Songchecks 2020 bei Eurovision.de: Island an der Spitze vor Litauen

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Noch nie gab es so viele verschiedene Abstimmungen, Wettbewerbe und Votings wie im ersten Jahr seit 65 Jahren, in dem der ESC NICHT stattfindet. Die Songschecks von der NDR-Seite Eurovision.de feiern in diesem Jahr allerdings schon ihren zehnten Geburtstag. Und verschonen uns in diesem Jahr von Überraschungen. Nach vier sehr unterhaltsamen Folgen liegen die üblichen Verdächtigen vorne.

Die Songcheck-Ergebnisse sind bei Eurovision.de nicht das Wichtigste, das sind vielmehr die fulminant unterhaltsamen Einspieler der von Jürgen Werwinski und seinem Team rekrutierten Experten, die wir Euch hier im Detail vorgestellt haben.

Der Mix macht’s, Von Jane Comerford (Texas Lightning) über Thomas Gottschalk und Vanity Trash (aus der Clique von Oliva Jones) bis zu der Super-„Entdeckung“ Mikkel und Andi (Entourage des twichenden Männer-Videospiel-Vereins PietSmiet) reicht der bunte Blumenstrauß an starken Stimmen, die den ESC-Jahrgang 2020 kommentierten.

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Abstimmen dürfen sie alle allerdings nicht, das ist den beiden Songcheck-Hosts Alina (Stiegler) und Stefan (Spiegel) vorbehalten, die je ein Viertel des Votings ausmachen. Weitere 50% kommen von den Songcheck-ZuschauerInnen bei Eurovision.de.

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Dieses kompetente Gremium hat dann die folgenden Top Ten ermittelt:

  1. Island: Think About Things
  2. Litauen: On Fire
  3. Schweiz: Répondez-moi
  4. Italien: Fai rumore
  5. Russland: Uno
  6. Aserbaidschan: Cleopatra
  7. Bulgarien: Tears Getting Sober
  8. Israel: Feker libi
  9. Schweden: Move
  10. Malta: All Of My Love

Die vollständigen Ergebnisse finden sich hier bei Eurovision.de. Dafür, dass zwei individuelle Entscheider immerhin die Hälfte der Punkte verteilen, ist der Zieleinlauf bei Eurovision.de anderen nationalen und internationalen Votings, die derzeit haufenweise in der Bubble stattfinden (und über die wir immer wieder berichtet haben), erstaunlich ähnlich. Allein Bulgarien schneidet in der Regel (noch) besser ab und Malta liegt regelmäßig auch weiter vorne.

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Moderatorin Alina Stiegler verliert sich (nur bildlich selbstverständlich) in den Nebeln von Norwegen.

Ein charmantes Detail beim Voting: Alina und Stefan haben sich darauf verständigt, die Höchstwertung „Douze Points“ nur jeweils einmal zu vergeben – ein Verfahren, welches dem Autor dieser Zeilen sehr wesensfremd ist. Die 12 von Alina geht an Diodato, bei Stefan liegen Daði Freyr und Gagnamagnið aus Island ganz vorne. Alina gibt die „6 minus“ in Form von nur einem Punkt auch nur einmal (an Uku), Stefan hingegen gleich dreimal (an Estland, Frankreich und die beste Sängerin des Jahrgangs Ana Soklič aus Slowenien). Was soll man dazu sagen, Stefan Spiegel?

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Ana Soklič bei der PrePartyEs Home Edition. Bitte schaut Euch Minute 4 bis 6 an! Ist diese Ausstrahlung und diese Stimme nur einen Punkt wert?

Beim „Publikum“ (also der Eurovision.de Fancrowd, die live abgestimmt hat) sind die ersten drei Plätze identisch mit dem Gesamtergebnis, dahinter folgen dann aber direkt Malta und Bulgarien.

Aber das Voting hat hier – genau wie es sein sollte – eher spielerischen Charakter, im Vordergrund steht der sympathische und augenzwinkernde Austausch über die Titel des aktuellen Jahrgangs. Dabei erweisen sich vor allem Alina aber auch Stefan als erfrischend fachkundig, die langjährige ESC-Erfahrungen zahlen sich aus. Beispiel gefällig? Hier präsentiert Stefan die „Verschwörung“ rund um Maltas Beitrag „All of my love“:

Das Beste und auch das eigenständigste Element an den Eurovision.de-Songchecks sind jedoch die Reaction-Videos, die für jeden Clip sehr aufwändig und mit viel Liebe compiliert wurden, smart geschnitten sind und speziell für ESC-Aficionados, die den ESC als Kulturevent mit Stil UND Camp zelebrieren, extrem unterhaltsam sind.

Die Experten sind bunt zusammengestellt, die Mischung ist genial und so hatte die Redaktion so viel gutes Material, dass die Reactions jeden noch so langweiligen Song verbal unterhaltsam und sympathisch aufpeppen. Besonders gut gefallen haben uns Jane (spritzig UND mit viel Sachverstand), Consi (manchmal etwas over the top gescriptet, aber megawitzig), Vanity Trash (ganz überraschend genauso soooo witzig-wahrhaftig), Mikkel und Andi (nie gehört vorher, supersympathisch-gewinnend) sowie Schauspielerin Lea Mirzanli, der es als Sidekick von Freshtorge zu verdanken ist, dass dessen zuweilen krampfig-beleidigender und teilweise gelangweilter Tonfall nicht so sehr ins Gewicht fiel. Aber diese Reaktion auf sein Sozialverhalten scheint er sich zu Herzen genommen zu haben, denn beim World-Wide-Wohnzimmer-Halbfinale mit den Wolter-Boyz kam er schon viel volksnäher und ausgleichender rüber.

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Fazit: Im zehnten Jahr ihres Bestehens waren das die besten Songchecks, die Eurovision.de je gemacht hat – und das ausgerechnet im ersten Jahr seit Bestehen, in dem der ESC ausfällt. Ein klein wenig kürzer hätte es an der einen oder anderen Stelle sein dürfen, aber was heißt das schon im Vergleich zum World Wide Wohnzimmer, welches mit vier Stunden Länge auch dem wohlgesinnten Zuschauer ähnliche Tapferkeit abverlangte wie etwa eine rumänische oder ukrainische Vorentscheidung.

Insofern ist es mehr als schade, dass ONE die Songschecks in diesem Jahr nicht ausstrahlt, sie haben ein breiteres Zuschauerspektrum jenseits der Fanszene mehr als verdient. Es gibt aber alles verzehrfertig portioniert bei Eurovision.de und bei YouTube zu sehen.

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Alle Songcheck-Fotos kommen von Joshua Zonnekein für den NDR.


17 Kommentare

  1. Alina und Stefan haben sich eingespielt, das funktioniert. Jane Comerford fand ich von den Experten am besten, die hat sehr angenehm Fachwissen reingebracht. Dr. Wolther ging mir Mal wieder auf die Nerven. Die Expertenvideos sind grandios geschnitten. Warum der italienische Schmonz so geliebt wird und der estnische Schmonz so abgestraft wird ist mir zwar ein Rätsel, aber war schon ganz interessant das ganze zu verfolgen.

  2. Ich fand auch sowohl die Songchecks an sich, als auch das Expertenteam (Ausnahmen bestätigen die Regel) sehr unterhaltsam und dadurch wirkten die shows, trotz immerhin 2 Stunden pro Folge, doch sehr kurzweilig.
    Ich fände es aber auch sehr interessant, wenn man das Expertenteam auch mit abstimmen lässt, so als weiteren .

    Und kleine Anmerkung an Peter: Mikkel und Andi kommen aus der zweiten Reihe von PietSmiet und nicht PietSmith 😉

    • Danke für den Hinweis zu PietSmiet, lieber Mark-André, ich hab´s verbessert und ergänzt. Die Jungs haben mich immerhin dazu verführt, über eine Stunde nonstop bei Twitch zu verbringen. Das ist länger als je zuvor in meinem Leben.

  3. Volle Zustimmung für den tollen Artikel! Die Songchecks waren wirklich gut, definitiv das beste Expertenpanel und ein herausragender Schnitt. Dass Alina und Stefan toll waren, versteht sich von selbst. Dieses Format hätte es wirklich verdient, eine größere Aufmerksamkeit zu bekommen als „nur“ Internet und One. Aber dafür müsste der NDR halt mal von seiner Haltung „der ESC ist nur ein Abend“ weg, und das wird wohl eher nicht passieren.

  4. Schön, dass es die Songchecks gab. Alina und Stefan sind gut vorbereitet und haben Freude am ESC.
    Vorallem hat es Spaß gemacht live abzustimmen und danach die Durchschnittspunkte zu erfahren.
    Gratulation an Island mit 10,0 Punkte der User, gab es schon mal einen zweistelligen Wert beim Sieger des Onlinevotings?

  5. Ist ja schön, aber was meinen Kevin und Dennis im Wilden Wohnzimmer dazu ;.)?

  6. Ich habe zwar oft einen anderen Musikgeschmack, fand Consi aber wahnsinnig witzig und sympathisch.
    Habe als Fachfrau war eine weitere Bereicherung.

  7. Freudig überrascht bin ich, dass Aserbaidschan doch ganz gut ankommt. Hätte ich im Vorfeld eigentlich nicht erwartet.🙂
    Jane Comerford hat mir von den Experten am besten gefallen. Eine sehr sympathische, kompetente Frau.

  8. Die Songchecks waren wieder mal super und so hatte man doch noch ein wenig Eurovision-Feeling diesen Mai! Vier Abende hintereinander fand ich allerdings schon ein wenig anstrengend, da sich die Songchecks sehr in die Länge gezogen haben. Ich hatte auch insbesondere bei Stefan das Gefühl, dass er am vierten Abend ein wenig kaputt war und nicht mehr sooo euphorisch und lustig drauf war wie sonst.

    Hinsichtlich der Experten haben mir Jane Comerford, Consi und natürlich Vanity am besten gefallen. Besonders gut fand ich, dass Jane jedes Lied sehr objektiv analysiert hat und eigentlich mit ihren Kommentaren ins Schwarze getroffen hat. Ich denke anhand ihre Meinung hätte man auch ein mögliches Jury-Ergebnis in Rotterdam ableiten können.

    Furchtbar fand ich Kokutekeleza Musebeni und Lea Mirzanli. Ich glaube bei 90% der Lieder waren die Kommentare der beiden negativ. Natürlich muss einem nicht alles gefallen, aber man hat bei den beiden schon stark gemerkt, dass sie kaum bzw. gar keinen ESC-Bezug haben und sich auch nicht so richtig mit dem ESC identifizieren können…

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