
Ursprünglich habe ich in die seit Mittwoch in der ARD-Mediathek verfügbare No Angels-Dokumentation nur reingeschaut, um herauszufinden, wie viel Eurovision-Song-Contest-Bezug sie beinhaltet. Jetzt schreibe ich diesen Artikel mit immer noch anhaltender Begeisterung als TV-Tipp.
„Ein Desaster“ … Diese Worte rief Thomas Hermanns im Jahr 2008 bedröppelt den Public-Viewing-Fans auf der Reeperbahn zu. Die Worte waren Ausdruck der Enttäuschung über den 23. Platz der No Angels, die Deutschland beim ESC in Belgrad mit dem Song „Disappear“ vertraten. Eigentlich sollte der Auftritt das Comeback der No Angels beflügeln, stattdessen stellt die ESC-Performance einen künstlerischen Tiefpunkt der Gruppe dar.
Sechs Minuten widmet die neue No Angels-Doku in Folge 2 dem Ereignis, das einmal mehr beweist, dass Bekanntheit und Erfolg beim ESC nicht weiterhelfen. In diesen sechs Minuten wird verraten, wie es zu der ESC-Teilnahme kam. Dabei erfährt man auch, dass den No Angels anscheinend eine Bedingung gestellt wurde und sie mehr oder weniger zu der ESC-Teilnahme gezwungen wurden (Ich möchte nicht zu viel verraten für diejenigen, die es sich noch anschauen wollen.).
Insgesamt kann man während der ESC-Passage das Gefühl bekommen, dass das Interesse an einer ehrlichen Aufarbeitung nicht so wirklich besteht. Man kann aber auch wohlwollend auf die Geschichte blicken und heraushören, dass kapitalistischer Druck und falsche Entscheidungen manchmal halt einfach zusammenkommen.
Jetzt mag sich sicherlich mancher ESC-Fan denken: „Ach, für diese sechs Minuten ESC-Bezug muss ich mir die Doku nicht anschauen.“ Generell sei gesagt, dass der ein oder andere interessante Aspekt in der Doku leider zu kurz kommt. Dennoch kann ich jedem Popkultur-Fan empfehlen, einen Blick in die Doku-Reihe zu werfen. Geboten wird ein interessanter Einblick in ein Pop-Business, das im Jahr 2000 noch ein ganz anderes war, als es das heute ist. Ein Geschäft, das zugleich noch nicht wusste, wie sehr man ein Produkt kapitalistisch ausschöpfen kann, im selben Moment aber so gut wie kein moralisches Bewusstsein besitzt und jeden verdirbt, der ihm zu sehr verfällt. Die Doku zeigt außerdem eine Girlgroup, die der Popwelt ganz wundervolle Produkte geschenkt und sich ihren Erfolg mit härtester Arbeit erkämpft hat.
Doch vor allem lernen wir in der Doku die Geschichte vier junger Frauen kennen, die reflektiert auf eine gemeinsame Zeit blicken, die wundervolle Momente und tiefe Wunden hinterlassen hat. Vier, weil das fünfte Mitglied, Vanessa Petruo, schon 2003 für sich einen Schlussstrich mit dem Leben als öffentliche Person gezogen hat.
Wir lernen die vier Mitglieder Lucy Diakovska, Sandy Mölling, Jessica Wahls und Nadja Benaissa als Einzelpersonen kennen, die allesamt in den vergangenen Jahren tief einschneidende Einzelschicksale erlebt haben. Schicksale, die sie von der Band isoliert haben und durch die die Vier zugleich immer wieder stärker zusammengerückt sind. Es wird deutlich, dass sich vier junge Frauen gefunden haben, die gemeinsam durch Hölle und Himmel gegangen sind und zusammen etwas entfalten, das schwer in Worte zu fassen ist: etwas Emotionsgeladenes, Kraftvolles, beinahe Magisches.
Viel Spaß beim Schauen 🙂 … Übrigens: No-Angels-Mitglied Nadja Benaissa haust momentan im Promi Big Brother-Haus.
Hast Du die Doku schon gesehen oder wirst Du sie Dir noch anschauen? Wenn ja, wie gefällt sie Dir? Und findest Du, dass das ESC-Thema ausreichend aufgearbeitet wurde? Schreib uns Deine Meinung gerne in die Kommentare.
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Seit 18 Jahren versuche ich, den peinlichen Auftritt der No Angels beim ESC zu vergessen, und nun das! 😱 Die haben damals ja keinen einzigen Ton getroffen, und wenn ich dann noch an das möchtegern sexy Posen und Geräkel denke …
Ohne die 12 Punkte, die aus Bulgarien an das bulgarische Mitglied der No Angels gingen, wäre das ein hochverdienter letzter Platz geworden.
Stimme, wie so oft, 100 Prozent zu!
Peinlich waren 2008 so einige Auftritte, aber der von den No Angels bestimmt nicht. Ich fand ihn gut.
No-Angels-Mitglied Nadja Benaissa haust momentan im Promi Big Brother-Haus.
Hausen würde ich das nicht nennen, sie verweilt gerade darin und könnte dieses Format gewinnen.
Durfte sie gestern Abend noch ins Haus einziehen? 😀 Dann habe ich zu früh ausgeschaltet..
Nein, sie ist noch im Garten.
Sehr sympathische, bodenständige Frau!
Ist sie pleite? Wieso geht man da hin, wenn man auch nur 1% Selbstachtung hat?
Danke für den Tipp! Werde ich mir zeitnah ansehen. 😀
Was Giulia empfiehlt, sei mir Gesetz!
In einer ESC-Historie, die insbesondere in den letzten Jahren keinen Mangel an Nichtigkeiten aufwies, ist „Disappear“ ja noch mit eins der dunkelsten Kapitel. Ich fand aber die Aussage sehr interessant, man könne beim ESC „nicht so abmischen, dass es sich nach No Angels anhört“ – was soll das denn heißen?
Ich fand’s schade, dass ihnen danach keine Chance mehr gegeben wurde. „One life“ direkt nach dem Debakel in Belgrad war für eine deutsche Produktion supermodern, aber wahrscheinlich war das damals das Problem. Hab nie verstanden, warum das nicht ein viel größerer Hit gewesen ist. Hätten sie mal das genommen für den ESC…
„One life“ wäre sicher erfolgreicher geworden, wenn nicht genau zu dem Zeitpunkt der Skandal um Nadja Benaissa aufgekommen wäre. Ihre Krankheit war der Firma und wohl auch Teilen der Presse bekannt, sollte aber nicht öffentlich gemacht werden.
Aber bei einem Abstieg von Bekanntheiten war das damals wohl üblich, immer noch einen draufzusetzen und das zu veröffentlichen.
Nadja selbst bezeichnet ihr damaliges Verhalten als unverzeihlich.
Ohje!
Den ESC 2008 habe ich nicht sonderlich angenehm in Erinnerung. Einzig der wunderbare portugiesische Beitrag von Vania Fernandes mir Senhora Do Mar ist mir positiv geblieben!
Die Leistung der No Angels schmerzt optisch und akustisch immer noch!
Was?😱
Ab Platz 2 war die Ausgabe 2008 doch großartig!
My Secret Combination, Shady Lady, Hero, Qele Qele, The Fire In Your Eyes usw. höre ich heute noch sehr gerne.
Toller Jahrgang!
Fand den lustigen Bosnier, der die Wäsche aufgehängt hat, sehr unterhaltsam.
Und natürlich Spanien und Frankreich!
Oro aus dem Jahrgang 2008 ist bis heute mein Lieblingsbeitrag aus dem 21. Jahrhundert, und auch Mor ve ötesis Deli steht auf meiner Allzeit-Rangliste ganz weit oben. 🎸🎸🎸
Man sieht, die ARD muss sparen – 4 Folgen Doku über die No Angels? Die waren als Konzept und als Band ja einige Jahre echt gut aber 4 Folgen seh ich jetzt eher für Kaliber Elvis oder ABBA. Na ja, die Fans werdens sicher feiern (wobei ich mir nicht sicher bin, ob da viele ARD-Zuschauer bei sind).
Sind drei Folgen.
Habs schon gesehen und habe mich gut unterhalten gefühlt.
War ne tolle Zeit damals als quasi jeder in meiner Klasse Popstars im TV verfolgt hat und es am folgenden Morgen Gesprächsthema war.
War immer Fan von Vanessa und fands schade, dass sie irgendwann ausgestiegen ist.
Wusstest du dass der Großvater von Vanessa die Stimme von Darth Vader war??
Sie selbst soll nach einigen Jahren in den USA wohl wieder in ihrer Heimat Berlin leben und als Psychotherapeutin arbeiten. Außerdem ist sie wohl 2021 Mutter von Drillingsmädchen geworden.
Du bist klar auch Zielgruppe dafür, schön, dass es Dir gefällt!
Bin natürlich hier für alles die Zielgruppe 🤓 außer Eurovision Asia 🫣
Ja, da fehlt klar der HotBro Faktor!
Der Auftritt hat mir damals wirklich, kein Witz, das Herz gebrochen. Das Lied war ja so lala. Aber DIESER Auftritt. Ich war sprachlos. Die Kamera, die Stimmen, alles. Das hat mich nachhaltig schockiert damals und hat mir unfassbar leid getan. Den Knacks haben sie bei mir tatsächlich nie mehr wirklich gut machen können…
Ich habe die Doku jetzt vollständig gesehen und bin sehr beeindruckt. Wie Gulia schon schreibt, kommt das ESC-Ding relativ knapp weg, hat für die vier Mädels aber einen bleibenden Eindruck hinterlassen… nämlich das Ende der Band.
Wer sich noch ein bisschen intensiver mit ihnen beschäftigt hat, es gab auch mal einen mehrteiligen Podcast, in dem sie auf dieses Kapitel ihrer Geschichte näher eingehen.
Nicht nur, dass sie damals gezwungen wurden, am ESC trotz ihrer Zweifel teilzunehmen, darüber hinaus wurde wirklich alles über ihre Köpfe hinweg bestimmt und Jessica Wahls war zudem auch noch an Windpocken erkrankt und konnte an keiner Probe teilnehmen. Das wurde aber damals alles geheim gehalten.
Der Auftritt war Horror, keine Frage. Das Drumherum, was nicht vor der Kamera stattfand, aber auch. Und man kann in dieser Doku sehen, was für ein Haifischbecken das Pop-Business sein kann. Und man kann auch erkennen, warum viele deutsche Künstler*innen den ESC meiden wie die Pest.
Ich finde es schön, dass die vier Frauen sich vor fünf Jahren wiedergefunden und ein Comeback gestartet haben. Nur ganz wenige Musiker in Deutschland setzen sich so für soziale und gesellschaftliche Belange ein… seien es Frauenrechte, LGBTQ oder andere Ungerechtigkeiten. Das rechne ich ihnen hoch an.
Ich finde die Doku wirklich sehenswert.
Danke für deinen Kommentar, habe damals die Popstars Staffel mit großem Interesse verfolgt und die No Angels haben wirklich einen Hype ausgelöst und waren doch auch sehr erfolgreich. Ihr Auftritt beim ESC hat wohl jeden entsetzt. Vielleicht schaue ich mir die Doku auch mal an,klingt doch interessant,wenn man mal ein paar Hintergründe erfährt.
OT
🇱🇺 80 Künstler werden am Wochenende an den Ausscheidungen des Luxembourg Song Contest teilnehmen.
Künstler, die in die Song Pairing Workshops Anfang November weiterkommen, werden am Montag bekanntgegeben, wobei die endgültige Besetzung Mitte November veröffentlicht wird.
https://www.rtl.lu/kultur/news/wie-kennt-nom-eva-marija-2001791875
Wird hier bereits erwähnt:
https://esc-kompakt.de/esc-kompakt-second-chance-contest-2026-runde-2-sechstelfinale-3/comment-page-1/#comment-845560
Ich habe mich damals schon gefragt, wie jemand meinen könnte, dieses „Lied“ hätte irgendeine Chance auf ein respektables Ergebnis. Dieselben 3 Töne die 3 Minuten in Dauerschleife wiederholt werden, das ist bestenfalls als Musik in der Warteschleife einer x-beliebigen Callcenter-Kundenservice Hotline zu verwenden, aber nicht beim grössten Musikwettbewerb der Welt. Die Mädels haben mir echt leid getan, dass man ihnen so einen Müll zugemutet hat.
Ich hatte damals gar nicht so mitbekommen, wie schlecht das beim ESC rüber kam. Wir waren da auf Mallorca und das Aparthotel hatte damals noch so kleine Fernseher, wie man sie früher im Kinderzimme, von daher war der Ton bei allem unterirdisch
Ich finde es sehr interessant, dass die ARD ausgerechnet den No Angels so eine prominent platzierte und beworbene Doku widmet. Da hätte ich jetzt nicht unbedingt mit gerechnet. Wobei ja ähnliche Formate mit Künstlern aus den 2000ern schon sehr gut funktioniert haben. Und wenn ich Giulias Rezension so lese, wird das hier wohl ähnlich laufen.
Der Sieg der No Angels beim VE 2008 war jedenfalls wieder das klassische deutsche Problem, dass immer nach Namen abgestimmt wird. Es hätte natürlich Carolin Fortenbacher gewinnen müssen.
Fand die Doku durchaus interessant. Klar hätten es noch ein paar Minuten mehr über den ESC sein können, aber glaube die vier Damen sind mit dem Thema durch und wollen nicht mehr als nötig drüber reden.
Muss zugeben dass ich damals als die Band ihren Hype-Höhepunkt hatte noch ziemlich jung war und wenn Fernsehen hauptsächlich so Kinderprogramme geschaut haben, daher habe ich damals wenig mitbekommen. Dass kam erst so als sie ihr erstes Comeback hatten. Habe mir dann einige Songs angehört und manche waren schon ganz cool, neben dem Klassiker „Daylight“ mag ich vor allem diese schöne sommerliche Nummer. 🙂
Ich habe das schlechte Ergebniss nie so recht verstanden. beim ESC 2008. Ich habe nicht erwartet das die No Angels 2008 gewinnen würden, aber so schlecht waren die doch gar nicht. Ich habe mit einen Platz unter die ersten 15 gerechnet. Das war die Zeit in dem die Ostblockconnection besonders stark und übel war.