
Der Besuch von MYLE bei Radio Energy (Aufmacherbild) hat sich gelohnt: Die regionalen Sender der Marke setzen seinen Beitrag für Das deutsche Finale 2026 regelmäßig ein und sorgen so dafür, dass „A OK“ aktuell der meistspielte Song des deutschen ESC-Vorentscheids bei hiesigen Radiosendern ist. Alle anderen Beiträge wurden vielleicht mal vorgestellt als sie herauskamen und/oder können von regionalem Support ihrer Herkunftsregion profitieren. Ihre Platzierungen in den Radiocharts haben aber noch sehr viel Luft nach oben.
Die Radiosender der ARD sind in dieser ESC-Vorentscheidsaison dieselben unkollegialen Akteure wie in früheren Jahren – daran hat auch die Zuständigkeit des SWR für den Wettbewerb nichts geändert. Einige der ARD-Popwellen mögen manche der Vorentscheidbeiträge von Das deutsche Finale 2026 einmal oder zweimal angespielt haben. Größeren Support haben aber nur die Teilnehmer*innen bekommen, die aus dem eigenen Sendegebiet kommen oder anderweitig ins Konzept passen.
Schuld an der Misere ist aber auch der SWR selbst, dem es egal war, wann die Songs für den Vorentscheid veröffentlicht werden. So kam „Ciao Ragazzki“ bereits am 23. Januar auf den Markt, Molly Sues „Optimist (Ha Ha Ha)“ wurde erst drei Wochen später, also am 12. Februar veröffentlicht. Entsprechend kurz war dann auch der Zeitraum, um für die Lieder Promotion im Hinblick auf den heute in Berlin stattfindenden Vorentscheid zu machen.
MYLE hat noch am ehesten alles richtig gemacht, wobei er sicher davon profitieren konnte, dass er bereits drei Lieder in den deutschen Airplay-Charts hatte. Schon in der KW 6 hatte er 84 Einsätze bei deutschen Radiosendern, in der am Donnerstag zu Ende gegangenen KW 9 waren es 170. Zusammen sind das 454 Einsätze – mehr als alle anderen zusammen. Allerdings sind die Zahlen hier arg verzerrt, weil Energy Berlin, Energy Hamburg, Energy München, Energy Nürnberg und Energy Stuttgart einzeln gezählt werden. Bei jeder dieser Stationen fielen 38 oder 39 Einsätze an, dabei ist ihre Reichweite zusammen kleiner als von manchem Mainstream-Sender. Molly Sue, deren Song ja erst vor zwei Wochen veröffentlicht wurde, kommt bisher nur auf überschaubare sechs Radio-Einsätze.

Wir sehen uns für alle neun Beiträge jeweils die Airplay-Top 5 an. So können wir die Daten besser einordnen.
MYLE – A OK
1. Radiogroup Nordost (55)
2. Energy (39)
3. Bremen Vier (25)
4. Radio Saarland (19)
5. Radio Fantasy (15)
Die häufigsten Airplays gab es für „A OK“ bei der Radiogroup Nordost. Diese Radio-Gruppe hat keine eine eigene Internet-Präsenz. Es ist zu vermuten, dass Antenne Nordost dazugehört. Dort gibt es nicht mal einen Postanschrift im Impressum. Besonders viele Menschen dürfte MYLE über diese Sendergruppe also nicht erreicht haben – trotz der vielen Airplays.
Auch sonst sind es mit den Energy-Sendern und Bremen Vier eher junge Programme, sowie mit Radio Saarland und Radio Fantasy eher reichweitenschwache Anbieter, die „A OK“ regelmäßig spielen. Alles in allem reicht das aber, um MYLES aktuell auf Platz 83 der gesamten Radiocharts zu hieven.
Malou Lovis – When I’m with you
1. Deutschlandfunk Kultur (9)
2. delta radio Kiel (5)
3. Energy (4)
4. Radiogroup Saarland (4)
5. Bremen Vier (3)
Deutschlandfunk Kultur haben wir in all den Jahren sehr selten in unseren Airplay-Auswertungen gesehen. Dass der Sender „When I’m with you“ am häufigsten von allen gespielt hat, kann möglicherweise auf den professionell produzierten, entspannten Sound zurückgeführt werden. Und sicher auch auf die Aussage bzw. die Persönlichkeit der Sängerin. Darüber hinaus zeigen sich dieselben Sender engagiert wie bei MYLE. Dazu kommt noch der Jugendsender delta radio Kiel, über den wir gleich noch reden.
Laura Nahr – Wonderland
1. MDR Sputnik (26)
2. MDR Jump (4)
3. Bremen Vier (3)
4. delta radio Kiel (3)
5. Energy (3)
Die Magdeburgerin Laura Nahr kann ganz klar vom Jugendheimatsender MDR Sputnik sowie MDR JUMP profitieren. Aber auch hier lassen sich Bremen Vier, delta radio Kiel und die Energy-Sender nicht lumpen. Sie spielten „Wonderland“ je drei Mal.
BELA – Herz
1. Bayern 3 (11)
2. delta radio Kiel (3)
3. MDR Sputnik (2)
4. Radio Charivari Regensburg (2)
5. WDR 2 (1)
BELA kommt aus … ? Richtig, Bayern. Das erklärt dann auch schon, warum Bayern 3 seinen Track „Herz“ schon elf Mal gespielt hat – aber keinen der anderen in spürbarem Umfang. Im selben Sendegebiet befindet sich auch Radio Charivari Regensburg. Der Sender war in der Vergangenheit oft ein Supporter deutscher Vorentscheidbeiträge. Mal schauen, ob sich das nach dem Deutschen Finale 2026 noch ändert und wir mehr Einsätze für z.B. BELA auf den Sender sehen und hören werden. Wieder dabei: delta radio Kiel und MDR Sputnik.
wavvyboi – Black Glitter
1. delta radio Kiel (5)
2. Bremen Vier (3)
3. MDR Sputnik (3)
4. MDR Jump (2)
5. WDR 2 (1)
Same same, but different. „Black Glitter“ passt durchaus zum musikalischen Profil von delta radio Kiel. Allerdings wäre es wavvyboi zu wünschen, dass vielleicht auch noch Rocksender wie ROCK ANTENNE oder Radio BOB! aufwachen und dem Lied eine Chance geben.
Dreamboys The Band – Jeanie
1. Bremen Vier (4)
2. Energy (2)
3. MDR Jump (2)
4. Bayern 2 (1)
5. WDR 2 (1)
„Jeanie“ tut nicht weh und kann prinzipiell überall im Radio laufen. Hier finden wir – auf niedrigem Niveau – die bekannten Sender. Dazu kommt noch Bayern 2 – allerdings auch nur mit einem Einsatz on air. Das war vermutlich nur zur Vorstellung des Tracks.
Ragazzki – Ciao Ragazzki
1. MDR Jump (3)
2. MDR Sputnik (3)
3. Bremen Vier (2)
4. Radio Charivari Regensburg (2)
5. WDR 2 (1)
Dass „Ciao Ragazzki“ so schwach abschneidet, ist überraschend. Wobei der stakkatohafte und repetitive Einsatz von „Ciao“ vielleicht doch zu sehr polarisiert und Hörer*innen vom Radio vertreiben würde. Junge Sender wie MDR Sputnik und Bremen Vier haben es zumindest probiert. WDR 2 wird den Track wohl eher nur einmal angespielt haben.
Sarah Engels – Fire
1. Bremen Vier (2)
2. MDR Jump (2)
3. Radio RPR 1 (2)
4. Radio Salü (2)
5. WDR 2 (1)
Negative Überraschung Nummer 2: Ok, „Fire“ ist ganz klar für die ESC-Bühne geschrieben. Aber der Titel würde den Leuten bei der Arbeit auch anständig „Fire“ unter dem Hintern machen, wenn er bei einem Mainstream-AC-Sender läuft. So richtig trauen die Radiomacher dem Song noch nicht. Aber immerhin haben RPR1 in Rheinland-Pfalz und Salü im Saarland sich auch mal aus der Deckung getraut und den Titel zweimal ins Programm genommen.
Molly Sue – Optimist (Ha Ha Ha)
1. NDR 1 Welle Nord (2)
2. Bremen Vier (1)
3. delta radio Kiel (1)
4. MDR Jump (1)
5. NDR 90,3 (1)
Molly und ihr Management sind selbst schuld, dass für „Optimist (Ha Ha Ha)“ noch nicht besonders viele Airplays aufgelaufen sind. Dafür ist der Titel einfach noch nicht lange genug auf dem Markt. Allerdings hatte das Management für die Premiere die Radiosender in Schleswig-Holstein hinter sich versammelt, so dass hier sogar die „alte“ NDR 1 Welle Nord an der Spitze steht – wenn auch nur mit zwei Einsätzen.
Neben den Einzelauswertungen gibt es dann natürlich noch die Airplay-Charts. Dabei geht es nicht nur um die absolute Anzahl der Radioeinsätze, da diese – wie oben bei MYLE gezeigt – fehlleitend sein können. Für die Charts wird die Reichweite der Sender, die einen Titel gespielt haben, mit berücksichtigt. Ein Airplay auf WDR2 ist somit deutlich mehr wert als auf Energy Stuttgart. Für die Vergleichbarkeit schauen wir uns nur die KW 9 an.

MYLE hängt mit „A OK“ dennoch alle anderen DDF-Mitbewerber ab und sichert sichert Platz 83. Alle anderen Beiträge folgen im Bereich ab Platz 200. Sarah Engels „Fire“ hatte sich in der KW 8 auf Platz 269 hochgearbeitet, ist jetzt aber wieder aus der Top 300 gefallen. Molly Sue muss noch ein paar mehr Radiomacher von ihrem Song überzeugen, dass sie die Airplay-Charts überhaupt entern kann.
Wie bewertest Du den bisherigen Radioerfolg der Beiträge von Das deutsche Finale 2026? Bist Du überrascht von dem starken Abschneiden von „A OK“ und wen hättest Du sonst an der Spitze erwartet? Und glaubst Du, dass die Radioeinsätze der Beiträge nach der Show steigen werden? Lass es uns in den Kommentaren wissen.
PS: Für diejenigen, die meine Kritik an der Rolle der ARD-Radios zu Beginn des Artikels für überzogen halten: In den Radio-Top-5 der neun Songs tauchen neun öffentlich-rechtliche Sender auf, dazu immerhin sieben private (wobei die Energy-Sender zusammengefasst sind). Für eine ARD-Gemeinschaftsproduktion hätte man sich durchaus etwas mehr Rückhalt aus den eigenen Reihen vorstellen können als von der Konkurrenz.
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