Talking Tel Aviv (9): Macht’s die neue Punktevergabe spannender – und gerechter?

Nach 3 Stunden und 11 Minuten begann beim Eurovision Song Contest in Tel Aviv 2019 die Punktevergabe. 50 Minuten später stand dann mit Duncan Laurence der Sieger fest. Wie in den letzten Jahren wurden zunächst die Punkte der nationalen Jurys bekanntgegeben, indem in jedes der teilnehmenden 41 Länder geschaltet wurde. So vergab dann auch wieder Barbara Schöneberger die deutschen 12 Punkte – diesmal an Mahmood aus Italien.

Eine Neuerung folgte dann aber bei der Übermittlung der Zuschauerpunkte. Wie in jedem Jahr seit 2016 wurden diese kumuliert für die einzelnen Beiträge bekanntgegeben. Man kann also während der Show nicht nachvollziehen, wie oft ein Beitrag zum Beispiel 12 Punkte von den Zuschauern eines Landes erhielt. In den letzten Jahren wurde die Publikumspunkte in aufsteigender Reihenfolge bekanntgegeben, zuerst also der Beitrag mit den wenigsten Televotingpunkten und als letztes das Land mit den meisten.

Das Vorgehen führte dazu, dass es zum Beispiel 2018 zu einem recht unübersichtlichen Finale kam: vorn lag durch das Jury-Voting Österreich, das aber seine Zuschauerpunkte bereits bekommen hatte. Italien hatte mit den drittmeisten Zuschauerstimmen nicht an Cesár Sampson vorbeiziehen können (Foto oben). Danach lag Netta aus Israel vor Eleni aus Zypern – und beide sollten noch ihre Punkte bekommen. Die erste Frage dabei: würden es genug Punkte sein, um an Österreich vorbeizuziehen. Die zweite Frage: Wenn Zypern die meisten Punkte bekommen würde, würde sie ausreichen, nicht nur Österreich, sondern auch Israel zu überholen? Das führte dazu, dass aus einem Triell letztendlich der Sieger durch die Bekanntgabe der zweitmeisten Punkte bestimmt wurde – nicht wirklich gut nachvollziehbar für die Zuschauer.

In diesem Jahr wurde das Vorgehen so verändert, dass es am Ende in jedem Fall auf ein Duell hinauslaufen würde – und zwar zwischen dem Juryvoting-Sieger und einem Publikumsfavoriten, wobei dieser nicht unbedingt die meisten Televoting bekommen haben musste. Gleichzeitig ersparte die neue Version Deutschland die peinliche „Sorry … zero Points“-Bekanntgabe gleich zur Eröffnung. Stattdessen ging es mit dem Juryletzten Spanien los und Miki konnte sich über 53 Punkte freuen, die ihn deutlich vom letzten Platz wegholten (Bild unten).

Das neue Vorgehen machte das frühe Ausscheiden aus dem Rennen für die Länder auf den hinteren Rängen nicht besser als vorher. Gleichzeitig wurden erhebliche Platzierungsdifferenzen zwischen Jury- und Publikumsvoting nicht mehr so deutlich wie etwa 2016, als der Pole Michał Szpak kurz vor Votingende vom vorletzten Platz mit den drittmeisten Zuschauerstimmen weit nach vorn stürmte und letztlich Achter wurde. Außerdem wurden in diesem Jahr KEiiNO als Sieger des Publikumsvotings (Foto unten) um die Teilhabe an der finalen Duell-Entscheidung gebracht. Mit dem neuen System verpuffte letztlich ihr großer Triumph bei den Zuschauern im hinteren Mittelfeld.

Das ist eigentlich ungerecht, da das Zuschauervoting durchaus demokratischer ist als das Juryvoting, dessen Favorit auf jeden Fall im „Superfinale“ steht und bei Fortführung der Logik in den nächsten Jahren auch weiter stehen wird. Aufgrund des Umrechnungsfehlers des weißrussischen Juryvotings wurde in diesem Jahr allerdings auch Tamara Todevska um diesen spannenden Moment gebracht. Zu der am Ende gewünschten Entscheidung zwischen zwei Beiträgen durch die Bekanntgabe nur einer Zahl kam es aber in jedem Fall. Es stand zwischen Duncan Laurence und John Lundvik. Die Nennung der Punkte wurde für den Schweden zu einem doppelten Antiklimax (Aufmacherfoto). Nicht nur verpasste er den ESC-Sieg. Es wurde auch noch offensichtlich, dass er statt der mindestens 254 Punkte für den Sieg nur 93 erhalten hatte.

Was wiegt nun mehr: die einfachere Nachvollziehbarkeit der finalen Entscheidung über den Sieger für die Zuschauer oder die gerechte Würdigung des Televoting-Siegers durch die Bekanntgabe seiner Punkte am Ende? Was meint Ihr? Diskutiert gern unter diesem Artikel.

Bereits erschienene Talking-Tel-Aviv-Folgen

(1) Duncan Laurence, der lachende Dritte
(2) Leider ein berechtigter vorletzter Platz für Deutschland
(3) Dynamisches, emotionales und farbenfrohes Opening des Finals
(4) Braucht’s wirklich vier Moderatoren?
(5) Mehr ist mehr – aber nicht beim Pausenact
(6) Nordmazedoniens erster ESC-Sieg – bei den Juroren
(7) Sind KEiiNO die wahren ESC-Sieger?
(8) Muss man den eigenen Beitrag unterstützen?



47 Kommentare

  1. Ja es machts definitv spannender. Vorher wusste man. Okay der letzte hat die meisten Anruferstimmen bekommen und dadurch konnte man schon ausrechnen wer gewinnt. Aber dieses Jahr wusste man nicht ob nun Holland oder Schweden (eigentlich ja Nord-Mazedonien) gewinnt. Weil man nicht wusste wie viel Punkte genau Schweden einheimsen konnte. Das war echt unerträglich an diesem Abend, weil eine Freundin Team Schweden war und ich war Team Holland und wir haben beide gestritten wer gewinnt und dann dieses spannende Finale zwischen den beiden. Das war für mich echt sehr nervenaufreibend. Hat richtig Spaß gemacht!

    • Grob konnte man es wissen. Ich habe zum Beispiel darauf geachtet wie viele Länder schon mehr als 200 Punkte aus dem Televoting bekommen hatten. Und das waren bis zur Nennung der Niederlande einige. Da blieben für Schweden und Nordmazedonien nicht mehr so viele Punkte übrig. Von daher war eigentlich schon ab der drittletzten Wertung klar, wer gewinnt.

    • Dieses Jahr könnte jeder es wissen, nachdem die Niederlande ihre Punkte erhalten haben. Es gab 2378 Punkte zu verteilen. 2378 minus verteilte Punkte minus benötigte Punkte => für Schweden und Nord Mazedonien gab es zu wenig übrig gebliebene Punkte um noch zu gewinnen.

      Und falls man nichts ändert, werden in 2020 alle Kommentatoren mitrechnen und das Endergebnis bevor die Moderatoren melden.

      • Sitzt du während der Punktevergabe wirklich mit dem Taschenrechner da und zählst mit? Das ruiniert doch völlig den Moment.
        Ich habe nicht mitgezählt und konnte mir gut vorstellen, dass John eine hohe und ausreichende Punktzahl bekommt. Habe die Semis mit einem nicht-ESC-affinen Freund angeschaut und für ihn war Schweden der klare Kandidat für den Gesamtsieg. Von daher fand ich’s super spannend!

      • Mein Sohn macht das, ohne Gerät, so aus seinem Kopf heraus und es ruiniert nichts, hebt die Stimmung noch ein wenig.

        Sohn und Anhang machen aus der Punktevergabe eine Wette. Wo wandern die 12 Punkte hin? Wie viel Publikumspunkte bekommt ein Land?

      • Ok, Respekt! Ja, klingt auch spaßig so wie du’s schilderst. Dennoch ist das letzte, was ich will ein Kommentator, der mir vor der letzten Punktevergabe den Sieger verkündet. Deshalb schau ich meist auch den YouTube-Livestream ohne das nervige Gelaber.

  2. Die Bekanntgabe der gesammelte Publikumsstimmen nimmt die Spannung heraus. Schöner wäre es, wenn man pro Land Jury- und Publikumsstimmen bekannt gibt (getrennt oder gesammelt ist egal). Die Reihenfolge erzeugt die gewünschte Spannung.

    Wie man es auch macht, die Top drei kann man besser auf einen Schlag bekannt geben. Ob in zweiten Block 2378 Punkte oder die letzte Länder ihre 116 Punkte verteilen, so bald Nummer Drei bekannt ist, stehen auch 2 und 1 fest. Fertig.

    Und man spart Zeit (noch einmal Überlänge braucht kein Mensch) und die Künstler erleiden keinen Nervenzusammenbruch.

    Wie auf dem Schlachthof. Besser kurz und schnell als quälend langsam.

  3. Ich fand ja das System von 2016 bis 2018 nachvollziehbarer. Das Televoting-Ergebnis wurde schön aufsteigend genannt (und die Jury-Reihung sah man ja sowieso auf dem Tableau). Jetzt ist alles wie Kraut und Rüben. Auch gönne ich dem Televoting-Sieger seinen Moment im finalen Duell oder Triell. Von daher bin ich vom neuen System nicht so ganz überzeugt.

  4. Spannend sind beide Systeme, das vom letzten Jahr erscheint mir aber ein bisschen nachvollziehbarer und wirkt irgendwie „gerechter“…

  5. Ich möchte wieder das System von vor 2013 haben: Alle ca.40 Länder lesen ihre Spitzenpunktzahlen vor und danach steht der Gewinner fest. Und bitte die Vorlesereihenfolge auslosen, denn sonst kann man ziemlich sicher die am Anfang Führenden als Gewinner ausschließen. Ich finde es viel schöner, sich langsam an das Endresultat anzunähern, als wenn durch die Televotingpunkte zum Schluss alles über den Haufen geworfen wird. Und wenn der Sieger dann schon ein paar Wertungen vor Schluss feststehen sollte, ist das nicht so schlimm. Es gibt immer noch genug spannende Verschiebungen auf der Wertetafel zu beobachten.

    Die Tatsache, dass es seit 2016 keine gemeinsame Wertung von Jury und Televotern gibt, also ein Land einem Titel bis zu 24 Punkte geben kann, gefällt mir durchaus gut. Um das zu integrieren, könnte man einfach bei jedem Land das addierte Ergebnis bekannt geben: Alles, was weniger als 12 Punkte erhält, wird eingeblendet, alles, was 12 Punkte und mehr bekommt, wird vorgelesen (man kann ja dabei gern noch erwähnen, wer die jeweilige Jury- oder Televotingwertung gewonnen hat, also z.B. „14 points to our jury winner Estonia“).

    • Der Vorschlag gefällt mir irgendwie. Dann würden auch wieder mehr Länder genannt werden und wen die Split Results interessieren, der kann sie auch über eurovision.tv einsehen … die Transparenz sollte ja gewährleistet bleiben.

  6. Die Spannung ist bei beiden Systemen mit Sicherheit gegeben.
    Aber was nutzt es, wenn die Resultate nicht stimmen und ein falscher Jurysieger oder ein unberechtigter Qualifikant präsentiert wird. Da hat man beim nächsten Mal schon seine Zweifel, ob alles seine Richtigkeit hat.

  7. Das neue Voting ist besser! Ich sitze nicht mit dem Taschenrechner am Fernseher, von daher kann ich zwar erahnen, „oh NOR und NL haben so hohe Pkte bekommen, da können SWE und NMZ eig nicht mehr vorbeiziehen“, aber im Grunde ist man einfach nur gespannt, weil die Vergabe des Televotings eben nicht mehr gestaffelt ist…
    Nachteil, ja dadurch bekommt der Televotesieger nicht mehr seinen Moment, aber es ist auch nicht mehr ultra peinlich, wenn man sofort weiß, dass der Jurysieger hinten liegt („with 21 points: Sweden“), weil man zumindest nicht sofort den Überblick hatte, welchen Platz die around 50 Pkte für John Lundvik jetzt genau im Televoting hatten…

    • An John Lundviks Stelle hätte ich es angenehmer gefunden, wenn meine Televoting-Punktzahl schon recht früh vorgelesen worden wäre. Diese letzten Minuten zum Schluss, während derer jede Gesichtsregung registriert wird, sind nicht schön. Und dann noch eine (im Verhältnis zu den aufgebauten Erwartungen) geringe Punktzahl gesagt zu bekommen, ist doch sehr hart. Dass man in diesem Moment nicht erfährt, welchen Platz im Televoting diese Punktzahl ergibt, ist kein Trost.

      • Daher meine Gedanke die Top 3 auf einem Schlag bekannt zu geben. Oder so schnell nach einander, dass es keine Qual wird. Sowohl Lundvik als auch Laurence meinten am nächsten Tag, dass die Bekanntgabe zu lange dauerte.

        @ESCFan2009: du hast kein Handy mit integriertem Taschenrechner? *erstaunt*

      • @Marko: 😀 mein „Handy mit integriertem Taschenrechner“ liegt während des ESC-Finales weit weg, ich will mich schließlich auf die Show konzentrieren – es sei denn ich brauche es zum Voten/die App für das Light Voting…

  8. Mich interessieren die Televotingergebnisse mehr als die Jurypunkte. Die Bekanntgabe der Televoterpunkte sollten daher aufgeschlüsselt dargestellt werden, so wie jetzt die Jurypunkte. Die Jurypunkte dann gern kummuliert, wie jetzt die Televotingergebnisse. In welcher Weise, Rangfolge das dann passiert, ist mir egal. Spannend war es auch 2018 ohne Änderung der Bekanntgabe.

    • Nun gut, von der Chronologie ist es eigentlich logisch, zuerst die Jurypunkte zu verkünden – immerhin gibt es sie schon länger (da wird bekanntlich einen Tag vorher abgestimmt) und die Zuschauer verändern dann das Ganze eben noch entscheidend..

  9. Ich bin auch eher bei Thomas M. (mit Punkt) – so wie die Jurys immer schamloser ihre Nachbarschaftspunkte verteilen (oder direkte Konkurenten sowie Erzfeinde leer ausgehen lassen), wäre die kombinierte Punkte-Verkündung weit weniger peinlich. Die Punkteverkündung ist nicht umsonst Jahrzehntelang ohne die billige Stimmungsmanipulation der letzten vier Jahre ausgekommen (und hatte trotzdem ihre kleinen Skandälchen und Gags).
    Das Aktuelle System macht die Jury-Wertung zum Maß der Dinge während der Publikumssieger zur Nebensächlichkeit degradiert wird. Besonders delikat dabei ist die Tatsache, dass die inszenierten Gewinner (NLD + SWE) letztlich beide weder das Televoting noch das Juryvoting gewonnen haben.
    All die Jahre seit Wiedereinführung der Jurys habe ich mich für sie stark gemacht, aber auf Juroren die ultrakommerziellen Radiopop pushen und gewöhnungsbedürftige Kleinode wie „Telemóveis“ auf den letzten Platz verbannen, kann ich getrost verzichten.

    • Nun gut, die Kombiwertung hat aber leider einen Haken: Es fallen definitiv zu viele Stimmen unter den Tisch und das wäre nicht gerecht….

      • Meinst Du mit „Kombi-Wertung“ die Wertung vor 2016? Das ist aber nicht dasselbe wie die von Frederic erwähnte „kombinierte Punkteverkündung“ (nehme ich jetzt einfach mal an). Ich bin, wie weiter oben beschrieben, durchaus auch dafür, Jury und Televoter getrennt punkten zu lassen (also wie in den letzten vier Jahren), aber vor Bekanntgabe der Wertung sollen für jedes bepunktete Land die beiden Punktzahlen addiert werden. Durchgegeben würden dann, eben als „kombinierte Punkteverkündung“, diese Summen. So wie es früher von 1 bis 12 ging, ginge es jetzt eben von 1 bis maximal 24, wobei manche Punktsummen gar nicht vorkommen würden und manche vielleicht mehrfach.

    • Ein fahler Beigeschmack bleibt und ich habe mich oft über Juryentscheidungen geärgert, aber reines Televoting wird doch die Mehrheit hier auch nicht mehr wollen. Man könnte aber zumindest in den Semis auf die „Experten“ verzichten.

  10. Ich würde das ganze umdrehen und das zuschauer-voting einzel verkünden. Und dem sieger vielleicht sogar den lyss-assia-award verleihen.
    Der sieger des jury-votings bekäme dann den christer-björkmann-award.
    Negativ dieses jahr war die vorhersehbarkeit des jury votings und das „falsche superfinal“. Das schweden keine 200 pkt. macht, hat doch fast jeder schon vorher gemerkt.

    • Wann würdest Du dann das Jury-Voting verkünden lassen? Wenn es am Anfang verkündet wird, dann steht gleich schon die Hälfte der Wertung fest, und wenn am Ende, dann scheint es so, als ob die Jurys den Ausschlag geben würden. Daher bin ich für eine kombinierte Punktevergabe, wie früher, nur halt mit addierten Punktzahlen.

  11. Der arme Schokohase (John Lundvik) mußte quälend und gefühlte zehn Minuten darauf warten, bis er das Ergebnis des Zuschauervotings endlich erfahren hat, weil die Moderatoren es nach DSDS-Manier in Zeiten von Moderator Marco Schreyl in die Länge zogen!

    Ich bin ein Verfechter des alten Systems, nach dem die Punkte des Zuschauervotings wieder in aufsteigender Reihenfolge verkündet wurden.

  12. Ich finde es in diesem Modus richtig spannend – bitter weiter so ! Die Publikumswertung kann man in einigen Fällen leichter vorhersehen (ganz markant war es dieses Jahr bei den Stimmen für Russland), deswegen sollte man auf alle Fälle die Jurywertung zuerst komplett durchgeben.

    • Sorry, ich finde nicht, daß Bezeichnungen wie „Schokohase“ sehr freundlich sind…..

      Zudem teile ich auch nicht die Meinung, daß die Zuschauerwertung demokratischer ist als die der Jury (Stichwort Diaspora). Aber beider Nachteile gleichen sich durch das doppelte Votum wiederum meistens aus – hat doch dieses Jahr wunderbar geklappt.

      • Ich finde an diesem Kosenamen nichts verwerfliches daran und John weiß mit Sicherheit, daß es von mir ganz lieb gemeint ist, denn ich mag ihn (obwohl er eine Hete ist).

  13. Mir gefällt das System von 2016-2018 besser, weil es übersichtlicher und nachvollziehbarer für den Zuschauer ist. Auch wird damit in der Tat der Favorit der Zuschauer besser „gewürdigt“. Fand es gab auch keine zwingende Notwendigkeit da eine Änderung vorzunehmen.

  14. Den einen finden die Powerdosis 11x Sergey und 8x Keiino als Punkteverkündung „spannender“. Ein nettes subtiles Schwedenbashing eingeschoben (kommt ja immer gut), andere machen ihre Abrechnungen mit Jurys immer wieder auf (früher war sowieso alles besser) … Wieviel das mit dem Thema Verkündungsmodus von Douze Points zu tun hat? Wenig.

    Mein Dad guckt keinen ESC, blieb aber zur Punkteverkündung hängen, der ist strukturkonservativ. Auf seine Meinung als sporadischen Zuschauer befragt, war für ihn a) der aktuelle Modus sehr spannend und b) durchaus erkennbar (aka transparent) wer da , warum und wie gewonnen hat.

  15. Ich habe diese genannte „Powerdosis“ ganz gewiß nicht vermisst….. Es war eine große Freude, daß Mahmood immerhin zeitweise in Führung lag (NO bekam keine einzige Höchstwertung von den Jurys und RU nur aus AZ). Ich kann Deinem Vater nur zustimmen !

  16. Persönlich mochte ich die chronologische Verkündung des Televotes lieber, das wäre dies Jahr schön gewesen, erst wäre Schweiz, dann Russland, dann Italien und zum Schluss Niederlande an Platz 1 gerutscht und Norwegen hätte das Raunen bekommen wie es Polen 2016 und Dänemark 2018 bekamen und John wäre nicht so lange gequält worden 🙂

  17. Dass die Punkteverkündung seit 2016 spannender ist, dürfte unstrittig sein, aber Matty hat doch völlig recht, dass der ESC somit ein unnötiges DSDS-(bzw. PopIdol-)Aroma forciert. Ist natürlich eine Geschmacksfrage, wo man da seine Grenze zieht, aber meiner Meinung nach sollte sich der Contest mehr auf seinen ursprünglichen Zweck als kulturelles Austausch- und Annäherungsvehikel besinnen, anstatt Sensationsgier und Ergebnisfixiertheit zu bedienen.
    Aber wenn’s denn unbedingt sein muss, dann bitte so wie ’16-’18 zugunsten des Publikumssiegers. Man stelle sich das neue System mal für 2018 vor, als Cesár Sampson + Benjamin Ingrosso die Jury-Favoriten waren, aber im Televoting nix zu melden hatten und vermutlich ähnlich aus der Wäsche geguckt hätten wie John Lundvik. Aus schadenfreudiger Sicht gewiss ein Highlight, aber eben auch sehr billig.

  18. Spannung kann man nicht erzwingen, sondern muss sich aus der Situation heraus ergeben. Das wusste schon Alfred Hitchcock. Man kann nicht jedesmal einen Grand Prix wie anno 1988 haben. Meinen sämtlichen Bekannten, die keine eingefleischten Eurovisions-Fans sind, und die ziehe ich mal als „normale“ Zuschauer heran, ist die Punktevergabe sowieso ein Rätsel, da kann ich 100 mal versuchen, das zu erklären. Obwohl ich auch immer wieder gefragt werde, warum man denn nicht auch für Deutschland stimmen darf. Ich wäre für eine Rückkehr zur zusammengefassten Wertung aus Jury und Televoting und eine kürzere Votingphase von 15 Minuten. Wer eh nur 20 x anrufen kann, wird das auch in 15 Minuten schaffen. Und die Punkteverleser sollten dazu verdonnert werden, keine albernen Mätzchen abzuziehen, sondern nur die Punkte zu verlesen. Diese russische Pianoeinlage war doch nun der Höhepunkt an Bescheuertheit.

  19. Es könnte ein Superfinale her:
    die Top3-5 des Televoting werden erst ganz am Ende genannt.
    Das alles nach dramaturgischen Gesichtspunkten, ohne zu wissen, wie viele tatsächlich ins Supefinale kommen (nämlich gemäß der Abweichungen zu dem Juryvote).

    Das könnte dann so heißen: Norway, you are joining the superfinal.
    Dann würden erstmal gar keine Punkte genannt werden.
    Das selbe dann für Russland, Schweiz und vl Island.

    So würden die gerade gennanten auch noch ein Momentum zu Schluss bekommen und nicht nur der Jury Sieger und der zum aktuellen Zeitpunkt der Verkündung Erste und ggf. Zweite.

    Dann würde es heißen:

    Norway you won the televote,
    Russias points are
    Switzerland and Luca congratulations for 212 points.
    Aber das Ganze dann augenscheinlich in random Order, damit dramaturgisch nämlich nicht nur Schweden und NL oben stehen, sondern auch vl noch Norwegen.

    Die Details denke ich mir jetzt nicht weiter aus, das kann dann die EBU machen und alle Szenarien mal durch gehen.
    Falls die EBU zahlt, mach ich gerne eine Analyse 😛

  20. Ich finde es entwertet das Televoting wenn man es nur gesamt bekanntgibt. Ich wäre dafür da das Juryvoting ja schon feststeht, das man das gesamt bekanntgibt und das Televoting dann wie üblich pro Land bekanntgibt. Also erst das Juryvoting im gesamten und dann das Televoting pro Land.

    • Das wird man ganz sicher nicht machen. Die Abstände nach dem Jury-Voting zwischen den einzelnen Plätzen sind möglicherweise so hoch, dass es vollkommen unspannend ist, wenn danach noch stetig ein paar 12er, 10er usw. „drauftropfen“. Erst die kleinen Einzelwertungen und danach die großen „Umwälzungen“ ist definitiv dramaturgisch sinnvoller als andersherum. Und ich bin sicher, dass man lieber das Televoting das Jury-Voting umwälzen lässt als umgekehrt. Sonst sieht es zu sehr nach „böser Jury“ aus, die das Televoting-Ergebnis kaputt macht.

  21. Auch wenn es viel Kritik an Juries gibt. Ich finde das System mit Jury und Televoting hat sich bewährt. Es ist das beste was möglich ist, weil es die Nachteile von reinem Jury oder Televoting ausgleicht. Auch wenn viele die Unterschiede zwischen Jury und Televoting kritisieren, aber gerade das macht dieses System so reizvoll, weil man nie vorher weiß wie die Zuschauer voten. Besonders in diesem Jahr fand ich es total spannend, bis Schweden seine Televotingpunkte bekam. Ich finde es super.

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