Sanremo-Festival 2019: Ein Erfahrungsbericht mit Happy End

Sanremo 2019 Sieger Mahmood Italien ESC 2019 Soldi

Ein Gastbeitrag von Anne Halvorsen – ESC-kompakt-Leserin, ESC-Songcheckerin und riesengroßer Fan italienischer Musik.

Die Pizza ist vertilgt, der Rotwein getrunken, die Public-Viewing-Gäste wieder daheim. Das war’s! Fünf Tage Sanremo-Festival liegen hinter mir, doch was bleibt? Ein Sieger, der in Tel Aviv die Halle zum Beben bringen wird, und eine prall gefüllte Spotify-Playlist. 

Doch bevor wir uns mit dem Sieger beschäftigen, sollten wir einen Blick auf das Festival werfen. Ein derartiges „grande spettacolo“ verdient Beachtung.

Zugegebenermaßen fängt es schleppend an am ersten Abend. Und das liegt nicht an dem sehr erfrischend daherkommenden Moderatorenteam. Das Team aus Claudio Bisio, Virginia Raffaele und Claudio Baglioni wirkt gut gelaunt und harmonisch.

Wir erwarten gespannt das erste Highlight. Endlich: Il Volo betritt die Bühne und liefert ab. In meinem Wohnzimmer – in dieser Woche auch „klein Italien“ genannt – sitzen eingefleischte Fans der drei Tenöre. Nach dem ersten Auftritt ist die Stimmung allerdings leicht gedämpft. Hatten sie nach „Grande Amore“ vielleicht etwas mehr erwartet? Klar waren die Stimmen toll, aber das wurde vorausgesetzt. Ich denke die berühmte „Messlatte“ lag einfach sehr hoch.

Ähnlich erging es mir bei Favorit „Ultimo“. Der 23-Jährige brilliert durch seine Traumstimme, aber „I tuoi particolari“ erreicht nicht sofort mein Herz. Irgendwas ist anders? Fehlt der Refrain? Nein, aber der Aufbau ist aus meiner Sicht nicht klassisch und vielleicht deshalb ist der Song nicht so eingängig. Dennoch, er ist selbstgeschrieben und voll Leidenschaft vorgetragen.

Der Abend wurde nun durch einen sehr besonderen Auftritt bereichert: Loredana Bertè betritt mit blau gefärbten Haaren die Bühne und die fast 70-Jährige überzeugt. Bei den Buchmachern schnellt sie schon am nächsten Tag in die vorderen Ränge. In Italien scheint Sie eine Art Kultstatus innezuhaben.

Nach Ihrem Auftritt wird es etwas langatmig. Meine Gäste verabschieden sich mit den Worten „Wir müssen ja morgen auch arbeiten!“. Aber ich – hin und her gerissen zwischen dranbleiben oder abschalten – werde plötzlich hellwach. 

Irama betritt die Bühne. Wow, wer ist das denn? Ihn hatte ich gar nicht auf dem Zettel. Ein Fehler wie es scheint. Ein toller Song mit ernstem Hintergrund.

Spätestens beim Auftritt von Mahmood ist der letzte Hauch von Müdigkeit wie weggeblasen. Das Geklatsche im Refrain gefällt und macht gute Laune. 

Nach diesem ersten Abend bleiben eine Menge Eindrücke, aber gefühlt gab es nicht sonderlich viele Highlights. Der Wertung der Jury stimme ich weitestgehend zu. So befinden sich u.a. Il Volo und Ultimo im „blauen“, sprich sehr guten Bereich.

Mit leicht gedämpfter Euphorie schaue ich mir am nächsten Tag die dazugehörigen Musikvideos an. Die vorproduzierten Videos werden meist im Laufe des nächsten Tags live geschaltet. Ich bleibe bei dem Video von NEK hängen und überlege: Hat er diesen Song wirklich gestern gesungen? War mir gar nicht so positiv aufgefallen. Ich schaue weiter und höre mir Enrico Nigriotti noch einmal an. Nicht schlecht, was für eine Stimme! Motiviert wage ich mich zu Il Volo. Das Video ist super und steigt für einen kurzen Moment auf Platz zwei der deutschen iTunes-Musikvideocharts.

Es scheint, als seien im diesjährigen Jahrgang viele Songs eher in die Kategorie „Liebe auf den zweiten Blick“ einzuordnen.

Durch diese neu gewonnene Erkenntnis motiviert, schalte ich am Abend gespannt den Fernseher wieder an. An Tag 2 und 3 des Festivals stehen jeweils nur 12 Teilnehmer auf der Bühne. Wer sich auf früh ins Bett gehen einstellt, täuscht sich aber gewaltig. Die Italiener bleiben konsequent bei ca. 236 Minuten Sendezeit. Stehen nur die Hälfte der Teilnehmer auf der Bühne, werden jede Menge Gäste geladen. 

Und in Sanremo laufen die Stars und Sternchen der italienischen Musikszene auf und geben sich quasi die Klinke in die Hand. Am ersten Abend stand bereits Andrea Bocelli mit Sohn Matteo auf der Bühne. Es folgen Auftritte von Ornella Vanoni, Alessandra Amoroso, Marco Mengoni, Umberto Tozi, Luciano Ligabue, Eros Ramazzotti und auch Newcomer Megastar Fabio Rovazzi gab sich an der Blumenriviera die Ehre. Nicht selten werden die Musikgrößen nach ihren Auftritten noch zum Duett mit Moderator Claudio Baglioni aufgefordert, was meine Nerven zumindest teilweise etwas strapaziert. Da diese Darbietungen aber nicht selten durch „Standing Ovations“ im Teatro Ariston belohnt werden, stehe ich mit meiner Meinung wohl ziemlich alleine da. 

Die Wertung der Jury an Abend 2 und 3 überraschte mich teilweise. Il Volo rutscht in den mittleren Wertungsbereich. NEK landet sogar im roten Bereich. Konsequent im blauen Bereich halten sich Ultimo, Simone Christicci und Irama.

Mein persönliches Highlight war der Duett-Abend am Freitag. Die Künstler haben nun die Chance einen Duettpartner hinzuzuziehen und die Songs noch zu verändern. Wobei der Partner nicht unbedingt singen muss. So hatte Il Volo zum Bespiel die sensationelle Idee mit Alessandro Quarta eine Art „Supergeiger“ hinzuzuziehen! Was für eine Performance. Ultimo und Fabrizio Moro bilden ebenfalls eine Art Dream-Team. Sehr überzeugend auch Simone Christicci mit Ermal Meta.

Am Ende siegt beim Duett-Abend Motta mit Duettpartnerin Nada. Motta war bisher im unteren Drittel zu finden, aber der Song wurde durch die Duettpartnerin extrem aufgewertet und der Sieg in dieser Kategorie daher verdient. 

Endlich ist es soweit: Grande Finale am ligurischen Meer. Jeder der Künstler scheint noch einmal alles zugeben und am Ende stehen noch drei Kandidaten: Il Volo hat es geschafft, ebenso Newcomer Mahmood und Ultimo.

Das Publikum im Theater scheint nicht einverstanden, es wird lautstark protestiert und, höre ich richtig, sie rufen „Loredana“! Sie wollen die kultige 70-Jährige zurück. Loredana Berté hat das Treppchen mit Platz 4 knapp verfehlt. 

Jetzt kommt ordentlich Stimmung auf und für die drei Erstplatzierten startet erneut das Televoting! Wenn ich jetzt doch nur vorspulen könnte, die Spannung steigt ins Unermessliche! 

Endlich ist es geschafft und die Finalisten finden sich auf der Bühne ein. Il Volo erreicht Platz drei und als der Moderator ein kurzes „Soldi, Soldi“ anstimmt, wird mir bewusst: Das bedeutet das „Aus“ für meinen Favoriten Ultimo. Mahmood ist der strahlende Sieger des Festival della Canzone Nummero 69. Kurz schleicht sich ein Gefühl ein, welches an die Stimmenauszählung damals in der Halle in Kiew erinnert, aber dann siegt die Vernunft, denn das Ergebnis ist im Grunde perfekt. 

Platz 3 – Il Volo: Zumindest auf dem Treppchen, womit ich am Anfang nicht gerechnet habe. Meine Freunde sind happy und ich glaube, viele in der ESC-Bubble freuen sich riesig.

Platz 2 – Ultimo : Mensch, ich hab Konzertkarten für Mai in Turin. Nicht, dass er am Ende die Tour wegen der Terminüberschneidung Eurovision abgesagt hätte.

Platz 1 – Mahmood: Der Song ist perfekt für Eurovision und sichert meinem Lieblingsland einen guten Platz in der Gesamtwertung. Im Euroclub wird er der Burner auf dem Tanzparkett! 

Also quasi win, win, win und ich war schon immer eine Meisterin im „Schönreden“ 🙂 

Fazit Sanremo 2019: Nach einem etwas zähen ersten Abend wurde es bunt, abwechslungsreich, glamourös und beeindruckend. Sanremo ist ein Musikspektakulum von ganz besonderer Größe. Jetzt geht das Licht aus in „klein Italien“, das aufgestaute Schlafdefizit muss dringend ausgeglichen werden.

Wie gefällt Dir der italienische Beitrag „Soldi“ von Mahmood? Wir brauchen Deine spontane Meinung in unserem ESC-Barometer.



34 Kommentare

  1. Ich möchte auch beim zweiten Artikel sagen, dass diese Gastbeiträge wunderbar geschrieben sind! Die Mühe wird, denke ich, sehr geschätzt! Gerne wieder! 🙂 Schade, dass Sanremo vorbei ist. Es müssen sich einfach noch andere Gelegenheiten für derartige Darbietungen ergeben!

  2. Sehr schön formulierter Erfahrungsbericht eines Marathon von Anne Halvorsen. Geschrieben von einem echten Fan des San Remo Festival, einer von den Meisten eher als zähe Veranstaltung gefühlt. Ich habe mich bemüht diesem ältesten aller „VE“ meine Referenz zu erweisen. Es ist mir nicht gelungen. Ich bin regelmäßig eingeschlafen, um so mehr ist das Ergebnis eine positive Überraschung.
    Mahmood ist eine gute Wahl mit seiner Geschichte einer in den unterschiedlichen Kulturen seiner Familie so komplizierten Verwirrungen für einen jungen Menschen. Erstaunlich, diese Wahl in einem Land, dass sich eine andere Regierung wählte als in diesem Song gefühlt. Ist es das schlechte Gewissen, wie man mit den Anderen im wahren Leben umgeht? Das ist tatsächlich sehr erstaunlich.

    Freie Übersetzung zweier Sequenzen von „Soldi“:
    „Es schien, als wäre Liebe etwas Anderes
    Er trinkt Champagner im Ramadan“…
    …Ich habe keine Zeit zu klären, warum ich erst jetzt weiß, was sie sind.
    Es ist schwer in der Welt zu sein“…

    Nur in einem muss ich der geschätzten Schreiberin widersprechen, ein Dancefloorhit ist es nicht und sollte es auch nicht sein, denn der Text ist hier die Kunst. Zu Zeit jedenfalls ist der Song mein Highlight der VE-Saison.
    Danke, Hanne. Wir kennen uns nicht. Aber ich habe dich kennengelernt.👍

    • Danke für Dein Feedback! Bin gespannt wer Recht behält. Ich bin bei Dir, bei einem so ernsten Thema, fühlt man sich nicht nach Tanzfläche. Doch Mahmood bleibt hoffentlich bei der italienischen Sprache und wenn man sich nicht die Mühe macht zu übersetzen, klingt es nach Dancefloor ! Im Teatro bei der Schlussaufführung wurde ebenfalls getanzt, obwohl vermutlich jeder den Inhalt verstanden hat!
      Freu mich sehr, dass wir uns hier kennengelernt haben. Schreib doch einen Gastbeitrag zum Melodienfestival !!!
      Liebe Grüße
      Anne

  3. Hab mir gerade mal das Gesamtergebnis von allen Abenden angesehen. Interessant, wie der letzte Abend das Ergebnis ordentlich durchgewirbelt hat. Il Volo und Ultimo haben sich ein Kopf an Kopf Rennen über die ersten Abende geliefert. Nach Abend 1 und 3 lag Ultimo vorne. Der 4. Abend an Il Volo die danach knapp vor Ultimo lagen. Beide konnten beim Televoting voll abräumen. Nur die Presse und die Ehrenjury, die ab Abend 4 die demoskopische Jury ersetzt hat, konnte damit gar nichts anfangen, dafür aber mit Mahmood, der am letzen Abend auf Platz 1 nach vorne geschossen ist.

    • Schön, dass sich mal einer in das Auswertungsverfahren eingearbeitet hat, da habe ich mich bisher nicht rangewagt:-) In Italien ist nämlich gerade richtig Stimmung wegen dieser Thematik. Ultimo ist heute auf der Pressekonferenz recht ungehalten gewesen und zu einer weiteren nicht mehr erschienen. Erst dachte ich, er sei ein schlechter Verlierer, aber irgendwie verstehe ich den schlechten Beigeschmack. Mahmood war am ersten Tag sogar im roten Bereich und erlangte nur 14% im Televoting! Hat denn diese Jury des letzten Tages eine solche Macht ?
      Liebe Grüße
      Anne

      • Ich verfolge Sanremo seit 2005 und habe die Ergebnisse nie verstanden. Vor einigen Jahren habe ich dann aufgegeben. Das Televoting ist meist konsistent, aber die Jurys scheinen immer mal wieder zu würfeln oder strategisch zu intervenieren. Und die Sala ist fast immer empört und buht beinahe jedes Jahr, wenn das Ergebnis verkündet wird. Aber das ist ja generell der Charme an Italien: Man versteht nicht, wie das Ganze funktioniert; aus deutscher Perspektive kommt einem Vieles chaotisch vor. Deshalb wirft man die deutsche Erbsenzählerei über Bord, lehnt sich zurück und genießt la dolce vita. Funktioniert auch bei Sanremo. 🙂

  4. Danke für den persönlichen Erfahrungsbericht. Mahmood ist mMn eine gute Wahl für den ESC, vielleicht sogar die beste, die zur Auswahl stand. Ultimos Lied fand ich etwas enttäuschend und Il Volo waren mit der B-Seite von ‚Grande Amore‘ angereist. Ich glaube nicht, dass sich das WOW-Erlebnis vieler ESC-Zuschauer (mich ausgenommen, weil ich mit dieser Art Musik gar nichts anfangen kann) und der Erdrutschsieg im Televoting wiederholt hätten, und was die Jurys über die Voli denken, wissen wir alle.

    Mein absoluter Höhepunkt war das Duett Simone & Ermal. Das hatte Stil und Klasse, war introventiert und intensiv, zerbrechlich und kraftvoll zugleich, und ich liebe den Text. Ich bin ein harter Hund, mir kommen selten die Tränen, aber beim Auftritt der beiden musste ich doch eine Träne wegdrücken. Ich will noch einmal meinen Kumpel Michos von ET zitieren: „Hearts are breaking. Trains are stopping. Stars are falling from the skies.“

    Außer Simone und Mahmood haben es noch Daniele und Zen Circus in meine Playlist geschafft. Loredana war eine Naturgewalt, aber in der Studioversion reißt mich ihr Lied nicht vom Hocker.

  5. Es tut dem Forum gut, wenn auch mal eine Frau schreibt (auch wenn ich das Gefühl habe, dass der Sieger hier weniger gut ankommen würde, wenn er nicht im Bild wäre, kann mich jedefalls nicht erinnern, dass Sprechgesang hier angesagt wäre), Habe mir nun mal die anderen Superfinalisten angehört und muss sagen, dass da dieses Jahr nicht wirklich der TOP5 für den ESC dabei war. Die Tenöre sind auf jeden Fall interessant, das ist ja schon fast Rock was die da singen, eben mit Geige statt Gitarre, aber im Grunde immer das Gleiche, weil jeder immer ein Teil der Strophe hat und es auf den Schlussakkord aller drei hinausläuft.ultimo wäre das was die Zuschauer beim ESC aus Italien erwarten ohne dass es wirklich herausragend ist.
    ich hoffe sehr, dass ich beim nächsten Vorentscheid meine negative Stimmung los bekomme…

    • Nun ja, auch ich fans jetzt nicht, dass es das super SR war – aber Mahmood ist im Vergleich zum bisher bekannten Rest – immer noch haushoch überlegen. Insgesamt scheint es sich bisher in Richtung durchschnittlicher ESC hinzubewegen. Meine Hoffnungen ruhen jetzt auf B, NL und wie immer auf GRE und ISR. Und dann gibt’s ja unweigerlich gottseidank immer irgendwo eine Überraschung!

      • Danke @usain-hasi-bärli! Ich wollte vorhin schon beim ital. Artikel sagen, dass man ihn so oder so interpretieren könnte – wobei es natürlich allgemein so ist, dass str8 Künstler nie sagen, dass alles, was irgendwie mit Sexualität zu tun hat, unwichtig ist. Stattdessen betonen die ja eher ihr Liebesleben bzw. zerren die Kinder c´vor die Cam (wie auch Dein Schatz Laserboy).

    • Lieber Matty,

      Mengoni find ich auch toll. Er gibt im April zwei Konzerte in Deutschland, habe ich gerade zufällig gesehen !!

      Liebe Grüße

      Anne

      • Ich kann euch nur empfehlen mal ein Konzert von Marco Mengoni zu besuchen. Er ist so ein toller, gefühlvoller Künstler. Seine Stimme ist einzigartig, besonders live kommt das besonders zur Geltung. Und obwohl Marco in Italien ein Superstar ist, bleibt er dabei bescheiden.

  6. Das San Remo-Festival kann sicherlich von außen nicht mit demselben Blick und verstanden werden wie von innen. Das immens große kollektive Interesse über mehrere Tage hinweg ist einmalig. Man schöpft beim heimischen Musikmarkt aus dem Vollen und lässt mit 24 Titeln ein riesiges Künstlerfeld antreten und bewerten. Bei der Länge und Größe der Veranstaltung verliert man aber leider leicht den Überblick, doch es sind immer gute Künstler und Lieder dabei, die über die Länge hinwegtrösten.
    Dass das Ranking der Plätze 24 bis 3 am Ende dem Publikum so schnell und lieblos hingeknallt wird, führt natürlich zu Protesten im Saal, denn wer kann den Absturz seines Favoriten ohne weitere Erläuterungen so schnell nachvollziehen und akzeptieren.
    Für mich ein überdimensioniertes Spektakel mit tollen Songs und immer wieder überraschenden Siegern, die meiner Meinung nach aber auch gewollt, gepusht oder sonstwie an die Spitze gelangen. Das ist bei anderen Festivals sicherlich auch nicht anders.

  7. Wie wird man beim NDR Songcheckerin bzw. bei esc-kompakt Gastschreiberin? Habe den ESC mein ganzes Leben geschaut. Selbst in den 90ern als keiner zuschauen wollte. Immer den Gewinner vorhergesagt, habe mich so oft beim NDR beworben. Nie genommen. Es ist echt frustrierend. Würde mich interessieren, wieso andere es zum NDR und ins Internet schaffen. Ungerecht sowas. Muss man da Kontakte haben, auch Blogger haben es ja geschafft und die durften sogar zu Songwriting-Camps. Vielleicht könntet ja mal Tipps geben, wie man es zum NDR schafft.

    • MMn war die musikalische Qualität in den 90ern am höchsten, und genau das war das Problem des ESC. Die meisten Menschen, die an einem Samstagabend das Fernsehgerät einschalten, wollen seichte Unterhaltung/Zerstreuung und keine anspruchsvollen Lieder hören (z. B.Polen 1995-97, Evridikis Beiträge und viele andere mehr).
      Jetzt werde ich wahrscheinlich mit empörten Wattebällchen beworfen. Na ja, noch immer besser als Steine …

      • War das Problem des ESC in den 90ern nicht eher, dass das wirklich absolut unterirdisch auf jeder Ebene war? Wobei der Niedergang spätestens mit Sandra Kim begann… ich glaube, wenn ich in den 90ern im Lande gewesen wäre, hätte ich vermutlich aufgehört zu gucken :-(.
        Erst jetzt geht es gottseidank mit Telemóvil endlich hochwertig weiter.

      • Die Sieger waren, mit Ausnahme von Irland 1994 und UK 1997 grottig, aber im Mittelfeld gibt es in den 90ern viele fantastische Lieder. 🙂
        Und Frankreich 1990-1992. 3 Meisterwerke am Stück. Das 90er-Bashing ist wirklich sehr ermüdend und ja, ich wünsche mir mehr anspruchsvolle Musik beim ESC. Du würdest wahrscheinlich weinend davonlaufen und Deine ET und ESCK-Konten kündigen, wenn ich Dir die Musik vorspielen würde, die ich normalerweise höre. Tele fällt genau in mein Beuteschema. Ist das ein Problem? LOL

      • @toggie – wie Du weißt, laufe ich nie weinend davon; ich verlasse nur regelmäßig weinend den Blog! Die 90er waren allgemein in Europa eher eine düstere Periode, so dass ich ganz froh bin, dass ich da in USA war auf der Höhe von R&B – und bevor der Rap-Dominanz.
        Ich frage auch Dich noch mal neugierig, warum Du Telemóvil magst und in welchen Situationen Du es gerne hörst? Ich versuche wirklich, es irgendwie zu verstehen…

      • Versuchen wir es mal so: Ich lese gerne und viel, und ich lese vor allem Lyrik, aber nicht die Kalenderspruchsorte von Lyrik. Meine liebsten Dichter sind (das hilft vielleicht wirklich) Milton, Mallarmé, Saint-John Perse, Bradstreet, T. S. Eliot, Bachmann, Grünbein, die Generation von 27 etc., also richtig hartes Zeugs. Ich mag Dinge, die meine volle Aufmersamkeit einfordern, die mich verwirren, verstören oder aus der Bahn werfen. Das war bei Tele auch der Fall. Ich habe mich von der Arbeit ab und dem Lied zugewendet, ich habe arabische Rhythmen, Fadoanklänge und einen Elektroklangteppich gehört. Das fand ich spannend. Mehr kann ich momentan nicht sagen, weil ich eine eiserne Regel habe: Ich höre mir die Lieder an, wenn sie herauskommen, und dann rühre ich sie bis zum Vorentscheid nicht mehr an. Hilft das?

      • Togravus, wir verstehen uns. 🙂
        Evridiki, Amina, Frances Rufelle, Joelle Ursull,… Als 15jährige war ich großer Fan von Justyna Steczkowska, Kasia Kowalska, Anna Maria Jopek,..

      • Ich habe noch ganz viele ESC-Singles aus den 90ern. Mein damaliger Freund hat immer am Samstag in einem Plattenladen gejobbt. 🙂

  8. Das wäre ja fast verschwendetes Potenzial, wenn man sie jetzt einmotten würde und erst zum nächsten San Remo Festival wieder aus der Kiste holt. Es wäre wirklich schön, Könnte man auch mal wann anders diesen wunderbaren Schreibstil lesen

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