Schweden: SVT sendet „Europe Shine A Light“ und eine Art nationales ESC-Finale

Immer mehr EBU-Sender geben nach und nach ihre Programmplanung für die ESC-Woche bekannt – und immer häufiger setzen die Stationen für den Samstag, an dem eigentlich das ESC-Finale aus Rotterdam übertragen werden sollte, auf das neue Format Europe Shine a Light. Nachdem die Kollegen von Wiwibloggs vorgestern von 14 übertragenden Sendern sprachen, so sind seitdem das Schweizer SRF, das estnische ERR und das finnische YLE hinzugekommen.

Auch das schwedische Fernsehen SVT setzt nun auf die gemeinschaftliche Lösung. Das war nicht unbedingt zu erwarten, weil der Sender bereits kurz nach der Absage des ESC von einem eigenen Alternativprogramm gesprochen hatte. Außerdem wollte der Sender weitere Formate mit ESC-Bezug ins Programm bringen. Dazu gibt es nun weitere Informationen.

Die Eurovision Week beginnt bereits am Samstag, den 9. Mai, mit der Sendung Inför ESC, in der der diesjährige Melodifestivalen-Moderator David Sundin (Foto unten) mit Christer Björkman als Sidekick die diesjährigen 41 Beiträge präsentiert. Hier beginnt auch eine Abstimmung in der Mello-App, die sonst für das Melodifestivalen eingesetzt wird. Die Zuschauer können bestimmen, welche 25 Beiträge sie im „Finale“ sehen wollen.

Am Donnerstag, den 14. Mai, wird Sveriges 12:a (Schwedens 12 Punkte) live auf SVT aus Stockholm übertragen. Das Programm zeigt die 25 Finalisten, für die die Zuschauer während der Woche in der Mello-App am häufigsten gevotet haben. In der Sendung stimmen die Zuschauer erneut ab und wählen den Eurovision-Gewinner des schwedischen Volkes im Jahr 2020 aus. Ebenfalls vor Ort im Studio sind die Melodifestivalen-Gewinner The Mamas (Aufmacherfoto). Ideengeber und Produzenten für Sveriges 12:a sind Christer Björkman und Edward af Sillén.

Am Samstag, den 16. Mai, sendet SVT dann wie bereits erwähnt Eurovision: Europe Shine a Light.

Mit der zweistufigen Sendung am 9. Mai und am 14. Mai ist das schwedische Fernsehen mit der Abstimmungsmöglichkeit näher am eigentlichen ESC dran als die Alternativsendung für den Finalabend. Auf diese Art werden tatsächlich alle Beiträge des diesjährigen ESC geehrt und die Zuschauer bekommen eine Chance, sich mit ihnen auseinanderzusetzen.

Letztendlich bietet SVT den Zuschauern in Schweden damit eine Möglichkeit, die die EBU ganz Europa vorenthält: „Ich bin froh, dass die Zuschauer dieses Jahr auch für ihre Favoriten stimmen können, und hoffe und glaube, dass es das schwedische Volk zu einer Zeit zusammenführen kann, in der nichts mehr ist wie zuvor. Jetzt machen wir das zusammen! Schauen Sie zu, bilden Sie sich eine Meinung und stimmen Sie ab“, fordert Christer Björkman seine Landsleute auf.

Wie wird wohl der deutsche Vertreter Ben Dolic in Schweden abschneiden? Am 14. Mai wissen wir es.


27 Kommentare

  1. Danke Schweden!! Man kann von Christer halten was man möchte aber die Idee ist einfach klasse und ich werde mir die Shows definitiv anschauen! 😍 weiß jemand ob man aus dem Ausland auch mit abstimmen kann?

  2. Wenn ich die EBU richtig verstanden habe, kann wegen der Ausfallversicherung kein EBU-Format mit Abstimmung produziert werden. So betrachtet, ist die Formulierung „vorenthalten“ nicht optimal.

    • Ja und nein: wir wissen ja nicht, wie hoch die Kosten gewesen wären, die zu tragen gewesen wären. Möglicherweise wäre es ja leistbar gewesen für 3 Shows Live-Entertainment in diesen Zeiten? Insofern ist vorenthalten vielleicht etwas hart; die EBU hätte aber die Möglichkeit gehabt.

      • Angenommen es wäre Betrag X fällig gewesen. Die EBU ist da nicht dumm, denn wenn ich die Wahl habe Betrag X zu zahlen oder gar nichts (0), dann zahlt ja wohl jeder Mensch auf der Welt lieber gar nichts (0).

      • Ganz so leicht ist es nun auch wieder nicht: die Flächen, die für den ESC 2020 vorgesehen waren, müssen ja ohnehin gefüllt werden. Das kostet auch Geld. Die Frage ist, wie viel teurer das für die einzelnen Sender wird und ob diese Kosten zusammen nicht so hoch wären, wie die gemeinsame Durchführung eine virtuelle ESC. Ich gehe nicht davon aus, dass diese Abwägung vorgenommen wurde.

  3. Ich finde den vorwurfsvollen Tonfall auch unangebracht. Auch wenn das Ersatzprogramm womöglich nicht perfekt ist, wurde begründet, warum es keine Abstimmung seitens der EBU geben kann. Und deswegen können eben nur einzelne Sender so etwas machen, was SVT jetzt plant.

    Aber gut, Blogs haben halt keinen journalistischen Anspruch und sind nicht wirklich neutral 😉

    • 1. Vorsicht, Glatteis: Man kann auch auf einem Blog journalistische Ansprüche haben und entsprechend arbeiten. Denn es ist eine Fehlannahme, dass journalistisches Arbeiten automatisch Verlautbarungsjournalismus a la Tagesschau ist. Vielmehr zeigt z. B. die ARD aber, dass auch meinungsstarker Austausch wie bei Anne Will journalistischen Anspruch hat.
      2. Die einzige Begründung, die die EBU offiziell für die Absage des ESC geliefert hat, ist die Coronakrise und dass man deshalb die TV-Produktion nicht umsetzen könne, ohne Menschen zu gefährden. Die Ausfallzahlungen der Versicherung habe sich durch einen Nebensatz an anderer Stelle ergeben. Sie sind durchaus nachvollziehbar, aber nun einmal nicht offizieller Sprech der EBU. Diese Klarstellung zählt zum Beispiel zum journalistischen Anspruch von mir als Blogger.

    • Das habe ich mich auch erst gefragt, zumal ja alle 41 Beiträge zur Wahl stehen. Da The Mamas aber zur Show eingeladen sind, gehe ich davon aus, dass sie am Ende nicht gewählt werden dürfen, auch wenn sie einer der 25 Acts im fiktiven Finale sind.

      • Aber die Zahl 25 gibt doch schon den Hinweis oder? Im Normalfall wären in Rotterdam ja im Finale 26 Acts angetreten.

    • Ich habe auf jeden Fall schon meine Bereitschaft erklärt, den Live-Blog für den 14.5. zur SVT-Sendung zu machen. Ich freue mich über alle Kommentatoren! 🙂

  4. In Schweden hat der ESC auch einen höheren Stellenwert als in den meisten anderen Ländern, insofern wird das dort gut funktionieren. In anderen Ländern ist das Interesse an einem Alternativbewerb wohl überschaubar. Auch in Österreich werden hohe Einschaltquoten wohl nur erreicht werden, wenn die Ausgangsbeschränkungen noch in Kraft sind.

  5. Ich bin gerade Sprachlos, das hätte ich von Schweden nicht mehr erwartet. Bin positiv überrascht und freue mich😁

  6. Liebe ARD so geht das!
    Und die Worte von Björkman hätten genau so von der EBU kommen müssen!
    Wieso hier jetzt von Vorwurf gegenüber der EBU gesprochen wird kann ich nicht nachvollziehen. Sie dafür in Schutz zu nehmen das sie den Contest wegen der Ausfallversicherung kippt. Wirklich?
    Die EBU hätte ein wirkliches Zeichen gesetzt, wenn sie den ESC auch unter den aktuellen Umständen als dezentrale Veranstaltung durchgeführt hätte.

  7. Ich finde das toll wie die Schweden das machen😉 Das beruhigt mich nun doch etwas, dass die ganzen Lieder/ Sänger nun doch noch in einem Wettbewerb geehrt werden, wenn er auch nur national sein kann. Außerdem sind die eigentlichen ESC Tage vor denen es mir schon fast gegraut hat, nun doch mit etwas gefüllt, auf das ich mich freuen kann. Schade dass man sowas nicht in Deutschland auch macht + die EBU Sendung am Samstag.
    Als großer Mello Fan bin ich natürlich auch hier gerne bei den Schweden mit dabei – Tusen Tack
    Den Raab brauch ich nicht mit seiner Alternativ Show, als treuer ESC Fan geht das für mich mit der selben Sendezeit gar nicht😬 An die 65jährige Tradition dieses Wettbewerbs kommt eh KEINER ran.

  8. Super Planung von den Schweden! Wird auch interessant sein, wo da die BIG 6 landen…

    Leider eine Utopie, sich vorzustellen, dass sowas auch in Deutschland stattfinden könnte. Dabei sollen wir ja immer (an den Finalsamstagen) ach so nah am ESC-Endergebnis sein…

  9. Am 14. Mai bin ich dabei 😀
    Donnerstag Schweden, Samstag Stefan Raab und Sonntag zumindest die (wahrscheinlichen) Medley-Auftritte von „Shine A Light“ in der Mediathek oder auf YouTube. Auch eine schöne Woche 😀

  10. Auch der niederländischsprachige belgische Sender VRT sowie Ceska Televize werden den ESC-Ersatz ausstrahlen:

    https://eurovoix.com/2020/04/04/vrt-ceska-televize-confirm-broadcast-of-eurovision-europe-shine-a-light/

    Finnland hat sich entschieden, die ESC der Jahre 2006, 2007 und 2014 noch einmal auf die Mattscheibe zu bringen:

    https://eurovoix.com/2020/04/04/finland-yle-celebrates-eurovision-with-rebroadcasts-of-2006-2007-2014-contests/

    Es gibt also ein Wiedersehen mit Roger Cicero, der uns vor 13 Jahren vertrat und vor vier Jahren viel zu früh von dieser Welt ging.

  11. Die ARD hätte ruhig den esc 2010 ausstrahlen können. 10 Jahre nach Lenas Sieg, wäre das eine tolle Würdigung gewesen🙏

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