Tel Aviv Calling (1): Anreise, Einreise und erste Eindrücke in Israel

Tel Aviv Calling Flugzeug

Eine Pressereise nach Tel Aviv, um über die Vorbereitungen zum ESC 2019 zu berichten? Als die Einladung in meinem Postfach landet, muss ich nicht lange überlegen. Naja, ein bisschen natürlich schon, immerhin muss ich kurzfristig Urlaub nehmen, die Reise beginnt direkt nach Eurovision in Concert und die London Eurovision Party schaffe ich dadurch wahrscheinlich definitiv auch nicht. Trotzdem: Die Chance, Tel Aviv schon vor Mai kennenzulernen, ist zu verlockend. Außerdem werde ich im Mai ja doch wieder nur von morgens bis abends im Pressezentrum sitzen, insofern ist ein bisschen Sightseeing vorab durchaus nicht verkehrt.

Als ich die Teilnehmerliste sehe, komme ich dann doch etwas ins Zweifeln: Focus, The Sun, El Pais, RAI, SVT… ausschließlich hauptberufliche Journalisten und ich. Aber gut, jetzt bin ich angemeldet und fahre natürlich auch mit. Direkt von Amsterdam aus geht es nach Tel Aviv. Für Kurztrips nach Israel braucht man kein Visum, die Vorbereitungen sind also relativ schnell abgeschlossen. Falls ihr auch zum ESC nach Tel Aviv reist, empfehle ich Euch die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes durchzulesen. Außerdem solltet ihr Euch in die Krisenvorsorgeliste eintragen.

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Vor dem Abflug muss man sich auf umfassende Sicherheitskontrollen einstellen und sollte etwa drei Stunden vor Abflug am jeweiligen Flughafen sein. Und diese Zeit brauche ich am Ende tatsächlich. Schon bevor ich überhaupt mein Gepäck aufgeben kann, werde ich ausführlich befragt: Warum reise ich nach Israel? Warum fliege ich von Amsterdam und nicht aus Deutschland? Warum habe ich als Journalist keine Fotoausrüstung dabei? Warum bin ich als Journalist unterwegs, aber kein Journalist von Beruf? Kann ich meinen Blog auf dem Handy zeigen? Wie sieht das Programm für die folgenden Tage aus? Kann ich die Einladungs-E-Mail vorzeigen? Schließlich wird auch noch mein komplettes Handgepäck aus- und wieder eingepackt.

Die gesamte Prozedur dauert über 20 Minuten, aber alle sind sehr höflich und freundlich und ich fühle mich zu keinem Zeitpunkt unwohl oder bin genervt. Mein persönlicher Security-Mitarbeiter erzählt mir sogar von seinen deutschen Verwandten, zeigt mir seinen deutschen Pass, bedauert, dass er so schlechtes Deutsch spricht, und bringt mich dann persönlich zur normalen Handgepäck- und Sicherheitskontrolle (die man auch noch durchlaufen muss). Überhaupt muss ich sagen, dass der Abflug die einzige Situation auf der gesamten Reise war, in der ich das Gefühl hatte, in einem Land mit spezieller Sicherheitslage unterwegs zu sein. Während der Zeit in Israel war davon so gut wie nichts zu spüren.

Ein Gutes hat die gründliche Überprüfung vor dem Abflug übrigens auch: Später in Tel Aviv komme ich mehr oder weniger ungehindert durch die Passkontrolle und spare so Zeit bei der Einreise. Angekommen im Hotel stelle ich dann fest, dass auch mein Koffer komplett umgepackt wurde (ja, ich gebe zu, so wie ihr es gemacht habt, ist es sinnvoller).

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Meine erste sehr beeindruckende Erfahrung habe ich schon auf dem Weg vom Flughafen zum Hotel. Der Taxifahrer möchte mit mir über die deutsche Geschichte sprechen und erzählt mir, dass die allermeisten seiner Verwandten im Auschwitz umgebracht wurden. Er macht daraus aber keinen Vorwurf, sondern skizziert ein wenig die Geschichte Israels und seiner Familie, um dann auf die aktuellen politischen Probleme zu kommen (in zwei Tagen sind Parlamentswahlen). Zum ersten Mal habe ich das Gefühl, dass ich in den folgenden Tagen noch öfter haben werde: Dass es eigentlich ein Wunder ist, dass man als Deutscher im Jahr 2019 nach Israel reisen kann und dort mit offenen Armen empfangen wird. Das zeigt sich bei einem Gespräch in einem Taxi genauso wie beim gemeinsamen Tanzen zu ESC-Musik. Come together.

Ich habe aber noch viel mehr erste Eindrücke: Tolles Wetter! Bestes Essen (für Mai tippe ich auf knappe 10 Kilo plus)! Und irgendwie sind hier alle mit einem E-Scooter unterwegs, die man – ebenso wie Fahrräder – an jeder Ecke leihen kann.

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Der erste Abend endet für uns mit einem Auftritt der Gruppe Eurofalsh, die der eine oder andere schon aus dem Euroclub in Kopenhagen oder von anderen ESC-Events kennen könnte. Die Truppe besteht aus insgesamt bis zu acht Personen und tritt jeden Sonntagabend im Lima in Tel Aviv auf. Dabei tanzen sie Original-Choreografien von Eurovision-Songs und singen dazu Playback. Ein erster Kulturschock für die mitgereisten Journalisten, aber auch ein großer Spaß.

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In den nächsten Tagen folgen an dieser Stelle noch mehr Eindrücke aus Israel, ein Überblick über die Vorbereitungen für den ESC 2019 in Tel Aviv, ein Interview mit Kobi Marimi und vieles mehr. Stay tuned!

Offenlegung: Diese Pressereise wurde organisiert und finanziert von der Europe Israel Press Association (EIPA).



10 Kommentare

  1. Das freut mich jetzt aber richtig für dich, Benny, wenn man sieht wie weit du es mit dem ESC gebracht hast! 😃 Und das wird sich bestimmt klasse im CV machen 😉

  2. Man kann gar nicht mehr eine sehr schöne Reise wünschen, weil es schon passiert ist. Freue mich auf die weiteren Eindrücke. Eine kleine Frage- wie verhalten sich die Profijournalisten gegenüber Euch?

  3. Ich sehe das richtig, dass Benny sich dadurch um ein Highlight bei der Einreise zum ESC gebracht hat? Verzicht auf die Intimuntersuchung und Wissensquiz mit Telefonnummernabfrage bei der Passkontrolle? Und sehr bedauerlich, dass so ein Bericht ohne Hot’n’Sexy-Bewertung der Beamten auskommt. In welche Schlange sollen sich die Leser im Mai stellen?

  4. Wie kriegt man eine Pressereise in sein Postfach „geschenkt“? Was muss man dafür machen? Welche Ausbildung oder Studium helfen in Vorbereitung? Bitte um ein paar Tipps!

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