Tel Aviv Calling (2): Die Vorbereitungen für den ESC 2019 in Israel

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Die ESC-Halle zu betreten ist immer ein ganz besonderes Gefühl – mit dem Unterschied, dass sonst immer schon die Bühne steht, alle Tribünen aufgebaut und alle Lichter installiert sind. Diesmal konnten wir auf der Pressereise für europäische Journalisten im Vorfeld des ESC schon einen Blick hinter die Kulissen des Bühnenaufbaus werfen und außerdem mit verschiedenen Verantwortlichen über die Planungen für den ESC 2019 in Tel Aviv sprechen.

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Auf diesem Foto ist der Pavillon 2 der Expo Tel Aviv zu sehen. In diesem werden die drei Live-Shows stattfinden. Aber auch die anderen sieben Pavillons sind ab einem Monat vor dem ESC exklusiv für den Contest reserviert: Green Room, Künstlerbereich, Pressezentrum und und und werden dort einquartiert.

Expo Tel Aviv Das fliegende Kamel

Das Wahrzeichen der Expo Tel Aviv ist das fliegende Kamel. Der Legende nach machte sich der Bürgermeister von Jaffa darüber lustig, dass Tel Aviv eine internationale Messe bauen wollte. Diese Idee würde sich erst durchsetzen „wenn Kamele fliegen“. Die Tel Aviver drehten daraufhin den Spieß um und machten dieses Kamel zu ihrem Maskotchen.

Tel Aviv Expo Eurovision ESC 2019

Während unseres Besuchs auf dem Expo-Gelände am vergangenen Mittwoch können wir unter anderem mit Tamir Dayan, dem Geschäftsführer der Expo, mit der ausführenden Produzentin für den ESC, Zivit Davidovitch, und mit Lucy Ayoub, einer der vier ModeratorInnen des ESC 2019 sprechen. So erfahren wir zum Beispiel, dass Lucy und ihr Kollege Assi Azar eher für die Moderationen im Greenroom zuständig sein werden. Eigentlich schade, denn Lucy ist wirklich supersympathisch und könnte sicherlich auch die große Bühne in Tel Aviv gut bespielen.

Die Hosts werden zwar nicht live auf der Bühne singen und/oder tanzen, aber es gibt wohl einen Einspieler, in dem sich zumindest Lucy entsprechend betätigt. Aktuell ist jeder der Moderatoren für seine eigene Vorbereitung zuständig, also dafür, sein Englisch aufzupolieren oder sich Informationen über die Künstler draufzuschaffen. Die wichtigsten französischen Sätze mussten sie bereits während des Castings können und außerdem spricht Erez Tal Französisch als Muttersprache, so dass das definitiv kein Problem werden wird. Spannend ist auch, dass es keine Teleprompter geben wird, sondern dass alle Moderatoren ihre Texte auswendig können müssen.

Expo Tel Aviv Sicherheitshinweise ESC Eurovision 2019

Natürlich wird auch das Thema „Sicherheit“ angesprochen. Rund um den ESC 2019 sollen die höchsten Sicherheitsstandards eingehalten werden, es werden auch Hunde eingesetzt und unter der Halle dürfen keine Autos fahren. Das Organisationsteam legt allerdings sehr viel Wert darauf, dass all diese Maßnahmen nicht aufgrund einer aktuellen Gefahrenlage umgesetzt werden, sondern es sich dabei um reine Vorsicht handelt.

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Wir erfahren auch, dass die Vorbereitungen für den ESC dazu genutzt werden, die Expo generell auf Vordermann zu bringen. Es wird neue Beleuchtung installiert, der Eingangsbereich wird renoviert… All das sei sonst nur mit den Olympischen Spielen zu vergleichen. Und das Ziel der Verantwortlichen ist klar: Sie wollen den „Best Song Contest ever [, ever, ever]“ organisieren.

Auch die Barrierefreiheit der Show soll in diesem Jahr ein großes Thema sein. Dafür sind spezielle YouTube-Kanäle geplant, über die die Sendungen mit Zeichensprache, Audiodeskription oder in vereinfachter Sprache angeschaut werden kann. Dazu hat sich das Produktionsteam externe Expertise geholt und arbeitet nun mit Hochdruck an der Umsetzung.

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Zum Abschluss sprechen wir noch über die Pausenacts und über das heikle Thema Finanzen. Wie erfahren, dass ESC-Siegerin Netta sowohl im ersten Halbfinale (mit „Toy“) als auch im Finale (dann mit einem neuen Song) auf der Bühne stehen wird. Ebenfalls in diesem beiden Shows wird Dana International zu sehen sein. Im zweiten Halbfinale werden wir einen Auftritt der Shalva Band sehen, also der Band, die eigentlich die großen Favoriten auf den Sieg in der israelischen Vorentscheidung waren, sich dann aber aus religiösen Gründen aus dem Rennen zurückgezogen haben. Mehr zu dieser Band gibt es in den kommenden Tagen an dieser Stelle.

Die Kosten für den ESC (26/27 Millionen) sind immer wieder Thema und vor allem die mangelnde Unterstützung durch die Regierung. Immer wieder betonen die Organisatoren, dass die israelische Regierung sich in keinster Weise beteilige und der Sender KAN das Event gemeinsam mit der EBU und der Stadt Tel Aviv (die die Kosten für die Halle übernimmt) stämmt. Nicht zuletzt deshalb seien auch die Ticketpreise so hoch.

Dann kommt endlich der spannende Moment: Wie dürfen die Halle betreten. Auch wenn natürlich noch nichts fertig ist, kann man einzelne Bühnenteile schon gut erkennen, ebenso die Kommentatorenkabinen und auch eine erste Sitzplatztribüne. Kein Zeichen mehr von Verzögerungen im Zeitplan, stattdessen sind alle guter Dinge, dass die Aufbauten rechtzeitig fertig werden.

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Die Baumaterialien kommen übrigens teilweise aus Europa. Jeden Tag legt mindestens ein großes Schiff im Hafen von Tel Aviv an, dessen Fracht dann zur Expo transportiert und dort verbaut wird. Das ist jeden Tag aufs neue wieder eine logistische Herausforderung. Auch das Team kommt aus ganz Europa, wie immer sind zum Beispiele viele Schweden vor Ort und unterstützen die Produktion. Bei den Shows werden 25 Kameras zum Einsatz kommen.

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In den kommenden Tagen folgende an dieser Stelle weitere Eindrücke aus Israel sowie ein Interview mit Kobi Marimi und ein Portrait der Shalva Band. Stay tuned!

Offenlegung: Diese Pressereise wurde organisiert und finanziert von der Europe Israel Press Association (EIPA).

Bisher erschienen:

Tel Aviv Calling (1): Anreise, Einreise und erste Eindrücke in Israel



8 Kommentare

  1. Danke für Teil 2 Deines Reiseberichts!

    Noch eine kleine, hoffentlich nicht allzu sehr ablenkende Bemerkung zu der Tatsache, dass Netta im Finale einen neuen Song darbieten wird. Vielleicht ist das ja „Bassa Sababa“? Ich habe heute zufällig entdeckt, dass dieser Song in den US-Club-Charts (!!!) in dieser Woche Platz 3 erreicht hat (https://www.billboard.com/charts/dance-club-play-songs), „Toy“ war da sogar auf 1 gewesen. Ich dachte, für die Leute, für die es wichtig ist, das ESC-Titel oder -Künstler/innen in den Charts erfolgreich sind (zu denen ich nur bedingt gehöre), könnte das interessant sein.

    • Mag sein, dass „Toy“ ein kommerzieller Flop war. Liegt wahrscheinlich auch daran, dass der Song am besten auf der Bühne wirkt. Für mich ist das fast schon ein Qualitätsmerkmal, wenn ich mir die hiesigen Charts anschaue, von wenigen Ausnahmen mal abgesehen. Ich liebe gerade deshalb den ESC, weil man dort aussergewöhnliche Musik geboten bekommt. Und bin fast ein bisschen enttäuscht, wenn einige Länder sich zu sehr am Mainstream orientieren. Okay, mir gefällt auch längst nicht alles, Salvador Sobral und Jamala fand ich sogar ziemlich furchtbar, aber, so what? Es ist interessant zu sehen, dass auch solche Songs eine Chance haben, zu gewinnen.

    • Leg doch mal Beweuse für Deine krude Behauptung vor! Außerdem finde ich die Auswahl von Tel Aviv-Jaffa gut!

      Übrigens werden auch Conchita Wurst, Eleni, Netta und der homophobe schwedische Frauenschläger auftreten, dessen Einreise nach Israel hoffentlich noch verhindert wird! Der soll sich lieber um sein Kind kümmern ubd nicht alles der Mutter überlassen!

  2. Sieht sehr vielversprechend aus. Natürlich ist die Halle nicht sehr groß und anscheinend auch nicht sehr hoch, aber man kann aus kleineren Hallen auch tolle Bilder bringen.

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