Spanien: Bühne, Corona-Maßnahmen und Abstimmungsmechanik für Vorentscheidung Benidorm Fest 2022

Das spanische Fernsehen RTVE will es mit dem neuen Benidorm Fest wirklich wissen. Die Veranstaltung startet in einer Woche und nun hat der Sender weitere Informationen zur Bühne, dem Verhalten für den Fall, dass sich ein Act mit Corona infiziert, und zur Abstimmungsmechanik veröffentlicht. Letztere liest sich wie ein Handbuch für einen hochkomplexen Computer.

Die Hauptbühne des Benidorm Fest hat eine sechseckige Form, die dem Logo der spanischen Vorauswahl nachempfunden ist und 450 Quadratmeter groß ist. Der Durchmesser der Bühne beträgt 14,22 Meter, und sie wird an drei Seiten drehbare Platten haben. Es handelt sich um ambivalente Module: auf der einen Seite hochauflösende LED-Bildschirme von mehr als 20 m2 und auf der anderen Seite Lichtsäulen. Die Oberfläche besteht aus einem weiteren LED-Bildschirm, der die gleiche Form wie die Bühne hat und einen Durchmesser von 9,24 Metern aufweist.

Ein weiterer Bereich von 300 m2 wird den Green Room beherbergen (Bild unten rechts) – den Bereich, von dem aus die Künstler/innen die Show verfolgen. Dort ist auch Platz für die Jury und für die Moderationen. Auch diese Flächen nehmen die geometrische Form des Logos der Veranstaltung auf. Das Publikum wird in der Mitte zwischen den beiden Plattformen sitzen, während der Rest des Publikums auf den seitlichen Tribünen Platz nehmen wird. Insgesamt gibt es ein Fläche von 3.000m2. Wie viele Menschen letztlich in der Arena sein werden, hängt von der Entwicklung der Pandemie ab.

Sowohl die Beleuchtung als auch der Ton sind laut Pressemeldung von RTVE auf dem neuesten Stand der Technik, und die Produktion wird von einer mobilen HD-Einheit durchgeführt, die die 14 Kameras der Show steuern kann: sechs auf einem Sockel, eine Steady-Cam, zwei Kräne oder Hot-Heads, zwei fahrende Roboter, eine 2D-Kabelcam und zwei autonome Kameras. Darüber hinaus wird die technische Ausrüstung ein mobiles Hilfsgerät, eine Aufnahmeeinheit und zwei Verbindungseinheiten umfassen.

Insgesamt sind seit dem 10. Januar mehr als 200 Fachleute im Rahmen der Show beschäftig – sowohl vom Fernsehsender als auch von Zulieferern. Die Sendung wird von Boomerang TV Producciones erstellt. Die Leitung hat Jordi Rosell, Regie führt Jordi Vives, Licht und Fotografie stammen von Iñaki Irastorza. Francesc Calafell ist für die Inszenierung des Festes von Benidorm verantwortlich, bei dem 14 völlig unterschiedliche Bühnenbilder zu sehen sein werden, die von den Organisatoren gemeinsam mit den Künstlerteams entworfen und entwickelt wurden.

Vorgehen im Falle einer Corona-Infektion

RTVE und die Produktionsfirma des Programms haben drei Szenarien für den Fall vorgesehen, dass sich einer der Künstler mit COVID-19 infiziert, um die Durchführung der Sendungen zu gewährleisten. Das erste Szenario sieht vor, dass, wenn einer der Teilnehmer nach der ersten Probe positiv auf das Coronavirus getestet wird, die Probe aufgezeichnet und während der entsprechenden Gala anstelle des Live-Auftritts übertragen wird.

Falls keine Probe stattgefunden hat und ein Videoclip vorliegt, wird der Auftritt durch das offizielle Video des Liedes ersetzt. Im letzten Fall, wenn der Künstler nicht auftreten kann und keinen Videoclip hat, wird das Lied mit einer Montage aus Bildern und Fotos des Künstlers gespielt. Eva Mora, die Leiterin der spanischen Delegation, erklärte auf einer Pressekonferenz, dass es aus Zeitmangel nicht möglich gewesen sei, andere Fallback-Optionen zu erarbeiten.

Abstimmungsmechanik

In den beiden Halbfinals treten jeweils sieben Acts auf, von denen die vier mit der höchsten Punktzahl sich für das Finale am 29. Januar qualifizieren. Dort werden wir acht Beiträge erleben. Derjenige mit der höchsten Punktzahl vertritt Spanien beim Eurovision Song Contest 2022 in Turin.

Die Abstimmung beginnt, nachdem die sieben bzw. acht Lieder präsentiert worden sind. Das Publikum kann per Anruf und SMS abstimmen. Bei der Punktvergabe werden zunächst die Juror/innen einzelne ihre Stimmen abgeben (zusammen 50% aller Stimmen). Danach kommen die Punkte einer zuvor demoskopisch ausgewählten Gruppe (weitere 25%). Zum Schluss kommt die Wertung der TV-Zuschauer/innen (die letzten 25%). Das alles überwacht ein Notar.

Die Jury (50%) setzt sich aus fünf Mitgliedern zusammen (drei nationale und zwei internationale). Jedes Mitglied vergibt 12, 10, 8, 7, 6, 5, 4 Punkte für die Halbfinalist/innen und 12, 10, 8, 7, 6, 5, 4, 2 Punkte für die Finalist/innen. Wenn mehrere Künstler in dieser Phase gleichauf liegen, wird dies später durch die Addition der Stimmen des Publikums entschieden.

Die demoskopische Stichprobe (25%) setzt sich aus 350 Personen zusammen. Diese erstellen eine Rangreihung der präsentierten Beiträge. Die Positionen werden in die Punkte 30, 25, 20, 18, 15, 12 und 10 in den Halbfinals und 30, 25, 20, 18, 15, 12, 10 und 5 im Finale umgerechnet. Bei Gleichstand bekommt der Beitrag mehr Punkte, der bei den Juroren besser abgeschnitten hat.

Für die Wertung der Zuschauer/innen (25%) werden die Stimmen per SMS und Anruf zusammengezählt und in eine Rangreihe gebracht. Der Beitrag mit den meisten Stimmen erhält im Halbfinale 30 Punkte, dann geht es weiter mit 25, 20, 18, 15, 12 und 10 Punkten. Im Finale sind es 30, 25, 20, 18, 15, 12, 10 und 5 Punkte. Bei Gleichstand bekommt der Beitrag mehr Punkte, der bei den Juroren besser abgeschnitten hat.

Die Punkte der drei Gruppen werden dann zusammengezählt.

In den Halbfinals werden nur unentschiedene Stände bis zum 4. Platz geklärt, da dieser über den Einzug ins Finale entscheidet. Im Finale wird ein Unentschieden nur aufgelöst, wenn der 1. Platz davon betroffen ist. Sollte es bei letzterem ein Patt geben, sind die Stimmen des Publikums entscheidend.

Die drei Galas werden auf La 1 von Televisión Española zur besten spanischen Sendezeit übertragen. Die Halbfinale finden am Mittwoch und Donnerstag, 26. und 27. Januar, statt. Sie beginnen um 22.40 Uhr und dauern mehr als 70 Minuten. Das gut 90-minütige Finale wird am Samstag, 29. Januar, um 22.05 Uhr ausgestrahlt.

Rigoberta als große Favoritin

In den vergangenen Tagen hat sich Rigoberta Bandini nun als große Favoritin auf den ersten Benidorm Fest-Sieg herauskristallisiert. Der Grund: Der Privatsender „Telecinco“ sorgte im vergangenen Jahr maßgeblich dafür, dass Frankreich und die Schweiz die Top-Wertungen des spanischen Publikums beim ESC einheimsen, – – wurden doch beide Songs für die äußerst erfolgreiche und kontroverse Doku-Serie um Rocío Carrasco, Tochter der verstorbenen Copla-Legende Rocío Jurado, als Soundtrack verwendet. Nun steht der zweite Teil der Doku in den Startlöchern, und zur Untermalung wird nun Rigobertas Beitrag „Ay Mamá“ verwendet.

Seitdem die Promo für die Sendung läuft, hat der Song noch einmal einen gehörigen Schub Aufmerksamkeit bekommen, der sich auch in Streams und Klicks umwandelt. Das Lied ist nun in den Top 50 auf Spotify und in den Top 30 auf Apple Music Spain. Auf YouTube haben jedoch noch immer das Trio Tanxugueiras das sagen, das Lied „Terra“ hat hier die zwei Millionen Klicks überschritten.

Übrigens gibt es alle Beiträge des Benidorm Fest in unserer Spotify-Playlist:


13 Kommentare

  1. Also bei diesem Rigoberta-Hype sehe ich schon den großen Katzenjammer vor mir, wenn sie beim ESC dann nur im (hinteren) Mittelfeld versandet.

  2. Sehr interessant. Ich hoffe das Tanxugueiras gewinnen. Kann fast nicht aufhören das Lied zu hören. OK, jetzt ist erstmals Norwegen und Litauen dran und nächste Woche werde ich Terra eher mehrmals hören als der Rest.

  3. Das Stagedesign gefällt mir sehr gut! Beim Voting hätte ich es für Spanien besser gefunden, wenn die Zuschauer mehr Einfluss auf das Endergebnis hätten als die Jury. Also die Zuschauer 50% zählen und die Jury 25%.
    Falls sich jetzt jemand fragt wie das zusammen passt, dass ich bei uns in Deutschland einen internen Vorentscheid in dieser Saison nochmals bevorzugt hätte und in Spanien ich eher möchte, dass die Zuschauer mehr Einfluss haben, dann kommt hier meine Erklärung:
    Spanien bzw. RTVE hat das „Benidorm Fest“ ja aus der Taufe gehoben, da in den letzten Jahren die intern ausgewählten Künstler keinen großen Erfolg beim ESC hatten. Deswegen wäre es aus meiner Sicht klüger gewesen nach Jahren der internen Auswahl -wenn man schon so eine Vorentscheidshow macht- mal wieder den Zuschauern mehr Einfluss bei der Auswahl zu geben als nur 25%.

    Dass eine Doku von „Telecinco“ über Rocío Carrasco dafür sorgen könnte, dass das „Benidorm Fest“ letztendlich eigentlich „wertlos“ ist finde ich sehr schade!
    Ich bin gegen Knebel- bzw. Exclusivverträge, aber in diesem Fall wäre es -wenn man mal schaut wie das dort letztes Jahr mit Gjon’s Tears und Barbara Pravi war- angebracht, dass die Songbeiträge vom „Benidorm Fest“ in keiner anderen Sendung/Show aufgeführt werden dürfen bis der Sieger des spanischen Vorentscheids feststeht.
    Schade das „Telecinco“ hierr wohl (unfreiwillig?) Einfluss auf den Sieger nimmt!

    Dies ist jetzt vielleicht noch ein blödes Beispiel, aber man sollte ebenfalls noch erwähnen, dass „Telecinco“ bis zum Jahr 2018 für die spanische Version von „The Voice Kids“ verantwortlich war und RTVE hier die Gewinnerin von 2018 (Melani Garcia) als spanische Vertreterin für den JuniorESC 2019 ausgewählt hat! Melani Garcia hatte wohl damals von Telecinco keinen besonderen Vertrag der dies verbietet und vielleicht möchte RTVE im Gegenzug Telecinco jetzt nicht verbieten sich an den Songs vom „Benidorm Fest“ zu „bedienen“?!

  4. +++BREAKING NEWS+++

    Die Daten für EMA 2022 (Slowenien) stehen fest.

    1. Halbfinale: 05. Februar 2022
    2. Halbfinale: 12. Februar 2022
    Finale: 19. Februar 2022

    Melani Mekicar und Bojan Cveticanin führen durch die Shows. Auch wer in welchen Halbfinale samt Startreihenfolge steht fest.

    Quelle: Eurovision.tv

  5. Meine favs sind ganz klar azucar moreno und rayden wobei ich vor allem bei rayden tatsächlich siegervibes verspüre. Wenn frau bandini zum esc geht, glaube ich das spanien wieder ganz hinten landet.

  6. Also ich kann echt nicht verstehen, was alle an „Ay Mama“ so toll finden. Abgesehen natürlich von X mal „Mamamamamamamamamamamamamamamamamamamama“… Also wenn der Act gewinnt, tut sich Spanien überhaupt keinen Gefallen.

    Mal ganz abgesehen davon, dass ich die letzten spanischen Acts gar nicht schlecht fand. Edurne, Barei und beide Songs von Blas Cantó sind jedenfalls völlig zu Unrecht auf den 20er Plätzen gelandet.

    Die Auswahl dieses Jashr finde ich so la la…. Am besten gefällt mir noch Xeinn. Was ich nicht verstehe: Latin Pop und Reggaetón stürmen überall die Charts, aber den Trend hat man in Spanien völlig verpennt. Da müssen Zypern und die Schweiz vormachen, wie man damit beim ESC erfolgreich sein kann…

  7. Auf den Fotos sieht die Bühne oder die Bühnenelemente ganz nett aus. Innovation und Kreativität sehen anders aus. Nun ja… der NDR wird garantiert da nicht nachkommen.

  8. Oweh, mit der wahrscheinlichen Siegerin Bandini gibt es international garantiert keine Punkte. Wäre mir zwar egal, aber nicht, dass sie ein Lied schicken, das absolut Kacke ist (freundlicher kann ich das leider nicht formulieren).

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