„Violent Thing“ von Ben Dolic erreicht 5 Millionen Abrufe bei Spotify

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Alle reden über Russland. Denn Little Bigs „Uno“ ist inzwischen der meistgesehende ESC Titel auf dem offiziellen EBU-Eurovisions-Youtube-Channel – und das, obwohl der Titel sich dem Wettbewerb aus bekannten Gründen nie gestellt hat. „Uno“ verwies damit Nettas Siegersong „Toy“ aus Lissabon auf die YouTube-Silberposition, auf Bronze rangiert unverändet Lenas „Satellite“.

Aber nicht allein YouTube-Aufrufe sind die wahre neue Währung in der Musikindustrie, das sind vor allem die Streams, die ein Erfolgstitel bei Spotify erzielt. Denn diese sind der populärste Gradmesser für die Beliebheit eines Titels auf globaler Basis und unmittelbar monetarisierbar.

Und hier vermeldet Ben Dolic persönlich heute auf Instagram, dass sein diesjähriger „Das wäre es gewesen“-Beitrag für Rotterdam eine magische Grenze überschritten hat und mittlerweile fünf Millionen Streams auf Spotify verzeichnet:

„Violent Thing“ ist auch der meistgestreamte Song des Jahrgangs 2020 in Deutschland, gefolgt von Island und Litauen, dem Gewinner des inoffiziellen deutschen ESC-Finales 2020 in der Hamburger Elbphilharmonie. Und – Überraschung – „Uno“ kommt weder in der Spotify-Jahrgangs-Top-10 für Deutschland noch in der Jahrgangs-Top-10 weltweit vor. Global führt im „Wir mussten verzichten“-Corona-Jahrgang Daði Freyr die Stream-Liste an – keine wirklich große Überraschung dank des witzigen (viral gegangenen) Videos und der Netflix-Promo-Schützenhilfe. Danach folgen The Roop und – das ist toll – auch weltweit kann Ben punkten und erzielt immerhin Bronze.

Wie viel sind denn nun 5 Millionen Streams wert?

In Sachen Ruhm und Ehre klingen 5 Millionen eindrucksvoll, aber merkantil ist der  Output aus dieser Performance überschaubar. Pro einer Million Streams überweist Spotify 3.200 Euro an das Label, welches die Urheberrechte auswertet. Was davon an Ben durchgereicht wird, ist unklar, mehr als 15% dürften das nicht sein, da diverse „Wertschöpfungsstufen“ (vom Komponisten bis zum Logistikpartner) ebenfalls einen Anteil beanspruchen. Da dürfte die GEMA-Tantiemen lukrativer sein, für einen Radioeinsatz bei WDR 2 werden beispielsweise etwa 40 Euro fällig.

Screenshot Bild Spotify Streams Tabelle

Sind 5 Millionen Streams absolut gesehen viel? Kommt darauf an, welche Referenzgrößen man heranzieht. Masse macht´s, Volumen bringt Kohle. In der Eurovisions-Welt sind 5 Millionen Streams beachtlich, auf Metaebene eher nicht. Der meistgestreamte Song bei Spotify ever ever ever ist Ed Sheerans „Shape of you“ mit knapp 2,5 Milliarden Aufrufen.

In Deutschland führt die Best-Of-The-Best-Rangliste – keine Überraschung – Rammstein an, „Du hast“ verzeichet über 200 Millionen Streams. Das sind dann schon 650.000 Spotify-Euros – für einen einzigen Song. Immerhin, direkt hinter Rammstein rangiert zur großen Freude des Autors dieser Zielen Nenas „99 Luftballons“ in der ewigen deutschen Bestenliste mit 181 Millionen Aufrufen immer noch auf Platz 3.  Für Bens „Violent Things“ gibt’s also noch Luft nach oben.

Wie verhält es sich Eurovisions-bezogen? Der All-Time-Favorite der Spotify-Nutzer ist „Euphoria“ vor dem jüngsten schwedischen Siegertitel „Heroes“ und „Arcade“ aus 2019. Aktuelle Titel haben es bei Spotify leichter, umso erstaunlicher ist, dass ABBAs „Waterloo“ in der ewigen ESC-Bestenliste auf Rang 4 platziert ist. Aber Spotify hat seine Wurzeln in Schweden und sogar Carola schafft es mit „Fångad av en stormvind“ in die All-Time-Top-Ten.

„Waterloo“ ist bei weitem nicht der populärste ABBA-Song auf Spotify, die auch die Rangreihe der beliebtesten ESC-Künstler bei Spotify anführen (vor Céline Dion und our very own Lena). Die ABBA-Bestenliste wird von „Dancing Queen“ dominiert (350 Mio. Streams) – vor „Mamma Mia“ und – wer hätte das gedacht? – „Gimme Gimme Gimme“. Hier dürfte eine maßgebende Rolle spielen, dass die etwas trashige „ABBA goes Disco“-Nummer in Madonnas megaerfolgreichem „Hung up“ gesampelt wurde.

Wirklich schade, dass in der ABBA-Tracklist „Me and I“ unter ferner liefen abschneidet, einer der größten Popsongs, der jemals in Schweden erschaffen wurde.


28 Kommentare

  1. Ich hoffe, mit dem Artkel soll nicht gesagt werden, dass Bild eine verlässliche Quelle ist. Ich hoffen ihr habt das gegengecheckt.
    Zum Ende hin wirkt der Artikel, als ob du in einer Vorentscheid-Zeitschleife wärst

    • Hejj Eggman, was ist denn eine „Vorentscheid-Zeitschleife“?
      .
      Aber stimmt schon, das Auswerten der Spotifly-Listen hat bei mir mal wieder eine gewisse Retro-Schwärmerei ausgelöst. Die Erinnerung ist halt das Paradies, aus dem man nicht vertrieben werden kann.

    • Das BILD Stück, welches in meinem Blog-Beitrag verlinkt ist, das ist schon sehr aufschlußreich und auch gut recherchiert und dokumentiert im Hinblick auf die Abrechnungsmodelle von Spotify. Das habe ich in dieser Tiefe und Präzision woanders so noch nicht gelesen. Ich war aber auch überrascht, so einen umfangreichen Text bei BILD Online (Plus) zu entdecken.

    • Benny Andersson selbst bewertete den Song „Me and I“ als durchschnittlich und keine Sternstunde für ABBA. Dem kann ich mich anschließen.

      • @Thilo
        Anni-Frid hat eine wundervolle Stimme😍.
        Aber auch die Song, in denen Agnetha den Solo-Plart übernimmt, klingen ganz toll.
        Z. B. „The Winner Takes It All“, oder „The Day Before You Came“. Da merkt man erst, was für eine wunderbare Stimme sie hat, fällt gar nicht so auf, wenn die beiden im Chor singen.🙂

  2. Zitat von Peter:
    …“Immerhin, zur großen Freude des Autors dieser Zielen, rangiert Nenas „99 Luftballons“ in der ewigen deutschen Bestenliste mit 181 Millionen Aufrufen immer noch auf Platz 3. Für „Violent Things“ gibt’s also noch Luft nach oben…“
    Nenas Titel existiert seit über 35 Jahren, Bens Song erst knapp 6 Monate. Also finde ich deine Bemerkung „…noch Luft nach oben…“ völlig daneben und unangebracht. Anscheinend warst du unterzuckert, iss Katjes und nimm mal ein Schluck Sekt, dann wird das wieder.

    • Ich bin nicht ganz sicher, wie ernst Deine Empörung über die Bemerkung „…noch Luft nach oben…“ gemeint ist, die Bemerkung selbst war das m.E. ziemlich sicher nicht, d.h. Peter kritisiert bestimmt nicht ernsthaft, dass „Violent thing“ noch nicht die Zahl der Streams von „99 Luftballons“ erreicht hat. Er freut sich einfach, dass es ein älterer, von ihm geliebter Titel es geschafft hat, eine so hohe Zahl zu erreichen – Dir sollte ja bekannt sein, dass es vor 35 Jahren noch lange keine Streams gab.

  3. Kleine Korrektur:
    Die Labels werten nicht die Urheberrechte aus, das tut die GEMA. Die Labels haben nur die Verwertungsrechte inne und zahlen inzwischen je nach Vertrag 10-20% der Einnahmen an den Interpreten; früher war es allgemein üblich, den Künstler mit einem einmaligen Honorar „herauszukaufen“. 50 Jahre nach der Veröffentlichung sind die Labels jetzt sogar per EU-Recht verpflichtet. mindestens 20% der Einnahmen an den Interpreten zu geben; seit dem 1. Januar verdient also Siw Malmkvist garantiert mit, wenn man „Primaballerina“ streamt 😉

  4. „Waterloo“ war in der Tat nicht der stärkste ABBA-Titel. Es gibt sooo viel bessere:
    „Fernando“
    „Dancing Queen“
    „Voulez-Vou“
    „One Of Us“
    „The Day Before You Came“
    ….
    Die genialste Popgruppe aller Zeiten😍😍😍

    „Me And I“ kannte ich noch nicht, danke für das Video🙂

    • Mein Lieblingshit war schon immer Super Trouper. Und ja natürlich kann Agnetha super singen aber Frieda hat für mich die schönere Stimmfarbe. Beide sind mega alleine(ich meine den Lead Part nicht die Solokarierre) und zusammen Bombe deshalb waren sie die Beste Popgruppe aller Zeiten

    • Meine Favoriten sind „The winner takes it all“ und „Lay all your love on me“, aber eigentlich finde ich fast alles von Abba toll 🙂

      Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass Erasure mit ihrer EP „Abba-Esque“ ganz kräftig dazu beigetragen haben, dass Abba wieder so populär wurde, Ende der 80er/Anfang der 90er war es nämlich eher still um die schwedische Gruppe geworden. Nach „Abba-Esque“ wurde das Best-of-Abba Album „Gold“ millionenfach verkauft. Aber wer weiß, vielleicht hätte es auch ohne Erasure ein Abba-Revival gegeben, halt einfach nur später.

      • „ABBA-Esque“ fand ich schrecklich damals, aber wenn sie ABBA zu einem späten Ruhm verholfen haben, „heiligt der Zweck wohl die Mittel“😀

    • Ich könnte hier spontan eine ABBA Top 20 erstellen, so intensiv haben sich die vielen Songklassiker bei mir eingebrannt.
      .
      Das beste beste allerbeste Beste Lied ist sicher THANK YOU FOR THE MUSIC, was so oft zitiert wird wie kein anderes. Großes Kino. Und dann ist da bei mir ganz weit vorne noch THE NAME OF THE GAME. Und KMKY. Von LAY ALL YOUR LOVE ON ME gibt es sogar ein Disconet-Remix. Wer die Original-Vinyl aus SF noch hat, bitte melden.
      ,
      Und der Song, der für das persönliche Leben der vier Musiker steht wie kein zweiter, ist sicher THE WINNER TAKES IT ALL. Fazinierend auch: MAMMA MIA war bei der Erstveröffentlichung nur überschaubar erfolgreich, aber dank des Westend Musicals steht er heute als DAS Song-Synonym für ABBA.
      .
      Die Single vor MAMMA MIA war S.O.S. und als das erschienen ist, war (mir) klar, dass ABBA eben kein One-Hit-ESC-Wunder sein werden. Ein gutes halbes Jahr später kam dann DANCING QUEEN und danach FERNANDO. Wäre S.O.S. nach FERNANDO erschienen, wäre das ebenfalls überall an die Chartsspitze geklettert.

  5. @Peter Ich bin mit den Songs von Nena aufgewachsen und kann noch heute ihre grossen Hits alle mitsingen. Zu meiner grossen Überraschung und Freude lief „99 Luftballons“ erst kürzlich im Radio hier; das wäre kein big deal gewesen, wäre ich nicht gerade durch den Süden der USA gefahren. Schon cool, dass das Lied sich auch in anderen Teilen der Welt weiterhin grosser Beliebtheit erfreut. 🙂

  6. Also, wenn das stimmt mit Spotify, dann wäre es tatsächlich lohnenswerter, diese Musik im Radio zu spielen. Das war aber zuletzt nicht mehr der Fall, bei WDR2 konnte ich den Song zuletzt nicht mehr finden, auch nachts nicht (dann läuft die ARD-Popnacht, produziert von SWR3). Demnach sollten die Radiosender mal wieder mehr ESC wagen, anstatt immer nur „If I were sorry“.

    @Karim: Die Befürchtung habe ich auch. War ja mit anderen Teilnehmern der letzten Jahre auch so, vor allem, wenn sie scheiterten. Ben Dolic ist das nicht widerfahren, aber durch die Absage des ESC fiel ja auch die Grundlage der Promotion weg – dadurch lief das Lied auch deutlich seltener im Radio. Ich sag’s ja: Mehr ESC wagen!

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