
Beim Eurovision Song Contest 2026 liegen die Karten auf dem Tisch! Wir wissen von allen Acts, wie sie ihren Song auf der ESC-Bühne performen wollen, wir kennen alle 25 Starter und wir kennen auch die etwas eigenwillige Startreihenfolge unserer Protagonisten von morgen Abend. Wie sich das alles zusammenfügt, das erfahren wir allerdings schon heute. Denn heute steht die Show an, die die Jurys weltweit sehen und auf Basis derer knapp die Hälfte der Punkte bereits vergeben werden. Also Regardez ! (Aufmacherbild), beziehungsweise Lisez !, denn zum Schauen gibt es heute nur etwas für die akkreditierte Presse über einen Live-Stream im (Online-)Pressezentrum.
Neben den Performances ist natürlich auch spannend, was sonst noch so passiert in der Show. Wie sind die Moderationen von Victoria Swarovski und Michael Ostrowski (den „Owskis“, wie sie in Österreichs Presse schreiben)? Was gibt es für Einspielfilme? Was für Interval-Acts? Ab 21 Uhr wissen wir mehr.
Die Acts des heutigen Abends treten in dieser Reihenfolge auf:
- Dänemark: Søren Torpegaard Lund – Før vi går hjem
- Deutschland: Sarah Engels – Fire
- Israel: Noam Bettan – Michelle
- Belgien: ESSYLA – Dancing on the Ice
- Albanien: Alis – Nân
- Griechenland: Akylas – Ferto
- Ukraine: LELÉKA – Ridnym
- Australien: Delta Goodrem – Eclipse
- Serbien: LAVINA – Kraj mene
- Malta: AIDAN – Bella
- Tschechien: Daniel Žižka – CROSSROADS
- Bulgarien: DARA – Bangaranga
- Kroatien: LELEK – Andromeda
- Vereinigtes Königreich: LOOK MUM NO COMPUTER – Eins, Zwei, Drei
- Frankreich: Monroe – Regarde !
- Moldau: Satoshi – Viva, Moldova!
- Finnland: Linda Lampenius & Pete Parkkonen – Liekinheitin
- Polen: ALICJA – Pray
- Litauen: Lion Ceccah – Sólo quiero más
- Schweden: FELICIA – My System
- Zypern: Antigoni – Jalla
- Italien: Sal Da Vinci – Per sempre sì
- Norwegen: JONAS LOVV – YA YA YA
- Rumänien: Alexandra Căpitănescu – Choke Me
- Österreich: COSMÓ – Tanzschein
Wir bloggen die Jury-Show des Finales des Eurovision Song Contest 2026 an dieser Stelle ab 21:00 Uhr live. Der Sendung ist nur für die akkreditierte Presse zu sehen, es gibt also keinen öffentlichen Livestream. Vor, während und nach dem Live-Blog kannst Du natürlich trotzdem in den Kommentaren mitdiskutieren.
Und damit willkommen aus dem 2. Wiener Bezirk zu dieser heutigen Juryshow! Am Montag war der Pressestream katastrophal zu verfolgen und hakte ständig. Am Mittwoch lief es besser, mal schauen, wie es heute wird. Wir können uns auf jeden Fall auf ein tolles Finale freuen!
Und ich freue mich, dass der Chefredakteur dieser Seite es mir erlaubt hat, diesen Live-Blog zu Beginn des Fake-Votings zu beenden. Der Euroclub ruft natürlich auch mich noch an diesem Abend. Aber wer das heutige Voting mit ausgedachten Punktzahlen gewonnen hat, werden wir natürlich nachreichen 😉
Zu Beginn der Show sehen wir noch einmal den entscheidenden Moment von JJs Sieg während der Punktevergabe in Basel 2025. Wir sehen ihn mit der Trophäe abreisen, aber er hat sein kleines Papierschiffchen vergessen! Das wird von Wind und Wasser weggetragen bis es im Winter im Wald von einer alten Frau gefunden wird. Sie nimmt es mit zu sich nach Hause. Im Frühling übergibt sie das Schiff an einen Vogel – und der macht sich mit dem Papierschiff auf nach Wien! Dort schwimmt es nun in der Donau. Zwei Leute finden es und binden es an einen Ballon. Doch auch da ist es nicht lange, denn es landet in der Wiener Stadthalle. Und dort sehen wir JJ! Und er performt seine Eröffnungsnummer „The Queen Of The Night“.
Hier werden Elemente aus dem Werk von Mozart mit JJs eigenen Songs kombiniert. Aber bald schon erklingt das Wien-typische ESC-Thema und die Flag Parade beginnt! In der Startreihenfolge kommen nun also die Acts auf die Bühne. Beginnend mit Søren aus Dänemark – und an Position 2 folgt schon Sarah Engels für Deutschland in ihrem goldenen Performance-Auftritt. Rechts und links der Bühne sind übrigens rote Theatervorhänge aufgehängt. Für die Zuschauer auf den Rängen vielleicht etwas misslich.
Nach einem Ausschnitt eines „Wasted Love“-Remixes von JJ auf dem Steg, der die Bühne mit dem Greenroom verbindet, geht es mit dem Einlaufen der Acts weiter. Die roten Vorhänge an der Bühne scheinen nun auch weg zu sein. So gut ich das mit dem etwas pixeligen Livestream und dem Riesen-Wasserzeichen darauf erkennen kann. Prohibited to film the screen!
Und schon kommen unsere Hosts Victoria Swarovski und Michael Ostrowski und machen Stimmung! „A trillion people“ schauen zu, sagt Michael. „Roughly“. Victoria trägt ein grünes Kleid, Michael eine Art lilafarbenen Jumpsuit. Auch Emily Busvine darf sich kurz vorstellen. Sie hostet heute den Green Room. Dort sitzt aktuell noch das ORF Vienna Radio Symphony Orchestra, das den Anfang der Show begleitet hat.
Für das eigene Land können wir natürlich auch heute nicht voten, erinnert Victoria. Das wäre ja auch „a bit awkward“. Um 21:17 Uhr beginnt das Voting! Eine Watch-Party in Zaandam (Niederlande) darf es offiziell starten. Michael schlägt ein Spiel vor: Immer wenn die beiden einen ESC-Titel in ihrer Moderation verwenden, bekommen sie einen Punkt. Victoria antwortet mit: „I’m not your toy“. Punkt für sie. Und es geht los!
01. Dänemark: Søren Torpegaard Lund – „Før vi går hjem“
Søren zeigt die bekannte Choreo mit der Box, in die er erst von rein und dann mit den Tänzern wieder rausgeht. Stimmlich war er okay. Allerdings lässt er immer mal wieder Wörter aus. Vielleicht um Luft zu holen? Das Tanzen am Ende wird von der Kamera wieder nur in Totalen eingefangen. Das alles verbunden mit dem Startplatz lässt für mich den Mitfavoritenstatus von Dänemark leider schmelzen.
02. Deutschland: Sarah Engels – „Fire“
Zwischenapplaus für Sarah gleich nach ihrer ersten gesungenen Zeile. Im ersten Refrain wischt sie sich die Strähnen aus dem Gesicht und zwinkert der Kamera zu. Das Stage Diving in die Arme ihrer Tänzerinnen funktioniert. Gesanglich kann man nicht meckern. Sarah liefert solide ab und am Ende brennt die Bühne. Fire! Fire!
03. Israel: Noam Bettan – „Michelle“
Die Stimme von Noam erinnert auch heute mal an Slimane, mal an Isaak – was beides keine schlechten Vergleiche sind. Die Radio-Popnummer „Michelle“ singt er sehr gut, manchmal gewollt-aggressiv im Refrain. Und bei keinem anderen Land ist es mir bislang aufgefallen, dass es geplant Kameraschnitte ins Publikum gibt als bei Israel.
04. Belgien: ESSYLA – „Dancing On The Ice“
Eine der für mich besten Inszenierungen an diesem Abend. ESSYLA beginnt im Schneesturm und findet dann über den Steg ihren Weg auf die Hauptbühne. Zum Refrain kommen ihre Tänzer hinzu. Und während ESSYLA sich gerne mal den Vorwurf gefallen lassen musste, sie wirke kalt und unsympathisch – sieht sie in dieser Performance wirklich cool aus. Am Ende steht sie wieder im Schnee. „Dancing On The Ice“ ist sicher nicht leicht zu singen, ESSYLA klang auch nicht immer wie in der Studioversion. Die Inszenierung auf der Bühne war aber sehr wertig.
05. Albanien: Alis – „Nân“
Der Bühnenaufbau von Albanien ist nicht rechtzeitig fertig. (Was gibt es da groß aufzubauen?) Vielleicht muss man aber auch noch ein bisschen Schnee aufsaugen. Wir sehen das Publikum und hören das bekannte ESC-Wien-Musikthema. Mit jedem Mal wird das besser.
Jetzt aber! Ein dunkler Alis in Nebel gehüllt, über ihm seine Mutter auf dem Screen. Und unter ihm gelbe Untertitel. Gerade im ersten Refrain sind die aber auf dem sehr hellen weißen Hintergrund kaum zu lesen. Konturen um eine Schrift helfen – alte Social-Media-Kachelersteller-Weisheit. Die „Mutter“ von Alis kommt auf die Bühne, dreht ihre Runden rund um den Sänger und nimmt ihm dann relativ effektarm die Sonnenbrille ab. Endlich sehen wir Alis‘ recht junges Gesicht. Die „Mutter“ drückt ihm dann noch eine Uhr in die Hand und ich bezweifele, dass diese Inszenierung Albanien helfen wird, den echt schönen Song weiter nach oben zu heben.
06. Griechenland: Akylas – „Ferto“
Und auch hier hören wir erstmal Überbrückungsmusik. Dieses Mal aber darf Emily Busvine einen Fan im Greenroom interviewen. Nach einer Antwort ist die Stage dann ready und wir hören logischerweise den Stage-Ready-Sound.
Die Performance von „Ferto“ ist voll, überladen, fordernd. Aber macht auch sehr viel Spaß, weil immer etwas Neues passiert. Besonders clever: Während Akylas durch die verschiedenen Türen geht, wird er irgendwann durch ein Doulbe ersetzt, das man nur von hinten sieht. Damit hat er Zeit, nach oben auf das Haus draufzusteigen und zum Balladen-Part anzusetzen. Das könnten Publikum wie Jury belohnen.
07: Ukraine: LELÉKA – „Ridnym“
Die Vorhänge fallen für die Ukraine! Aber fallen auch alle? Denn gerade bei der Performance von LELÉKA gab es in den vergangenen Durchläufen gerne Probleme, ob die Tücher von der Hallendecke wirklich gut runterfallen und sich am Ende lösen. Und auch bei ihrem langen Ton am Ende des Songs, war gestern im Halbfinale noch nicht alles richtig. Mal schauen, ob das heute besser klappt: Antwort jein! Denn sie singt den Ton nicht ganz komplett und holt kurz vor Schluss nochmal Luft. Aber dadurch trifft sie ihn am Ende auch und es klingt besser als noch im 2. Semi. Selbstbewusst bringt sie den Song nach Hause. Und auch die Vorhänge sind heute auf ihrer Seite geblieben.
Pause! Und wir bekommen eine neue Folge Professor Eurovision mit Victoria aus dem Uni-Saal. Die Frage heute: Welches war der erfolgreichste ESC-Song? Victoria sagt: Kommt drauf an. Die meisten Punkte bekam Salvador Sobral. Aber früher gab es ja nicht so viele Punkte. Die größte Differenz zwischen Platz 1 und 2 gab es bei Alexander Rybaks Sieg 2009. Punkte seien aber nicht das wichtigste, sagt Victoria. Sondern Geld! Also schauen wir mal, welcher Song am meisten verkauft wurde. Natürlich „Nel blu dipinto di blu“ alias „Volare“. Vor „Safe Your Kisses For Me“ und „Waterloo“. Am meisten gestreamt wurde „Arcade“ von Duncan Laurence. Am meisten gecovert wurde „Volare“ – über 1.000-mal. Erfolg kann man also ganz unterschiedlich messen.
08. Australien: Delta Goodrem – „Eclipse“
Wieder sehen wir die australische Harfe für ungefähr sieben Sekunden. Es sollten ihre letzten gewesen sein – in dieser Inszenierung taucht sie nicht mehr auf. Dafür kommt nun die strahlende Delta Goodrem, die den wohl besten Kamerablick des Abends drauf hat. Delta bewegt sich von ihrem Mond auf das Klavier zu, und spielt es im stehen. Dabei verschluckt sie aber einmal ein „Eclipse“! Abzug in der B-Note. Auch beim Klettern aufs Klavier und Festgeschnallt werden ist sie etwas daneben, überhaupt scheint sie hier ein bisschen mehr die Melodie zu improvisieren. Das Finale sitzt wieder, das Publikum findet’s super und es gibt „Delta, Delta“-Rufe zu hören.
09. Serbien: LAVINA – „Kraj mene“
Später am Abend ist die finnische Band Lordi noch im Interval Act zu sehen – aber der Anfang von „Kraj mene“ hat durchaus Lordi-Vibes. Der Sänger röchelt sich durch den Nebel, bis er schlussendlich auf seiner Position vor der Band ankommt. Der Metal-Song ist über eine lange Strecke ja erstaunlich melodisch. Ab der Bridge geht dann aber das Growling los und die Kamerawackler sehen aus, als hätte TVP kurzerhand auch den serbischen Act inszeniert. Kalt lassen dürfte dieser Auftritt aber wohl niemanden. Wie auch, bei der Pyro, die am Ende noch gezündet wird.
Victoria und Michael sind wieder da. Noch tragen sie die gleichen Klamotten wie noch am Anfang. Heute Abend ist mehr als ein Contest. Es ist eine Geburtstagsfeier für die ESC-Familie, sagt Michael. Das Intermezzo der beiden ist aber kurz – es geht malta mit Weiter. Äh, weiter mit Malta.
10. Malta: AIDAN – „Bella“
Diesen Schmalz kann AIDAN einfach. Alles dreht sich um ihn. Oder dreht er sich? Und wer oder was ist jetzt „Bella“? Wir wissen es nicht genau. Dafür sehen wir aber, dass die Windmaschine seine Frisur nicht so ganz zerzaust wie gestern. Dafür aber ist sein Schluchzen nach dem in rot getränkten Höhepunkt des Songs noch ein bisschen heftiger (und anstrengender) als noch im Semifinale. Interessant, dass direkt nach Malta die nächste Ballade mit rundem Requisit kommt. Denn auch unser nächster Act beginnt erstmal in einem Kreis aus Spiegeln…
11. Tschechien: Daniel Zizka – „Crossroads“
Und es ist sicherlich sehr schwierig, eine Performance, die in einer Art Spiegelkabinett stattfindet, so abzufilmen, dass man die Kameras nicht sieht. Das gelingt aber auch heute. Und auch die Stimmakrobatik am Ende des Songs ist perfekt. Das kann sich hören lassen.
12. Bulgarien: DARA – „Bangaranga“
Ich finde es so faszinieren, auf was für ein Niveau gerade die drei ESC-Rückkehrer Bulgarien, Moldau und Rumänien diesen Wettbewerb heben. Die beste Performance liefert eindeutig DARA mit ihren Tänzern. Das ist wild, das ist krass, das ist bangarang. Und dazu noch überaus kreativ – Tanzen im Stehen und im Sitzen. Es beginnt ja auch in einer Art Wartezimmer. Da hat man viel Zeit, sich so etwas auszudenken. „Bangaranga“ besteht ja aus einigen Instrumental-Parts, in denen nicht gesungen und nur getanzt wird. Hier hört man das Publikum besonders gut jubeln. Doch auch stimmlich liefert DARA beim ganzen Getanze gut ab. Top 10 ist ein Muss.
13. Kroatien: Lelek – „Andromeda“
Das ist schon kraftvoll, was die fünf Bandmitglieder von Lelek da auf die Bühne bringen. Mehrstimmiger Gesang kann auch schief gehen – bei „Andromeda“ ist davon aber nichts zu spüren. Während der Bühnennebel gefühlt mit jeder Sekunde zunimmt, steigert sich der Song bis hin zum mit schnellen Schnitten schön aufgenommenen Finale. Das ist wohl der Song, bei der Unbeteiligte sich am Samstagabend denken werden: „Ach ist schon wieder ESC“.
14. Vereinigtes Königreich: LOOK MUM NO COMPUTER – „Eins, zwei, drei“
Um alles zu beschreiben, was in dieser Performance alles passiert, hat mein Internet leider zu wenige Zeichen. LMNC besticht auf jeden Fall mit seinen unorthodoxen Tanzbewegungen. Oder ist „verwirrt“ doch das richtige Wort? Auf der Rückseite der auf der Bühne aufgebauten Tische drückt er aufgemalte Knöpfe, woraufhin nichts passiert. Sein Ausruf „When I say ‚eins‘, you say ‚zwei'“ ist natürlich hochnotpeinlich – aber das Publikum in Wien macht gerne mit und ruft gut hörbar „zwei“ rein. Unterhaltsam war’s schon, dieser Auftritt. Aber leider in keiner Weise wettbewerbsfähig. Wird es schwer haben, ins Finale zu kommen. Oh ich höre gerade, das ist schon das Finale. Naja gut.
15. Frankreich: Monroe – „Regarde !“
Es ist schon vewunderlich, dass es Frankreich schafft, tatsächlich eine Performance ohne Eiffelturm zum ESC zu schicken. Dafür kommt aber in Zeile 2 des Songs gleich das Wort „Paris“ vor, damit man ja nicht vergisst, wo man hier ist. Alles an Monroes Performance schreit „Ich will gewinnen“ – die Frage ist nun, ob man sich davon einnehmen lässt oder ob einen diese Überperfektion eher abschreckt. Natürlich singt sie „Regarde !“ großartig. Alles andere hätte einen auch sehr verwundert.
Viki und Michi alias „die Owskis“ sind wieder da und spielen ihr Spiel weiter, in dem sie ESC-Siegertitel unterbringen müssen. Hat Victoria gerade „Moldovia“ angekündigt. Najaa.
Aber erst einmal schlägt sie den Bogen zum Junior Eurovision Song Contest. Wir sehen einen kleinen Einspieler von Lou Deleuze, die den JESC vergangenes Jahr für Frankreich gewonnen hat. France TV hat aber gleich abgesagt, dieses Jahr zu hosten. Lou Deleuze sitzt in Wien im Publikum, wird also nicht interviewt. Der JESC findet dieses Jahr in Malta statt, wie seit heute bekannt ist. Und Viki und Michi weisen auch auf den Eurovision Asia hin. Der findet schließlich in Bangkok statt. Nun folgt ein Trailer, in dem die ESC-Acts dieses Jahres Stimmung für den Eurovision Asia machen.
Emily darf noch ein paar Sätze im Greenroom sagen – und es fällt mir auf, wie gut und natürlich ihr Englisch klingt. Sie studierte allerdings auch in Cambridge. Und nun darf sie beim ESC Kaffee servieren.
16. Moldau: Satoshi – „Viva, Moldova!“
Die eher wilden und teilweise anstrengend wirkenden Songs reißen seit Startplatz 12 einfach nicht ab. Das sehr energiegeladene „Viva, Moldova!“ wirkt durch den ständigen Einsatz der Steadycam natürlich noch extremer. Satoshi hat diese Performance aber schon unzählige Male durchgezogen und ist auch heute nicht außer Atem. Großer Applaus, den er aber auch im Abgehen von der Bühne nochmal selber anheizt.
17. Finnland: Linda Lampenius x Pete Parkkonen – „Liekinheitin“
Auf dem alten Siegesstartplatz von Lordi wollen nun Linda und Pete Finnlands größten ESC-Erfolg wiederholen. Und die Parts, in denen Linda ihre Geige live spielt, merkt man. Denn das klingt dann schon anders als in der Studioversion. Diese Parts scheinen aber wirklich wenige zu sein. Da würde ich im Sinne der Fairness schon gerne nachfragen, ob man dann nicht auch alles live spielen müsste, wenn man sich schon die Ausnahmegenehmigung dafür holt. Das Ende von Pete ist nicht ganz on point. Dadurch, dass die Geige so prominent zu hören ist, fällt es aber nicht ganz so auf.
24 verschiedene Sprachen hören wir dieses Jahr übrigens auf der ESC-Bühne. Das erzählt Victoria in einem sehr kurzen Zwischenauftritt mit Michael. Nun läuft die Postcard von Polen und schon im Hintergrund hört man den Applaus der Halle. Dark Horse incoming?
18. Polen: Alicja – „Pray“
Ich weiß überhaupt nicht, was ich hierzu schreiben soll. „Pray“ erreicht mich nach wie vor absolut nicht. Aber Alicja singt es natürlich hervorragend. Und die an The Roop erinnernden Tänzer machen ihre Sache auf der schiefen Turnmatte auch gut.
19. Litauen: Lion Ceccah – „Sólo quiero más“
Eben bei Polen hatten wir schon wenige Farben mit schwarz, weiß und silber. Nun bei Litauen sind es exakt die gleichen. Warum treten gerade diese Länder direkt hinter einander an? Na gut, ein bisschen Dunkelblau ist bei Lion auch dabei. Zumindest am Anfang. In Strophe zwei wechselt das Bild dann in schwarz-weiß. Und seine zeitweise eingeblendeten Untertitel sehen ganz anders aus als die von Albanien. Passend zu seiner Bühnenfigur wirkt Lion natürlich den ganzen Song über etwas entrückt. Man könnte auch sagen creepy. Aber offensichtlich hat das schon einmal genug Leute erreicht. Stimmlich kann auch hier wenig kritisieren. Wie überhaupt die meisten Acts heute doch gut singen. Bislang zumindest.
20. Schweden: FELICIA – „My System“
Nimmt FELICIA nun im großen ESC-Finale tatsächlich ihre Maske ab? Die Hoffnung/das Gerücht/die Idee geisterte ja ein wenig durch den ESC-Kosmos. Ich möchte aber bezweifeln, dass es wirklich dazu kommt. Paralell zu FELICIA hab ich kurz Kaleens „We Will Rave“ auf YouTube angemacht. Denn so, wie Schweden diesen EDM-Song inszeniert, hat es Österreich vor zwei Jahren auch schon getan. Den einen Song könnte man problemlos zur Inszenierung des anderen abspielen. Vier Tänzer und viel Laser, für Kaleen endete der Abend auf dem vorletzten Platz. Das kann ich mir bei Schweden aber beim besten Willen nicht vorstellen. Auch wenn FELICIA ihr ganzes Gesicht am Ende natürlich nicht zeigt.
21. Zypern: Antigoni – „Jalla“
Dass dieses Lied im Finale steht, kam nach Antigonis gesanglicher Leistung im 2. Semi gestern für mich doch sehr unerwartet. Mal schauen, ob das heute besser klingt. Großen Auftrittsapplaus bekommt sie schon einmal.
Den ersten Refrain meistert sie gut.
Den zweiten auch.
Jetzt ist die Bridge vorbei…
Jetzt kommt die Pyro und sie und ihre Tänzerinnen gehen nach vorne…
Und das war’s! JA! JALLA! Das war OKAY! Keine Stimm- und keine Timingaussetzer wie noch am Donnerstag. WE WANT MORE!
22. Italien: Sal Da Vinci – „Per sempre sì“
23:01 Uhr und der Stage-Ready-Sound beginnt doch langsam so richtig zu nerven. Und bei so einer anstehenden Hochzeit liegen die Nerven ja auch blank. Wie gut, wenn man da einen Hochzeitssänger engagiert hat, der sein Handwerk versteht. Erschreckenderweise gibt es Zwischenapplaus, wenn die Braut sich ihres Kleides entledigt und eine italienische Flagge enthüllt wird. Cheesy. Aber Sal singt den Song besser als im ersten Semi, als es für ihn noch um nichts ging. Heute ist die Spannung schon eher da!
Drei Starter kommen noch. Aber erstmal betritt Michael die Bühne und es folgt ein kleiner Film, wie sich Wien für den ESC herausgeputzt hat. Unterlegt mit Musik von JJ – aber auch ein paar Instrumentals aus dem Vorjahr. Wir sehen sogar Bilder aus dem Euroclub.
23. Norwegen: Jonas Lovv – „YA YA YA“
Jonas Lovv hat sich seine Stimme leider zersungen. Auch heute ist sie noch nicht wieder komplett da, wo sie sein soll. Und so wird mehr geschrien als gesungen. Manchen mag das Reibende in seiner Stimme zwar gefallen, aber mir fällt jetzt erst auf, wie schwierig „YA YA YA“ offenbar zu singen sein muss. Leider stimmlich die Performance, die mir heute am wenigsten gefallen hat.
24. Rumänien: Alexandra Căpitănescu – Choke Me
Der ORF hält uns noch ein bisschen im Würgegriff. Die Bühne ist noch nicht fertig und Emily spricht im Greenroom mit Manuela – einem Eurovision „Superfan“. Dieser ESC ist der neunte, bei dem sie dabei ist. Ich habe diese Woche auch mal nachgerechnet. Tatsächlich ist Wien 2026 auch schon meine Nummer neun…
Nun aber Alexandra! Und ihre Opern-Ausflüge im Refrain haben wir doch vorhin bei JJs „Königin der Nacht“ schonmal so ähnlich gehört! Alexandra sinkt auf die Knie und fleht „Save me“ – aber das sollte nicht nötig sein. Dieser gut gesungene – und performte ! – Rocksong sollte auch aus eigener Kraft wirklich gut ankommen können. Und gegebenenfalls wird in einer morgen auf diesem Blog erscheinenden Prognose jemand sagen, dass Rumänien in die Top 5 kommt. Gegebenenfalls werde ich das sein.
25. Österreich: COSMÓ – „Tanzschein“
Ob diese letzte Startnummer so gut ist für den „Tanzschein“? Ich bin mir da leider nicht so sicher. Und selbst jetzt wird noch nicht getanzt. Denn auf der Bühne sucht man offenbar noch den richtigen Schraubenschlüssel, um die Gitter für COSMÓs Tänzer anzudengeln. Deshalb haben wir nach ein wenig Überbrückungsmusik wieder Emily im Greenroom mit einem Superfan. Sitzen die da eigentlich parat und warten darauf, vielleicht mal angesprochen zu werden? So – ein letztes Mal der Stage-Ready-Sound und Bühne frei für den Löwen und die Gazelle.
Der Start von COSMÓ auf dem Rücken liegend ist clever. Generell hat der Song durch die Inszenierung für mich dazugewonnen und wirkt deutlich professioneller als noch im österreichischen Vorentscheid. Und „Tanzschein“ ist der freudliche Reminder, dass der ESC ja doch eine Familiensendung ist. COSMÓ ist durchweg sympathisch, in der Halle geht es verständlicherweise ab und das zurecht. Denn COSMÓ singt den Song auch wirklich gut.
23:24 Uhr und es ist Zeit für meinen Lieblingsteil in jeder ESC-Sendung. Den Schnelldurchlauf mit vielen tollen Songs 🙂
Danach stößt Emily zu Viki und Michi und hat eine große Rolle Papier dabei. Sie erzählt, wer heute noch alles im Interval Act dazukommt. Etwa Max Mutzke, Lordi und Erika Vikman. Die Liste ist wirklich lang – aber direkt danach geht es auch schon los mit den Medleys!
Erika Vikman singt ein Medley aus „All Kinds Of Everything“, „Cha Cha Cha“, „Rim tim tagi dim“ und noch einem Song, den ich gerade vergessen habe. Lordi kommt hinzu und startet mit „Le papa pinguin“. Max Mutzke kommt zu „Arcade“ auf die Bühne. Alex Rybak geigt „Ne partez pas sans moi“, der Gesang dazu kommt von Kristian Kostov. Verka Serduchka gibt die „Puppet on a string“, Miriana Conte singt auf Deutsch: „Dschinghis Khan“!
Kurze Anmerkung dazu: In Basel trafen wir mit Team eurovision.de auf Miriana Conte und sie sollte ihren Song auf Deutsch performen. Das ging gründlich in die Hose und wurde nie veröffentlicht – da wundert es mich, dass sie hier den deutschen Song gewählt hat.
Lordi sind zurück und das mit Küsschen – „Save Your Kisses For Me“. Ruslana hat sich für „Mon amour“ entschieden und wird von Miriana Conte begleitet. Dann geht es für sie mit dem Klassiker „Euphoria“ weiter. Alexander Rybak hat es doch noch dieses Jahr zum ESC geschafft und stimmt Cliff Richards‘ „Congratulations“ an. Erika ist zurück – mit dem nächsten Klassiker! Nämlich „Waterloo“. Und zu ABBAs Gewinnertitel von 1974 kommen auch die anderen wieder auf die Bühne. Verka stimmt „Volare“ an. Und auch als die Musik dazu irgendwann aus ist, singt sie mit dem Publikum einfach weiter. Das ist 70 Jahre ESC! Wobei ich nicht komplett ausschließen möchte, dass da auch einige Stimmen vom Band kamen. Aber es war schön. Eine Off-Stimme sagt uns, wie viele Songs bislang am ESC teilgenommen haben. Danach geht’s direkt in den nächsten Schnelldurchlauf.
Viki und Miki – wie ich unsere herzhaften Hosts mittlerweile nenne – machen ein bisschen Werbung für ESC-Merch dieses Jahres. Miki macht einen Gag, den ich nicht verstehe. Viki kündigt den österreichischen Star-DJ Parov Stelar an. Und der hat einen Song extra für den ESC komponiert.
Elektro-Swing in der Wiener Stadthalle. Das hat es seit Electro Velvet auch nicht mehr gegeben.
Eine letzte Folge von Professor Eurovision wartet noch auf uns! Nun geht es um das Votingsystem. Und Victoria weist auf die vier Sieger von 1969 hin und wie die 12 Points eingeführt wurden, um so einen Gleichstand zu verhindern. Doch 1991 gab es so einen Gleichstand noch einmal und am Ende ging es daran, wer häufiger 10 Punkte von den Jurys erhalten hat. Darauf folgt eine sehr ausführliche Erklärung, wie heutzutage gevotet wird und wie man trotz vieler Votes immer noch null Punkte bekommen kann.
Einen Schnelldurchlauf haben wir noch! Dieses Mal in umgekehrter Reihenfolge.
Und um Punkt Mitternacht ist das Voting vorbei! Schluss! Fertig! Wir haben einen Gewinner! Also zumindest in der Theorie. Praktisch passiert das ganze ja erst Morgen. Aber es fühlt sich alles so ENTSCHEIDEND an!
Zum Runterkommen folgt erst einmal ein Einspielfilm über Wien und die Musik. Im Anschluss sitzt der ESC-Drittplatzierte von 2018, Cesár Sampson, am Klavier und covert Billy Joels „Vienna“. Logischerweise gibt es großen Applaus.
Ein nächster Einspieler zeigt zum Instrumental von „Rise Like A Phoenix“ alle ESC-Sieger der Geschichte in kurzen Ausschnitten. Im Hintergrund hört man großen Applaus des Publikums. Tritt da vielleicht gleich überraschend jemand auf, der sich vom ESC eigentlich zurückziehen wollte???
Nein. Keine Conchita. Nur das dramatische Ende des Instrumentals. Victoria und Michael stehen an einem Pult auf dem Steg und das Jury-Voting beginnt! Das Scoreboard sieht sehr klassisch aus. Der Hintergrund ist in Gold und Schwarz gehalten. Wir sehen die Flaggen, den Ländernamen und die Punkte. Die vergebenen Punkte werden rechts neben den Gesamtpunkten eingeblendet. Die erste Jury ist die aus der Schweiz und vergibt 12 Fake-Punkte an Bulgarien.
Israels Punktevergeber macht den Gag, dass er ja schon wisse, wer gewinnt, das aber noch nicht verrate, um die Spannung hoch zu halten. Das wird sicher im ESC-Fandom ganz gelassen zur Kenntnis genommen werden.
Panne bei den deutschen Punkten! Ausgerechnet bei wavvyboi, der von Victoria als „Simon“ vorgestellt wird, funktioniert das Bild nicht und wir sehen nur die zwei Hosts. wavvyboi findet aber liebe Worte für die Acts und die Show und vergibt 12 Punkte an Australien.
Aktuell liegt übrigens Serbien beim Fake-Voting vorne. Und ich weiß, dass das, was jetzt kommt, recht unbefriedigend ist – aber da die Punktevergabe morgen doch einen Hauch spannender sein dürfte als die von heute, beende ich den Liveblog an dieser Stelle. Vielen Dank fürs Dabeisein! Den „Sieger“ reichen wir hier später noch nach. Gute Nacht und einen wundervollen ESC-Tag!
Anmerkung danach: Das Fake-Voting krönte Sal Da Vinci aus Italien zum Sieger.
Über die Erkenntnisse aus dem Jury-Finale sprechen wir auch am morgigen Samstagabend um 19:00 Uhr in unserer ESC kompakt LIVE Pre-Show zum großen Finale auf YouTube.
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