Zum 10-jährigen Jubiläum: Die Erinnerungen der ESC-kompakt-Leser an Lenas Sieg

Lena ESC 2010 Satellite Norwegen Oslo Siegerin Deutschland Eurovision
Foto: Eurovision.tv

Ende Mai und Anfang Juni haben wir hier auf ESC kompakt das 10-jährige Jubiläum von Lenas ESC-Sieg 2010 mit „Satellite“ ausgiebig gefeiert. In diesem Zuge haben wir auch Euch Leserinnen und Leser gebeten, Eure Erinnerungen mit uns zu teilen. Die große Versöhnung zwischen Lena und Frank Elstner nehmen wir gerne zum Anlass, um diese Erinnerungen hier in einer dritten Folge zusammenzustellen. Vielen Dank an alle, die kommentiert haben!

AgnethaFrida: Ich interessiere mich für den Song Contest, seit ich den Zusammenhang zwischen ABBA und dem „Grand Prix“ begriffen hatte. Seit sich 1983 die unerwartete Möglichkeit ergab, habe ich immer versucht live am Fernseher oder wenigstens Radio dabeizusein. Das war im tiefsten, meist westfernsehfreien Osten nicht immer einfach.
Nach der Wende habe ich keinen Contest mehr verpasst und auch ich war mir sicher, dass Deutschland das Ding nie wieder wird gewinnen können.
Dann kam Lena. Ich hatte so meine Hoffnungen, aber die waren in den letzten Jahren immer wieder arg enttäuscht worden….deswegen ganz ruhig bleiben.
Aber dann passierte es halt doch, ich musste weinen vor Freude und habe in der Nacht beschlossen, im nächsten Jahr live dabei zu sein. So startete meine Reise, die mich nach Düsseldorf, Malmö, Kopenhagen, Wien, Stockholm, Kiew, Lissabon und Tel Aviv führte. Baku kannte ich bereits aus den 80ern und es war mir zu kompliziert dorthin zu reisen. Leider habe ich zu spät bemerkt, dass es ein Pfingstwochenende war und ich viel Zeit gehabt hätte. Bedauere ich sehr.
Nach Kiew wollte ich ursprünglich auch nicht, aber ich konnte nicht widerstehen. Jedes Jahr verkünde ich, ich weiß nicht ob ich nächstes Jahr fahre……
Nur eines macht mich traurig, warum bin ich nicht schon 2010 auf die Idee gekommen live dabeizusein????

CPV4931: Von 2006 bis 2009 hatte ich zwar immer das Finale des ESC geschaut, aber eher als interessierter Zuschauer als als Fan. 2010 war dann – wie bei so manchem – das Jahr, in dem ich zum ersten Mal auch die Halbfinals verfolgt habe und mir vor dem Wettbewerb auch die Beiträge der anderen Länder angehört habe, auch bedingt durch die mediale Begleitung in Deutschland (insbesondere von Raab in Szene gesetzt).
Das Finale selbst habe ich allein bzw. beim Voting dann mit meinen Eltern gesehen, habe aber lange nicht an einen Sieg Deutschlands geglaubt, umso schöner, dass es dann geklappt hat 🙂
2011 dann das Glück, Tickets für Düsseldorf zu bekommen und getreu dem Motto: „Wenn man schon live dabei sein wird, muss man auch die anderen Beiträge vorher kennen“ auch die erste VE-Saison, die ich mitverfolgt habe. Durch das Verfolgen anderer Vorentscheide bin ich dann auch auf einige Blogs / Foren aufmerksam geworden und seitdem regelmäßiger Leser, u.a. eben beim damaligen Prinz-Blog. Das Live-Erlebnis in Düsseldorf war dann so genial, dass ich seitdem vom ESC-Virus infiziert bin, in Wien, Stockholm und Lissabon (… und eigentlich auch vor zwei Wochen in Rotterdam) wieder live dabei war und durch die Community auch einige neue Freunde gefunden habe, alles in allem also eine sehr glückliche Fügung 🙂

ESCFrank: Ich werde nie vergessen, wie ungläubig ich war. Mein bester Freund hat von Anfang an an Lena geglaubt. Ich immer: „Dänemark gewinnt“. Er immer: „Halt die Klappe, Lena gewinnt“, ich wieder „kann nicht sein, Dänemark“…dabei fand ich Dänemark gar nicht mal ansatzweise gut 🤷‍♂️😂😂
Ist seit 2010 unser running gag, egal was kommt, Dänemark gewinnt…auch wenn sie im Semi raus sind.

Karin: Nachdem aus meinem Umfeld wegen der penetranten deutschen Erfolglosigkeit und der wirklich grauenhaften Wettbewerbsbeiträge so ziemlich niemand mehr den ESC verfolgte, und ich für mein Hobby schon irgendwie bemitleidet wurde, hatte ich 2010 das Glück, dass meine mittlerweile zehnjährige Tochter mitguckte. Als die Punkte langsam anrollten, vergaß ich vollkommen, sie ins Bett zu schicken, wäre auch in Kinderquälerei ausgeartet, da es vor Spannung ja nicht mehr auszuhalten war, selbst mein Mann schaute vorbei, da die Jubelrufe der Nachbarn nicht mehr zu überhören waren.
An den Tagen nach dem Sieg erreichten mich reumütige Anrufe von Freunden und Verwandten, die es jetzt doch bedauerten, diesen ESC nicht geguckt zu haben. Was für Opportunisten.
Meine Tochter ist heute auf dem besten Weg genauso ESC-verrückt zu werden wie ich, eine Folge des Siegs?

Philipp: Ich habe den ESC 2010 ganz bewusst allein angeschaut.
Ich war 19 und in meiner ersten eigenen Wohnung. Zu meiner Familie bin ich nicht gefahren, auch nicht zu Partys oder Freunden, weil ich so große Chancen noch nie gefühlt hatte. Sie musste es einfach holen und ich wollte den Moment ganz allein genießen.
Habe es mir richtig gemütlich gemacht. Leckeres Essen und Getränke, Kerzen und ich. Mehr wollte ich einfach nicht 🙂
Es ist bis heute so prägend und hat mir so viel gegeben, Lena siegen zu sehen.
Konnte erst nicht einschlafen voller Freude.
Die anderen Songs kannte ich natürlich auch. Es war ein Fest und bedeutet mir bis heute so viel.
Könnt ihr das nachvollziehen? 🙂
Ich gebe das ganz bewusst an meine Kinder weiter. Die Liebe zur Musik, zu diesem Wettbewerb und diesem Feeling.
Wenn ich den 5-jährigen dann Fuego singen höre weiß ich: ich hab alles richtig gemacht.
❤️
Meine Frau gibt die Liebe zum Fußball weiter. 😉

stefanohh: Ich habe getippt Island gewinnt, Lena sah ich auf 4, da zum ersten Mal von Beginn der Show an gevotet wurde und ein Big4 Land nicht gewinnen kann.
Beim eigenen Partyvoting hatte Norwegen zum dritten Mal in Folge gewonnen, mein Favorit war an dem Abend Belgien.
Für uns war der Flitzer der spanische Backgroundsänger. Beim zweiten Auftritt fiel uns auf, dass der Sänger dazu gehörte 🙂
Glow als Intervalact brachte gute Stimmung, vor allem auch mit den Livebildern aus Hamburg und Hannover.
Tja und das Voting war unbeschreiblich, da hat das kleine Schweinchen mit den beiden Flaggen von Norwegen und Deutschland aufm TV Glück gebracht 🙂

togravus ceterum: Ich hatte mich damals von der dümmlichen Osteuropa-Punktezuschieberei-Verschwörungstheorie infizieren lassen und auf ESCToday geschrieben: „Wenn Lena ein osteuropäisches oder skandinavisches Land vertreten würde, stünde sie bereits vor der Veranstaltung als Siegerin fest.“ Was für ein Unsinn. Wir saßen dann alle fassungslos vor dem Fernseher. Das ist eine meiner schönsten ESC-Erinnerungen, weniger wegen Lenas Sieg (ich mag „Satellite“, aber ich mochte die Beiträge aus der Türkei, Estland, Zypern, Israel, Belgien und Russland … ja, Russland … *rennt um sein Leben*) lieber, sondern weil sich meine Meinung als schwachsinniger Unsinn erwiesen hatte. Dazuzulernen und Vorurteile abzubauen ist immer schön. 🙂

Damit ist unsere kleine Reihe vorerst abgeschlossen und wenn Ihr weiter in Erinnerungen schwelgen möchtet, findet Ihr hier noch einmal alle Stücke zum Nachlesen:

Die Erinnerungen der ESC-kompakt-Blogger an Lenas Sieg (1)
Die Erinnerungen der ESC-kompakt-Blogger an Lenas Sieg (2)
Stefan Niggemeier erinnert sich an Lena & Co.
Heute vor 10 Jahren: Lena gewinnt mit „Satellite“ den ESC 2010 in Oslo
Live-Blog: Eurovision Song Contest 2010 – Das Finale


13 Kommentare

  1. Es sind so tolle Erinnerungen!

    Zum Abschluss muss ich noch meinen Kommentar unter „Heute vor 10 Jahren…“ vom 29. Mai „auflösen“ („Wenn Julie Frost als Komponistin noch gewürdigt wird, spoilere ich mal nicht, welchen Beitrag der aktuellen VE-Saison sie mitgeschrieben hat“). Es war „Colors“ von Roxen und auch noch ihr „Beautiful Desaster“. Ganz toll!

    Hier singt Julie „Satellite“ selbst bei Markus Lanz. Sie war auch im Interview so sympathisch!

    https://youtu.be/naA16tkkjSI

  2. Lena 2010 hat bei mir auch das ESC Fieber ausgelöst. Bin ihr + Raab für den Sieg sehr dankbar und die Show 2011 war einfach grandios.

    Mittlerweile bin ich allerdings kein Lena Fan mehr. Vor allem nach ihrem furchtbar unsympathischen Auftritt mit Caspar damals. Also als Person werde ich Lena wohl nie mögen. Als Teilnehmerin 2010 war sie nach Roman Lob aber mein Lieblingsact für Deutschland

  3. Bitte nicht übel nehmen. Für mich war 2010 der esc mit den lahmsten songs, knapp hinter 2011. Ich weiss davon nur noch, dass mir von anfang an klar war, das dat lenchen das gewinnt. Auch von daher äusserst langweilig.

    • 2010 drängten sich in der Tat nicht allzu viele Songs als Sieger auf, am ehesten hätte ich es damals noch MaNga zugetraut.
      Aber es gibt doch Songs aus diesem Jahr, die ich immer noch gerne höre, z. B. RUS, CYP, FIN.
      „Satelite“ hat sich bei mir mittlerweile ein wenig abgenutzt, habe mich damals natürlich auch wahnsinnig gefreut. „Taken By a Stranger“ mag ich hingegen immer noch sehr gerne🙂

  4. 2010 war für mich als Jahr in Erinnerung geblieben, in dem viele schöne Songs im Halbfinale stecken geblieben sind: Kuunkuiskaajat aus Finnland, Malcolm Lincoln aus Estland, Kristina aus der Slowakei, … . Im Finale war ich dann für Belgien. Von Lena war ich gar nicht fasziniert, erst ein Jahr später nahm ich sie mit dem mMn interessanteren Song wahr. Ich werd zwar kein Fan ihrer Musik, aber ich find’s erstaunlich, dass sie sich nach 10 Jahren immer noch erfolgreich im Geschäft hält.

    Und hier noch eben auf der Tube entdeckt. Lenas kleine Reise in die Vergangenheit.

    • Das Schönste an Lena 2010 war, dass sie so unverkrampft und fröhlich rüberkam. Das sind Eigenschaften, die nur wenige Menschen anderswo mit Deutschland verbinden. Lena war mMn eine großartige Botschafterin für Deutschland. Danke, Lena. 🙂

      Bezüglich Ihrer Musik stimme ich Dir zu. ‚Taken By a Stranger‘ ist auch heute noch der einzige Lenasong in meiner Playlist.

      • Leider scheint sie, meiner Meinung nach, das Unverkrampfte mit der Zeit etwas verloren zu haben. Aber das liegt wahrscheinlich auch in der Natur der Sache, das Showbiz ist wohl nicht ohne.
        Ich bin jetzt auch nicht der große Fan von Lenas Musik, ausser „Taken By a Stranger“,
        aber ich habe grossen Respekt vor ihrer Leistung.🙂

      • Fröhlich ja, unverkrampft ich weiß nicht. Dazu war sie zu sehr Kate Nash-Imitat. Lustigerweise klang ihr British English in meinen Ohren mehr nach isländischem Akzent (ein bißchen wie Björk). Wie auch immer, Lena hat damals ’ne meterdicke Staubschicht, die das unliebsame Kind ESC hier in D bedeckt hatte, aufgewischt.

  5. Zu den Erinnerungen…
    @Philipp: Deine finde ich wirklich schön. Alles Gute für dich und deine ESC/Fußball Familie 😊👍🏻🙋‍♂️

  6. @Dominik
    Ich glaube, gerade ihr Akzent war unverwechselbar, und trug zum Erfolg bei.😊
    Ganz ehrlich, ich wage mal zu behaupten, dass „Satelite“, dargeboten von einer anderen Künstlerin, weniger erfolgreich gewesen wäre. Die Komposition ist sicher nicht schlecht, aber nur Lenas Interpretation hat zu dem Erfolg geführt, meiner Meinung nach😊

Schreibe eine Antwort zu ESCFan2009 Antwort abbrechen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.