JJ – Act II – Into The Unknown Tour: Ein ESC-Sieger live in Hamburg

JJ – Foto: privat

Vom ESC-Sieg auf die eigene Tour: Rund anderthalb Jahre nach seinem Triumph mit „Wasted Love“ beim Eurovision Song Contest 2025 ist JJ beim nächsten Kapitel seiner Karriere angekommen. Mit neuen Songs im Gepäck und seinem Debütalbum in Aussicht ist der österreichische Sänger aktuell auf seiner ersten Europatour auf Tuchfühlung mit seinen Fans. Bei der „Act II – Into The Unknown Tour“ macht(e) JJ auch in Deutschland Station – unter anderem im KENT Club in Hamburg. Ein Bericht von ESC-kompakt-Leser Jonas

Mehr als vier Monate ist es nun her, dass ich Tickets für JJs erste Europatour kaufte. Ich weiß noch, wie ich mir nach der Ankündigung ohne zu zögern noch am selben Tag mein Ticket für Hamburg sicherte. „Wasted Love“ war mein Platz 2 des Jahrgangs 2025, und JJ schien mir durch zahlreiche Interviews, Auftritte und die „Beauty Blender“-Live-Chats eine sehr sympathische und lustige Person zu sein. Auch die ersten Nachfolgesingles seines Siegersongs gefielen mir sehr – aber wie sehr, das sollte ich erst beim ESC in Wien merken.

JJs Interval-Act im zweiten Semi in Wien hat mich damals total geflasht und bis heute nachhaltig beeindruckt. Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich sprachlos vor dem Fernseher saß und die Premiere seiner neuen Single „Unknown“ begeistert verfolgte. Das war für mich der Höhepunkt des zweiten Semis und eine Inszenierung, die ich mir in den folgenden Wochen noch sehr oft anschauen sollte.

So ging es für mich am Mittwoch nach Hamburg in den KENT Club, eine feine kleine Location, die oft auch für kleinere Konzerte genutzt wird und bis zu 500 Leute fasst. Nachmittags brach ich auf und erreichte nach etwa zweieinhalb Stunden Zugfahrt die Hansestadt. Nach einem kurzen Spaziergang an den Landungsbrücken und einer kleinen Stärkung machte ich mich mit der S-Bahn auf den Weg zum KENT Club.

JJ – Foto: privat

Als ich dort ausstieg, erwartete mich direkt die erste Überraschung: Gut 30 Minuten vor Einlass hatte sich bereits eine sichtbare Schlange von etwa 100 Leuten vor dem Eingang gebildet. Das machte direkt Lust auf das Konzert. Also reihte ich mich ein und konnte in der Menge auch das eine oder andere ESC-T-Shirt entdecken.

Dann öffneten sich die Türen und wir wurden direkt vom Marketing-Team empfangen, das uns einen gebastelten Kompass in die Hand drückte – verbunden mit der Bitte, diesen beim Song „Unknown“ hochzuhalten.

JJ – Foto: privat

Das Publikum war bunt gemischt und ganz eurovisionär hörte man im Saal nicht nur deutsche Stimmen. Auch einige Fans aus den Niederlanden und Dänemark waren angereist, soweit ich das sprachlich einordnen konnte. Wollte man das Publikum näher beschreiben, so lässt sich sagen, dass es überwiegend weiblich und auffallend jung war. Mindestens die Hälfte der Anwesenden waren Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter, die sich schon ganz nah an der Bühne versammelt hatten. Auch kleinere Kinder waren – teilweise in Begleitung ihrer Eltern – im Publikum.

Um 20 Uhr sollte JJ die Bühne betreten. Gerade als ich mir einen guten Platz im Saal gesichert hatte, kam auch schon die extra für die Tour zusammengestellte kleine Band auf die Bühne – mit Keyboard, Schlagzeug, Geige und Cello. Dass live gespielt wurde, war auf jeden Fall eine tolle Entscheidung. JJ ließ allen Bandmitgliedern ihren Raum zum Scheinen, sodass jede und jeder im Laufe des Abends mindestens ein Solo bekam.

JJ – Foto: privat

Mit zehn Minuten Verspätung betrat dann endlich auch JJ die Bühne und eröffnete den Abend mit seinem Song „Shapeshifter“, den er auch beim luxemburgischen Vorentscheid performen durfte. Die Menge – ich würde schätzen, dass es 300 bis 350 Menschen waren – war von Anfang an textsicher und sang lautstark mit. Und so tat ich es natürlich auch.

Ich hatte mich im Vorfeld des Konzerts gefragt, wie JJ einen ganzen Abend füllen möchte, wenn er doch bisher nur sieben Songs veröffentlicht hat, und „befürchtete“ viele Coverversionen bekannter Popsongs. Doch es kam ganz anders: Über den Abend hinweg spielte JJ – bis auf eine berührende A-cappella-Version von „Somewhere Over The Rainbow“ – ausschließlich eigene Songs, die er in den vergangenen Monaten produziert hatte.

Wie er später am Abend verkündete, wird JJ im Frühjahr 2027 sein erstes Album veröffentlichen, auf dem all diese Songs zu hören sein werden. Die ganzen Titel – es waren bestimmt zehn noch unveröffentlichte Songs – schon jetzt und dann sogar live hören zu dürfen, war eine tolle Erfahrung! Und eines kann ich euch sagen: Da kommen noch eine Menge starker Songs auf uns zu.

Besonders bemerkenswert ist, wie JJ seinen eigenen Stil gefunden hat. Es gibt keine Kopie von „Wasted Love“, sondern viele tolle eigenständige Nummern. Was dabei auf den ersten Blick überraschen könnte: JJs neue Songs bedienen sich deutlich stärker am zeitgemäßen Pop als an der Pop-Opera. Neben einigen sehr, sehr schönen und berührenden Balladen gibt es auch viele Uptempo-Banger, auf die wir uns freuen können. Dabei greift JJ häufiger auf seine Bruststimme zurück und singt nicht durchgehend in der hohen Kopfstimme, die bei „Wasted Love“ noch dominierte.

So bot der Abend eine tolle Mischung aus neuen und bereits bekannten Songs.

Auch die Interaktion mit dem Publikum beherrschte JJ ausgesprochen gut. Gerade bei den neuen Songs erklärte er im Vorfeld, womit sich das jeweilige Lied thematisch beschäftigt, wodurch man sich viel besser in die neue Klangwelt einfühlen konnte. Auch der lustige JJ, den man aus zahlreichen Interviews kennt, war auf der Bühne sehr präsent und streute immer wieder einige Gags ein. Das Publikum zum Mitsingen zu animieren, brauchte JJ eigentlich gar nicht mehr – die Menge sorgte schon von sich aus für großartige Stimmung!

JJ – Foto: privat

Das erste Highlight für mich war die Live-Performance von „Unknown“, eben jenem Song, den JJ im zweiten Semi in Wien so eindrucksvoll performt hatte. Und was soll ich sagen: Die erste Strophe sang ich noch lauthals mit, aber dann war ich einfach nur noch geflasht, stand mit offenem Mund da und saugte die Atmosphäre auf.

Alle im Publikum hielten den am Eingang verteilten Kompass hoch, einige schalteten zusätzlich ihre Handytaschenlampen an, sodass eine richtig intime Stimmung entstand. Und stimmlich war die Live-Version – wie bei allen Songs des Abends – kaum von der Studioversion zu unterscheiden. JJ schüttelte diesen Song aus dem Ärmel, als wäre er nur sein Warm-up.

Ein besonderes Highlight von „Unknown“ ist der lange Ton gegen Ende des Songs, den er bereits in Wien so beeindruckend gesungen hatte. Ganze 27 Sekunden lang hielt JJ diesen einen Ton, ohne dabei zu atmen! Selten hatte ich eine so starke Gänsehaut.

JJ – Foto: privat

Nach „Unknown“ folgte eine Phase mit mehreren ruhigeren Songs, die vom berührenden „Ballerina“ gekrönt wurde. Dieser Song berührt mich vor allem aufgrund seiner Lyrics sehr. Es geht um eine nach außen perfekt wirkende Tänzerin, die nie Fehler zu machen scheint, innerlich aber ihre ganz eigenen Kämpfe austrägt. Mindestens genauso emotional wurde es anschließend mit „Back To Forgetting“, JJs erfolgreichster Single nach „Wasted Love“.

Nach gut 80 Minuten packender Performances – sogar inklusive Outfitwechsel von Schwarz zu Rot – verließ JJ zusammen mit seiner Band die Bühne und verabschiedete sich vorerst. Da er seinen ESC-Song allerdings noch nicht gespielt hatte, war allen klar, dass es natürlich noch eine Zugabe geben würde.

JJ – Foto: privat

Und so kam es dann auch: JJ spielte noch einen neuen Song und krönte anschließend einen wunderschönen Abend mit einer sehr berührenden Version von „Wasted Love“. Mit der Live-Band entwickelte der Song eine riesige Wucht, und es war einfach schön, wie alle im Publikum JJs ESC-Siegerlied laut mitsangen.

JJ – Foto: privat

Ein ganz besonderer Moment waren die letzten 30 Sekunden von „Wasted Love“. In der Menge zu springen und noch ein letztes Mal die besondere Atmosphäre aufzusaugen, war ein sehr erfüllender Moment, der mir nachhaltig in Erinnerung geblieben ist. Ein wahrlich perfekter Abschluss für diesen tollen Konzertabend in Hamburg!

Ich genoss noch ein paar Minuten lang die besondere Atmosphäre im Publikum und machte mich dann auf den Weg zur S-Bahn-Station. Ein langer, aber erfüllender Tag endete für mich schließlich erst um ein Uhr nachts vor der heimischen Haustür.



Entdecke mehr von ESC kompakt

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

5 Comments
Matty
Matty
1 Stunde zuvor

Schön und vielen Dank für deinen Bericht, lieber Jonas.

Last edited 1 Stunde zuvor by Matty
Alex John
Alex John
56 Minuten zuvor

Sehr schön und bewegend geschrieben, Jonas!
Deine Begeisterung für JJ kann ich mittlerweile gut nachvollziehen, nachdem ich mir vor kurzem nochmal alle drei ESC Shows aus Wien angesehen habe.
„Unknown“ höre ich seitdem auch ziemlich regelmäßig.
Und das Opening bzw. die Flaggenparade vom diesjährigen ESC Finale mit JJ in der Hauptrolle gefällt mir mittlerweile fast so gut wie mein Lieblings-Opening aus 2015.

Jorge
Jorge
41 Minuten zuvor

Ich werde mal eine Smartphone-App entwickeln, die explizit Smartphones und deren Halter aus Konzert-Pics wegretuschiert.

Nice, dass du Spaß mit JJ und der Stadionchoreo hattest, die Welt ist bunt. Beim Merch ist aber noch Luft drin: JJ hätte signierte Versionen der Windrosen-Karten statt kostenloser Ausgabe auch verkaufen können ..

benegigs
benegigs
1 Minute zuvor
Reply to  Jorge

Soweit ich das vor Ort mitbekommen hatte, waren die Windrosen nicht direkt vom Team JJs, sondern von zwei Fans. 😀 Die beiden haben bei Tiktok wohl auch einen Account nur für dieses Fanprojekt.

Lukas
Lukas
23 Minuten zuvor

Ich fand den Abend auch sehr schön ♥️