. Denn für eine Spannungskulmination am Ende, welche man dann noch schön plakativ mit Splitscreen und dramatischer Pause präsentieren kann, muss man vieles anderes in Kauf nehmen: dass das konkrete Zuschauervoting aus den einzelnen Ländern vollkommen unter geht, dass die leer ausgehenden Teilnehmer vorgeführt werden und dass die spannende Entwicklung anderer Plätze als den ersten empfindlich ignoriert wird.

Wie ist Eure Meinung? Findet Ihr die „neue“ Art der Präsentation spannend und sollte sie Eurer Meinung nach beibehalten werden? Oder sollte man zur „alten“ Präsentation zurückkehren? Oder gibt es noch ganz andere mögliche Präsentationsarten?

Bereits in der Serie „Replay Rotterdam“ erschienen:

Unser Rückblick auf den ESC 2021
(1) Das waren die Fan Favourite Fails und Dark Horses des ESC 2021
(2) Måneskin aus Italien waren mit „Zitti e buoni“ auch die Televoting-Sieger
(3) Live-Blogs, Live-Blogs, Live-Blogs
(4) Der Corona-ESC
(5) Das Moderatoren-Team unter die Lupe genommen
(6) Wie der WWF mit dem ESC die Welt retten will
(7) Wie geht’s weiter in und mit Österreich?
(8) So war die Arbeit im Online-Pressezentrum
(9) Täglich ESC kompakt LIVE – mehr als ein Zuckerschock
(10) Erfolgsfaktor Band – Waren Bands in diesem Jahr besonders erfolgreich?
(11) FreeESC vs. ESC
(12) ESC-Home-Partys im Lockdown machen wenig Spaß
(13) Wettquoten, Blogger:innen, Leser:innen – Wer sagt das Ergebnis des ESC am besten voraus?
(14) Die Schweiz als Jurysieger – was sind die Gründe für die Erfolgsserie?
(15) Die Countdown- und die After-Show in der ARD
(16) Wie haben Nicht-Fans den ESC erlebt?
(17) Die Qualifikations-Chancen nach dem ESC 2021
(18) Sind null Punkte gleich null Punkte?
(19) Ein Blick hinter die Kulissen – So arbeiten wir in der Blogger-WhatsApp-Gruppe


70 Kommentare

  1. Gibt es wirklich Leute die sich die Spannung nehmen indem sie bei den Televotes nachrechnen wie viele Punkte noch zu vergeben sind?

    • Ja, ich gebe zu, daß ich das mache. Deshalb habe ich schon für Italien gejubelt, als Jantje noch versucht hat, Spannung aufzubauen.

  2. Man könnte die Jury- und Zuschauerpunkte gleichzeitig mitteilen.
    Wenn dann zB Barbara die Punkte für Deutschland verkündet, sagt sie erst die Jurypunkte und dann die Zuschauerpunkte.

    • Gefällt mir irgendwie. Das würde den gesamten Prozess auch wieder etwas verlangsamen. Die Punktesprecher flitzen wie verrückt durch die 12 Punkte und man verliert da schnell den Überblick, wie es eigentlich steht.

  3. Fuer mich war das einfach nur spannend. Auch 2019, uebrigens.

    Problematisch ist das Ganze nur fuer die Null-Punke-Beitraege. Siehe entsprechenden Blog-Eintrag.

      • +JA!+

        Kommt darauf an, wie man Spannung definiert. Das neue System erzeugt 15 Minuten eher Nebensächliches im TV, man kann erkennen, wer um den Sieg mitspielt und wer drausen ist. Dann gibt es zugegeben eine halbe Minute, die wirklich spannend ist, wenn es um den Sieg geht.
        Beim alten System – damals zog sich die Punktevergabe ja noch weit über eine halbe Stunde – kam es dagegen öfters zu einem recht ausgegleichenen Feld wo sich die Führenden mehrmals abwechselten und man so richtig mitfiebern konnte. Man hatte im Blick welche Länder noch abstimmen (hat ein Favorit beispielsweise noch einen sicheren Nuller, weil das eigene Land noch abstimmen muss etc) und überlegte sich, wie dort das Ergebnis sein würde.
        Ich fand das spannender.
        In den Jahren der sicheren Sieger (2019 beispielsweise) war es egel, wie abgestimmt wird, spannend war da nur der Anfang wo man sehen konnte, dass man nicht völlig falsch lag.

  4. Da sich vermehrt Leute gegen die Big5-Regel aussprechen, könnte man mit nur 21 Beiträgen im Finale Zeit sparen, die dann für eine geringfügig längere Intervalphase genutzt werden könnte (wie ich schon im letzten Replay schrieb, könnten da dann die Big5 noch Attraktionen für ihr TV-Publikum platzieren).

    Wenn dann noch wie hier vorgeschlagen die Votingphase verkürzt würde, könnte man wieder zur alten Verkündung von Televoting- und Jury-Punkten zurückkehren oder sogar das Juryvoting komprimiert abhaken und dann für das Televoting zu den einzelnen Ländern schalten. Da die Sprecher für mich oft den Eindruck erwecken, sie würden stellvertretend für das Land sprechen, würde dass auch viel besser passen.

  5. Ein sehr gut geschriebener Artikel, vielen Dank dafür, Berenike.🙂
    Ich finde die jetzige Punktevergabe wirklich doof, man sollte zu der Punktevergabe von vor 2016 zurückkehren. Vor allem das Bloßstellen der hinteren Plätze hat in der Tat was Grausames. Erinnert mich an billigstes Privatfernsehen, vor allem, wenn man genüsslich noch die Gesichter der Betroffenen ablichtet.😕
    So wird den Zuschauern gezeigt, wer hier die „Looser“ sind, sorgt leider in vielen Fällen für Häme und Spott. „I’m sorry, Zero Points“. Schrecklich.😕
    Als 2015 The Makemakes und Ann-Sophie 0 Punkte kassiert haben, war es nicht weniger unschön, allerdings wesentlich diskreter, also ich finde, es wirkte, trotz des Misserfolgs, wesentlich freundlicher.

    • Stimme dir zu 100% zu, Gaby.

      In meinen Augen stimmen die Juries mittlerweile fast genauso „Nachbarschafts- oder Diaspora-Mäßig“ ab, wie die Televoters.
      Es ist eben einfach so, dass z.B. die Ex-Jugoslawen sich untereinander ziemlich gut verstehen und eine ähnliche Sprache / Musikgeschmack haben. Gewinnen kann man durch Nachbarschaftsvoting sowieso nicht. Und wer will mir erzählen, dass bei den Juries die 12 Punkte an Michael Schulte aus den Niederlanden, Dänemark und der Schweiz nicht auch auf kulturelle Ähnlichkeiten basieren oder diese zumindest dazu beigetragen haben…
      Wenn es nach mir gehen würde, werden die Juries – mit Ausnahme von San Marino – abgeschafft, es zählen nur die Televoting-Punkte und diese werden nach dem System vor 2016 verlesen.
      Und bitte auch die 8 und 10 Punkte vorlesen. Mittlerweile finde ich es echt unnötig, für 15 Sekunden in ein Land zu schalten…

      • Michi, bezüglich der Juries stimme ich Dir auch zu. In meinen Augen haben sie das Ziel auch verfehlt.
        Es scheint mir auch so, als wenn ein Erfolg bei den Juries weniger wert ist, zumindest bei vielen Fans. Sie fragen sich natürlich, wie ich finde zurecht, warum 5 Leute repräsentativ für ein ganzes Land sprechen sollen.
        Meinetwegen können sie diese wieder abschaffen, sie bewerten ja sowieso einen anderen Auftritt als die Zuschauer, was mir irgendwie auch suspekt ist.

      • Die Behauptung, dass die Juroren genauso wie die Zuschauer nach Nachbarschaften wählen, ist einfach falsch. Schaut euch die Punktevergaben an. Da werden kreuz und quer die Punkte vergeben.

    • Kleine Ergänzung: Eine ähnlich blöde Situation ist es natürlich auch, wenn man bei den Jurys relativ gut abschneidet, aber im Televoting abschmiert, wie bei Destiny dieses Jahr.
      Hm… wie kann man das Problem lösen? Vielleicht, indem man nur die TOP 10 vorliest, und die hinteren Punktzahlen nur einblendet? Aber dann wird es für das Publikum vielleicht noch unübersichtlicher…

  6. The math is done… Und trotzdem schalten wir noch nach Moldova, Portugal, Belgien, Serbien und Griechenland, weil die ihre Punkte noch nicht vergeben haben…
    Was ich mir vorstellen könnte, dass die Hosts für die Juries die Punkte wie bisher vorstellen, 1-10 eingeblendet und 12 werden dann groß verkündet, das könnte ausreichend Zeit schaffen, dann noch in alle Länder zu schalten und dort die Punkte abzuholen.
    Der krasse Spannungsmoment wie heuer oder 2019 wäre dann aber weg. Vor allem, da der Jury-Sieger jetzt immer als letzter dran ist.
    Und ganz ehrlich: wen interessiert, welche Fans wie abgestimmt haben, kann dies nach dem Finale nachlesen. Denke, das sind weniger als 2%. Mir ist es auch völlig Wumpe, welches Lied die kroatischen Zuschauer am besten fanden.
    Und zuletzt: ich glaube, kein Zuschauer rechnet die maximale Punktezahl aus und subtrahiert die Einzelergebnisse, nur um dann vor allen anderen das Ergebnis zu kennen.

  7. Ich persönlich sehe keinen Grund die Punktevergabe zu ändern. Und wenn schon wieder Jury und Zuschauerstimmen zusammenrechen dann bitte nicht nach dem System von 2013-2015, bei denen die Jurys das Televoting eines Landes quasi annulieren können 2014 bei Polen, die z.B. in Großbritannien und Irland 12 Punkte von den Zuschauern bekamen, durch sehr niedrige Juryplatzierungen aber dann überhaupt keine Punkte aus den Ländern bekamen.

    • Das sehe ich auch als den großen Knackpunkt des alten Systems an.
      Durch das neue System kann sichergestellt werde, daß wirklich 50/50 gilt. Beim Zusammenbrechen geht auch mal eine der beiden unter, wobei mir das egal ist, wenn die Juryvotes durch das Televote egalisiert werden. Polen 2014 ist da tatsächlich ein warnendes Beispiel. Aber auch Montenegro 2013 war im Halbfinale auf Platz 4 der Durchschnittswertung der Zuschauer, während bei den Juries fast gar nicht ging. Ergebnis: Aus im Semi. Mit dem neuen System wäre das nicht passiert. Leider kann man das nicht nachrechnen. Und ich leide heute noch, wenn ich das sehe, ich mochte die richtig gerne.
      Das Argument Spannung für die Vergabe ab 2016 finde ich tatsächlich sehr lasch. Es geht auch anders spannend. Aber für die Wertungsgerechtigkeit zwischen Jury und Televote ist dieses System genau richtig. Man sollte nochmal die Präsentation überdenken.

  8. Ich finde die punktevergabe so wie sie jetzt ist, ganz ok. Meiner meinung nach gehören einfach die sieger der einzelnen “ kategorien“, jury, televoting und overall gewürdigt.

  9. Ich fands auch spannend. Allerdings wird dem Juryvoting viel zu viel Aufmerksamkeit geschenkt. Das soltte dem Televoting gelten. Schließlich bezahlen die Menschen die anrufen, ja auch Gebühren dafür. Also umgekehrt. Warum sollte das länger dauern? Einfach weniger Firlefanz zwischen letztem Auftritt und Voting machen. Dann dauert es nicht so lange. Man könnte es ja so machen, das das Juryvoting sofort angezeigt wird, ohne große Verkündung. Und dann wird das Televoting in jedem einzelnen Land aufgerufen.

    • Du hast völlig recht.
      Aber wenn die Jurywertungen als zweites verkündet werden, gelten sie als das „Zündlein an der Waage“.

      Egal wie man es macht, am Ergebnis ändert sich nichts. Man sollte die Nuller nicht in der Kamera halten, aus Respektsgründen.

      • Nein, es war gemeint, dass zuerst die jurypunkte gesammelt verkündet werden und anschließend die einzelnen Punktesprecher die Televotes verkünden. Das stellte ich mir zumindest im Falle von Keiino spannend vor, welche ja eine riesige Aufholjagd gemacht hätten. Oder Rasmussen.
        Allerdings wird dann auch hier wieder das Nachbarschaftsvoting sehr krass gezeigt.

  10. Das ist der erste Beitrag in diesem Blog (und die Prinzen kann man auch noch dazu rechnen) dem ich 100% zustimme. Es wurden genau die richtigen Überlegungen angestellt und einfache Weisheiten „ist spannender“ hinterfragt.Schön wäre es wenn jemand mal nachrechnen könnte, ob die Gewinner der letzten Jahre wirklich so viel früher beim alten System gefunden worden wären, und ob das dann wirklich unspannender gewesen wäre.
    Postitiv am neuen System ist, dass man sieht, wie unterscheidlich die Wertungen sind, besonders Schwerden hat sich eigentlich kein Gefallen mit dem Wechsel getan, weil es fast jedes Jahr lange Geichter beim Zuschauervoting gibt.
    Das neue System ist etwas typisches aus dem Privat-TV, es darf keine Sekunde geben, die nicht spannend ist, weil sonst Zuschauer umschalten könnten. Also wird alles auf die letzten fünf Minuten konzentriert, die keine verpassen will. Für die EBU ist das eigentlich unerheblich.
    Ein Problem welches ich ja schon bei den Punkten beschrieb ist auch, dass durch die Trennung der Voten die 12 Punkte noch mehr aufgewertet werden, weil sie nun zweimal vergeben werden.Das Ergebnis hat daher noch weniger mit den wirklich abgegebenen Stimmen zu tun,

  11. Ein sehr guter und wirklich relevanter Artikel. Danke, Berenike. 👏👏👏

    Zum Thema Punktevergabe beim ESC könnte man nächtelang diskutieren oder Uniseminare anbieten. Deshalb will ich mich auch ganz kurz fassen, weil ich sonst wohl ins Endlosplaudern geraten würde.

    Mich stört vor allem die Fetischisierung des Televotings, dessen derzeitigte Präsentation beim ESC für mich nur eine weitere Spielart des derzeit in Europa grassierenden Populismus ist, symbolische Exekution inklusive.

    Desweiteren stört mich die bewusste Emotionalisierung, die aus den schlechten und guten Televotingergebnissen ein Spektakel macht, das einen entweder an Reality TV oder das römische Brot & Spiele erinnert. Ich fände es schön, wenn man hier wieder etwas runterfahren würde. Mein Vorschlag wäre: Votingfenster verkürzen (Ich finde die meisten Pausenfüller eh nur nervig …) und die 12 Jury- und Televotingpunkte aus allen Ländern verkünden. Es könnte ja aus jedem Land zwei Sprecher geben: eine offizielle Person, die den Sender vertritt, und einen Fan/Normalo/Wasauchimmer. Zunächst würden die Jury- und Televotingpunkte 1 bis 10 eingeblende. Danach sagt Person 1: „12 Jurypunkte gehen nach XY“, und dann ist Normalo/Fan dran: „12 Televotingpunkte gehen nach AB“.

  12. ich hätte auch eine, wahrscheinlich unwahrscheinliche (vielleicht auch doofe) Idee:
    man könnte doch auch einfach die jurypunkte nach Startrehenfolge vorlesen, den Jury Sieger küren, dann den Screen „löschen“, wieder bei null beginnen und dann in die Länder zur Punktevergabe schalten. Dann steht der Televoting Sieger fest. (Ergebnis: Jury Sieger und Televoting Sieger werden gewürdigt). Dann wird vom letzten bis zum 1. Platz der Landname mit Punkte Jury+Televoting eingeblendet. Damit der letzte Platz nicht so auf ein Land beschränkt ist und der Beschämungseffekt vermindert wird, könnte man auch in 5er Bundle die Plätze einblenden. Und erst ab den Top 10 jeden einzelnen Platz. So hat man als Zuschauer vielleicht noch die Möglichkeit, eine Top10 Platzierung für ein Land zu feiern, weil man es besser mitbekommt und sich nicht, wie im jetzigen Modus, alles alle 10 Sekunden verschiebt.

    • Das hat mehrere Probleme. 1. dauert das extrem lang. Und 2. ist ja dann schon während des Televotings klar, wer gewonnen hat (wenn man die alten Zahlen sich grob gemerkt hat) also erzeugt dann diese endgültige Aufzählung überhaupt keine Spannung mehr.

  13. Das System der Punktevergabe ist sicher nicht perfekt, aber ich find es gut. Es wird viel Spannung aufgebaut und das ist ja wohl ein Grund weil man sich die Punltevergabe überhaupt anschaut. Übrigens finden nicht wenige das Voting interessanter als so machen Lied am ESC.
    Wie müssen auch ehrlich bleiben, wir Menschen ergötzen uns an den Unglück anderer. Das ist keine positive Eigenschaft, aber sie ist da. So ist der „Null-Punkte-Regen“ einfach nur toll anzuschauen. Auf You Tube gibt es eine unmengen Reaktionsvideos und da kann man feststellen das gerade die 4 mal 0 Punkte des Televotings die meisten Emotionen hervorgerufen haben.
    Die Jurypunkte sind sicher etwas zu sehr im Mittelpunkt, aber jede Änderung die ich hier gelesen habe wären für mich kein Fortschritt. Das einzige wäre Die Jury kompeltt abzuschaffen. Dadurch würde aber dem Nachbarschafts- und Diasporavoting wieder mehr Gewicht gegeben.
    Auch finde ich es nicht richtig die Punktevergabe zu ändern, nur weil einen diejenigen leid tun die wenige oder keinen Punkt bekommen haben. Jeder Teilnehmer weiß was die Regeln und Regularien sind. Null Punkte kann man auch verschieden gründen bekommen. Entweder war der Song Schrott, er war so langweilig das man ihn nach 5 Minuten schon wieder vergessen hat, er war überabitioniert oder er war zwar irgendwie gut, hat aber den Geschmack Europas überhaupt nicht getroffen. Es ist nur ehrlich wenn das 0 Punkte dafür gibt. Ja es ist hart, aber fair.

    • Man muss aber doch die niedersten, menschlichen Instinkte nicht auch noch befriedigen, indem man die Niederlagen noch groß hinausposaunt. Das ist Privat-TV-Niveau, ich bin, gelinde gesagt, erschrocken, dass sich der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk mittlerweile auch auf dieses Niveau begibt.😕
      Du hast Recht, wenn ein Song keinen Anklang findet, braucht man auch nichts beschönigen, deshalb halte ich eigentlich auch nichts davon, ihnen wenigstens einen Punkt zu geben, also die Platzierungen von 25 – 1 zu ranken. Kommt ja letztendlich auf das Gleiche hinaus. Es reicht mir schon, wenn man es diskreter handhaben würde, und vor allem, nicht noch die enttäuschten Gesichter in Großaufnahme zeigen.

      P. S.: Nein ich haben keinen 😇, weiß Gott nicht, aber ich stelle mir so vor, wenn ich dort sitzen würde und öffentlich „abgewatscht“ würde.

      • Das einzige, was ich mir (vielleicht) noch vorstellen könnte, ist, dass die tatsächlichen Anrufe als Punkte bekanntgegeben werden, d. h. wieviel Anrufe tatsächlich für die einzelnen Songs eingegangen sind. Denn wenn ein Song null Punkte bekommen hat, heißt es ja nicht, dass wirklich niemand für diesen Song angerufen hat. Müßte man sich von der jetzigen Tradition verabschieden, was wohl auch nicht so sehr auf Gegenliebe stößt.
        Aber das wäre wahrscheinlich auch zu unübersichtlich, vor allem in den höheren Regionen… Schwierig…

      • Mein o. g. Vorschlag ist eine blöde Idee sorry, und kaum umsetzbar. Ich meine nur, 0 Punkte hört sich erst einmal brutal an., da ja nur die ersten 10 der jeweiligen Länder gepunktet werden. So wüßte man tatsächlich, wieviele Stimmen überhaupt eingegangen sind, aber irgendwie auch eine Schnapsidee.

        Wenn schon die Juries eingesetzt werden, finde ich aber auch, dass ihnen zu viel Raum zugestanden wird. Dann sollte man es umgekehrt machen: Die Juryvotes zusammenfassen und die Televotingpunkte verkünden.

    • Im Ernst: Wo wurde sich an dem Leid von Groß-Britannien ergötzt? Sind dir die Jubelrufe und der Applaus nicht aufgefallen?
      Das ist höchstens Mitleid, aber kein sich dran erfreuen.

      • Na ja, das mag in der Halle wohlwollender Applaus gewesen sein, aber an den Fernsehbildschirmen…. Ich weiss nicht, ob das allen KünstlerInnen so recht ist, wenn das Publikum direkt auf den Misserfolg aufmerksam gemacht wird. Klar macht man in der Situation gute Miene und lacht in die Kamera, man will sich ja auch keine Blöße geben. Also toll ist das nicht. Kann man auch nicht immer damit erklären, dass dies ein Spiel ist und es in diesem nun einmal auch Verlierer gibt. Das ist unbestritten so, und daran will ja auch keiner rütteln, aber für mich ist so etwas trotzdem Privatfernweh-Niveau, sorry.
        Wie schon oben erwähnt, geht es auch nicht nur um die hinteren Plätze, sondern auch um Acts, die bei den Juries recht gut abgeschnitten haben, und wo das Televoting doch enttäuschte.

      • Diese blöde Autokorrektur. Ich versuch’s nochmal: Privatfernseh-Niveau“.😆

  14. Ich finde es nicht mehr zeitgemäß bei knapp über 40 Teilnehmern „nur“ noch den Sieger zu küren. Hier wäre es würdiger, wenn man die ersten drei Plätze auszeichnet.
    Die Niederländer haben es beim ESC 1970 vorgemacht, da wurden Platz 3, Platz 2 und Platz 1 entsprechend zum Schluss gewürdigt und das Ganze gab ein tolles Bild ab.

  15. You know me, ich bin immer dabei, wenn es um Gleichstellung und höfliche Behandlung von Menschen geht. Aber es ist ein Musikwettbewerb und es gibt Punkte. Und diese Regeln sind bekannt. Dass ein Song 0 Punkte bekommt, kann mit dem System der „besten 10 aus 26“ zusammenhängen. Da sind wir dann wieder beim anderen Artikel. Ich würde auch gerne Punkte von 1 bis 26 verteilen, für die Zwischentöne. Aber ob Letzter mit 41mal 0 oder 41mal 1 ist fürs Gesamtranking egal. Und dann ist es offenbar einfach berechtigt.
    Auf lange Sicht sollte die „Bloßstellung“ der letzten Plätze gerade bei den Big 5 dazu führen, dass man sich Mühe gibt. Klingt zynisch, ich weiß. Aber GER, UK und ESP sollten inhaltlich anfangen zu arbeiten ^^
    Und die Fans der Songs sprechen doch eh danach von „robbed“ und freuen sich weiter an ihnen, anstatt über eine Zahl zu lachen. Kann ja auch „zusammenschweißen“…

  16. Von mir aus könnte die Jury abgeschafft werden, da ihre Wiedereinführung im Jahre 2009 in meinen Augen nicht den gewünschten Effekt gebracht hat um zu verhindern dass sich (Nachbar-)Länder gegenseitig die Punkte zuschieben. Dies habe ich hier zwar schon im Mai nach dem diesjährigen ESC geschrieben, aber trotzdem hier nur nochmal so zur Ergänzung!

    Ansonsten finde ich die Punktevergabe, wenn man nicht gerade rechnet wie viel Punkte beim Televoting noch zu vergeben sind, recht spannend! Trotzdem finde ich auch ich, dass man, wenn man die Jurys beibehält, den Televoting mehr Platz einräumen sollte.Ich finde hier den Kommentaren den Vorschlag von Carsten, dass man die Jury- und Televotingpunkte gleichzeitig mitteilt, eigentlich ganz gut. Oder man dreht das ganze um und „vernachlässigt“ die Jurypunkte und teilt diese so mit wie aktuell das Televoting und die Punkte des Televoting teilt man dann so mit wie aktuell die Jurypunkte.

    Auch ich finde übrigens, genau wie Nilsilaus, dass man bei so vielen Teilnehmern schon in der Lage sein sollte auch noch den zweiten und dritten Platz zu küren!

    • Nachtrag: Vielleicht könnte man ja den zweiten und dritten Platz eine Wildcard für das Finale im nächsten Jahr geben, so dass diese nicht durch das Halbfinale müssen!
      Stellt sich nur noch die Frage was man macht, wenn ein „Big Five“-Land auf diesen Plätzen ist? Die nächsten Platze (4, 5, 6 etc.) nachrücken lassen oder halt dann einfach keine Wildcard vergeben?

  17. Warum nicht einfach als erstes die Jury-Punkte gesammelt durchgeben – und zwar mit dem gleichen System wie aktuell die Televoting-Punkte durchgegeben werden, von der ersten bis zur letzten Startnummer – und DANACH dann zu den einzelenen Punktesprechern schalten und die Televoting-Punkte 1-10 einblenden sowie die 12 Punkte durchgeben?
    Auf diese Weise könnten evtl. spannende Aufholjagden entstehen (wenn z.B. ein Beitrag, der bei den Juries schlecht abgeschnitten hat durch hohe Televoting-Punkte das Feld von hinten aufrollt).

  18. Ich wäre für eine Rückkehr zum traditionellen addierten Ergebnis pro Land. Denn das aktuelle System verstehen nur die Hardcore ESC Fans. Alle anderen wissen eigentlich überhaupt nicht mehr was das soll und wieso das so passiert. Vorher war es doch einfach, verständlich, transparenter und übersichtlicher. Und warum nicht spannend? Dummes Zeug. Es ist ja auch so schlimm wenn der Gewinner bei Voting Nummer 37 feststeht von 43….😩😜 Zudem empfand ich es auch als anmaßend das die Schweden Ihr System dem ESC einfach so aufgedrückt haben. Das System darf jetzt ruhig mit Christer in Rente gehen…

  19. Ich find das Voting total spannend und seh es gern. Das ist für mich Teil 2 vom ESC-Abend, da steigt dann der Erdnusskonsum ins Unermessliche. Was ich scheusslich finde sind die gefühlt 5 Minuten am Schluss, wenn es mit den letzten 3 Kandidaten rausgezogen wird wie mit ausgekotztem Kaugummi. Kamera drauf und „spannende Musik“, schlimmer als Kai Pflaume und Co. zur besten ARD-Sendezeit. Das ist für mich nicht spannend sondern nervtötend.

  20. Oh je, selten hat mir ein Blogeintrag bei ESC-kompakt so viel Kopfzerbrechen bereitet wie dieser hier. Fangen wir mal von vorne an:

    DIe Punktevergabe fand ich immer schon spannend. Bei meinem ersten ESC, 1998 war das, war ich fasziniert von all den Sternen, die auf die Europakarte fliegen. Im Jahr 2000 kam vor der Zeremonie noch eine Grafik mit einer Europakarte, da dachte ich zunächst, jetzt käme schon der Sieger, doch weit gefehlt: Erst einmal noch die Punktevergabe. Legendär, wie bei Stefan Raab ein Fähnchen gerissen ist. Und auch 2003 war richtig schön spannend, vor allem jedoch: Die letzte richtig spannende Punktevergabe für lange Zeit, danach stand der Sieger bis einschließlich 2015 IMMER schon lange vor der letzten Wertung fest.

    Das letzte Mal (nach altem System), dass der Sieger erst nach der letzten Wertung feststand, war in der Tat im Jahr 2003 („Good night!“), als es zum Dreikampf zwischen Sertab Erener, T.A.T.u. und „Sanomi“ kam. Und so hieß es halt oft „It’s no longer a mystery!“, was vielleicht auch durch die vielen Länder kommen könnte, die abstimmen dürfen: Bis 2003 waren es meist nur so um die 25, jetzt sind es ungeführ 40. Spannend wurde es am Ende höchstens noch um den 2. Platz. Und natürlich um den eigenen Beitrag, ob er noch Punkte bekommt würde, um doch nicht so schlecht abzuschneiden wie befürchtet. Das heißt, 2015 war es anders, nach dem „The winner is Sweden“-Moment kamen nämlich noch drei Länder, die man aufgrund technischer Probleme ans Ende schieben musste, da konnte man schon vorher die 1-7 Punkte spinksen und da war schon nichts dabei für Ann Sophie und die Makemakes, also konnte man sich schon auf einen geteilten letzten Platz zwischen Gastgeber und Nachbarn einstellen.

    Und ja, ich stimme deinem Freund zu, Berenike, ich finde die Ergebnisse aus dem Televoting auch interessanter als die der Jurys. Hinterher bekommt man vom Kommentator noch das Ergebnis aus dem eigenen Lande zu hören, aber auch wenn es heißt „Geben ist seliger denn Nehmen“, so interessiert uns doch brennend, von wem wir die Punkte aus dem Televotng bekommen haben, nicht nur, wem wir sie gegeben haben. (Das heißt, die letzten beiden Male hat es sich von selbst erledigt.)

    Ich weiß noch, anno 2017, da wussten wir von den drei Jurypunkten aus Irland, aber wo die drei Televoting-Punkte herkamen, das wussten wir lange nicht. Den Verdruss verstärkt hat auch noch Levinas „Danke an Irland!“ in der Schalte. Ich blieb damals so lange auf, bis ich wusste, wo die anderen drei Punkte herkamen. Und es war: Die Schweiz! In die Schweizer Version habe ich auch noch reingehört, da betonte auch Sven Epiney bei der Bekanntgabe des Resultats mit Schweizerdeutschen Akzent: „Die drei Punkte für Deutschland kamen also von uns!“ Und später hat sich Levina auf Facebook auch bei den Schweizern bedankt. Aber manche Medien erwähnten „nur“ Irland, nicht die Schweiz – der „Spiegel“ schon, der interviewte dazu deren Jurypräsidenten Michael von der Heide.

    Überhaupt, die Medien: 2015 spekulierten manche von denen, wer oder was dafür gesorgt haben könnte, dass unser Zwölfer nach Russland ging. Was diese aber wohl nicht recherchiert haben: Das Ergebnis setzte sich aus zwei Wertungen zusammen. Und Polina Gagarina belegte sowohl bei den Zuschauenden „nur“ den zweiten Platz, bei den Jurys gar „nur“ Platz 4, sie profitierte aber davon, dass Jury-Favorit Lettland und Voting-Favorit Italien in der jeweils anderen Wertung nicht ganz so gut weggekommen sind. Noch extremer war die Diskrepanz bei der Schweizer Wertung: Dort erhielt Albanien die meisten Stimmen aus dem Televoting, ABER: Bei der Jury reichte es nur zum vorletzten Platz. Macht zusammen Platz 12 – keine Punkte und damit jede Menge Anrufe für nichts. Mag heißen: Dieses Wertungssystem sollte man so nicht wieder einführen.

    Ich frage mich immer noch, wie die genauen Jury- und Zuschauer-Wertungen im Jahr 2013 ausgeschaut haben, welche die EBU immer noch für sich behalten möchte. WIe gern wüsste ich, ob es eher die Juroren oder eher die Zuschauer waren, die dafür sorgten, dass „Kedvesem“ 12 Punkte aus Deutschland erhielt.

    Was die Vorführung mit den „Zero points“ angeht, ja, die tut schon weh. Den S!sters blieb sie 2019 jedoch erspart, weil die in diesem Moment woanders waren…

    Auch die lange Votingzeit im Finale schlug mir aufs Gemüt. Alle fünf Minuten kam die Einblendung ins Bild: 1 für Zypern, 2 für Albanien, … und 26 für San Marino. Will man dem Allerletzten einreden, dass er oder sie noch anrufen soll?

    Beim Junior-ESC gibt es seit einigen Jahren ein ähnliches Verfahren, aber mit einem wesentlichen Unterschied: Es wird nicht über Anrufe oder SMS abgestimmt, sondern übers Internet! Und es gibt auch keine Länderwertungen, sondern das Ergebnis ist als „Großes Ganzes“ zu betrachten, man kann etwa auch aus Ländern abstimmen, die gar nicht teilnehmen. Und dass man auch fürs eigene Land abstimmen kann, das sorgt zwar für manche Kritik, doch selbst der letztplatzierte Titel erhielt noch deutlich mehr als 20 Punkte, wodurch niemand mit 0 Punkten nach Hause musste – wäre es nur nach den Jurys gegangen, hätte es das sehr wohl gegeben, und das gleich mehrfach. Die Punkte aus dem Online-Voting werden dort auch bis zum Ende eingeblendet.

    Ja, es gibt dabei eine gewisse Gewichtung nach Ländern, aber es kommt der Vorlage, dem Melodifestivalen schon näher, wo die Punkte auch nach Televoting gestaffelt werden, heißt: 10 Prozent der Stimmen = 10 Prozent der Punkte. Beim ESC ist das natürlich etwas Anderes, da sind 10 Prozent der Stimmen nicht automatisch 10 Prozent der Punkte.

    Was ich mir hingegen vorstellen könnte: Beide Wertungen zusammenzuzählen und die Punktesprecher diese aufaddierten Ergebnisse verkünden zu lassen. Dann gäbe es bis zu 24 Punkte auf einen Schlag.

    Oder aber: Wie im Halbfinale werden erst die Top 10 in zufälliger Reihenfolge bekannt gegeben, nach dem „letzten Umschlag“ kann man die übrigen Platzierungen einblenden, so wie 2004. (Ja, da sah die Schweiz sofort, dass sie Null Punkte bekommen hat.) Danach verkündet man die Plätze 10 bis 3 aufsteigend. Eine der letzten beiden Nationen erfährt ihre Punktzahl als erste, danach die andere.

    Oder wir gehen gleich dazu über, die Top 3 zu verkünden und den Rest anschließend einzublenden. Und wenn man dafür auf die Punktesprecher:innen verzichten muss…

    Die allerbeste Lösung, um „Zero Points“ zu vermeiden: Alle bekommen vorab 12 Punkte. Siehe dazu den JESC von 2005 bis 2015 (auch wenn es auch ohne dieses Geschenk keine Nuller gegeben hätte).

    Kurz gesagt: Die Punktevergabe ist ein Kapitel, über das man sich herrlich streiten kann. Das perfekte Verfahren wird man wohl nicht finden können, es wird wohl immer einen Knackpunkt geben – genauso wie beim Wahlrecht für den Bundestag.

    Vermutlich wird erst einmal alles so bleiben wie bislang, aber vielleicht kommt ja irgendwann doch eine Neuerung. Die EBU wird dazu sicherlich etwas kommunizieren, wenn es etwas zu kommunizieren gibt…

    • „Und so hieß es halt oft „It’s no longer a mystery!“, was vielleicht auch durch die vielen Länder kommen könnte, die abstimmen dürfen: Bis 2003 waren es meist nur so um die 25, jetzt sind es ungeführ 40.“

      Dennoch ist auch dort ein knappes Ergebnis möglich, wie man am Televotingergebnis 2011 sieht. Nur 2 Punkte standen zwischen Aserbaidschan und Schweden. Leider gab es damals aber schon die Juries. 🙁

      Und jetzt mit getrenntem Jury- und Televoting hat man ja sogar über 80 eigenständige Wertungen statt nur 40 oder 25.

  21. Vielen Dank für den tollen Artikel, Berenike. Ich kann Deinem Fazit voll zustimmen, d.h. für die Spannung im aktuellen System muss in Kauf genommen werden, „dass das konkrete Zuschauervoting aus den einzelnen Ländern vollkommen unter geht, dass die leer ausgehenden Teilnehmer vorgeführt werden und dass die spannende Entwicklung anderer Plätze als den ersten empfindlich ignoriert wird.“ Drei ganz, ganz wichtige Punkte.

    Ich habe das alte System gemocht, die Wertung hat langsam auf das Endergebnis hingeführt, man konnte sich darauf einstellen, in welchem Bereich die Lieder ungefähr landen würden (wobei der ein oder andere größere Auf- oder Abstieg immer mal drin war), und dann die Entwicklungen in den verschiedenen Tabellenbereichen mitverfolgen. Das Ergebnis war irgendwie ein „gewachsenes“.

    Jetzt gibt es diese eine Wertung zum Schluss mit dem einen endgültigen „Urteil“ für jedes Lied, und das Tableau wird nochmal stark durcheinandergewürfelt. Darauf könnte ich gerne verzichten, und noch mehr auf dieses Zurschaustellen von vermeintlichem Scheitern, z.B. Null Punkte oder ein deutlich schlechteres Ergebnis im Televoting als im Jury-Voting (was mit der neuen Verkündungsreihenfolge seit 2019 besonders auffällt). Dass in Rotterdam wieder John Lundviks Reaktion auf sein Televoting-Ergebnis präsentiert wurde, passt ins Bild. Ich möchte mich hier ausdrücklich für Gabys und togravus ceterums Kommentare bedanken, die sich gegen populistische Ansätze und das Bedienen niederer Instinkte wenden, wie man sie aus dem Privatfernsehen kennt.

    Mir würde das System bis 2015 am besten gefallen, in dem Jury & Televoting zusammengefasst wurden, auch wenn dabei sicher öfters 0 Punkte rausspringen werden, aber es wäre eben nicht diese Bloßstellung wie beim aktuellen System. Eine Sache hätte ich aber gern anders als von 2011 bis 2015: Die Reihenfolge, in welcher die Wertungen verkündet werden, sollte vorher festgelegt sein, die damaligen Manipulationen, um „Spannung“ zu erzeugen, fand ich unerträglich. Man konnte damit rechnen, dass das Land mit den ersten 12 Punkten nicht gewinnen und vielleicht sogar nur im Mittelfeld landen würde. Und dem Lied, das gegen Halbzeit führte, konnte man auch wenig Chancen zurechnen, am Schluss vorne zu sein.

    Ich könnte aber auch gut mit den Vorschlägen einiger Kommentator(inn)en, wie z.B. Carina, leben, das Jury-Voting am Anfang auf einmal bekannt zu geben und dann Länderschaltungen fürs Televoting vorzunehmen. Beim Jury-Voting würde ich vorschlagen, die Punktzahlen der Titel in der unteren Hälfte alle auf einmal einzublenden (und zwar nicht nach Reihenfolge sortiert), und dann die Punktzahlen der besten 10 bis 15 Titel vorzulesen, mit der 1 zum Schluss und nicht nach Startreihenfolge, sonst ist’s für den Titel, der nach dem Jurysieger vorgelesen wird, auch wieder eine Art Downturner)

    Noch ein Punkt zum Schluss dieses viel zu langen Kommentars: Dass die Juries mit zum Ergebnis beitragen, finde ich gut, auch wenn es gern ein paar Leute mehr als nur fünf pro Jury sein dürften.

    • Ich habe jetzt erst SanomiKedvesems Kommentar über meinem entdeckt, und er hat schon ein paar gute Argumente, die gegen das System in den Jahren vor 2016 sprechen. Da würde seine Anregung mit den 24 Punkten Abhilfe schaffen oder, wie Karsten es vorschlägt, bei jeder Schaltung Jury- und Televotingpunkte des Landes hintereinander zu verkünden.

  22. Das neue System ist viel spannender! Schaut doch nur mal auf 2019 oder 2018, wo doch wirklich bis zum Ende mitgefiebert wurde!

    Ich finde es gibt an jedem System was auszusetzen.
    So passt es finde ich am besten

  23. Wir sollten nicht vergessen, was das ganze letztlich ist: Eine Show, ein Wettbewerb. Dazu gehören Gewinner und Verlierer, genauso wie ein logischer Ablauf. Es ist einfach eine zeitökonomische Frage, dass die Juries verkündet werden, während die Televotes noch ausgezählt werden. Für die Macher der Show gibt es keinen Grund es anders herum zu machen. Das Bloßstellen der 0 Punkte-Beiträge kann ich nicht erkennen. Im Gegenteil, ich fand die Applaus-Szene mit James Newman in diesem Jahr sehr würdevoll und solidarisch. Die Bloßstellung erfolgt doch erst später in der Berichterstattung.

    Im Übrigen hätte es den diesjährigen Prozess mitnichten spannender gemacht, wenn man es gedreht hätte, da Italien im Televoting schon sofort alles abgeräumt hätte. Ohnehin verstehe ich das Spannungsargument nicht. War die Juryabstimmung nicht spannend dieses Jahr? Ich fand es sehr spannend. Mich stört auch das Diasporageschiebe (was immer weniger wird) weniger als die Tatsache, dass die Zuschauer zunehmend die selben Beiträge wählen. Erinnert sich noch jemand an den BuViSoCo? Da war es auch gefühlt in jedem Bundesland das gleiche und mega öde. Es ist auch gut, dass die Aufsplittung der Votes hier die Transparenz erhöht.

    Es ist schade, dass es keine separate Verkündung des Publikumssiegers gibt. Ich finde, dafür sollte es eine Extratrophäe geben. Meine Idee: Man holt nach der Verkündung sowohl den Gesamtsieger als auch den Televotingsieger nach vorne und überreicht letzterem zunächst seine Trophäe. Nebenbei kann man einblenden, aus welchen Ländern er oder sie 12 Punkte geholt hat. Anschließend bekommt dann der Gesamtsieger seine Trophäe. Ist es der gleiche Beitrag, dann eben beides auf einmal. Im Sport werden auch die anderen Auszeichnungen vergeben, bevor der letztendliche Gewinner den Pokal bekommt.

  24. Ja sehr informativer Artikel, vielen Dank. Die neue Punktevergabe wurde letztendlich nach schwedischem Vorbild eingeführt. Ja, es ist spannend. Aber ist es spannend aufgrund der Ergebnisse an sich oder ist es nicht doch eher so, dass diese Spannung rein künstlich entsteht durch die bewusste Veränderung der Ankündigung der Punkte?

    Wir brauchen die Jurys und ich bin mir auch sicher, dass die EBU weiter daran festhalten wird. Durch die neue Bekanntgabe seit 2016 hat sich das Bewusstsein für die Jurys durchaus erhöht, denn ich weiß nicht, ob der durchschnittliche Fernsehzuschauer immer auf dem Schirm hatte, dass von 2009-2015 eigentlich ein verrechnetes System verwendet wurde. Gut, es wurde zwar angekündigt, aber wusste jeder Zuschauer auch um die Folgen, was passiert, wenn die Jury ein Lied ganz hinten anordnet und die Zuschauer dagegen ganz vorne? Das war was für die Hardcore-Fans zum Analysieren danach, aber der „gemeine“ Zuschauer hat am Sonntag eine Fahrradtour gemacht und vielleicht das erste Eis des Jahres gegessen.

    Mir gefällt am neuen System auch nicht, dass von den Jurys nur noch die 12 Punkte verkündet werden. Man hat gar kein Bewusstsein für die anderen Plätze, denn die werden nur noch kurz eingeblendet, aber nicht mehr genannt. 2015 gab es eine Diskussion, wie Deutschland ein minimal besseres Ergebnis hätte erzielen können: durch Bepunktung aller Teilnehmer von 1-26. Man kann als Juror natürlich beurteilen, welche Songs besonders gut waren und welche besonders schlecht. Aber kann man wirklich so eindeutig sagen, welches Lied an 19. oder 20. Stelle kommen sollte? Dass die Jurys das jetzt schon tun müssen, finde ich fragwürdig, Noch dazu würde der Zuschauer durch die hohe Zahl an Punkten vollends den Überblick verlieren. ich würde dafür plädieren, dass sie wirklich nur eine Rangfolge für die ersten zehn erstellen sollten, alles andere finde ich kaum praktikabel und auf den Rest kommt es ohnehin nicht an.

    • Ich trauere den alten Zeiten nach, wo noch wirklich Punkte vergeben wurden in einer einstündigen herrlichen Zeremonie. Jetzt sehe ich nur noch diese Klimbimansprachen und Predigten der Jurysprecher und nach dem zehnten „wonderful show“ und „you did a very good job“ kommen mir nur noch die Kartoffelchips hoch. Ich mag vom alten Schlag sein, aber mir war auch nie begreiflich, warum man die Jurysprecher sehen muss.

  25. Mit Abstand wichtigster Punkt ist für mich die Länge der Voting-Phase. Normal würden 15 Minuten völlig genügen. Reicht für 2 Schnelldurchläufe. Zur Not 30 Minuten, dann kann man noch 2 Intervalacts unterbringen, genre einen nationalen und einen aus der ESC-Geschichte (muss aber nicht jedes Jahr der ewige Mans dabei sein).

    Die Möglichkeit, sofort nach Ende der Votingphase in die Verkündung des Juryvotings zu gehen, ist ein großer Vorteil Dadurch entsteht keine leere Zeit, die man mit Sachen füllen muss, die nichts mit dem Wettbewerb zu tun, wie amerikanische Superstars. Überhaupt sind mir die Sendungen seit etwa 2015 deutlich zu lang.

    Die Unterteilung in Jury- und Publikumsvoting kann gerne so bleiben. Auch die komprimierte Form der Verkündung des Zuschauervotings. Ich fand das vor der Änderung immer unangenehm, wenn die letzten Spokespersons tapfer die Punkte verkünden mussten, obwohl die eigentlich niemanden mehr interessiert haben, weil der Sieger längst feststand.

    Bei der jetzigen Verkündungsform stört mich allerdings dieses ind ie Länge ziehen, bevor man die Punkte durchsagt. Das erhöht nicht die Spannung, sondern nervt nur. Ist echt eine schlimme Unart, die aus den diversen Castingshows rübergeschwappt ist.

    Das auch die Verleirer in Großaufnahme erfasst werden, ist wohl der aktuelle Fernsehzeitgeist. Das ist das Drama, was man dem Zuschauer zeigen will. Bei Fußballspielen wird ja auch auf den Rotsünder oder den Elferfehlschützen voll draufgehalten.

  26. Nochmal als Erinnerung: in den Anfangszeiten des Televotings Ende des Jahrtausends betrug das Zeitfenster zum Anrufen gerade mal 5 Minuten!

  27. Ich möchte einen Kommentar zu der Aussage „Ich will die genaue Verkündung der Televotes, weil die interessanter sind als die von 5 Personen“, die ich in den Kommentaren häufiger gelesen habe, machen.

    Nein, dem stimme ich gar nicht zu.

    Bei den Televotes – und teilweise auch bei den zusammengefassten Punkten bis 2015 – ist es schon klar, wo die Punkte hingehen werden, wenn man das abstimmende Land erblickt. Das Nachbarschaftsvoting, das besonders stark bei den Televotes passiert, macht die Punkte nämlich überhaupt nicht spannend oder interessant. Oh Skandinavien? Dann ist ja klar, wo die 12 hingehen. Serbien gibt die meisten Punkte an den Osten? Welch Überraschung. Malta bekommt gar keine Punkte? Klar, hat ja auch keine Nachbarn.

    Das passiert bei den Juryvotes zumindest nicht in diesem Ausmaß, sodass man immer wieder „untypische“ Höchstwertungen erleben kann. Das macht für mich zumindest die Juryvotes wesentlich spannender und interessanter als die Zuschauervotes, wo es immer vorher klar, wer Punkte bekommen wird.
    Und der Sieger des Televotes ist am Ende auch nur der gemeinsame Nenner, welcher zwischen all der Punkteschieberei konstant 7 bis 10 erhält. Und dann ist wieder der Aufschrei groß, dass sich alle Punkte zuschieben. Ja, entspricht ja auch der Warheit dann.

    Deswegen. Nein. Dass die Jurypunkte angezeigt werden, ist gut so. Das einzige, was ich mir vielleicht vorstellen könnte, ist, dass beide Punkte direkt hintereinander von dem Punktesprecher verkündet werden. So hat man den direkten Vergleich und den Beweise noch dazu, dass die Jury wichtig ist und zumindest versucht, eine halbwegs faire Punktevergabe zu machen und die Zuschauer auszugleichen.

  28. Ich finde das aktuelle Votingverfahren sehr spannend und unterhaltsam. Den Vorwurf die Null-Punkte-Teilnehmer vorzuführen müssen diese betroffenen Teilenehmer als Profis entweder aushalten, oder die Kamera könnte währenddessen meinetwegen empathisch die Hallendecke zeigen…
    Aber die Zweiteilung der Punkte zwischen dem möglicherweise politisch motivierten, aber dennoch eher künstlerisch orientierten Juryvoting und dem eher populär orientierten Zuschauervoting als Korrektiv finde ich nach wie vor gut und sinnvoll. Sonst hätten eher künstlerische Beiträge wie Gion’s Tears oder Barbara Pravi m.E.n. nie die Chance auf einen sieg oder einen der vordere Plätze wie in diesem Jahr.

    Wobei natürlich fraglich ist, warum ausgerechnet das Juryvoting traditionell durch die Spokespersons mitgeteilt werden. Aber die Einzelpunktevergabe möchte ich als DAS traditionelle Element und USP des ESC nicht missen. Es wird ja jetzt schon im Schweinsgalopp da durchgejagt, so dass man den Überblick verliert.

  29. Ich lese hier immer wieder, dass die Teilnehmer mit Null Punkten dieses Kamera-Draufhalten aushalten müssen. Nein, liebe Leute, das müssen sie NICHT. Es ist mir klar, dass DSDS und andere Casting-Shows leider die Sehgewohnheiten vieler Menschen verändert bzw., bei jungen Leuten, gepägt haben. Umso wichtiger ist es, dass der ESC sich nicht auch noch auf dieses unterirdische Niveau begibt.

    • gepRägt

      Im Übrigen sind viele der Teilnehmer(innen) am ESC gerade keine Profis (das Profi-Sein wurde ja als Argument genannt, warum sie es aushalten müssen). Viele Profis tun sich das alles gar nicht erst an.

  30. Das Wort „grausam“ in der Überschrift würde ich nicht nur auf die Nullerkandidaten beziehen. Ich finde es im Grunde fast noch schlimmer, dass eigentlich ziemlich gut platzierte Acts wie Gjon oder Lundvik in diesem Zweierduell ganz am Schluss quasi als Verlierer vom Platz gehen. Ich hab öfter gehört: „Der arme Schweizer“ oder „Der Schweizer hat verloren“. Nein, hat er nicht, er hat einen super Platz gemacht, es bleibt dummerweise aber hängen, dass er gegen den Sieger „verloren“ hat.
    2019 z.B. konnte Tamara Todevska eigentlich froh sein, dass nicht sie, sondern John Lundvik neben Duncan Laurence eingeblendet war. Ihr Punkteabsturz wäre noch schlimmer gewesen…

    • Zustimmung, das wird wohl auch daran liegen, dass es wohl vielen KünstlerInnen oder auch Fans wichtiger ist, wie ein Act beim Publikum ankommt als bei den Juries. Wenn sie beim Publikum „abschmieren“ wird das dann als Niederlage wahrgenommen, auch wenn die Gesamtplatzierung was anderes sagt. Hat man ja auch bei Destiny gesehen, die dann wohl auch recht zickig in die Kamera geblickt hat. Das wiederum sorgte wohl auch für Gesprächsstoff. 😉

    • Auch ich stimme Dir voll und ganz zu, Schorschiborsch.

      Und Du Gaby hast recht damit, dass viele das Televoting als das Wichtigere ansehen. Aber ich denke, der Hauptgrund für dieses Ärgernis ist diese blöde Dramaturgie, die auf „Sieger“ und „Verlierer“ abzielt, indem die Gesichter zweier Leute gegenüberstellt werden, von denen eine(r) gewinnen und eine(r) verlieren wird. Wäre es andersrum, also zuerst Televoting per Länderschaltungen und dann Juryvoting in einem Zug vorgelesen (wobei es dazu wohl eher nicht kommen wird), dann würden sie in der gegenwärtig vorherrschenden Denke bestimmt auch da die Gesichter der beiden Übrigbleiber gegenüberstellen und dann wäre eben der Televotingsieger, der von den Juries deutlich weniger Punkte bekommt, ein großer „Verlierer“ des Abends.

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