Zum 10-jährigen Jubiläum: Die Erinnerungen der ESC-kompakt-Blogger an Lenas Sieg (1)

Lena Oslo 2010 Satellite ESC Eurovision 6
Bild: NDR / Rolf Klatt

Gestern war es zehn Jahre her, dass Lena Meyer-Landrut mit „Satellite“ den Eurovision Song Contest 2010 gewonnen hat. Nachdem wir gestern einen Blick zurück auf Lenas Weg bis zum Auftritt in Oslo und darüber hinaus geworfen haben, wird es heute etwas persönlicher: Alle ESC-kompakt-Blogger haben ihre ganz eigenen Erinnerungen an den 29. Mai 2010 aufgeschrieben und weil die Berichte teilweise wirklich umfangreich sind, haben wir sie auf zwei Folgen aufgeteilt. Hier ist die erste, in der Berenike, Douze Points, Flo und Max darüber berichten, wie sie das Osloer Finale erlebt haben. Viel Spaß!

Berenike: Ich kann mich gar nicht mehr genau an den ESC-Abend selbst erinnern. Ich weiß nur noch, dass ich die Show zusammen mit meinen Eltern vor dem heimischen Fernseher geschaut habe und dass ich vorher schon ganz hippelig war und die offizielle CD zum ersten Mal schon vorher rauf und runter gehört habe. Mein einziges klares Erinnerungsbild ist, wie bei uns im Wohngebiet Jubelgeräusche ertönten, wenn Lena 12 Punkte erhielt, und ich mir dachte „Wow, geil, wie bei einer Fußball-WM“.

Trotzdem kann ich die Frage, wie ich Lenas Sieg damals erlebt habe, durch einen Blick ins Tagebuch ziemlich genau beantworten. So „irre“ war der Abend für mich:

„Bei Lena dann totales Herzklopfen gehabt und einfach nur ein Stoßgebet nach oben gesendet, dass sie einen guten Auftritt hinlegt. Das hat sie auch. Das ist mir dann aber erst beim zweiten Mal Schauen klar geworden, beim ersten Mal war ich irgendwie zu verkrampft und nicht aufnahmefähig.

 […] dann ging es mit den Punkten los. Und es war total surreal. Vom ersten Land, Rumänien, bekam Lena 3 Punkte. Was für mich da schon ein totaler Erfolg war. Schon fast mehr als die letzten Jahre 😉 Und dann kamen da 8 Punkte aus Irland, dann 8 aus Serbien, 10 aus Albanien. Und es ging hoch weiter. Von vielen Ländern hohe Punkte und zumindest fast immer mit dabei. Das war so irre. So ein Gegensatz zu den Jahren davor. 10 Punkte, 12 Punkte, immer wieder. Und dann war Deutschland in Führung, und es blieb dabei. Ich habe dauernd auf Holz geklopft. Aber es kippte nicht. Am Ende war Lena der Sieger. Irre. Ich war einfach nur geschockt. Das Lena so gut ankommt. Irre!!!!!!!!!! Man, dass es das noch gibt. Nach so vielen Jahren, wo wir so mies waren. Und jetzt das!!!!!! Irre. Irre. Irre.

Lena war auch total im Schockzustand, das war total süß, wie sie da auf die Bühne kam und man das Gefühl hatte, sie bricht gleich zusammen und wie sie total sprachlos war und alles. Der zweite Auftritt war dann auch sehr gut, weil irgendwie befreit. Und ich konnte es nicht fassen. Dass es das noch mal gibt. Ich hatte dauernd das Gefühl, dass einer kommt, die Zeit zurückdreht und alles noch mal von vorn beginnt und sich die ganzen Punkte als falsch herausstellen. Ich bin total fertig. WOW!!!!!!!!!!!!!!!!!! Um es mit Lena zu sagen: ‚It’s not real‘. Irre.“

Lena Oslo 2010 Satellite ESC Eurovision 2
Bild: NDR / Rolf Klatt

Douze Points: Das erste Mal wurde mir die Zugkraft von Lena so richtig bewusst, als mich eine damalige Arbeitskollegin am Tag nach der ersten Unser-Star-für-Oslo-Show darauf ansprach, wie toll doch die letzte Kandidatin gewesen sei. Das war Lena. Aber trotz dieses Erlebnisses, des chartmäßigen Rückwindes für „Satellite“ in Deutschland und der guten Kritiken aus der Bubble flog ich mit Zweifeln nach Oslo.

Zwei Tage vor dem Finale ließ ich dann die Hoffnung doch zu. Beim wissenschaftlichen ESC-Symposium hatte ich gefragt, ob ein Big-5-Land überhaupt noch mal die Chance hätte, einen ESC zu gewinnen. Da sagte der Forscher mit voller Überzeugung: „Das wirst Du am Samstag sehen.“ Weitere Indikatoren waren die Stimmung in Oslo und dann vor allem die ESC-Moderatorin Nadia Hasnaoui. Bei den Proben animierte sie das Publikum zu extra viel Applaus für Lena. Das konnte alles kein Zufall sein!

Die Final-Show verfolgte ich auf dem Rang im deutschen Fanblock. Als beim Voting immer deutlicher wurde, das Deutschland gewinnen würde, rannten wir nach unten, so nah wie möglich an die Bühne. Jeder Punkt für Deutschland wurde bejubelt – und dann natürlich der Sieg. Wir waren so aus dem Häuschen, auch noch danach bei der Pressekonferenz, als Lena ihre Titelverteidigung ankündigte. Richtig Gänsehaut bekomme ich aber heute noch, wenn ich an dem Weg nachts – oder besser frühmorgens – zurück ins Hostel denke. Mit unseren Deutschland-Fahnen waren wir klar zu identifizieren. Und alle – Norweger und internationale Fans – gratulierten uns von Herzen zu dem verdienten Sieg.

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Bild: NDR / Rolf Klatt

Florian: Gleich schon einmal vorweg – den Moment, indem Lena gewonnen hat, habe ich live nicht erlebt. Und das hat einen ganz einfachen Grund: Mit meinen jungen 11 Jahren durfte ich noch nicht so lange aufbleiben! Da mich das ESC-Fieber in dem Jahr durch den Hype in Deutschland nach dem Vorentscheid schon gepackt hatte, war ich aber schon früh morgens an meinem Radio und erfuhr auf diesem Wege von Lenas großem Erfolg. Daraufhin habe ich noch das gesamte Finale geschaut und mich natürlich sehr gefreut! Die CD „My Cassette Player“ musste natürlich auch her und so lief „Satellite“ in der Ära vor Spotify und Co. in meinem CD-Player rauf und runter. Schlussendlich brachte mich der Erfolg Lenas auch emotional zum ESC und es begann ein spannendes Abenteuer… wer hätte damals gedacht, dass ich zehn Jahre danach für den schönsten Blog der (ESC-)Welt darüber schreiben darf. In diesem Sinne: Danke, Lena!

Lena Eurovision Song Contest 2010 Satellite Oslo ESC Finale
Bild: NDR/Rolf Klatt

Max: Ausgerechnet in dem Jahr, in dem ich den ESC nicht so akribisch verfolgt hatte wie in anderen Jahren, holen wir mit Lena den Sieg. Da „Unser Star für Oslo“ Stefan Raabs ESC-Comeback war, war ich bei den Live-Shows unserer damaligen Vorentscheidung immer am Start. Den Lena-Hype habe ich schon verstanden, aber ich fand sie zugegebenermaßen eher als Person witzig und erfrischend und weniger interessant als Sängerin – bis zum Finale und dem ersten Hören ihrer Version von „Satellite“. Es war auf einmal da, das perfekte ESC-Match für mich. Die sympathische Lena hatte nun also einen echten Ohrwurm am Start. „Das muss unbedingt nach Oslo“, dachte ich mir. Meine Gebete wurden erhört.

Trotz Lena-Hype war ich in dem Jahr wie gesagt nicht up-to-date, was die Lieder anging. Erst zu den Proben war ich wie gewohnt täglich am PC und verfolgte alle Clips, die irgendwo im Netz auftauchten. Am Final-Abend hatte mich das Lena-Fieber endgültig gepackt, trotzdem schaute ich den ESC nur mit meinem besten Kumpel an. Ungewöhnlich für mich, der den Contest traditionell immer in einer Gruppe und bei einer ESC-Party verfolgte. Ich weiß noch, dass ich sehr nervös war bei Lenas Auftritt. Vor dem Fernseher kniend, Hände zusammengefaltet und an meinen Mund gehalten – „Bitte Stolper nicht oder so“, dachte ich mir. Aber der Auftritt war perfekt, wie immer wenn Lena abliefern musste. Ich weiß noch dass die Bild-Zeitung direkt nach dem Auftritt schrieb „Lena, das war schwarz-rot-geil“. Sollten wir das Ding holen? Aber da waren doch auch noch Aserbaidschan oder die Türkei?

Dann kamen die Punkte… und nach und nach zeichnete es sich ab. Mein Kumpel lachte laut und meinte: „Ey die holt das echt.“ Aber ich wollte es bis zum Schluss nicht glauben. Als es dann offiziell war, spielte mein Handy verrückt. Freunde und Familie  aus ganz Deutschland und Spanien riefen mich an, um mich zu fragen wie denn die Stimmung so in Deutschland war – ich schaute aus dem Fenster und sah niemanden auf der Straße. Ich überlegte nicht lange und sagte dann: „Also hier drehen alle durch!“

Zum Spaß fuhren mein Kumpel und ich mit separaten Autos los und hupten. Es war wohl der traurigste Autokorso aller Zeiten, aber uns wurde zugewunken hier und da, und dann fanden wir sogar im Ländle Leute, die mit Deutschland-Flagge unterwegs waren. Im Nachhinein hätte ich natürlich alles dafür getan, um live in Norwegen oder wenigstens auf der Reeperbahn gewesen zu sein. Aber gut, immerhin haben wir einen deutschen Sieg beim ESC erlebt, da kann ich bei anderen Ländern wohl noch lange warten… Spanien…

Wenn Ihr das Finale des ESC 2010 auch selbst noch einmal nacherleben wollt, findet Ihr hier unseren Live-Blog zu der Show, die vor zwei Wochen im Ersten wiederholt wurde. Und wir sind auch an Euren ganz eigenen Erinnerungen an den 29. Mai 2010 interessiert. Wenn Ihr Lust habt, schreibt Eure Berichte doch gerne in die Kommentare und wir machen daraus eine weitere Erinnerungs-Folge.


24 Kommentare

  1. @DP – sehr guter Punkt, dass die Norweger die Show durch kleine Sachen (von Dir erwähnte Animation durch Moderatorin, Kameraeinstellungen, Lautstärke des Applauses, inszenierter Flirt mit Rybak) stark auf einen Sieg Lenas zuschnitten. Das gab’s in solcher Deutlichkeit sonst nur noch so bei Conchita und (allerdings erfolglos) bei Il Volo und Dami Im.

    • Das gab es aber auch schon bei der Dänin 2013! Und davor z. B. bei Dana 1998, Charlotte 1999, Sertab 2003, Ruslana 2004, Helena 2005… die Liste könnte man endlos ausführen. In der Eurovision-Woche selbst ist es eigentlich fast immer recht einfach zu erkennen, wer siegen wird oder zumindest in den Top 5 landen wird.

      • Naja, zugeschnitten sein und Favorit sein sind ja auch nochmal zwei unterschiedliche Sachen, das wird hier jetzt ein bisschen vermischt, glaube ich. Außerdem wissen in der Retrospektive natürlich immer alle, wer von Anfang an der klare Gewinner war, aber das wechselt oftmals ja auch noch kurzfristig.

  2. Nachdem aus meinem Umfeld wegen der penetranten deutschen Erfolglosigkeit und der wirklich grauenhaften Wettbewerbsbeiträge so ziemlich niemand mehr den ESC verfolgte, und ich für mein Hobby schon irgendwie bemitleidet wurde, hatte ich 2010 das Glück dass meine mittlerweile zehnjährige Tochter mitguckte. Als die Punkte langsam anrollten, vergass ich vollkommen sie ins Bett zuschicken, wäre auch in Kinderquälerei ausgeartet, da es vor Spannung ja nicht mehr auszuhalten war, selbst mein Mann schaute vorbei, da die Jubelrufe der Nachbarn nicht mehr zu überhören waren.
    An den Tagen nach dem Sieg erreichten mich reumütige Anrufe von Freunden und Verwandten, die es jetzt doch bedauerten diesen ESC nicht geguckt zu haben. Was für Opportunisten
    .
    Meine Tochter ist heute auf dem besten Weg genauso Esc verrückt zu werden wie ich, eine Folge des Siegs ?

  3. Von 2006 bis 2009 hatte ich zwar immer das Finale des ESC geschaut, aber eher als interessierter Zuschauer als als Fan. 2010 war dann – wie bei so manchem – das Jahr, in dem ich zum ersten Mal auch die Halbfinals verfolgt habe und mir vor dem Wettbewerb auch die Beiträge der anderen Länder angehört habe, auch bedingt durch die mediale Begleitung in Deutschland (insbesondere von Raab in Szene gesetzt).
    Das Finale selbst habe ich allein bzw. beim Voting dann mit meinen Eltern gesehen, habe aber lange nicht an einen Sieg Deutschlands geglaubt, umso schöner, dass es dann geklappt hat 🙂
    2011 dann das Glück, Tickets für Düsseldorf zu bekommen und getreu dem Motto: „Wenn man schon live dabei sein wird, muss man auch die anderen Beiträge vorher kennen“ auch die erste VE-Saison, die ich mitverfolgt habe. Durch das Verfolgen anderer Vorentscheide bin ich dann auch auf einige Blogs / Foren aufmerksam geworden und seitdem regelmäßiger Leser, u.a. eben beim damaligen Prinz-Blog. Das Live-Erlebnis in Düsseldorf war dann so genial, dass ich seitdem vom ESC-Virus infiziert bin, in Wien, Stockholm und Lissabon (… und eigentlich auch vor zwei Wochen in Rotterdam) wieder live dabei war und durch die Community auch einige neue Freunde gefunden habe, alles in allem also eine sehr glückliche Fügung 🙂

  4. Ich habe den ESC 2010 ganz bewusst allein angeschaut.
    Ich war 19 und in meiner ersten eigenen Wohnung. Zu meiner Familie bin ich nicht gefahren, auch nicht zu Partys oder Freunden, weil ich so große Chancen noch nie gefühlt hatte. Sie musste es einfach holen und ich wollte den Moment ganz allein genießen.
    Habe es mir richtig gemütlich gemacht. Leckeres Essen und Getränke, Kerzen und ich. Mehr wollte ich einfach nicht 🙂
    Es ist bis heute so prägend und hat mir so viel gegeben, Lena siegen zu sehen.
    Konnte erst nicht einschlafen voller Freude.
    Die anderen Songs kannte ich natürlich auch. Es war ein Fest und bedeutet mir bis heute so viel.
    Könnt ihr das nachvollziehen? 🙂

    Ich gebe das ganz bewusst an meine Kinder weiter. Die Liebe zur Musik, zu diesem Wettbewerb und dieses Feeling.
    Wenn ich den 5-jährigen dann Fuego singen höre weiß ich: ich hab alles richtig gemacht.
    ❤️

    Meine Frau gibt die Liebe zum Fußball weiter. 😉

  5. Ich hatte mich damals von der dümmlichen Osteuropa-Punktezuschieberei-Verschwörungstheorie infizieren lassen und auf ESCToday geschrieben: „Wenn Lena ein osteuropäisches oder skandinavisches Land vertreten würde, stünde sie bereits vor der Veranstaltung als Siegerin fest.“ Was für ein Unsinn. Wir saßen dann alle fassungslos vor dem Fernseher. Das ist eine meiner schönsten ESC-Erinnerungen, weniger wegen Lenas Sieg (ich mag „Satellite“, aber ich mochte die Beiträge aus der Türkei, Estland, Zypern, Israel, Belgien und Russland … ja, Russland … *rennt um sein Leben*) lieber, sondern weil sich meine Meinung als schwachsinniger Unsinn erwiesen hatte. Dazuzlernen und Vorurteile abzubauen ist immer schön. 🙂

      • 4 🙂
        Peter Nalitch forever!!!
        Seine Musik war neben Lena die größte Entdeckung des Jahrgangs für mich

      • 5 🙂 Meine weiteren Favoriten in diesem Jahr: Slowakei, Polen, Spanien, Rumänien, Israel, Lettland, Kroatien, Bulgarien, UK

    • Was du auf ESCToday geschrieben hattest, war doch gar nicht mal so unpassend. Es geht beim „vorher Feststehen“ schließlich nicht nur um Tatsachen, sondern auch um Wahrnehmung. Wäre sie aus Russland oder Schweden gekommen, wäre ihr Favoritenstatus definitiv größer und die Zweifel geringer gewesen in der Wahrnehmung der Fans.

  6. Ich interessiere mich für den Song Contest, seit ich den Zusammenhang zwischen ABBA und dem „Grand Prix“ begriffen hatte. Seit sich 1983 die unerwartete Möglichkeit ergab, habe ich immer versucht live am Fernseher oder wenigstens Radio dabeizusein. Das war im tiefsten meist westfernsehfreien Osten nicht immer einfach.
    Nach der Wende habe ich keinen Contest mehr verpasst und auch ich war mir sicher, dass Deutschland das Ding nie wieder wird gewinnen können.
    Dann kam Lena. Ich hatte so meine Hoffnungen, aber die waren in den letzten Jahren immer wieder arg enttäuscht worden….deswegen ganz ruhig bleiben.
    Aber dann passierte es halt doch, ich musste weinen vor Freude und habe in der Nacht beschlossen, im nächsten Jahr live dabei zu sein. So startete meine Reise, die mich nach Düsseldorf, Malmö, Kopenhagen, Wien, Stockholm, Kiew, Lissabon und Tel Aviv führte. Baku kannte ich bereits aus den 80ern und es war mir zu kompliziert dorthin zu reisen. Leider habe ich zu spät bemerkt, dass es ein Pfingstwochenende war und ich viel Zeit gehabt hätte. Bedauere ich sehr.
    Nach Kiew wollte ich ursprünglich auch nicht, aber ich konnte nicht widerstehen. Jedes Jahr verkünde ich, ich weiß nicht ob ich nächstes Jahr fahre……
    Nur eines macht mich traurig, warum bin ich nicht schon 2010 auf die Idee gekommen live dabeizusein????

  7. „Wow, geil, wie bei einer Fußball-WM“.

    Die Worte „Wow, geil,“ ersetzt durch „Oh, nein,“ geben so etwa meine Gefühlslage angesichts des Hypes wieder (habe ich hier eigentlich schon mal erwähnt, dass ich Hypes alles andere als zugeneigt bin? 😉 ). Dieses schlimme Schland-Lied, das später veröffentlicht wurde, verfestigte diesen Eindruck noch. Und vielleicht täusche ich mich ja, aber ich habe das Gefühl, dass unter den erfreulich vielen neuen ESC-Fans, die 2010 dazukamen, doch auch ein paar waren, die den ESC als so etwas Ähnliches wie eine Fußball-WM betrachten, bei dem das Wichtigste (oder gar einzig Wichtige?) eine gute Platzierung für das eigene Land zu sein scheint und bei dem man toll in einer fahnenschwenkenden Masse aufgehen kann. Nun ja, wer eine Freude daran hat, soll sie haben, ich bin ja nicht gezwungen, zu Public Viewings zu gehen (und tu’s auch nicht 🙂 ).

    Ganz abgesehen davon fand ich Lenas Auftritt wirklich sehr erfrischend und sympathisch, sie hat aus diesem halbwegs netten Liedchen das Allerbeste herausgeholt!

    • Es soll allerdings auch eine ganze Menge Fußballfans geben, denen es gefällt, ein gutes Spiel zu sehen und gerade bei einer WM es auch anderen Ländern als dem eigenen gönnen.
      Ich kann deine Gefühle bzgl. Hypes schon nachvollziehen, aber es ärgert mich immer, wenn man Fußballfans so derart Unrecht tut. Natürlch freut man sich über einen Sieg der eigenen Mannschaft, aber das ist mit Sicherheit nicht das Wichtigste und nicht das einzig Wichtige. Das Wichtigste beim Fußball ist: Fußball. Der Sport als solcher.

      • Ich wollte keineswegs alle Fussballfans über einen Kamm scheren, aber Du kannst nicht bestreiten, dass es in den Stadien und in den Zügen dorthin bzw. dortweg teilweise schon ziemlich wüstes Verhalten gibt. Ich bezog mich jedoch v.a. auf die Situation bei WMs oder EMs, bei denen man in Innenstädten kaum ein paar Meter laufen kann ohne auf das nächste Public Viewing zu stoßen. Bei der letzten WM konnte man sehr schön die Situation vor und nach dem Ausscheiden der deutschen Mannschaft vergleichen: Danach war deutlich weniger los (soviel dazu, dass das Abschneiden der deutschen Mannschaft für viele nicht das Wichtigste ist) und der Anteil der „wahren“ Fußballfans, auf die Du Dich zurecht positiv beziehst, war bestimmt größer. Ich empfand die gesamte Atmosphäre „danach“ als angenehmer.

      • Nein, ich bestreite nicht, dass es auch Vollidioten gibt unter Fußballfans. Aber wir wollen bitte nicht so tun, als würden alle Fußballfans zum Public Viewing rennen und nach dem Ausscheiden der deutschen Mannschaft hätte niemand mehr irgendein Spiel der WM angeguckt. Beides stimmt nämlich nicht. 🙂
        Die Zahl der Event-Fans ist beim Public Viewing natürlich sehr sehr hoch. Das ist doch wie beim ESC: die Zahl derer, die nur den einen Abend beim Finale dabei sind, ist sehr hoch. Es gibt aber auch Fans wie dich und mich, die Vorentscheide sehen oder hören und auch den einen oder anderen Favoriten haben, der nicht grad für Deutschland singt. Da geht es also auch um Musik. Und den wahren Fußballfans geht es um Fußball.

    • Mit Hypes – gerade beim ESC – stehe ich auch auf Kriegsfuß.

      Ich habe mich mit aller Kraft verweigert, von Anfang an an den Sieg von Alexander Rybak und Loreen zu glauben. Bei Francesco Gabbani lasse ich mich zum ersten Mal auf den Hype ein und was passiert? Natürlich gewinnt er nicht. 😀

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