
Am 24. Oktober fand in Malta der 24. Junior Eurovision Song Contest statt. 16 Nachwuchstalente aus ganz Europa und darüber hinaus traten im Malta Fairs & Conventions Centre in Ta’ Qali gegeneinander an. Am Ende durfte sich Armenien über seinen dritten Sieg beim Junior ESC freuen: Die 13-jährige Naré überzeugte mit ihrem Titel „BOO!“ und holte den Wettbewerb mit 202 Punkten nach Armenien.
Doch nicht nur musikalisch konnte die Veranstaltung überzeugen. Auch die aktuellen Zuschauerzahlen der Europäischen Rundfunkunion (EBU) zeichnen ein positives Bild. Während der Wettbewerb international insbesondere über digitale Kanäle ein Millionenpublikum erreichte, bleibt die Zukunft der deutschen Beteiligung ungewiss. Denn KiKA und SWR haben inzwischen bestätigt, dass Deutschland auch 2027 nicht dabei sein wird.
Unter dem Motto „United By Music“ lud der maltesische Rundfunk PBS zur diesjährigen Ausgabe des JESC ein. Die Veranstaltung stand ganz im Zeichen der maltesischen Festa-Tradition, die sich auch im kreativen Konzept der Show widerspiegelte. Durch den Abend führten Gaia Cauchi, Destiny und Keane Cutajar. Besonders bemerkenswert: Sowohl Gaia als auch Destiny konnten den Junior ESC bereits selbst für Malta gewinnen – 2013 beziehungsweise 2015.
Auch abseits des Sieges gab es bemerkenswerte Ergebnisse: San Marino erreichte mit Violamarie und dem Beitrag „Ruota Panoramica“ den vierten Platz und damit seine bislang beste Platzierung beim Junior ESC. Montenegro landete mit Mija Vujović und „Muzika nas spaja“ auf Rang zwölf und verbesserte ebenfalls seine bisherige Bestmarke.
Wie schon beim großen Eurovision Song Contest gehören auch beim Junior ESC die musikalischen Programmpunkte abseits der eigentlichen Wettbewerbsbeiträge zum festen Bestandteil der Show. Malta nutzte die Gelegenheit, um sowohl die eigene Eurovision-Geschichte als auch die musikalische Identität des Gastgeberlandes in den Mittelpunkt zu stellen.
Den Auftakt bildete die Flaggenparade der teilnehmenden Nationen. Begleitet wurde sie von den Gastgeber*innen des Abends, die den diesjährigen JESC-Song „RamDamDiriDam“ präsentierten.
Einen besonders nostalgischen Moment bot der Intervalact „Obsessed with (Junior) Eurovision“. Gemeinsam mit früheren maltesischen Nachwuchsteilnehmenden blickten die Gastgeber auf die Geschichte des Landes beim Junior ESC zurück. Neben Gaia Cauchi und Destiny standen dabei auch Miriana Conte, die Malta 2025 beim großen ESC vertreten hatte, und Eliza Borg, die für Malta beim Junior ESC 2025 angetreten war, auf der Bühne.
International wurde es mit dem Auftritt zweier amtierender Eurovision-Gewinnerinnen: Lou Deleuze, die Frankreich 2025 den Sieg beim Junior ESC bescherte, und DARA, die 2026 den Eurovision Song Contest für Bulgarien gewann, präsentierten ihre Siegertitel „Ce Monde“ und „Bangaranga“ gemeinsam. Damit verband Malta gleich mehrere Generationen der Eurovision-Familie und schuf einen musikalischen Übergang zwischen dem Junior- und dem großen ESC.
Dass der Junior Eurovision Song Contest auch außerhalb der eigentlichen Eurovision-Fangemeinde ein Publikum erreicht, zeigen die von der EBU veröffentlichten Einschaltquoten. Insgesamt erreichte die Veranstaltung 11 Millionen Fernsehzuschauer*innen. Durchschnittlich 3,3 Millionen Menschen verfolgten das Finale im Fernsehen.
Besonders interessant ist dabei die Reichweite bei den jüngeren Zielgruppen. Bei Kindern zwischen vier und 14 Jahren erzielte die Übertragung einen Marktanteil von 12,5 Prozent. Damit lag der Wert mehr als doppelt so hoch wie der übliche Durchschnitt der betreffenden Fernsehsender im gleichen Zeitraum. Auch bei den 15- bis 24-Jährigen konnte der Wettbewerb mit sechs Prozent einen überdurchschnittlichen Marktanteil erreichen.
Noch deutlicher wird die internationale Entwicklung bei den digitalen Angeboten. Über die offiziellen Kanäle auf YouTube, TikTok, Instagram, Facebook und Twitch wurden insgesamt 231,1 Millionen Aufrufe registriert. Das entspricht einem Wachstum von neun Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auf YouTube Kids erreichte der Livestream einen neuen Höchstwert von 134.131 gleichzeitig Zuschauenden. Das waren 32 Prozent mehr als beim Wettbewerb 2025.
Auch Deutschland taucht in diesen Zahlen auf. Bei den internationalen Zuschauenden des YouTube-Kids-Livestreams lag Deutschland mit einem Anteil von 4,5 Prozent auf dem fünften Platz. Auf Twitch gehörte Deutschland ebenfalls zu den fünf wichtigsten Herkunftsländern der Zuschauenden.
Die Zahlen zeigen, dass der Junior ESC längst nicht nur eine Fernsehveranstaltung für ein junges Publikum ist. Vielmehr entwickelt sich der Wettbewerb zunehmend zu einem digitalen Musikereignis, das auch über die eigentliche Live-Show hinaus funktioniert und nicht nur die Kinder der teilnehmenden Altersspanne zwischen neun und 14 Jahren begeistern kann.
Aus redaktioneller Sicht lässt sich damit eine interessante Entwicklung erkennen: Der Junior ESC verbindet zunehmend klassische Fernsehunterhaltung mit einer digitalen Präsenz, die gerade für seine junge Zielgruppe wichtig ist. Die starke Nutzung von YouTube Shorts und anderen sozialen Plattformen zeigt, dass die Veranstaltung nicht mehr nur am Finalabend stattfindet. Die Beiträge sowie Künstlerinnen und Künstler bleiben auch danach sichtbar.
Gleichzeitig bleibt die grundsätzliche Frage bestehen, wie sich ein internationaler Musikwettbewerb für Kinder zwischen Unterhaltung, musikalischem Anspruch und dem Schutz seiner jungen Talente positionieren sollte. Gerade diese Besonderheit unterscheidet den Junior ESC von seinem großen Bruder und macht ihn zu einem eigenständigen Format.
Trotz des ESC-Vorbildes, bietet der Junior ESC auch erhebliche Unterschiede, wie zum Beispiel beim Abstimmungsverfahren. Beim Junior ESC entscheiden die internationalen Jurys und das weltweite Online-Publikum jeweils zu 50 Prozent über das Ergebnis. Die Zuschauer*innen dürfen dabei kostenlos über die offizielle Plattform JESC.TV abstimmen. Anders als beim großen ESC können sie sogar für den Beitrag ihres eigenen Landes voten.
Eine weitere Besonderheit ist das zweigeteilte Online-Voting: Bereits vor Beginn der Live-Show können die Fans ihre drei Favoriten auswählen. Nach dem letzten Wettbewerbsbeitrag öffnet sich das Abstimmungsfenster während der Show ein zweites Mal für ungefähr 15 Minuten. Auch dann können erneut drei Beiträge gewählt werden. Die Stimmen aus beiden Abstimmungsphasen fließen gemeinsam in das Ergebnis ein.
Beim großen ESC ist das Verfahren bekanntlich anders organisiert: Hier gibt es nationale Jurys und nationale Publikumsabstimmungen, ergänzt um das internationale Rest-of-the-World-Voting. Außerdem ist die Abstimmung kostenpflichtig und das eigene Land darf nicht gewählt werden. Und nicht zu vergessen: Beim großen ESC darf erst nach der Präsentation der Beiträge abgestimmt werden.
Während Deutschland beim Eurovision Song Contest seit dessen erster Ausgabe 1956 zu den traditionsreichsten Teilnehmerländern gehört, war das Verhältnis zum Junior Eurovision Song Contest von Anfang an deutlich komplizierter. Dabei hätte die deutsche Beteiligung schon viel früher beginnen können. Als die EBU 2003 den ersten Junior Eurovision Song Contest ins Leben rief, war Deutschland zunächst als Teilnehmer vorgesehen. Trotz des anfänglichen Interesses zog sich das Land jedoch noch vor der Premiere zurück. Auch 2004 gab es einen weiteren Anlauf, der letztlich nicht in einer Teilnahme mündete.
In den folgenden Jahren tauchte das Thema immer wieder auf. 2014 beobachtete das ZDF den Wettbewerb in Malta vor Ort. Ein Jahr später ließ der NDR verlauten, dass ein deutsches Debüt nicht grundsätzlich ausgeschlossen sei. 2017 wurden erneut Überlegungen zu einer Teilnahme bekannt, ehe der NDR im Mai 2018 schließlich eine Absage für den Wettbewerb in Belarus verkündete.
Erst 2020 gelang Deutschland tatsächlich der Einstieg. Gemeinsam mit NDR und ZDF schickte KiKA Susan mit „Stronger with You“ zum Wettbewerb nach Warschau. Das Debüt verlief allerdings sportlich enttäuschend: Mit 66 Punkten belegte Deutschland den zwölften und damit letzten Platz.
In den darauffolgenden Jahren blieb Deutschland zunächst dabei. Die Organisation der Teilnahme lag ab 2021 beim NDR und KiKA. 2022 setzte Deutschland allerdings ein Jahr aus, bevor die Rückkehr 2023 mit FIA und „Ohne Worte“ gelang. Mit Platz neun erzielte sie bis heute das beste deutsche Ergebnis beim Junior ESC.
Die bislang letzte deutsche Teilnahme erfolgte 2024 in Madrid. Bjarne trat mit „Save the Best for Us“ an und erreichte mit 71 Punkten den elften Platz unter 17 Ländern. Davon stammten 57 Punkte aus dem Online-Voting und 14 von den Jurys.
Damit stehen für Deutschland insgesamt vier Teilnahmen zu Buche: 2020, 2021, 2023 und 2024. Eine kontinuierliche Präsenz wie beim großen ESC konnte sich das Land beim Nachwuchswettbewerb nie aufbauen.
Dass Deutschland auch in absehbarer Zukunft nicht zum Junior Eurovision Song Contest zurückkehren wird, deutete sich bereits im Frühjahr 2026 an. Damals hatte KiKA erklärt, künftig weder am Wettbewerb teilnehmen noch diesen übertragen zu wollen.
Nun gibt es auch mit Blick auf die Ausgabe 2027 Klarheit. KiKA und SWR bestätigten zunächst, dass Deutschland im kommenden Jahr nicht dabei sein wird. KiKA begründete die Entscheidung mit einer erneuten internen Prüfung. Der Sender wolle sich vorerst darauf konzentrieren, junge Talente über die eigenen Programmangebote zu fördern und zu unterstützen.
Die Entscheidung ist insofern bemerkenswert, als sie den deutschen Rückzug nicht nur für eine einzelne Ausgabe bestätigt, sondern die grundsätzliche Frage nach der Zuständigkeit für eine mögliche Rückkehr aufwirft. Eine Teilnahme wäre künftig dennoch nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Dafür müsste sich allerdings ein anderer Mitgliedssender der EBU verantwortlich zeigen. Denkbar wäre beispielsweise eine Beteiligung innerhalb der ARD ohne KiKA oder ein eigenständiger Einstieg des ZDF.
Während Deutschland dem Wettbewerb vorerst den Rücken kehrt, laufen bei der EBU bereits die Planungen für die nächste Ausgabe. 2027 steht dabei ein besonderes Ereignis an: Der Junior Eurovision Song Contest feiert sein 25-jähriges Bestehen. Anders als beim großen Eurovision Song Contest ist der Sieg eines Landes allerdings nicht automatisch mit der Austragung des folgenden Wettbewerbs verbunden. Das zeigte sich bereits nach dem französischen Sieg 2025: Frankreich verzichtete darauf, den Wettbewerb erneut auszurichten, sodass Malta als Gastgeber für 2026 einsprang.
Auch nach dem armenischen Sieg 2026 ist deshalb noch offen, wo die Jubiläumsausgabe stattfinden wird. Die EBU befindet sich nach eigenen Angaben mit ihren Mitgliedssendern in Gesprächen über die Möglichkeiten für 2027. Eine Entscheidung über den Gastgeber steht noch aus.
Bei den Teilnahmemeldungen zeichnet sich bislang ein überschaubares Feld ab. Albanien, die Niederlande, Nordmazedonien, Polen und Spanien haben ihre Teilnahmeabsicht für 2027 bestätigt. Auf der anderen Seite stehen mit Australien, Belgien, Deutschland, Slowenien und Schweden bereits mehrere Absagen.
Gerade mit Blick auf das Jubiläum dürfte es interessant werden, ob die EBU weitere Länder zur Teilnahme bewegen kann. Schließlich wäre die 25. Ausgabe eine gute Gelegenheit, den Wettbewerb stärker ins internationale Rampenlicht zu rücken.
Der Junior Eurovision Song Contest 2026 in Malta hat gezeigt, dass das Format weiterhin ein großes internationales Publikum erreichen kann. Besonders die Entwicklung der digitalen Reichweite ist bemerkenswert und unterstreicht, dass der Wettbewerb auch für eine neue Generation von Musikfans attraktiv bleibt.
Gleichzeitig bleibt die deutsche Geschichte beim Junior ESC ein Beispiel dafür, wie schwierig es sein kann, eine dauerhafte Teilnahme zu realisieren. Zwischen frühen Rückzugsentscheidungen, einem späten Debüt und dem erneuten Ausstieg nach nur vier Teilnahmen ist es Deutschland bislang nicht gelungen, eine kontinuierliche Beziehung zum Wettbewerb aufzubauen.
Die Absage für 2027 dürfte daran zunächst nichts ändern. Das 25-jährige Jubiläum wird somit aller Voraussicht nach ohne deutsche Beteiligung stattfinden. Ob sich irgendwann eine neue Möglichkeit in Deutschland ergibt, den Nachwuchswettbewerb wieder als Chance zur Förderung junger musikalischer Talente wahrzunehmen, bleibt abzuwarten. Bis dahin gilt zumindest für die internationale Eurovision-Familie weiterhin: United By Music – auch ohne Deutschland.
Wie hat Dir der Junior ESC in Malta in diesem Jahr gefallen? Sollte Deutschland Deiner Meinung nach zum Junior Eurovision Song Contest zurückkehren? Welches Land sollte den Junior ESC 2027 zum 25-jährigen Jubiläum ausrichten und wen wünschst Du dir noch als teilnehmendes Land? Schreib es uns in den Kommentaren!
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Bleibt die Frage, wieviele Zuschauer aus Deutschland beim Onlinevoting für den JESC mitgemacht haben. Ich fand die Show sehr kurzweilig und habe mich besonders über das Abschneiden von Montenegro und San Marino gefreut.
Außer Deutschland haben Australien, Belgien, Dänemark, Schweden, Finnland und Slowenien ihre Teilnahme am JESC für nächstes Jahr abgesagt. Da feiert der JESC sein 25-jähriges Bestehen.