Zur Sicherung des ESC 2021: EBU ermöglicht (vorübergehend) aufgenommene Backing Vocals

Das Coronavirus hat uns in diesem Jahr nicht nur den Eurovision Song Contest genommen. Nun führt die Epidemie auch dazu, dass durch die Hintertür eine weitere Änderung umgesetzt wird, die den Wettbewerb weiter weg von seiner ursprünglichen Idee und hin zu einem europäischen Melodifestivalen führt.

„Die Lehren aus dem Frühjahr 2020 sind, dass wir für eine globale Krise planen müssen, und wir haben die Regeln des Wettbewerbs darauf zugeschnitten. Wir müssen in der Lage sein, flexibler zu sein und sogar das Format selbst und die Organisation der Veranstaltung in diesen herausfordernden Zeiten zu ändern“, sagte Martin Österdahl, der neue Executive Supervisor des Eurovision Song Contest einleitend auf eurovision.tv.

Wer nun denkt, jetzt kommt eine ganze Reihen von Veränderungen, der irrt. Denn im Folgenden geht es nur darum, dass im nächsten Jahr beim ESC vorher aufgenommener Background-Gesang erlaubt ist: „Als Teil der Maßnahmen zur Sicherung der Nachhaltigkeit des Eurovision Song Contest hat die Reference Group beschlossen, das Verbot von Backing Vocals (Harmonien) aus den Backing Tracks versuchsweise für ein Jahr aufzuheben.“

Natürlich gibt’s dafür auch eine schöne Begründung: „Die Idee hinter der Änderung besteht darin, den teilnehmenden Rundfunkanstalten die Möglichkeit zu bieten, neue kreative Ideen zu erforschen, für 2021 mit einer kleineren Delegation zu reisen und die technischen Belastungen für den Host Broadcaster zu reduzieren … Außerdem ermöglicht es Songwritern und Produzenten, ihre Werke so nah wie möglich an ihrer ursprünglichen Komposition zu präsentieren, und, was wichtig ist, gewährleistet es, dass der Wettbewerb mit der Zeit geht.“

Martin Österdahl, der neue Executive Supervisor des Eurovision Song Contest 

Was nicht gesagt wird: Es wird für alle billiger und macht im Zweifel mehr her. Denn die Gefahr des Falschsingens wird noch geringer – und gleichzeitig kann der bzw. die Hauptsängerin auch noch Kopfstand machen und mit den Füßen Fliegen fangen.

Diese Änderung und die weiteren Regeln für den Eurovision Song Contest 2021 wurden von der Referenzgruppe, dem Verwaltungsrat des Wettbewerbs, bereits genehmigt und an die EBU-Mitglieder verteilt, die an der Veranstaltung im nächsten Jahr teilnehmen möchten.

Natürlich gibt es kein Muss der Verwendung der vorher aufgezeichneten Backing Vocals. De facto ist es aber so, dass jeder, der dennoch Hintergrundsänger/innen einsetzt, nicht nur höhere Kosten hat, weniger bunte Show auf der Bühne machen kann und am Ende den schlechteren Sound hat. Ausschließen sollte man sicher nichts, aber dazu raten kann man wirklich niemandem.

Am Ende können wir froh sein, dass eine Kombination aus Live- und aufgezeichneten Backing Vocals erlaubt ist. Und wichtig: Alle Lead-Sänger, die die Melodie des Liedes vortragen, einschließlich einer eventuellen Verwendung eines so genannten Lead-Dubs, müssen sich weiterhin live auf oder hinter der Bühne in der Arena befinden. Ah ja.

Dann ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis wir trotz des gewollten Sparpotenzials acht Personen auf der Bühne haben werden. So wie beim Mello. Aber eben erst, wenn Corona vorbei ist.

Es gibt aber eine minimale Hoffnung. Auf die Frage, ob die Regeländerung dauerhaft ist, heißt es in der Veröffentlichung: „Nein, die ESC Reference Group stimmte zu, die Regeländerung ein Jahr lang zu testen. Wie alle Regeln für den Eurovision Song Contest wird sie nach der Veranstaltung im nächsten Jahr überarbeitet.“


100 Kommentare

  1. Also da fällt einem wirklich gar nichts mehr ein. Ich will ja eigentlich nicht so sein, aber dass der Schwede Österdahl die Melloisierung des ESC sofort so unverschämt weiter vorantreibt, geht überhaupt nicht.

    • Ich habe es von Anfang an gesagt als der schwedische Österdahl als Sand-Nachfolger vorgestellt wurde, dass der ESC immer mehr und mehr „verschwedischt“ wird.
      Das wird soweit gehen, dass der ESC nur noch wie eine Euro-Mello ausgestattet wird. Oder eine ESC-Playback-Show.

      Mit „…das Verbot von Backing Vocals (Harmonien) aus den Backing Tracks versuchsweise für ein Jahr aufzuheben…“ ist nur der erste Stein gesetzt !!! 🙁

  2. Mag mir mal jemand erklären was ein solcher Lead-Dub ist? 🤔
    Und sind das jetzt genau die gleichen Regeln wie beim Melodifestivalen oder ist der Live Anteil beim ESC trotzdem noch größer?
    Ich denke mit einem schwedischen EBU Supervisor wird der ESC in der Zukunft noch stärker an das Melodifestivalen angeglichen, diese demographische Abstimmung ist wohl auch nur eine Frage der Zeit dann…

    • Aus den Regeln fürs Melodifestivalen: „Tillhandahållandet av instrumentala ”backingtracks” är en förutsättning för tävlingsdeltagande. På dessa ”backingtracks” får förekomma förinspelad körsång, dock inte av medverkande huvudartist/er, som måste sjunga live.“ (Instrumentelle Backtracks sind eine Voraussetzung für für die Teilnahme am Wettbewerb. Auf diesen „Backingtracks“ dürfen vorher aufgenommener Chorgesang vorkommen, jedoch nicht vom bzw. von den mitwirkenden Hauptkünster(n), der/die live singen müssen)

    • Lead Dub bedeutet, dass jemand im Background die Stimme des Frontsängers doppelt. Dann klingt die Stimme kräftiger oder (wenn man sie entsprechend laut bzw. leise regelt) man hört nicht mehr, dass der eigentliche Sänger nicht singen kann 😉

      • Solche Lead Dubs sollten auch strengstens verboten bleiben!Wer am ESC teilnimmt, sollte Singen können! Wer schräge Stimmen hören will, geht zu DSDS ins Casting.

      • Bestes Beispiel zu einem Lead Dub beim ESC ist Azerbaijan 2016, Miracle. Die Sängerin (Samra) war ziemlich erkältet und hatte aus diesem Grund einen Lead Dub aus dem Background, den man deutlich hören kann. Auch Levina in 2017 hatte beim Finalauftritt ein komplettes Lead Dub, was ich überhaupt nicht verstanden habe.

  3. „Es gibt aber eine minimale Hoffnung“ – das dachten wir 2015 mit der „einmaligen Teilnahme“ Australiens auch. So lächerlich.

  4. Mit ansatzweise demokratischer Entscheidungsfindung hat das bei der EBU auch nichts zu tun. Die Reference Group drückt schwedische Interessen durch und die anderen Mitgliedssender stehen blöd daneben. Von den Fans ganz zu schweigen.

      • Na, ja, noch längst nicht alle🙂.
        Ich bezeichne mich auch als Hardcore-Fan, und finde längst nicht alles toll, was aus Schweden kommt (obwohl ich die Schweden und das Land sehr mag).
        Aber oft finde ich die Beiträge zu „glatt“, obwohl in dem Melodifestivalen schon einige Perlen zu finden sind, leider werden sie nicht gewählt☹️. Und die neuen Regeln, die unter der Initiative Schwedens eingeführt werden, finde ich auch zum größten Teil Grütze.

  5. Desaströse Entscheidung, Covid-Pandemie hin oder her.

    Eines der größten Pfunde mit dem der ESC bisher wuchern konnte, war doch gerade eben, das ALLE Stimmen live waren und die Teilnehmer die knifflige Herausforderung hatten, ihren Beitrag unter diesen Bedingungen möglichst gut auf die Bühne zu bringen. Wenn es nur noch darum geht, „[…]Werke so nah wie möglich an ihrer ursprünglichen Komposition zu präsentieren“, dann lassen wir diese lästige Singerei doch gleich weg, und spielen einfach die Studioversionen playback ein! Wilkommen zum Eurovision Lipsync Battle 2021!

    Schade, dass es in Zukunft nicht mehr wirklich nötig ist, einen fähigen Sänger schicken zu müssen, weil der Backing Track im Zweifel fast alles richten kann – hat man ja beim Mello schon sehr schön gesehen, wie viel (oder besser: wenig) Live-Stimme bei stimmlich Minimalbegabten noch übrig bleibt (Victor Crone, Samir & Viktor)

    Und das mit der „Kostenreduktion“ der Delegationen wird sich dann spätestens als Milchmädchenrechnung herausgestellt haben, wenn Selbige statt Backgroundsängern einfach die selbe Anzahl an Tänzern, Trapezkünstlern, Einradfahrern etc. mitnehmen werden.

  6. Wenn es dazu beiträgt, den ESC 2021 zu ermöglichen, finde ich es okay, als Ausnahme. Aber ich fürchte, dass sie die Regeländerung auch in die Nach-Corona-Zeit übertragen werden. Und, sorry, das hat für mich nicht mehr allzu viel mit Kunst zu tun. Es ist dann nur noch eine Frage der Zeit, bis dann irgendwann Vollplayback eingesetzt wird☹️.

    P. S.: Auf allzu bunte Bühnenshow könnte ich auch verzichten, stimmig ja, auf jeden Fall, aber nicht überfrachtet, wie in der jüngeren Vergangenheit oft geschehen.

  7. In Corona-Zeiten eine sinnvolle Maßnahme, es darf aber auf keinen Fall passieren dass diese Regel wird, daß wäre fatal für den Contest…

  8. Schweden hat schon einige Entscheidungen forciert: Stehplätze in der Halle, festgelegte Startreihenfolge, geteilte Verkündung von Jury- und Televote.. und nun können die Backings wegfallen, wird der nächste Schritt sein, dass der Hauptsänger nicht live singen braucht.. vermutlich wird in den nächsten Jahren noch mal versucht acht Leute als Maximum durchzusetzen, dies wird für 2021 wohl schwierig 🙂

      • Liebe Gaby,

        versuche beim Tippen der Worte ruhig zu bleiben und lese dir den Text in Ruhe nochmal durch bevor du ihn abschickst und wieder verbessern musst. Bitte lass die Zeit 🙂 Alles Gut!

        🙂

      • Gaby, so ein paar Tippfehler sind doch nicht schlimm! Außerdem machst Du nur ganz selten welche. MAch bitte genauso weiter!

      • Oh, und ich versuche mir derweil die Regel einzuprägen, dass man den zweiten Buchstaben eines Wortes, bei dem der erste Buchstabe groß geschrieben war, normalerweise dann wieder klein schreibt… 😉

  9. Wofür überhaupt noch eine Show? Kostet doch alles nur Geld. Man kann ja alles virtuell machen. Dann hätte man sogar in diesem Jahr einen Gewinner küren können. Ein Live-Auftritt ist doch theoretisch nicht mehr notwendig.

    • Warum noch eine Show? Weil der Sinn und Zweck des ESC immer darin bestand, nicht nur die Musik aus den einzelnen Ländern vorzustellen, sondern auch die Menschen aus ganz Europa (und darüber hinaus) zusammenbringen sollte. Thema: Völkerverständigung. 🙂
      Dieses Jahr wäre ein virtueller Contest zur Not noch eine Alternative gewesen. Aber bitte nicht grundsätzlich, dann würde der Charme des Contests endgültig ruiniert, meiner Meinung nach.

  10. Ist das mit dem Livegesang nicht schon längst so gut wie passé? Denn wie sonst lässt sich Australien 2019 erklären? Und das man so gut wie gar nic ht mehr erkennt ob ein Künstler sich versungen hat oder nicht?

  11. Diese Änderung ist der absolute Gipfel der Schwachsinnigkeit, und eine Beleidigung für jeden echten ESC-Fan … und was ist das eine an Dämlichkeit nicht zu überbietende Begründung wegen dem Corona-Wahn das zu ändern ??? …. LÄCHERLICH! Und JEDER der das unterstützt und gut findet beweist zu 100%, dass er keine Ahnung hat was den ESC wirklich ausmacht.

    Vor allem: Es verärgert doch nur die Fans, denen der Live-Gesang wichtig ist, kann dazu nur @100teljubam noch mal zitieren, da ich es kaum besser ausdrücken kann:

    „Eines der größten Pfunde mit dem der ESC bisher wuchern konnte, war doch gerade eben, das ALLE Stimmen live waren und die Teilnehmer die knifflige Herausforderung hatten, ihren Beitrag unter diesen Bedingungen möglichst gut auf die Bühne zu bringen.“

    Anbringen kann ich dazu noch, dass es sehr viele Live-Auftritte gibt, die mir durch die Live-Version (Gesang bzw. eben vor allem den Hintergrundstimmen in Kombination mit dem Lead-Gesang) um einiges besser gefallen, als die Studioaufnahmen, da so MEHR Emotionen vermittelt werden und rüber kommen. Als Beispiel fällt mir gerade spontan „Sergey Lazarev – Scream“ ein, vergleicht doch mal die Studioaufnahme mit der Live-Version beim ESC, und dann eben speziell den Hintergrundgesang. Aber da gibts es noch sooo viele andere Lieder als Vergleiche dazu.

    Ausserdem: Es gibt genug Menschen die den den ESC einfach so schauen, und nicht so intensiv sich damit beschäftigen wie wir echten Fans. Die merken nicht mal, ob ein Gesang Live, oder nicht Live ist. Daher ist die Änderung für diese Menschen den Hintergrundgesang nur noch „vom Band“ kommen zu lassen (was wohl mit den grössten Teil der Leute ausmacht), absolut irrelevant. Für UNS Fans aber die den Live-Gesang und die oben angedachten Punkte lieben, ist das eine Beleidigung und macht, für mich persönlich, den ganzen ESC um EINIGES unattraktiver anzusehen. Freu mich schon gar nicht mehr richtig auf den ESC 2021 mit dieser Veränderung ….. :-/

    Lasst doch den Live-Gesang am besten irgendwann ganz weg, alles Playback….. Dann brauch ich diesen ESC gar nicht mehr schauen, und es kann jemand eine Gegenveranstaltung gründen wo Live-Gesang noch wichtig ist. Da würde ich dann wieder einschalten! 🙂

  12. Ich mache das Fass mal andersherum auf: Bei Jowst wurde doch 2017 heiß diskutiert (ich war damals allerdings noch nicht auf Blogs unterwegs, kann also zur Situation hier nix sagen), ob er diesen Soundeffekt in „Grab The Moment“ etwa bei „kill, kill, kill“ nutzen darf/soll/muss. Er durfte immerhin am Ende. Netta wurde hingegen 2018 verboten, ihren Looper live zu spielen und das Ding war in Lissabon nur noch, wenn auch hübsche, Farbenspielerei. Diese beiden Fälle reichen mir schon, um mich für etwas mehr Innovation auszusprechen.

    Ich stehe zur Tradition und zur Geschichte des ESC (Jap. Punkt ^^); aber in einem SONGwettbewerb müssen technische Produktionsmöglichkeiten des SONGs up-to-date sein. (Übrigens auch ein Grund, weswegen ich gegen eine Wiedereinführung des (an sich echt schönen!) Orchesters bin. Wie soll das denn bestimmte Sachen spielen?)

    Und: Backing vocals können den Song nicht mehr „ruinieren“. Ist das nicht ein Standardsatz der Fans? „The backings ruined it“. Wenn ich daran denke, wie das „I ain’t scared no more“ bei Saara Aalto klang – das der Backings, nicht Saaras Part im Refrain 🙂

    • Mit Verlaub, mit einem vollständigen Pop-Orchester kannst du ALLES spielen 😉

      Ich für meinen Teil würde es „dulden“, wenn Backing Vocals mit Samples gestützt werden würden, aber nicht komplett vom Band kommen. So wird es auch bei Musicals etc. sehr gut und authentisch umgesetzt.

      Am allerliebsten wäre mir komplette Live-Musik und Live-Ensemble. Moderne Elemente als Samples einspielen ist vollkommen OK und zeitgemäß.

  13. Erste Entscheidung von dem neuen Supervisor und eine richtig schlechte meiner Meinung nach. Können wir Jon Ola Sand bitte zurückhaben?
    Ne, wirklich. Das Mello zeigt doch, wozu das führt. Da sind die Backing Vocals teilweise so laut gestellt, dass man den echten Gesang gar nicht mehr raushört. Bestes Beispiel sind die Mamas. Oder „Hold You“ vom letzten Jahr, wo im Vergleich zum Semi die Backings zum Finale hin noch einmal kräftig raufgeschraubt wurden, damit auch der letzte menschliche Ton verschwindet.

    Das ist ja gerade der Part, bei dem man sieht, ob der Sänger die bearbeitete und aufgehübschte (und teilweise blächernde, weil man es da schon übertrieben hat) Version auch so auf die Bühne bringen kann.
    Oh unser Sänger kann nicht singen? Macht nichts. Dann machen wir einfach 5 aufpolierte Stimmen in den Hintergrund, damit man ihn nicht mehr hört.

  14. Leute haltet mal die Luft an…! Jetzt schauen wir doch erstmal ob dies wirklich nur für diese eine ESC-Saison gilt und wenn nicht, dann kann man sich nach dem ESC 2021 immer noch aufregen!

    • Mal andersrum gefragt, wurde eine schwedische Änderung schon mal wieder zurück genommen.
      Oder was soll passieren, dass man 2022 sagt, das hat sich nicht bewährt? Denn natürlich wird es sich bewähren, die Teams haben weniger Arbiet mit dem Proben, weil nur noch der Sänger wichtig ist und sparen auch noch Geld weil 1-5 Künstler eingespart werden können. Ok, nach dem Modell Schweden werden die dann duch Tänzer ersetzt.
      Der Zuschauer wird nichts merken weil die Backings sowieso seit einigen Jahren immer mehr in den Hintergrund geschoben wurden, ich glaube da war Schweden auch der Vorreiter mit den Chor-Gesang aus dem Off. Ja es werden sich ein paar Puristen aufregen, aber wie schon bei der letzten dummen Änderung mit der Punktevergabe, „wird ja alles so viel spannender“, klar wenn man zwei Stunden lang unwichtige Punkte verkündet ist es schon spannend, wer nun endlich gewonnen hat.

  15. „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!“ – Und Australien wurde auch nur einmalig zum ESC eingeladen… Regeln sind bei der EBU so eine Auslegesache… genau wie das Orchester, die Startreihenfolge, die Reihenfolge beim Schnelldurchlauf, die Dauer der Öffnung der Televoting-Linien, die Möglichkeit ab Beginn der Show für seinen Favoriten anzurufen, der Fake-Applaus während der Performances, die fehlenden Backing-Sänger auf der Bühne trotz Vorhandensein auf dem Song-Instrumental…

  16. … politische Botschaften in den Songtexten, frühere öfftentliche Songpräsentationen bevor Deadline… so viele Regeln aber keiner hält sich wirklich daran.

  17. Damit ein herzliches (?!) Willkommen dem Auto-Tune im Contest, denn ohne Prozessoreffekte nimmt heute niemand mehr Gesang auf, auch nicht für den Hintergrund. Der logische nächste Schritt ist es, „heavy processing“ auch live zuzulassen – eventuell stufenweise und unter Ausschluss von Pitch Control (falsche Töne korrigieren). Danach wird von vielen Künstler*innen schon lange geschrien. Dieser Testlauf gefällt mir nicht. Da ich mich technisch mit diesen Spärenzchen ein wenig auskenne, muss ich sagen: Es kommen nicht selten mehr Informationen aus dem Prozessor als aus der Sänger*innenkehle.
    Brauche ich beim ESC nicht.
    Pre-recording muss auch keineswegs hilfreich sein, wenn ich die vorproduzierten Backings von Ben Dolic beim dt. ESC-Finale in Erinnerung rufen darf. Das hat dank schlechten Auspegelns hinten und vorne nicht zusammengepasst.

    • Oh Schreck, das wäre ja wie beim ESC *Seiten umblätter*… 2000, wo schon die Olsen Brothers Live-Autotune einsetzten vor dem letzten Refrain! 😀

      • Ja, der gute alte Vocodereffekt 😜 Wurde auch in San Remo heuer exzessiv eingesetzt.

  18. Ich habe eine Vision: Serhat tritt erneut beim ESC 2022 irgendwo in Schweden für San Marino an und gewinnt den ESC 2022 schließlich mit einer herzzerreißend gut gesungenen Party-Ballade! Im Interview nach dem Sieg dankt er seinen schwedischen Backing-Sängern für die tolle Zusammenarbeit. Auf der Aftershow-Party sieht man ihn dann schunkelnd mit Christer Björkman, der sich nach dem Sieg endlich zur Ruhe setzen kann, nachdem ihm das schwedische Königspaar die goldene Anstecknadel für seine langjährigen musikalischen und TV-medialen Verdienste für das schwedische Volk überreicht.

  19. Die Empörung hier ist ja niedlich…
    Es ist keine neue Regel, nichtmal eine Empfehlung, sondern nur eine neue Möglichkeit. Die wird den eigentlichen Wettbewerbsgedanken nicht zunichte machen. Kommt mal wieder runter.
    Die ursprüngliche Idee des ESC war ja nun auch bei weitem nicht, den besten Sänger Europas zu suchen. Auch wenn das viele glauben möchten.

    • Korrekt! Wundere mich auch darüber. Vor allem wenn diese Kritik teilweise von Fans kommt, die ihre Lesergame-Listen voller Melodifestivalen-Acts haben, weil da immer so toll performt werde und andere Vorentscheidungsbeiträge wegen schlechter Akustik meiden.

      Ich vermute, wenn’s zu unecht klingt, wird es sich beim Publikum auch nicht durchsetzen. Und übertriebene Soundhilfen werden bei Juroren auch keine Begeisterung entfachen.

  20. Wenn die so weitermachen, starte ich beim esc 2022 für san marino. Singen kann ich zwar nicht so gut, aber ich engagiere die goldkelchen als backing.

  21. Überraschend kommt das nicht, schließlich haben die meisten Länder ihre nicht für den Auftritt nötigen Backings schon seit einigen Jahren konsequent neben die Bühne verfrachtet; und dass besonders Schweden diese Entwicklung massiv forciert hat ist ja auch kein Geheimnis gewesen.
    Was mir eher sauer aufstößt, ist, dass die EBU nicht die Eier hat, selbstbewusst zur eigenen Agenda zu stehen, sondern es wieder mal ganz vorsichtig „ausnahmsweise für ein Jahr“ einführt (um es dann natürlich „wegen des großen Erfolges und des positiven Feedbacks der Teilnehmer“ unbegrenzt zu verlängern).
    Außerdem scheint neuerdings die Reference Group ja beschließen zu können, was sie will und alle anderen haben das dann nach dem Motto „Friss oder Stirb!“ zu schlucken. Ich bin mir nicht so sicher, ob dass so ein tolles Signal ist.

  22. Ich finde, das ist ein gute Sache. Dadurch hat man mehr Möglichkeiten, das Staging kreativer zu gestalten. Bei manchen Songs, werden Backing Vocals ja nur sehr spärlich eingesetzt, da macht es gar nichts, wenn die vom Band kommen.

  23. Eine Entscheidung, die meiner Ansicht nach absolut in die falsche Richtung geht. Wenn man das Gefühl hätte, es sei wirklich nur einmalig eine Ausnahme wegen Corona, dann wäre es vertretbar, die Situation ist für alle kompliziert genug. Aber hier entsteht nur der Eindruck, dass die Schweden durch eine Hintertür einführen, was sie schon lange wollten. Und 2022 heißt es dann „weil es so gut angenommen wurde, wird es beibehalten“. Damit würde der ESC aber etwas ganz Essentielles verlieren: dass es eben nicht nur darum geht, einen perfekt produzierten Studioversion auf der Bühne vorzustellen, sondern dass die Künstler auch live beweisen müssen, singen zu können. Da kann man jetzt künstlich viel zu viel „retten“ und die Auftritte verlieren ein weiteres Stück an Authentizität.

    • Und wieso hast du das Gefühl, es sei nicht nur wegen Corona, also „vorübergehend“, wie schon in der Überschrift steht? Für mich deutet da nichts drauf und ich halte auch nichts von so einer Panikmache. Es ist ein vorübergehendes Angebot. Mehr nicht.

      • Wenn es dann doch irgendwann zur Regel wird und es alle machen, kann man sich meinetwegen ja immer noch aufregen. Aber diese vorauseilende Empörung wegen nichts und wieder nichts finde ich echt anstrengend.

      • Welches Land ist denn ernsthaft jetzt noch so blöd und stellt fünf Live-Backings neben die Bühne, wenn man auch zu Hause 25 Stimmen aufnehmen und digital perfektionieren kann. Zu glauben, dass irgendwer diese Möglichkeit nicht mit Kusshand nimmt, erscheint mir doch etwas naiv.

      • @floppy:
        Ich hab aber auch nirgendwo gesagt, dass ich das wirklich glaube, oder? Es ging mir um den Status des Vorübergehenden hinaus, also nach 2021. Wenn es dann zur Regel würde, würde ich es auch kritisieren. Jetzt sehe ich dafür noch keine Notwendigkeit, auch wenn von dieser Möglichkeit sehr wahrscheinlich alle Länder Gebrauch machen.

      • Gut, es ist tatsächlich bisher nicht mehr als eine Vermutung von mir (und einigen anderen), die allerdings durch die Causa Australien nicht ganz abwegig erscheint.
        An sich bin ich ja durchaus auch pro Innovation beim ESC und Österdahl hat da,schon einen Punkt, aber speziell die faktische Aufhebung des Sechs-Stimmen-Limits geht mir einfach zu weit und, sollte die Regelunfg in Kraft bleiben, fände ich auch die Art und Weise, wie das Ganze jetzt verkauft wird, ziemlich unaufrichtig.
        Solltest du allerdings Recht behalten und das Ding ist in einem Jahr wieder vom Tisch, bringe ich dir gerne persönlich eine Wagenladung Pudding vorbei ,)

      • Ich hoffe @Berenike stört es nicht, dass ich hier antworte.

        Abgesehen von der ganzen Australien-Sache ist über Backgroundgesang vom Band hier (und bei Prinz) doch seit Jahren unregelmäßig diskutiert worden, wenn es um Regeländerungen ging. Es gilt ja auch als offenes Geheimnis, dass die Skandinavier (allen voran C. Björkman) sich diese Regelung seit Jahren wünschen. Das macht ja auch die Begründung mit Corona unglaubwürdig, die ich persönlich ohnehin nicht grade offensichtlich finde (insbesondere elf Monate vorher). Dazu kommt, dass mir jedenfalls wenige vernünftige Parameter einfallen, mit denen man den Erfolg dieses Angebots hinterher messen könnte. Das alles führt leider zu dem Eindruck, dass hier ein Vorwand genutzt wird, um eine lang gehegte Hoffnung in die Wirklichkeit umzusetzen.

      • @floppy:
        Ich hab ja keine Ahnung, ob das Ding nach 2021 wieder vom Tisch ist. Bisher hab ich keine Vermutung dazu angestellt. Ich halte mich bei solchen Dingen an Fakten und halte nichts von wilden Spekulationen. Kann sein, dass es 2021 alle Länder machen und es kommt super an, keinen Zuschauer störts. Kann auch sein, dass es beim Zuschauer total negativ ankommt. Ich ziehe es vor, mich mit Dingen zu beschäftigen, wenn sie eingetreten sind. Mit Unwägbarkeiten des Lebens hält man sich ab einem bestimmten Alter nicht mehr auf.

        Fürs Protokoll: ich bin 21. Jeder weiß das.

  24. Dann könnten sie doch auch die lächerliche 3 Minuten Regel abschaffen. Was spricht dagegen, wenn die Songs 3:15 oder 3:20 lang sind. Macht das soviel aus?

    • Dagegen hätte ich auch nichts. Okay, wenn ein Song vier Minuten und länger geht, wäre es zu viel. Aber sich so streng an die drei Minuten zu klammern, finde ich auch albern.

    • Oder ab jetzt maximal nur noch Spotify-taugliche 2:00 Minuten lang. Oder noch besser: auf der Bühne nur noch 30 Sekunden anspielen – damit der Wettbewerb „mit der Zeit geht“.

  25. Als ich die Nachricht eben auf Eurovisionary gesehen habe, dachte ich zuerst an einen Aprilscherz und dass der Schweiß an meinen Händen gleich wieder weg ist. Ich hatte mich schon länger mit dem Gedanken angefreundet, dass solch eine Regel eines Tages kommen wird. Aber dass sie tatsächlich so schnell kommt – und das, obwohl Österdahl nun das Ruder in der Hand hat – hätte ich mir nicht träumen lassen.

    Auf den ersten Blick ist es unter Kostengründen natürlich ein immenser Vorteil. Man spart auf einen Schlag eine Menge Geld verursacht durch Hotelunterbringung, Gage usw. Man erinnere sich an die Abschaffung des Orchesters 1999. Schon in den zwei Jahren zuvor hatten viele Länder keine Lust mehr, einen Dirigenten mitfliegen zu lassen (Noel Kelehan hat ja Gift und Galle gespuckt). Andererseits kann ich mir gut vorstellen, dass die Rundfunkanstalten dann auch keine Lust mehr haben zusätzliche Kosten durch Backings zu tragen, denn wozu soll man extra noch vier bis fünf Leute bezahlen, wenn es letztendlich gar nicht nötig ist? Ich kann mir schwer vorstellen, dass man nach dem 2021er Contest zu einer Entscheidung kommen wird, die im Sinne von einem Status quo ausfallen wird.

    Ich habe mich mehr oder weniger damit abgefunden, dass viele Sänger ohnehin hinter der Bühne stehen (Lake Malawi hatte übrigens drei Leute im hintersten Eck stehen https://eurovoix.com/wp-content/uploads/2019/05/8da4ff36-8757-4bd2-a7ef-a3af7daef740.jpg weiß der Himmel, warum man es in diesem Fall so kompliziert gemacht hat). In früheren Zeiten hätte das UK solch eine Regelung durchgeboxt (Beispiele 1983, 1984, 1991), heute ist es halt Schweden. Ich betrachte diese Entwicklung mit erhebilchem Unbehagen. Es macht mir Angst, wie sich die Zukunft entwickeln wird.

  26. Schade, so entwickelt sich der Wettbewerb immer mehr zu einem Plastik-Hochglanzprodukt. Perfekte stimmliche und visuelle Videoauftritte (Fuego/She got me/Dance you off) werden nun wie ein Tsunami an der Tagesordnung sein, aber nur so lange es keine Übersättigung gibt, man wird den Sobraleffekt auch zu schätzen wissen. Nichts ist beim ESC so beständig wie der Wandel z.B. Punktevergabe, etc. Wir werden es überleben. Einzig diese MellSchwedisierung gefällt mir überhaupt nicht, der ESC verkommt dadurch immer mehr zum Gesicht von Charlotte Perrelli, ne leere Maske.

  27. Cool, jetzt feiern wir nicht nur 186 Jahre Orchester-ja-oder-nein-Diskussion, jetzt gibt es das auch für die Backing Vocals.

  28. Ich kann es ja irgendwie verstehen… zumeist sind es eher die jüngeren ESC-Fans, die damit keine Probleme haben, also eher die ESC-Fans, die glauben, der ESC würde erst seit 2000 existieren. Ältere ESC-Fans (> 30) haben in den meisten Fällen ein Problem mit der neuen Regel. So meine Beobachtungen.

      • Dafür müsste man vom Fach sein. Das lässt sich hier von den Meisten ganz offensichtlich nicht behaupten. Von mir übrigens auch nicht, falls jemand fragen wollte.

    • Warum immer diese Gehässigkeit? JEDES Mal wenn hier breit (mal mehr, mal weniger sachliche) Kritik an etwas geäußert wird, kommt irgendjemand an und disqualifiziert das als „Jammern“ von (überspitzt gesagt) irgendwelchen Vollidioten; natürlich nicht ohne sich selbst als überlegen herabschauend darzustellen, nach dem Motto „mit dem ‚Verein‘ da unten hab ich nichts zu tun“. Kann man sich nicht vernünftig auf Augenhöhe mit anderen Menschen auseinandersetzen?

    • Ach Gottchen, die Leute sagen doch nur ihre Meinung, das hat mit „Jammern“ doch nichts zu tun. Es geht schliesslich nicht um Leben und Tod 😉.
      Um eine Meinung zu haben, muss man übrigens nicht vom Fach sein, finde ich🙂

  29. Österdahl erinnert mich vom Typ ein bisschen an Oliver Bierhoff (auch so eine typische BWLer-Visage). Letztlich wird sich immer das durchsetzen, was Quote oder Kohle bringt und diese Neuerung bringt mit seinen Einsparungsmöglichkeiten und Eröffnung von mehr Showeinlagen womöglich sogar beides …

    • LOl ein fettes Like für „Oliver Bierhoffs typische BWLer Visage“ – auf den Punkt getroffen; unerträglicher Phrasenroboter.

  30. Naja, aus dem Experiment TV Sendungen Europaweit zu übertragen und zu koordinieren ist ja schon lange etwas sehr kommerzielles geworden. Es ist halt eine große TV Unterhaltungsshow die versucht, die Spannung aus dem Wettbewerb zu ziehen.
    Die viel zitierte Völkerverständigung ist eher ein Nebeneffekt.

    Ich finde die neue Regel scheiße. Bin gespannt wie es sich nächstes Jahr auswirkt.

  31. Frage an die Profis: Wann wurde eigentlich seinerzeit die Regel eingeführt, dass Instrumente, die AUF der Bühne „gespielt“ werden, vom Band kommen dürfen? Danke für ne Info 🙂

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