
Der Eurovision Song Contest expandiert erstmals in seiner Geschichte nach Asien: Wie die European Broadcasting Union (EBU) nun offiziell bestätigt hat, wird der Eurovision Song Contest Asia 2026 in Bangkok stattfinden. Die große Show ist für Samstag, den 14. November 2026, angesetzt. Zum Start sind bereits zehn Länder bestätigt, darunter Südkorea, Thailand, die Philippinen und Vietnam – weitere Teilnehmer sollen in den kommenden Monaten folgen. Die Show wird man weltweit über den offiziellen Eurovision YouTube-Kanal verfolgen können.
Damit wird aus den jüngsten Spekulationen Realität. Erst am Sonntag hatten wir über eine zwischenzeitlich offline gegangene Website berichtet, die genau diese Details bereits vorweggenommen hatte. Dabei blieb unklar, ob es sich um ein Versehen oder sogar einen Fake handelte. Inzwischen ist klar: Die Informationen waren korrekt – und die EBU hat nun offiziell den Startschuss für die erste asiatische Ausgabe des ESC gegeben. Diese soll übrigens wirklich Eurovision Song Contest Asia heißt und nicht Asiavision Song Contest. Der Grund dafür sei die starke Marke ESC.
Zum Auftakt sollen Acts aus Thailand, Südkorea, Malaysia, den Philippinen, Vietnam, Kambodscha, Laos, Bangladesch, Nepal und Bhutan teilnehmen. Wie beim europäischen Original werden die Beiträge über nationale Vorentscheide ermittelt; allerdings sind grundsätzlich auch interne Nominierungen möglich. Perspektivisch ist eine Erweiterung des Teilnehmerfelds geplant. Tatsächlich erwartet die EBU, dass sich in den nächsten Wochen noch weitere Sender und damit Länder für eine Teilnahme entscheiden. Prinzipiell könnte Australien sowohl am ESC als auch am ESC Asia teilnehmen. Die Teilnahme von föderalen Landesteilen wie Wales beim JESC sind jedoch nicht vorgesehen.
Die Teilnehmerzahl wird in jedem Fall größer sein als die beim ersten ESC 1956. Dennoch werden keine Halbfinale vonnöten sein, sondern alle Beiträge stehen automatisch im Finale. Für den Start soll das Reglement vom ESC quasi komplett übernommen werden – einschließlich der Votings von Jurys und TV-Publikum sowie der ikonischen Douze Points. Und auch der Code of Conduct. Allerdings bedeutet der 1. Platz beim ESC Asia im Moment noch nicht, dass das siegreiche Land den Wettbewerb automatisch im nächsten Jahr ausrichten darf. Aber das war beim ESC ja zu Beginn auch nicht so.
Die neue Show entsteht in Zusammenarbeit mit Voxovation, S2O Productions und dem thailändischen Sender Channel 3. Laut EBU soll der Wettbewerb ein potenzielles Publikum von über 600 Millionen Menschen erreichen – und damit zu einem der größten Entertainment-Events der Region werden. Inhaltlich bleibt man dem bekannten ESC-Motto treu: „United by Music“ soll nun auch in Asien gelebt werden.
Konkret haben diese TV-Stationen bereits ihre Teilnahme am ESC Asia bereits zugesagt. Anders als beim ESC sind dies nicht (nur) öffentlich-rechtliche Sender. Viel mehr hat man versucht, die reichweitenstärksten Sender der Länder zur Teilnehme zu bringen:
- Bangladesch — NTV
- Bhutan — Bhutan Broadcasting Service (BBS)
- Kambodscha — TV5 Cambodia
- Laos — Vientiane Capital Television (VTE9)
- Malaysia — Media Prima (TV3)
- Nepal — Himalaya TV
- Philippinen — ABS-CBN
- Südkorea — ENA (SK Telecom / KT Group)
- Thailand — Channel 3
- Vietnam — Vietnam Television (VTV3)
ESC-Direktor Martin Green ordnet den Schritt als logische Weiterentwicklung ein:
„Während wir das 70-jährige Jubiläum des Eurovision Song Contest feiern, fühlt es sich besonders bedeutungsvoll an, dieses nächste Kapitel gemeinsam mit Asien aufzuschlagen – einer Region voller Kultur, Kreativität und Talent. Es geht darum, Eurovision gemeinsam mit Asien weiterzuentwickeln und etwas zu schaffen, das die Stimmen, Identitäten und Ambitionen der Region widerspiegelt, während wir gleichzeitig dem treu bleiben, was den Wettbewerb immer besonders gemacht hat. Eurovision Song Contest Asia wird von den Künstlern, Sendern und dem Publikum geprägt werden, die ihn zu ihrem eigenen machen – und so unsere gemeinsame Reise unter dem Motto ‘United by Music’ fortsetzen.“
Auch Voxovation-CEO Peter Settman (moderierte 2004 das Melodifestivalen) hebt hervor, dass das Format speziell für die Region gedacht ist:
„Von Anfang an war es unser Ziel, den Eurovision Song Contest Asia gemeinsam mit den besten kreativen Talenten der Region aufzubauen und eine Show zu entwickeln, die wirklich die Identität und kreative Energie Asiens widerspiegelt. Gemeinsam mit S2O Productions gestalten wir ein Format, bei dem sich Künstler und Fans über Grenzen hinweg auf neue Weise verbinden – durch Teilnahme, Community und eine tiefere Interaktion über die Bühne hinaus. Ich bin mit Eurovision aufgewachsen, habe vor dem Fernseher gesungen, zu den Gewinnern in der Disco getanzt – und jetzt sehe ich meine eigenen Kinder genauso begeistert mitfiebern. Diese unglaubliche Show auf einen neuen Kontinent zu bringen, ist etwas ganz Besonderes.“
Auch technologisch will man neue Wege gehen: Mit der Plattform ZOOP sollen Fans stärker eingebunden werden und aktiv am Wettbewerb teilnehmen können – über klassische Abstimmungen hinaus.
Für Thailand bedeutet die Austragung vor allem internationale Aufmerksamkeit. Chuwit Sirivajjakul von der thailändischen Tourismusbehörde erklärt:
„Als ich hörte, dass die EBU und Voxovation Bangkok als Austragungsort in Betracht ziehen, dachte ich sofort: Natürlich muss es Bangkok sein. Diese Stadt war schon immer ein Ort, an dem Kulturen zusammenkommen, Musik in der Luft liegt und Feiern zum Alltag gehört. Tradition und Innovation stehen hier nicht im Wettbewerb – sie arbeiten zusammen. Genau das ist auch der Geist von Eurovision. Wir sind stolz, diesen Wettbewerb willkommen zu heißen und damit ein neues Kapitel für Thailands globale Präsenz aufzuschlagen.“
Mit dem Eurovision Song Contest Asia wagt die EBU damit den bislang größten Schritt in der Geschichte des Formats. Nach dem kurzlebigen American Song Contest und zwei gescheiterten Anläufen in Asien in der Vergangenheit könnte sich nun erstmals ein dauerhafter Ableger außerhalb Europas etablieren.
Bist Du überrascht, dass es wirklich einen Eurovision Song Contest Asia in diesem Jahr geben wird? Welche teilnehmenden Länder wünscht Du Dir dafür neben den bereits gemeldeten? Und denkst Du, dass die K-Pop-Nation Südkorea hier einen großen Vorteil hat? Lass es uns in den Kommentaren wissen!
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