Nemo trat am Vorabend des Schweizer Nationalfeiertags, also am 31. Juli, im Rahmen des Lakelive Festivals in Nemos Heimatstadt Biel auf. ESC kompakt war natürlich für Euch dabei.
Beim Einlass sind die Organisatoren etwas überfordert von der Menge an Nemo Fans, was dann auch erklärt dass der Auftritt mit einer halben Stunde Verzögerung beginnt. Trotzdem ist der Platz nur etwa zu 80% gefüllt.
Kurz bevor Nemo die Bühne betritt, stimmt das Publikum einen Chant von „Nemo, Nemo“ an. Was dabei auffällt: Es sind sehr viele Kinderstimmen dabei. Nemo spricht ein sehr diverses Publikum an. Von Hardcore ESC-Fans, über Mundart-Ära-Kenner bis hin zu Besucher*innen die nur für den Geburtstag der Schweiz zum Festival gekommen sind, ist alles dabei.

Die Challenge ist dann auch, die diverse Geschichte von Nemo in ein kohärentes Konzertprogramm zu packen. Hatte Nemo beim Pride in Zürich nur eine längere Version von „The Code“ im Gepäck, ist für die Festival-Saison, die mit dem Gurtenfestival begann, von Nemo und dem Team eine Setlist mit viel Leidenschaft entwickelt worden.
Es geht größtenteils historisch von alt nach neu. Zu Beginn wird man direkt in den Mundartrap geworfen, mit dem Nemo im Alter von 17 bei einem Battle den ersten viralen Erfolg feierte. „Run Forest Run“ zeigt dem Publikum also sofort dass Nemo weit mehr ist als nur der ESC-Siegersong „The Code“. Das erste Outfit, in welchem Nemo sich präsentiert, ist ein grünes Hemd mit barock anmutenden Ärmeln sowie eine glitzernde Jeans.
Weiter geht es mit „Blockbuster“. Da zeigt sich auch das erste Mal, dass nicht einfach nur die Hits abgespielt werden, denn der Song kriegt ein Outro, das ein bisschen an Jumpstyle erinnert.
Dann ist es Zeit für zwei der drei größten Mundarthits: „Himalaya“ und „Ke Bock“. Hier kann ein Großteil des Publikums mitsingen und die Atmosphäre ist fantastisch. „Crush uf di“ und „5i uf de Uhr“ nehmen dann die Energie wieder runter, bevor es nun in die englische Phase von Nemos Karriere geht: Mit „Falling Again“, „This Body“ und „Certified Popqueen“ gibt Nemo mehrere der seit 2021 veröffentlichten englischen Songs zum besten. Auffällig dabei ist, dass die letzteren beiden in deutlich energetischer Form vorgetragen werden, was super gefällt. Insbesondere der Kontrast beim Song „This Body“, welcher von Nemos Dysphorie handelt ist auffällig. Der Song beginnt wie gewohnt ziemlich depressiv – startet dann aber durch und signalisiert damit die Selbst-Akzeptanz die Nemo mittlerweile erreicht hat.
Beim Lakelive Festival sind Flaggen eigentlich verboten – und in einer amüsanten Wiederholung der Geschichte, gibt es wie schon beim ESC eine reingeschmuggelte Nonbinary-Flagge, die sich Nemo von einm Fan abholt und damit während dem Song spielt. Beendet wird „This Body“ mit einem Rückwärtsfall auf eine Matratze.
Dann geht es von der nahen Vergangenheit in die Gegenwart und Zukunft. Wir kriegen nun ein Kleid zu sehen, das an Cinderella erinnert.
Nemo spielt drei Songs, die noch nicht veröffentlicht sind: „Forget You“ (Nemo nennt keinen Titel für diesen Song, also rate ich), „Firefly“ und „One More Shot“. Dazwischen wird eine stripped down Version von „Du„ zum Besten gegeben – absolute Gänsehaut.Von den genannten gefällt mir „Forget You“ am besten. Es ist ein rockiger Song mit Synth-sections in denen ein „hey hey hey“ zum mitsingen animiert. Der Song betont einmal mehr Nemos Talent für hohe Tonlagen. Ein Auszug aus den Lyrics:
My mind was a spotless carpet
You poured your red wine on it
I tried but I just cant forget you-u-u-uhhh
…
Don’t you remember when you said
You’re gonna love me till we’re dead
I needed you to forget me yeah –
cuz I don’t think I ever could
Zu gerne würde ich diese Songs mit Euch teilen, aber zumindest vorläufig bleibt das eine Erfahrung, die Ihr nur in der Schweiz haben könnt – und sicherlich auch auf der Europatour im kommenden Jahr.
Nach „Du“ verabschieden sich Nemo und die Band das erste Mal – das Publikum gibt sich nicht besonders viel Mühe mit Zugabe-Rufen und Nemo tritt im letzten und provokantesten Outfit (s. Bild 6 im Instagram-Post oben) zurück auf die Bühne.
Den Abschluss macht natürlich „The Code“ in einer extended version. Viele haben genau darauf gewartet – ich persönlich mag den Song auch live und „singe“ mit. Doch das wirklich beeindruckende an Nemo ist die Bandbreite an Fähigkeiten, Stimmlagen und Genres. Nemo holt spontan einen Fan auf die Bühne, welche auf einem Schild eine Choreo zu „The Code“ versprochen hatte und lässt sie diese performen.
Insgesamt werden 14 Songs zum Besten gegeben. Das Konzert ist anspruchsvoll und es gelang dann auch nicht bei jedem Song, das Publikum mitzureißen. Das lag aber nicht an Nemo, denn Nemo ist perfekt in Charisma, Bühnenpräsenz und interagiert authentisch mit den Fans.
Es bleibt spannend ob für die Europatour nächstens Jahr das Set nochmals weiterentwickelt wird. Denn die Mundart-Songs dürften das internationale Klientel dann wirklich endgültig überfordern. Vielleicht schreibt Nemo in der Zwischenzeit ja sogar genug Songs für ein neues Album oder übersetzt einige der Songs, um es dem Publikum leichter zu machen. So oder so bleibt Nemo ein Ausnahmetalent, das wir in der Schweiz so schnell nicht wieder sehen werden.
Und persönlich glaube ich, dass Nemos Zukunft vielversprechend aussieht…
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Zum Glück schien das ja besser zu laufen als das Lokalzeitungs-Intv.
Barocke grüne Ärmel – hmmmm, da war doch was…
Schon wieder Flaggentheater, unglaublich. Am besten sollte man es so handhaben wie MM oder S10, eine Flagge links, eine rechts.
Das selbstgefällige Genörgel und ewige Getratsch von Ihnen scheint keine Grenzen zu kennen. Geniessen Sie doch einfach das, was Ihnen Spass macht!
@Chris, danke für den Bericht. Ich mecker ja immer über dieses Thema, aber Du hast das sehr schön geschrieben, danke!
Danke, also welches Thema jetzt genau? 😀
Wie NZZ heute berichtet wurden kurzfristig keine professionelle Fotograf*innen zugelassen. Sprich: kurzerhand ausgeladen.
https://www.nzz.ch/schweiz/nemo-ist-alles-zu-viel-ld.1842301
Ich glaube, Nemo wird relativ schnell in die Bedeutungslosigkeit verschwinden, wenn sich der Umgang mit Pressevertreter*innen nicht schleunigst verändert.
Hat ja schon für Joost Klein super geklappt. Sehr clever.
Nemo ist eben aufgrund seines Verhaltens so etwas wie die Jennifer Lopez der Schweiz.
Sein ESC-Sieg und seine politischen Ambitionen bezugnehmend einer politischen sowie juristischen Durchsetzung von non-binärer Personen als drittes Geschlecht erlauben ihm nach meiner Ansicht auch ein solches Verhalten.
Wenn die Schweizer Medien auf dem Land sich mit Nemo über sein Gespräch mit dem Schweizer Bundesjustizminister sowie seinen im vorherigen Absatz beschriebenen Plänen unterhalten und darüber berichten möchten, dann bin ich mir sicher wird Nemo sehr entgegen kommend sein.
Leider möchten Medien aus dem ländlichen Raum über derartige Themen nicht berichten.
Ist klar dass die Berichterstattung über Nemo anders wäre, wenn er Araber mit Basecap und Nike Shox wäre. Ich finde das nicht positiv.
Ich gehe jeden Wette ein, wenn Nemo beim ESC-Finale 2025 in (hoffentlich) Basel zusammen mit Céline Dion als Intervall-Act einen Mix aus „The Code“ und „Ne partez pas sans moi“ singt, dann ist er wieder für alle der Größte. 😀
Ich glaube, Nemo passt eher zur Verka-Klaumauknummer. Das politische Engagement heiße ich gut.
„Ich glaube, Nemo passt eher zur Verka-Klaumauknummer“
Nein und dir ist auch dessen bewusst, dass das nicht so ist. 😀
Verka = Von Putin Als Feind gesehen, einreisesperre.
Nemo: Angst vor Lokalzeitung.
Hast Recht, sind ganz anders.
Warum eigentlich immer „sein“ ?
Off Topic:
Montenegro kehrt mit einem Vorentscheid zurück zum ESC!
Wollt’s auch gerade begeistert posten und habe vorher sicherheitshalber hier auf der Seite einmal nach „Montenegro“ gesucht. Hätte ja gewettet, dass Matty das schon geteilt hätte. 😀
Ich kann mir nicht helfen aber nie war mir ein ESC Gewinner plus Song egaler bzw. fremder als dieses Jahr…
Naja, will ja nicht so ein…er steht bei mir auf der gleichen Stufe wie Dima Bilan und sein Believe.
Die Schweiz soll ihn nächstes Jahr gebührend feiern und dann isses auch wieder gut.
Geht mit genauso. Habe den Song seit dem Finale kein einziges Mal mehr gehört und werde auch mit Nemo als Person nicht warm, ist mir irgendwie zu drüber und um sich selbst kreisend.
Sehr geehrter Herr ESC1994!
Ihr Kommentar disqualifiziert Sie von der Diskussion – wie Putin und Trump! Nur weil 🐟 kein 🦁 ist!
(S) glaube ich hier nicht nötig)
Beinahe hattest du mich.😂
Ist Nemo nicht eigentlich schon längst ins Ungefähre gerutscht? It’s just a no-hit wonder…Ja ok die Streams. Weiss nur keiner (ausser der Plattenfirma), wo die eigentlich stattfinden und warum. Fall-Out bei seinen anderen englischsprachigen Songs hat es fast keinen gegeben. Nur einer hat die Million knapp überschritten.
Bei Spotify sind seine Mundart Songs beim Account Nemo(CH) zu finden. Die waren bis auf den Letzten alle recht erfolgreich. 3 waren Chart Hits, der letzte 2017. Nemo hat nie ein Mundart-Album veröffentlicht.. Von 2016 bis 2017 reichte sein 3-Hit Streak. Bis 2019 ging ‚der Abstieg‘. 2021 wurde es noch ein letztes Mal versucht. Ging aber schief.
Bis heute ~ 3,3 Mio Spoti-Streams für The Code in der Schweiz (davon 0,87 Mio in der Post- Siegwoche)…Immerhin noch immer, obwohl nur noch um Platz 190 herum, die Nummer 1 der Schweizer Acts, die in der Schweiz aber ja eh notorisch extrem chartirrelevant sind. Dort kommt ja seit Monaten kein einheimischer Song auf mehr als 60 TSD Plays die Woche (ausser Nemo, der aber nach Deutschland ausgewandert ist)…
Zumindest der Chartverlauf und die Rezeption bei Entscheidern der wichtigen Radiostationen entsprach bei ‚The Code‘ tatsächlich weitgehend dem von ESC Siegertiteln osteuropäischer Provinienz. Ist nicht schlimm, aber es ist so.
Es erstaunt mich, dass bei einer im Grunde nichtssagenden Dorf-Veranstaltung ein Profi-Fotoverbot ausgesprochen wurde. Muss man bissl die Nase drüber rümpfen. Aber ernsthaft: who cares..Adele hat ein Ebensolches auch verhängt, was vom deutschen Journalistenverband scharf kritisiert wurde. Könnte man sich hier vllt ein Beispiel dran nehmen.
Glaube die nächste Single muss ganz dringend iwas in Deutschland einfahren, sonst droht schon bald der Stecker-Zug bei seinem Label. Vielleicht kann er mit einem/r wirklich starken Kollabo-Partner/in in zweiter Reihe noch das auslaufende Restwellchen reiten.
Europatour? Würd mal sagen: erstmal noch mehr Leistung bringen in Form neuer ‚guter‘ Songs und Videos. Da hapert es leider. 35,20€ kosten die Karten in Deutschland, in Venues, die je um die 1000 bis 1500 Personen fassen können. Das ist immerhin so teuer, wie deutsche Acts, die schon zahlreiche Charthits hatten (zb 01099, T-Low, Lune, oder Edo Saiya im Huxleys, Berlin..). Michael Schulte kostet dort nen 10er mehr.
35 € ist aber quasi am untersten Rand, der in den besagten Venues für Konzerte verlangt wird.
Der Werbetext zum Konzert im Huxleys liest sich amüsant. „mit dem ESC-Sieg die Grundlage für eine weltweite Karriere gelegt“.
Bin mal gespannt, ob die Buden voll werden.
Offensichtlich versteht Nemo nicht, dass Künstler und Medien in einem Boot sitzen und das ganze Spiel der Öffentlichkeitsarbeit immer ein Geben und Nehmen ist. Divenhaft die Medien zu verprellen nur weil man mal seine 15 Minuten Ruhm hatte ist jedenfalls vorsichtig formuliert nicht besonders schlau. So kann man sich unmöglich in der Showbranche etablieren. Ich verstehe auch nicht, wieso ein ESC-Sieg und Engagement für Nicht-Binäre das rechtfertigen sollen?!? Mal ehrlich, das interessiert doch höchstens den harten Kern der Fans, also eine verschwindend kleine Personenzahl.