
Eine knappe Woche vor der Auslosung der Zusammensetzung der beiden Halbfinale des Eurovision Song Contest 2026 in Wien am 12. Januar 2026 hat die EBU die Zusammensetzung der fünf Lostöpfe bekanntgegeben. Damit soll in erster Linie sichergestellt werden, dass Länder, die in sich in der Vergangenheit überdurchschnittlich häufig Punkte beim ESC gegeben haben, gleichmäßig auf die Halbfinals aufgeteilt werden und so nicht das Ergebnis zu ihren Gunsten verzerren können. Auch für Deutschland und Österreich entscheidet sich an dem Tag, wann ihre Acts das erste Mal vor Publikum in der Wiener Stadthalle auftreten werden. Außerdem werden bei der Veranstaltung die ESC-Gastgeberinsignien von Basel an Wien übergeben.
Diese Auslosung lief in der Vergangenheit meist unter dem Namen „Allocation Draw“, also Zuteilungsziehung. In diesem Jahr wird die Veranstaltung offenbar mit dem nachvollziehbareren Namen „Semi-Final Draw“ (Aufmacher-Grafik), also Halbfinal-Ziehung bzw. -Auslosung betitelt. Das lässt sich zumindest aus der Pressemeldung der EBU ableiten, die genauso überschrieben ist.
Die Halbfinal-Auslosung gibt es bereits seit 2008, also dem ersten Jahr, in dem es zwei ESC-Halbfinale gab. Dahinter liegt die Erfahrung, dass einige Länder aufgrund kultureller Nähe bzw. ähnlicher Musikmärkte sich gerade im Televoting gegenseitig hohe Punktwerte geben. Das gilt exemplarisch für Griechenland und Zypern, aber auch die Länder Skandinaviens oder des ehemaligen Jugoslawiens. So kommen immer sechs Länder mit einem stark ähnlichen Votingverhalten in einen Lostopf – drei von ihnen landen später im ersten Halbfinale, die anderen im zweiten.
Außerdem wird bei der Auslosung bestimmt, in welcher Hälfte eines Semifinals ein Land antreten wird. Dieser Punkt ist relevant, seit die Startreihenfolge in den ESC-Shows aus dramaturgischen Gründen nicht mehr ausgelost wird. So soll vermieden werden, dass die Show etwa mit einer zu ruhigen Ballade oder einem sehr „experimentellen“ Beitrag eröffnet wird. Gleichzeitig zeigt die Erfahrung, dass ein zu früher Startplatz in einer ESC-Show sich nachteilig auf den Erfolg beim TV-Publikum auswirken kann, einfach weil in manchen Ländern der Fernsehabend traditionell erst nach der ESC-Startzeit beginnt und die Zuschauer*innen die ersten Lieder verpassen oder sie diese schon wieder vergessen haben, wenn das Voting endlich beginnt.
Hier sind die fünf Lostöpfe für die Halbfinal-Auslosung des Eurovision Song Contest 2026 in Wien:
Topf 1: Albanien, Bulgarien, Kroatien, Montenegro, Schweiz, Serbien
Topf 2: Australien, Dänemark, Estland, Finnland, Norwegen, Schweden
Topf 3: Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Israel, Polen, Ukraine
Topf 4: Belgien, Luxemburg, Moldau, Portugal, Rumänien, Tschechien
Topf 5: Griechenland, Lettland, Litauen, Malta, San Marino, Zypern
Obwohl in diesem Jahr fünf Länder den ESC boykottieren, gibt es zumindest bei der Anzahl der Länder in den Töpfen kaum Unterschiede zu 2025. Damals waren in Topf 1 sieben Länder, in allen anderen sechs – so wie in diesem Jahr auch. Das liegt daran, dass mit Spanien auch ein Big-5-Land dem Contest fernbleibt. In den Halbfinals fehlen also vier Länder, die 2025 dabei waren. Gleichzeitig haben wir mit Bulgarien, Moldau und Rumänien drei Rückkehrer.
Während die Halbfinal-Auslosung also vorrangig Bedeutung für die Länder hat, die sich erst noch für das ESC-Finale qualifizieren müssen, gibt es auch Auswirkungen für das Gastgeberland und die Big 4. Diese dürfen nur in einem der beiden Halbfinale mit über die anderen Songs abstimmen. Es wird also am 12. Januar 2026 auch entschieden, in welchem Halbfinale die deutschen und österreichischen TV-Zuschauer*innen mitvoten dürfen.
In den letzten Jahren war es üblich, dass in dem entsprechenden Halbfinale auch die Beiträge der jeweiligen Big-5-Länder bzw. des Gastgeberlandes angespielt bzw. zuletzt auch vollständig auf der Bühne performt wurden – allerdings außerhalb der Wertung. Es ist davon auszugehen, dass das auch in Wien wieder der Fall sein wird. Insofern entscheidet sich am 12. Januar also auch, wann sich der deutsche und der österreichische Act das erste Mal dem Live-Publikum in der Wiener Stadthalle präsentieren können.
Die Halbfinal-Auslosung für den ESC 2026 findet im Stadtsenatssitzungssaal im Wiener Rathaus statt. Sie wird auf dem offiziellen ESC-YouTube-Kanal sowie auf ORF ON live übertragen. ESC kompakt wird die Halbfinal-Auslosung am Montag, den 12. Januar ab 19 Uhr mit einem Live-Blog begleiten.
Wie bewertest Du die Zusammensetzung der Lostöpfe für die Halbfinal-Auslosung für den ESC 2026? Findest Du Auffälligkeiten bei der Topf-Zusammensetzung im Vergleich zu früheren Jahren? Und kann das Fernbleiben Spaniens einen Einfluss auf die Verteilung der Big-5-Länder auf die Halbfinale haben? Lass es uns in den Kommentaren wissen.
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