Schweiß und Emotionen: Fabrizio Moro live in Rom und Mailand

Das schöne am ESC ist nicht nur die Veranstaltung an sich, sondern auch dabei tolle Künstler kennen zu lernen. Einer davon ist für mich der Italiener Fabrizio Moro, der mich vor allem durch seine Authentizität, Verletzlichkeit und seine Livequalitäten immer wieder neu in den Bann zieht.

Den Erfolgsschub durch den Sieg bei Sanremo und den 5. Platz beim ESC 2018 in Lissabon nutzte Fabrizio, um zum ersten Mal auf kleine Arenentour zu gehen, bevor er im November und Dezember dann eher akustisch in Theatern auftreten wird. Termine im restlichen Europa gibt es leider nicht, Fabrizio konzentriert sich ganz auf den heimischen Markt. Weil seine Lieder zu großen Teilen über den Text funktionieren und er schlecht Englisch spricht, scheint ihn das nicht zu reizen.

So hieß es also zweimal Koffer packen und nach Rom sowie Mailand zu reisen, um Fabrizio live erleben zu können. Im Publikum verstreut sind auch einige andere „Verrückte“ aus verschiedenen europäischen Ländern, den ganz überwiegenden Anteil der Zuschauer machen aber natürlich Italiener aus.

Supporting Act in Mailand ist Andrea Vigentini, der beim ESC in Lissabon als Backgroundsänger mit dabei war. Mit Gitarre um den Hals steht er auf der Bühne und überzeugt direkt. Wer weiß, vielleicht sehen wir ihn eines Tages als Hauptact auf einer ESC-Bühne.

Star des Abends ist aber natürlich Fabrizio Moro. Mit einer schnellen Rocknummer aus dem neuen Album („Quasi“) geht es los. Fabrizio stürmt auf die Bühne und steht von da an gefühlt keine Sekunde mehr still. Er ist schon faszinierend, wie er es dabei schafft, auch noch zu singen. Fabrizo ist einfach eine Rampensau!

Bei den Konzerten ist nichts durchchoreografiert und genau deshalb macht es so viel Spaß. Einfach nur pure Emotionen – mal leise, mal laut, mal wütend, mal fröhlich – Schweiß und Interaktion mit dem Publikum.

Das Zusammenspiel mit der Band, die Fabrizio großteils schon seit Jahren begleitet, funktioniert einwandfrei. Auch hier ist wieder ein alter Bekannter dabei: Gitarrist und Backgroundsänger Roberto Maccaroni (im rot-blau gestreiften Shirt) war ebenfalls als Backing-Vocalist mit in Lissabon dabei.

Highlights gibt es viele. Von rockigen Stücken wie „Da una sola parte“, über das fröhlich überdrehte „Alessandra sarà sempre più bella“ bis hin zum – wie so viele von Fabrizios Stücken –  seelenzerrissenen „Pace“. Oder auch die ganz persönlichen Stücke, wie sein Sanremo-Beitrag 2017 „Portami via“, den er über seine Tochter geschrieben hat, oder „Filo d’erba“ vom neuen Album, welches an seinen Sohn gerichtet ist.

Und nicht zu vergessen natürlich „Non mi avete fatto niente“, das ohne Ermal Metas Verletzlichkeit wütender wirkt, aber auch solo sehr gut funktioniert.

Ein ganz besonderes i-Tüpfelchen ist der Gastauftritt von Ultimo am zweiten Rom-Abend, der in diesem Jahr trotz klarer Favoritenrolle und eindeutigem Gewinn des Zuschauervotings durch die Jurywertung nur den zweiten Platz bei Sanremo belegte, was für einige Kontroversen sorgte. Seinem Erfolg in Italien hat das aber kein bisschen geschadet, schon jetzt ist ein Großteil seiner Stadientour im Sommer (inklusive Circus Maximus in Rom!) ausverkauft. Beide Künstler verbindet eine enge Freundschaft, seit Fabrizio Ultimos Karriere ins Rollen gebracht hat, indem er von Anfang an an ihn geglaubt und ihm die Möglichkeit gegeben hat, als Supporting Act aufzutreten.

Egal ob es sich um Klassiker oder um neue Songs der aktuellen Platte handelt, das Publikum singt immer textsicher, lauthals und aus vollem Herzen mit. Bei Fabrizio sind die authentischen Texte, mit denen sich die Fans stark identifizieren, ein ganz wichtiger Bestandteil. So baut sich das ganze Konzert über eine intensive Verbindung zwischen Fabrizio und den Zuschauern auf, die dem Italiener immer wieder ein Strahlen in das Gesicht zaubert.

Und manchmal ist es nicht nur das zahlenden Publikum, das sich Fabrizios Bann nicht entziehen kann: bei „Pensa“, dem Anti-Mafia-Song, mit dem er 2007 Sanremo Junior gewonnen hat, singt in Rom sogar der Security im Absperrgraben voller Inbrunst den Refrain mit!

Es waren drei unheimlich gelungene Abende und mit Sicherheit nicht die letzte Italienreise, um Fabrizio live zu sehen. Und falls jemand im Italien-Urlaub zufällig ein Fabrizio-Konzert in der Nähe entdeckt, dann nutzt unbedingt die Chance, diesen leidenschaftlichen Livekünstler einmal auf der Bühne zu erleben.



8 Kommentare

    • Vielen Dank für den schönen Beitrag von Fsbrizio Moro einfach ein geiler Sänger von Rock über Rap bis Musik die ins Herz trifft Schade das so ein super Sänger nicht nach Deutschland kommt aber ich war natürlich in Mailand Assago war einfach geil mit so tollen Stücken war einfach nur begeistert natürlich war ich mit Familie dort und habe es mit shopping verbunden.Vielen Dank nochmal für den schönen Beitrag.

  1. Vielen Dank Berenike für den tollen Beitrag über die Konzerte von Fabrizio Moro. Da kann ich die Leidenschaft absolut verstehen. Auch ich bin schon nach Rom gereist, um einen italienischen Künstler live zu erleben. Nämlich Marco Mengoni, das war so phantastisch, wie die Italiener ihren Marco feiern und sich von ihm verzaubern lassen. Marco war jetzt auch schon einige Male in Deutschland und gibt jetzt auch wieder am 8.12.19 in Frankfurt und am 10.12.19 in Köln Konzerte. Natürlich habe ich schon eine Karte😀 und freue mich riesig darauf.
    Auch Fabrizio und Ultimo würde ich gerne mal erleben. In Mailand war ich noch nicht, schauen wir mal, was die Zukunft so bringt😎

    • Marco in Frankfurt hatte ich auch überlegt 🙂 Ich bin jetzt nicht direkt Fan, mag ihn aber, und wenn er schon mal nach Deutschland kommt… Durch andere Konzerte hat das dann aber nicht gepasst.

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